Alte Schätze Marius, 31.10.2008
Attrition – The Jeopardy Maze
Seit über einem Jahr ist Martin Bowes inzwischen dabei, den Back-Katalog seines Projekts Attrition aufzuarbeiten. Und wenn man weit über 25 Jahre mit einem solchen Projekt aktiv ist, kommt da schließlich so einiges zusammen, so dass damit zu rechnen ist, dass die Aufarbeitung und Wiederveröffentlichung des Back-Katalogs dem geneigten Hörer noch eine Weile Freude bereiten wird. Im Reigen der aktuellen Re-Releases ist jetzt das Album The Jeopardy Maze dran, das im Jahre 1999 erstmals erschien und bis heute das meistverkaufte Album der Gruppe ist. Erschien es damals über Trisol in Europa und Projekt Records in den USA, wird die Wiederveröffentlichung nun komplett über das eigene Label Two Gods Recording vertrieben.
War Attrition eigentlich die meiste Zeit als Elektro-Projekt bekannt, das häufig mal zur Violine griff, so ändert sich da auch auf The Jeopardy Maze nicht viel dran. Allerdings war gleichermaßen stets viel Varianz im elektronischen Spektrum der Gruppe drin, so dass man eigentlich immer gespannt sein konnte, wo die Reise hingehen sollte. Auf The Jeopardy Maze geht der Trend zu treibenden Elektro-Stücken mit einer hypnotischen Komponente, die insgesamt durchaus auf die Tanzfläche zielen. Die Besetzung wurde auf diesem Album ein wenig erweitert, so dass zu dem Grundtrio aus dieser Schaffensperiode – namentlich Martin Bowes (Texte, Gesang, Elektronik), Julia Waller (Gesang) und Franck Dematteis (Violine) – ergänzend die Namen Sister Teresa (Spoken word), Joanne (zusätzlicher Gesang) und Mark Beswick (Gitarre) aufgeführt werden. Und an dieser Besetzung lässt sich auch schon gut ablesen, wo die Reise hingeht: Die ausgefeilten Elektro-Arrangements werden oft angereichert durch Violine, dezenten Gitarren-Einsatz und wechselnde Gesangsstimmen. Das ist zwar weniger experimentell, als es öfter mal bei Attrition der Fall war, aber auch die geradlinigen Kompositionen stehen der Gruppe und wissen zu gefallen.
Man muss sich dennoch aber eingestehen, dass man an einigen Ecken und Enden auf dem Album den Eindruck hat, als wäre die Luft mal raus gewesen. Das Album ist keineswegs schlecht, jedoch dauert es ein wenig, bis es wirklich aus den Startlöchern kommt. Fließen die ersten zwei bis drei Stücke noch ein wenig unbemerkt vorbei, wird es erst danach wirklich gut. Nicht, dass die ersten Stücke schlecht wären – von Attrition jedoch ist man besseres gewöhnt. Leider schleicht sich dieser Eindruck auch zwischendurch gelegentlich ein, weshalb dieses Album nicht zu den besten von Attrition gezählt werden kann. Und doch ist es ein gelungenes Elektro-Album, von dem sich auch heute noch viele eine Scheibe abschneiden können. Müsste man vergleichen, so lässt sich (auch durch die Cover-Ästhetik) eventuell die eine oder andere Parallele zu Die Form ziehen. Aber generell ist das Album – wie immer bei Martin Bowes – durch und durch Attrition. Und so sollte es ja auch sein!
Weitere Artikel
Rezension: Attrition – At the Fiftieth gate
Rezension: Attrition – All mine enemys whispers
Rezension: Attrition – 3 arms & a dead cert
Rezension: Attrition – In the realm of the hungry ghosts
Rezension: Attrition – Etude
Rezension: Attrition – This Death House
Rezension: Attrition – The Eternity LP
Homepage: www.attrition.co.uk
MySpace: www.myspace.com/danteskitchen

Text: Marius Meyer