Interviews & Vorberichte Marius, 19.01.2007
Alexander Veljanov spricht…
Im Februar dieses Jahres werden Deine Lakaien auf eine besondere Tour gehen, die in dieser Form einmalig ist: Gemeinsam mit der Neuen Philharmonie Frankfurt werden sie in orchestrierter Form auf 20 Jahre electronic avantgarde-Tour gehen. Grund genug, einmal ein Gespräch mit Alexander Veljanov zu führen, der die Hintergründe der Tour im Interview vom 19.01.2007 darlegte und außerdem einen kleinen Ausblick auf das gab, was es von Deine Lakaien in nächster Zeit zu erwarten gibt. Zusätzlich zu dem Interview finden sich in dem Vorbericht auch die kompletten Tourdaten sowie einige weitergehende Informationen.
Frage: Woher kam die Idee zu der Tour und wie kam die Zusammenarbeit dann im Endeffekt zustande?
Die Idee, mit einem Orchester zu arbeiten, stand schon länger im Raum. Ein Jubiläum ist natürlich auch immer ein schöner Anlass, hat was Besonderes. Es hat sich dann doch als etwas komplizierter herausgestellt als wir dachten, was das Organisatorische betrifft. Sprich: Die Agentur zu finden, die die Hallen bucht. Das Orchester zu finden war weniger schwierig, wir hatten da einige Kandidaten und Empfehlungen. Letztendlich haben wir uns dann für die Neue Philharmonie Frankfurt entschieden, die wir näher kennen gelernt haben, vor allem den Leiter, der sich als Lakaien-Kenner und Bewunderer herausgestellt hat, was natürlich ein sehr glücklicher Zufall ist, dass man sich nicht einfach nur ein Orchester mietet, sondern tatsächlich Leute findet, die das als interessantes Projekt sehen.
Frage: Wie war das mit einem Orchester zusammenzuarbeiten so von der Arbeitsweise her?
Bisher haben wir ja noch nicht zusammengearbeitet. Die Stücke werden erstmal einstudiert. Die gemeinsamen Konzertproben mit dem Orchester kommen dann noch.
Frage: Es gab also noch gar keine gemeinsame Probe?
Nein, gemeinsam bisher noch nicht. Erst einmal probt jeder für sich. Da so ein Orchester natürlich auch viel beschäftigt ist, muss man das genau planen. Sinnigerweise beginnt man dann einige Tage vor der Generalprobe. Also direkt vor dem Konzertstart.
Frage: Aber es wird dann schon noch einmal in Vollbesetzung geprobt?
Ja, natürlich. Das wäre schon sehr gewagt, wenn man es nicht in voller Besetzung probt. Es muss ja auch dirigiert werden und alles. Also, ganz klassisch wird das dann geprobt.
Frage: Was für eine Publikumsbesetzung erwartet ihr? Eher Hörer Eurer Musik? Eher Klassikhörer im Allgemeinen?
Ich denke schon, dass der Großteil der Zuschauer unser Publikum sein wird, das uns auch bei anderen Konzerten besucht. Aber darüber hinaus – wie man auch an den Vorverkäufen und dem Interesse sieht – wird es natürlich auch Leute geben, die uns erstmalig entdecken. Gerade Leute, die weil wir mit der Neuen Philharmonie Frankfurt spielen oder weil wir zum Beispiel in der Liederhalle in Stuttgart oder dem Gewandhaus in Leipzig spielen darauf aufmerksam werden und sich für das Konzert interessieren. Da kommen sicherlich auch die einen oder anderen Zuschauer hinzu, die mit einer Alternative-, Goth-, Wasauchimmer-Szene nichts zu tun haben und trotzdem durchaus gute Musik aus der Richtung schätzen können.
Frage: Meint Ihr denn, dass der reine Klassikhörer mit dem Konzert auch etwas anfangen können wird und Begeisterung empfinden kann?
