John Watermann - Calcutta Gas Chamber Alles, nur keine leichte Kost ist es, was diese im Hause Cold Spring wiederveröffentliche CD von John Watermann darstellt. Es handelt sich um ein zum ersten Mal im Jahr 1993 veröffentlichtes Konzeptalbum, das – wie bereits der Titel andeutet – den Horror einer Gaskammer darstellen soll. Die Darstellung erfolgt auf dieser Veröffentlichung in insgesamt acht experimentellen Kompositionen, die mit intensiven Klangbildern auf einer Länge von knapp 57 Minuten ihre Wirkung beim Hörer nicht verfehlen. Geräusche, Frequenzen und Samples geben sich die Klinke in die Hand und formen sich zu einer tiefgehenden Geräuschwelt, die der Thematik gerecht wird.
Die Gaskammer in Kalkutta wurde Ende 1989 geschlossen, John Watermann besuchte sie - wie er im Begleittext zur CD darlegt – am siebten Juli 1990. Da es ihm erlaubt war, bei diesem Besuch Ton-Aufnahmen zu machen, die er für diese Veröffentlichung als Grundlage nahm und somit ein hohes Maß an Authentizität auf Calcutta Gas Chamber präsentieren kann. Von der Titelgebung her laufen die Stücke alle unter dem Titel Shudder Project und sind lediglich von „First“ bis „Eigth“ durchnummeriert, was den Charakter eines Gesamtwerks untermauert.
Ziel ist es also, durch die elektronischen Klänge bestimmte Vorstellungen beim Rezipienten hervorzurufen. Dies gelingt John Watermann durchweg auf eine ansprechende Art und Weise. Bereits am Anfang begegnen knirschende Geräusche, immer mal von dumpfen Klängen unterbrochen, die beispielsweise an das Entriegeln von Türen erinnern. Es ist schwer, bei den Klängen wirklich Orte zu lokalisieren und Tätigkeiten auszumachen, aber die grausame Vorstellung des maschinell herbeigeführten Todes zieht sich wie ein roter Faden in diversesten Ausdifferenzierungen durch das Gesamtwerk.
Die Klänge sind harsch und dabei häufig verstörend. Sie leben von den Aufnahmen, die Watermann bei seiner Besichtigung 1990 gemacht hat und von elektronischen Manipulationen. Raue, harte elektronische Klänge, wie man sie vom Industrial gewohnt ist, formen hier ein Klangbild, das man beinah als elektronisch geprägte Programm-Musik bezeichnen könnte. Die Genre-Bezeichnung „Industrial“ wäre hier allerdings etwas zu eng angelegt – neben der klassischen Songstruktur wurde auch der Rahmen des „Industrial“ hier gesprengt, was auch Cold Spring dazu bewogen hat, diese Veröffentlichung lediglich mit dem schwammigen Begriff „Experimental“ zu belegen.

John Watermann ist mit Calcutta Gas Chamber ein ansprechendes Gesamtwerk gelungen, das beim Hörer eine seltene Intensität erreichen kann. Voraussetzung zum Hören ist allerdings ein starkes Nervenkostüm: Nicht nur die Klänge an sich sind hart, sondern auch die zugrunde liegende Thematik sind nichts für schwache Nerven. Wer sich auf diese CD einlässt, könnte daran aber durchaus seine Freude haben. Empfehlenswert!

Label-Homepage: www.coldspring.co.uk

John Watermann - Calcutta Gas Chamber

Text: Marius Meyer