Alte Schätze Marius, 07.12.2007
Attrition – Etude
Nachdem auf dieser Seite bereits die Wiederveröffentlichungen von The Eternity LP und This Death House besprochen wurden, geht es nun weiter mit dem Reigen der Wiederveröffentlichungen von Attrition. Diesmal auf dem Programm: Etude aus dem Jahr 1997. Und hier haben wir es mit einer gänzlich andersgearteten Veröffentlichung zu tun, denn statt der Elektronik geht es auf diesem Werk durchweg klassisch-avantgardistisch zu. Martin Bowes hat sich hierfür mit dem Klassikmusiker Franck Dematteis zusammengetan, der neben seiner Tätigkeit in der Oper Paris auch ein langjähriger Bewunder von Attrition ist.
Wo auf anderen Werken eigenwillige Elektronik Mittel- und Angelpunkt herstellt, dominieren auf Etude durchweg die Streicher. Hinzukommt an Instrumenten höchstens mal ein wenig dezente Perkussion und etwas Orgel. Was dabei wichtiger ist: Die eingängige und berührende Stimme Julia Niblocks, die auf dieser Veröffentlichung beweist, dass sie auch in einem klassischen Rahmen perfekt mit der Musik zu harmonieren versteht. Doch es ist nicht nur die Stimme, die den markanten Attrition-Stil erkennbar macht. Nein: Auch die Arrangements sind trotz ihrer von sonst abweichenden Instrumentierung klar als Attrition-Stücke zu erkennen. Kommt die Eigenwilligkeit und Eigenheit sonst aus den elektronischen Spielereien, werden die ganz eigenen Songstrukturen dieses Mal trotz klassischer Elemente gut beibehalten. Die Kompositionen bleiben avantgardistisch. Und gekonnt.
Auf diese Weise gelingt der Gruppe um Martin Bowes auf diesem Werk eine gute Mischung aus klassischer Kammermusik mit avantgardistischer dunkler Elektronik. 13 Titel aus dem Material, das Attrition bis 1997 bereits veröffentlicht hatten (was bereits zu diesem Zeitpunkt eine beachtliche Menge darstellte), wurden für Etude im klassischen Rahmen neu arrangiert. Entstanden ist eine interessante Zusammenstellung, die sicherlich auch den einen oder anderen Klassikhörer begeistern könnte. Die einzige Gefahr bei dieser Art der Umsetzung der sonst elektronischer geprägten Klänge von Attrition ist, dass es auf Dauer etwas eintönig wirkt. An der Qualität ändert das aber sicherlich nichts. Zwar ist dies nicht unbedingt das beste Werk der Gruppe, aber gelungen ist auch dies und vor allem ist es interessant. Und zwar einer dieser Fälle, wo das Wort „interessant“ auch wirklich positiv gemeint ist.
Homepage: www.attrition.co.uk
MySpace: www.myspace.com/danteskitchen

Text: Marius Meyer