Alte Schätze Marius, 07.04.2008
Attrition – In the realm of the hungry ghosts
Attrition. Eine lange Geschichte. Das wissen wir ja nun schon aus diversen Rezensionen auf dieser Seite. Und eine lange Geschichte bringt natürlich für gewöhnlich auch eine lange Diskographie mit sich, wenn es sich um die Geschichte eines Musikers oder einer Band handelt. Gerade weil diese Geschichte und somit auch die Diskographie so lang ist und längst nicht mehr alle Originalausgaben erhältlich sind, arbeitet Martin Bowes wacker den Back-Katalog auf und veröffentlicht mit In the realm of the hungry ghosts nun das fünfte Attrition-Album wieder, das ursprünglich bereits im Jahr 1986 erschienen ist und experimentellen Elektro beinhaltet.
Das Album besteht zu weiten Strecken aus collagen-artigen Elektro-Stücken, die vor allem von ihrer Atmosphäre leben und oft so etwas wie ein Soundtrack-Feeling dadurch entstehen lassen. Sphärische Klänge bauen sich auf, meist mit einer ziemlichen enthaltenen Kühle, die den Hörer vor allem dadurch berühren, dass sie etwas Schauderliches an sich haben. Zwar haben alle Titel an sich relativ normale Titellängen, dennoch wird gerne mal mit dem Song-Format gespielt, so dass zwar Anfang und Ende klar festzustellen sind, das was dazwischen passiert, aber in Füllungsfreiheit geschieht. So ist die Musik nicht nur düster, sondern oft auch Verstörend.
Begegnet bei Attrition oft die Violine als ein sehr harmonie-führendes Instrument, so bleibt sie diesmal aus. Dies erscheint allerdings auch nur allzu logisch, denn Harmonien finden sich hier nicht gerade herausragend viele auf dem Album. Eher stehen die Atmosphären im Vordergrund, die aus der Elektronik kommen und gelegentlich auch durch schleifende Synthesizer untermauert werden. Nur an einer Stelle wird aus diesem Korsett ein wenig ausgebrochen: Der Titel The Beginning Of The End wirkt auf diesem Album ungewöhnlich. Er stellt ein sehr treibendes Stück tanzbaren Elektro dar, fügt sich aber dennoch gut ins Gesamtbild ein, da er eine insgesamt nach wie vor verstörende Atmosphäre mit sich bringt.
Insgesamt ist das Album durchaus gelungen. Allerdings lässt sich nicht verschweigen, dass Attrition auch weitaus stärkere Alben haben, so dass dieses hier zwar gelungen ist, aber sicherlich nicht unbedingt ein repräsentatives Attrition-Album ist, sondern sich einfach nur gut in die Diskographie einreiht und dort seinen würdigen Platz hat. Nicht mehr, aber eben auch nicht weniger. Schlecht ist es absolut nicht, gut hörbar auch, nur eben nicht eines der Alben, die man zu den wirklich herausragenden zählen würde.
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Homepage: www.attrition.co.uk
MySpace: www.myspace.com/danteskitchen

Text: Marius Meyer