Wenn er nicht engstirnig ist, sicherlich. Klar, warum nicht? Das haben wir ja erlebt, dass auch unsere Akustik-Konzerte Leute begeistert haben, die mit der Band Deine Lakaien vorher nichts anfangen konnten und mit dem so genannten Genre Alternative Music oder Dark Wave nicht vertraut waren oder es gar nicht kannten. Ein schönes Beispiel war vor kurzem Sankt Petersburg: Wir hatten eine Einladung von der Philharmonie dort bekommen. Die Leiterin hat uns persönlich für das Konzert gedankt, da wir das erste nicht klassische Ensemble in diesem Haus waren. Also: Wir können doch einige Grenzen mit der Musik niederreißen. Das ist einer der schönsten Aspekte der 20 Jahre und der damit verbundenen Arbeit.
Frage: Was kann der Hörer ganz allgemein gesehen erwarten? Es ist ja schon was Besonderes vom Anlass und der Durchführung her.
Ein Konzert mit Orchester bedeutet natürlich auch den entsprechenden Aufbau. Musikalisch erwartet ihn eine Zusammenstellung aus allen Phasen der Arbeit von Deine Lakaien, von der allerersten Produktion bis zur Neuesten. Dann natürlich das Experiment, ein Orchester nicht als reinen Zuckerguss zu verwenden, so wie das viele machen, dass sie die Musik dadurch einfach nur feierlich klingen lässt, indem man Streicher wie einen Tortenguss verwendet, sondern wir tatsächlich versuchen, mit unseren künstlerischen Mitteln und dem Klangkorpus Orchester einen wichtigen Teil unserer Musik, die wir sonst im Studio elektronisch erzeugen, zu ersetzen und zu ergänzen.
Frage: In der Ankündigung stand etwas von einem eigens von Euch mitgebrachten Bühnenaufbau. Was kann man da erwarten, was bietet dieser Bühnenaufbau Besonderes?
Es ist halt ein Aufbau, der ein Orchester enthält. Insgesamt eine stimmige, optische Einheit. Das zu beschreiben ist etwas schwierig, aber man wird es dann am Abend des Konzertes sehen.
Frage: Im Nachbericht bei mir soll es dann um Leipzig gehen, daher eine Frage zu diesem Konzert… Warst Du privat schon einmal im Gewandhaus und kannst Dir dementsprechend etwas darunter vorstellen?
Persönlich war ich im Gewandhaus noch nie. Ich weiß aber viel um das Haus, zum Beispiel, dass es eins der legendärsten Häuser in Deutschland ist. Die Akustik muss hervorragend sein, der Ruf ist hervorragend. Es ist uns eine Ehre, dort spielen zu können. Dass das Konzert jetzt schon – Wochen vor Tourstart – ausverkauft ist, ist natürlich das Sahnehäubchen schlechthin.
Frage: Ist es das erste ausverkaufte Konzert? Wie steht es um die anderen Konzerte? Gibt es einen Zwischenstand, wie es um die Ausverkauftheit steht? Erwartet Ihr weitere ausverkaufte Konzerte?
Leipzig ist das erste ausverkaufte Konzert. Es kommt ansonsten drauf an. Die Arenen sind natürlich unbeschränkt groß. Da gibt es kein Limit, außer man verkauft 5000 Tickets, was für uns natürlich utopisch ist. Aber die Verkaufszahlen im Vorverkauf sind sehr gut und wir rechnen bei der Tour neben Leipzig auch noch mit dem einen oder anderen ausverkauften Konzert, zum Beispiel ist Frankfurt jetzt sehr nah am Ausverkauf, Stuttgart auch. Man wird es sehen. Auf jeden Fall sind wir sehr glücklich, dass die Tour belohnt wird. Es ist für uns auch eine Erleichterung, schon im Vorfeld zu wissen, dass dieses Projekt keine roten Zahlen schreiben wird.
Frage: Wie wird es um die Songauswahl stehen? Liegt der Fokus eher auf den alten Stücken oder wird es gar auch schon was Neues geben?
Was Neues gibt es nicht, aber es wird jede Periode in etwa gleichwertig vertreten sein, was die Anzahl der Stücke betrifft.
