Zwar erschien dieser Tage mit All mine enemys whispers – The story of Mary Ann Cotton auch ein neues Album in der inzwischen weit über 25 Jahre andauernden Laufbahn von Attrition, dennoch lässt Mastermind Martin Bowes sich es nicht nehmen, weiterhin nach und nach auch den Back-Katalog wieder zu veröffentlichen und somit auch neueren Hörern zugänglich zu machen. Mit 3 arms & a dead cert, das ursprünglich im im Jahr 1996 veröffentlicht wurde und somit auch schon seine 12 Jahre auf dem Buckel hat, wird nun ein weiteres Album neu aufgelegt, bei dem man nicht übertreibt, wenn man ihm so etwas wie Schlüsselqualitäten in Sachen düsterem Elektro zuspricht.

Düsterer Elektro, das ist immer so einfach gesagt. Hört man sich durch die Werke von Attrition, so kann man bereits anhand dieser einen Gruppe bemerken, wie weit dieser Rahmen gesteckt ist. Dennoch haben Attrition immer etwas Typisches in ihrer Musik, was sie unverkennbar und eigen macht. So ist es auch auf 3 arms & a dead cert, das etwas weniger experimentell und dafür zielstrebiger ausfällt als manch anderes Werk der Gruppe, dennoch aber weit weg von schwarzem Einheitsbrei ist. Im Mittelpunkt stehen hier ausgefeilte elektronische Arrangements (und auch wenn der Begriff hier etwas relativiert wurde: experimentell ist es auf seine Weise immer noch) als digitaler Part und vor allem – wie so oft – die Violine als analoger Konterpart, wenn man es so nennen will.

Die Musik lebt von der dunklen Elektronik von Martin Bowes, die etwas Unheimliches, Mysteriöses in sich hat und es damit vermag, den Hörer zu packen, neugierig zu machen. Man hört an diesen Klängen erneut, warum Attrition eine Pionier-Rolle in dieser Musik zugeschrieben bekommen: Auch aktuelle Acts in diesem musikalischen Großbereich könnten hier noch von lernen. Zu diesen eingängigen und doch experimentellen Klängen gesellt sich Julia mit eingängigen Violinen-Harmonien und einer oft sehr hohen, sehr klassischen Stimme. Die Stimmen sind ein weiterer Teil, der dieses Album ausmacht: Der tiefe Gesang Julias und die hohe – oft unheimliche – Stimme Martins ergänzen sich hier prima.

Betrachtet man dann noch einmal die Tatsache, dass dieses Album eigentlich aus dem Jahr 1996 ist, so erstaunt man: Die Musik ist wirklich zeitgemäß. Würde man das Wissen um das Erscheinungsjahr nicht haben, könnte man sie auch für sehr aktuell halten. 3 arms & a dead cert ist somit ein wirklich ausgereiftes Album, das Freunden düsterer Elektro-Klänge gut gefallen könnte. Vor allem denjenigen, die mit der aktuellen Club-Landschaft mitunter weniger anfangen können und sich eher zu Gründervätern wie Throbbing Gristle und Coil hingezogen fühlen, dürfte diese CD eine angenehme Horizonterweiterung sein.

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Homepage: www.attrition.co.uk
MySpace: www.myspace.com/danteskitchen

Text: Marius Meyer