The Beatles - The White Album Jeder, der auch nur annäherend mit Rock-Musik zu tun hat, kommt an den Beatles nicht vorbei. Das ist wohl eine unbestrittene Tatsache. Die Meinungen über die Musik der Beatles gehen weit auseinander und treiben komische Knospen, man denke nur an die recht lächerliche Frage Beatles oder Stones?, das Vermächtnis der Beatles ist aber schlichtweg zu groß, um es zu ignorieren. Vermutlich dürfte auch nur ansatzweise musikalisch interessierte Haushalt in irgendeiner Weise etwas dieser Gruppe besitzen – sei es auch nur eine der unzähligen Best Of-Compilations. Hier beginnt allerdings dann auch das Problem: Großen Einfluss auf die Musik-Szene üben die Beatles vor allem jenseits dieser Ich bin ein großer Musikliebhaber und habe eine Beatles Best Of-Zusammenstellungen aus. Das an dieser Stelle zu behandelnde weiße Album – eigentlich nur The Beatles betitelt – gibt da eine Menge Aufschluss.
Im Vordergrund stehen in den 90 Minuten der Doppel-CD vor allem eingängige Rockmusik und ein leichter Hang zum Experiment. Die Gitarren treiben bereits im Opener Back in the U.S.S.R schnell los und es wird gelungener Rock’n’Roll zelebriert. Es folgt: Ein sehr abwechslungsreiches Programm. Stark sind wie bereits erwähnt die sehr rockigen Stücke. Sie sind von den weichgespülteren (wobei dieses Wort hier keine negative Konnotation, sondern nur vergleichenden Charakter besitzt) sogenannten Hits wie She Loves Me weit entfernt und bieten ein Programm, das heutzutage eher in einer Indie-Tradition angeführt werden könnte. Stimmlich scheint John Lennon hier teilweise an die Grenzen seines Machbaren gegangen zu sein, was vor allem in Helter Skelter sehr auffällig wird.
Es geht allerdings nicht nur wild zu, sondern auch mal ruhiger. Zum einen in balladesker Weise, zum anderen aber oft auch grenzwertig psychedelisch. Dear Prudence bietet zum Beispiel ein ruhiges Stück Musik, das leicht trance-artig (französisch, nicht englisch gesprochen!) daherkommt und einen sehr verträumten Gitarrenlauf bietet. Die weniger psychedelischen und dennoch balladesken Stücke wie Sexy Sadie und vor allem das wunderschöne Stück Julia bestätigen weiterhin den Verdacht, dass das Beschränken der Beatles auf einige bestimmte bekannte Stücke und Alben schlichtweg als falsch zu bezeichnen ist.
Das wohl verstörendste Stück des Albums ist wohl die 8:22 Minuten lange Collage Revolution 9, das aus gesampleten Fragmenten von Menschenansammlungen, Radiomitschnitten und anderen Geräuschen besteht und nicht wirklich die Bezeichnung „Song“ verdient hätte, dafür aber ein interessantes Dokument ist. Eben für diese anderen Beatles.

Was bleibt hinterher? Die Feststellung, dass dieses Album ein wahrer Meilenstein ist und wohl vor allem für die Independent-Szene von maßgeblicher Bedeutung ist. Ohne dieses Album dürfte der heutige BritPop in seinen verschiedenen Ausformungen kaum denkbar gewesen sein. Außerdem zeigt es auf beeindruckende Weise, dass die Beatles vielseitiger sind, als sie zumeist (unter maßgeblicher Mitwirkung gängiger Medien) gemacht werden. Prädikat: Must have!

The Beatles - The White Album

Text: Marius Meyer