Frage: Kann man ansonsten schon etwas sagen, was das Kommende betrifft? Oder konzentriert Ihr Euch jetzt erst einmal voll auf die Orchester-Tour?
Erst kommt die Orchestertour, danach folgt eine Veröffentlichung mit dem Konzertmitschnitt zum Jubiläum. Einen Tourfilm wird es auch geben, außerdem – für die, die es haben wollen – eine große Box, die dann auch sehr viel Archivmaterial enthalten wird: Alte Aufnahmen, sämtliche Videoclips. Natürlich gibt es das Konzert dann auch als CD. Außerdem wird es Festivals und Auslandskonzerte geben, die dann allerdings ohne Orchester. Wir werden versuchen, der Nachfrage im Ausland gerecht zu werden und auch außerhalb Europas mal ein paar Konzerte geben. Lateinamerika ist seit langem geplant, sowie Asien, Japan, Australien. Es gibt vieles, was angepackt werden soll. Dann natürlich ein Studio-Album, aber wann das sein wird, kann man noch nicht wirklich sagen. Außerdem gibt es auch Solo-Arbeiten, ich werde auch ein neues Solo-Album fertig stellen.
Frage: Du hast gerade Festivals angesprochen… Gibt es da etwas, was man schon nennen kann? Irgendwas Spruchreifes für diese Saison?
Offiziell ist noch nichts bestätigt, aber es gibt viele Angebote.
Frage: Zurück zur aktuellen Tour: Habt Ihr selbst irgendwelche Erwartungen an die Tour, die es zu erfüllen gilt?
Wir hoffen, dass das neue Konzept, das wir präsentieren werden, überzeugend sein wird. Wir hoffen auch, dass es Spaß machen wird. Ich denke, das wird dann auch der Fall sein.
Frage: Was ist das für ein Gefühl, bereits im Vorfeld schon zu wissen, dass diese Tour eine einmalige Angelegenheit sein wird?
Es steigert die Konzentration auf das Gelingen noch mehr, weil man ja weiß, dass es eine einmalige Sache ist, in so einer Konstellation touren zu können und in diesen Häusern zu spielen. Klar, man konzentriert sich bestmöglich auf die Aufgabe und hofft, dass alles so gelingt, wie man sich das vorstellt und ist halt aufgeregt. Eine freudige Aufregung, gefüllt natürlich auch mit ein paar Befürchtungen, aber das gehört dazu. Wenn das nicht wäre, wäre vielleicht auch die Zeit überschritten.
Frage: Man hat also nach all der Zeit noch immer so etwas wie Aufregung, bevor man auf die Bühne tritt?
Ja, sonst wäre es schlimm. Das macht es auch spannend und ich denke, das gehört dazu, wenn man tatsächlich mit Überzeugung Musik macht und nicht einfach nur eine Geld-Zock-Maschine sein will. Es gibt ja Leute, die machen auch einfach nur Fließband-Musik und produzieren heute den, morgen den, also dieser ganze Casting-Kram. Das sind Menschen, die meiner Meinung nach seelenlose Musik machen und scheinbar nur in möglich viel Geld auf ihrem Konto oder durch möglichst viele goldene Schallplatten an den Wänden ihre Erfüllung finden. Aber für mich persönlich sind Konzerte und solche Herausforderungen, wo man das Publikum auch direkt als Kritiker am Abend erlebt, Hauptquellen, um weiter zu machen, um Freude zu haben, ja, um Energie zu tanken.
Frage: Habt Ihr allgemein ein Faible für solche einmaligen Geschichten? Ich erinnere mich dabei auch noch an das „Concert that never happened before“ im letzten Jahr…
Es ist spannend, immer wieder mal was anderes auszuprobieren. Das „Concert that never happened before“ war keine geplante Sache, das wurde uns eher angeboten, ob wir das mal machen wollten und wir dachten, das sei eine ganz schöne Idee. Und dann war es auf einmal so ein Knaller für die Leute, dass es fast schon Kultstatus erreicht hat.
