Alte Schätze Marius, 06.12.2007
Attrition – This Death House
Bevor im frühen 2008 ein neues Werk von Attrition erscheinen soll, auf dem mit Personen wie Emilie Autumn auch so einiges an Prominenz mitwirkt, ist Martin Bowes dieser Tage erst einmal eifrig dabei, den Back-Katalog noch einmal für neue Hörerschichten unters Volk zu bringen. Dabei ist auch dieses Album mit dem Untertitel Incidental musics volume 1 ein weiteres Mal dabei, das im Jahre 1982 ursprünglich nur auf Tape erschien und über die Jahre in verschiedenen Formaten sporadisch wiederveröffentlicht wurde. Nun also auch auf CD. Ein Blick auf die Rückseite verwundert: Nur zwei Titel, dafür beide über 20 Minuten lang.
Bei den ersten Tönen von Crawling wird bereits klar: Wir haben es hier mit düsterem Ambient zu tun. Und beinah genau so schnell wird klar: Wir haben es hier mit wichtigen Vorreitern des heutigen Ambient zu tun. Vergleicht man dies mit den heutigen Klängen so fällt auf, dass viele das Niveau von damals auch heute nicht erreichen. Martin Bowes produziert wabernde Klangsphären, die konsistent vor sich hin fließen, dröhnen, Klangmanipulationen einfließen lassen und auf ganzer Linie unvorhersehbar wirken. Um es mit einem Paradoxon zu verdeutlichen: Dafür, dass nicht viel passiert, passiert hier eine ganze Menge. Das, was man zunächst als Fließen oder gar Plätschern vermuten könnte, ist in Wirklichkeit eine packende Kulisse, bei der man kaum merkt, das die über 23 Minuten schon wieder fast vorbei sind.
Vom Grundprinzip her klinkt der Folgetitel Dead Of Night sich gut in den Reigen ein. Nur dass diesmal ein ganz anderes Grundmotiv und ganz andere störende Einflüsse dazu kommen. Eine kalte Atmosphäre, entfernt an Sirenen erinnernde Klangmanipulationen und unvorhersehbare Rhythmen mit Hang zur bewussten Atonalität vereinen sich auch hier zu einer faszinierenden Klangkunst (dieser Begriff ist hier eher passend, da „Lied“ im klassischen Sinne des Wortes wohl unangebracht wäre).
Wie schon erwähnt: Attrition haben eine wichtige Vorreiterrolle. Warum sie diese haben, manifestieren sie bereits auf ihrem ersten Album This Death House, das hiermit nun erneut vorliegt. Es wäre auch zu schade gewesen, ein solches Album einfach in der Versenkung verschwinden zu lassen. Attrition werden absolut zu Recht oft in einer Reihe mit anderen Gründervätern wie beispielsweise Coil genannt. Und vor diesem Vergleich müssen sie sich garantiert nicht scheuen! Ein wichtiges Werk in Sachen Grundlagenforschung. In diesem Sinne: Respekt!
Homepage: www.attrition.co.uk
MySpace: www.myspace.com/danteskitchen

Text: Marius Meyer