Frage: In einem alten Interview meintest Du, Du magst es nicht so gern, wenn Leute bei einem solchen Orchesterkonzert aufstehen. Schließt Du da auch das Aufstehen im Sinne von „bei der Musik mitgehen“ ein?
Ich glaub, da ist etwas falsch verstanden worden. Vielleicht meinte ich damit, dass es bei einem Orchester-Konzert einfacher ist, das Publikum im Sitzen erleben zu können, weil man sich dann natürlich auch einfacher konzentrieren kann. Ich akzeptiere natürlich auch Leute, die sich zu unserer Musik bewegen.
Frage: Siehst Du dementsprechend das Sitzen bei dieser Geschichte als konstitutiv an? Oder meinst Du, es ist eher dem Publikum überlassen, wie es dann mit dem Dargebotenen umgeht?
Gut, ich denk mal, in einer Örtlichkeit wie dem Gewandhaus kommt man vielleicht gar nicht auf die Idee, sich da großartig zu bewegen während des Konzerts. Wir haben ja auch ein Zuhörer-Publikum. Es gibt ja auch Konzerte, die das Publikum im Stehen absolviert und trotzdem wogt die Masse nicht tanzend. Wir bedienen ja auch nicht unbedingt so die Partymusik. Zum Abtanzen geht man wohl eher nicht zu einem Deine Lakaien-Konzert, obwohl unsere Songs durchaus auch in den Clubs große Erfolge feiern und feierten. Es gibt ja doch viele Tanzhits auch von uns. Also jeder kann sich bewegen wie er will, da gibt es von meiner Seite keine Bedenken. (lacht)
Frage: Okay… Das war es mit Fragen von meiner Seite. Die obligatorische Schlussfrage noch: Gibt es irgendwas, was ich jetzt nicht gefragt habe, was Du zur Tour noch ergänzen wollen würdest?
Ich hoffe, dass den Leuten die Konzerte gefallen werden. So banal das jetzt klingt. Ich denke, die Erwartungshaltung ist groß, gerade in Leipzig, wo das Konzert nun schon Wochen vor Start ausverkauft ist. Ich denk, dass der eine oder andere das Geld ja auch erstmal zusammenkratzen musste, denn ganz so billig sind die Konzerte ja nicht, was natürlich auch an dem Aufwand liegt. Ich hoffe, dass keiner es bereuen wird, das Geld dafür ausgegeben zu haben und die Abende für jeden in Erinnerung bleiben als etwas Besonderes, etwas Schönes.

Die kompletten Tourdaten sind:
13.02.2007 – Frankfurt/Main, Alte Oper
14.02.2007 – Hannover, AWD Hall
15.02.2007 – München, Gasteig
17.02.2007 – Stuttgart, Liederhalle
18.02.2007 – Oberhausen, Arena
19.02.2007 – Berlin, Arena
21.02.2007 – Leipzig, Gewandhaus
Tickets gibt es online bei Eventim, unter der Hotline: 01805 160 130 (12ct./Min. im deutschen Festnetz) sowie an allen bekannten Vorverkaufsstellen.
Links:
Deine Lakaien: www.deine-lakaien.com
Neue Philharmonie Frankfurt: www.neuephilharmoniefrankfurt.de
Interview: Marius Meyer
Bilder: PR
20 Jan 2007, 11:18 am 1.Sabine Frölich…
Ich bin ein großer “Deine Lakaien” – Fan und fand demzufolge das Interview ganz wunderbar. Es hat einige meiner Fragen zur Tour beantwortet. Sehr sympathisch an Alexander Veljanov finde ich, dass er überhaupt nicht abgehoben wirkt und z.B. die Konzertpreise kennt. Kurz und gut: Ein schönes Interview und ich freue mich sehr auf das Konzert im Gewandhaus!
25 Jan 2007, 6:36 pm 2.dirk h.…
Habe auch ein klasse Interview mit Alexander Veljanov im Tagesspiegel gelesen.
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