Zwar ist die Veröffentlichung des aktuellen Albums Six nun schon eine Weile her, was Die Happy aber bereits auf ihrer Dezember-Tour 2008 angekündigt haben, wurde nun realisiert: Nach der Unplugged-Tour im Jahr 2004 ging es nun im Frühling 2009 erneut auf Unplugged-Tour. Beim Halt der Tour in Erfurt bot sich vor der Show die willkommene Gelegenheit, mit Marta und Ralph von Die Happy ein ausgiebiges Gespräch zu führen, bei dem es zum einen um die Akustik-Tour ging, zum anderen aber auch um das Publikum, die Situation im Musikbusiness, das Touren an sich und einiges anderes. Viel Spaß bei der Lektüre!

Als Einstieg gefragt: Ich hab zuletzt im März 2008 mit Thorsten geredet. Was ist seitdem passiert bei Die Happy?

Ralph: Das ist ja jetzt ein gutes Jahr her. Wir haben eine Platte veröffentlicht, unsere sechste, wir waren auf Tour, auf Tour, auf Tour, haben Festivals gespielt, geprobt für die Unplugged-Geschichte, die wir gerade machen. Wir sind einfach unserer Lieblingsbeschäftigung nachgegangen und haben Musik gemacht. Die Kombination aus Musik machen und arbeiten eben. Jeder hat Urlaub gemacht. Man sieht sich ja nicht regelmäßig, man sieht sich dann im Sommer öfter an Wochenenden. Unter der Woche schreibt auch jeder mal für sich zuhause Songs, dann gehen wir wieder auf Tour, da ist man wieder sehr sehr eng zusammen, dann hat man wieder Probephasen… Mit dem Album sind wir sehr glücklich gewesen, weil es uns wieder ein bisschen zurück in die Vergangenheit gebracht hat – das war zumindest der Ansatz. Und gechartet sind wir auch wieder… Das war also alles in allem sehr gut gelaufen.

Marta: Im Dezember haben wir unser Abschlusskonzert – wieder am 30.12. in Hamburg – in der Großen Freiheit gehabt und da unsere Live-DVD aufgenommen, die mit der Mehr-oder-Weniger-Best-Of-Platte zusammen in einem großen Fan-Package im Juli rauskommen wird.

Vom Touren haben wir ja jetzt schon geredet. Die Tour ist nun auch schon wieder fast vorbei…

Marta: …ja, morgen…

…wenn ihr jetzt ein erstes Resümee ziehen würdet: Wie war es denn?

Marta: Die Tour war unglaublich schön. Die ersten drei Tage, da war man immer noch nervös, weil wir drei Gastmusiker dabei haben und wir die Stücke wieder umarrangiert haben. Man ist dann ein bisschen nervös, weil man nicht weiß: Wie wird es dann letztendlich? Wie wird drauf reagiert? Dazu war noch das Wetter beschissen, es hat geregnet und war kalt und plötzlich ist es passiert: Die Sonne kam raus, wir haben tierisch viel Spaß auf der Bühne und sind wirklich im Ansatz schon traurig, dass es morgen wieder vorbei ist. Das ist unglaublich, wie schnell das vorbeigegangen ist, das Ganze. Wobei: Wir dürfen noch nicht vom Ende sprechen, wir haben ja noch zwei Konzerte.

Wonach habt ihr eigentlich ausgewählt, in welchen Städten ihr spielt? Ich fand im Tourplan haben ein paar – ich würde mal sagen typische Die Happy-Städte – gefehlt.

Marta: Das Ding ist: Wir waren im Dezember schon einmal auf einer großen Tour. Und wir waren letztes Jahr auf drei Touren. Du kannst nicht irgendwann zum vierten Mal, auch nicht zum zweiten Mal in einer Stadt spielen. Erstmal erlauben dir das die Veranstalter nicht, weil sie wollen, dass zum nächsten Konzert auch Leute kommen. Und wenn Dich irgendjemand gesehen hat vor drei Monaten, warum soll er wieder hingehen? Soviel Geld haben die Leute auch nicht, um sich ständig ihre Bands angucken zu können.

Ralph: Außerdem stehen wir ja für Gleichberechtigung. Sprich: Auf dieser Tour gehen wir in diese Städte, dann gehen wir auf der nächsten Tour mal wieder in die anderen Städte, damit sich hier keiner bevor- oder benachteiligt fühlen kann.

Aber das ist ja eine besondere Tour jetzt…

Ralph: Ja, das stimmt. Aber man kann natürlich auch nicht überall spielen. Deshalb wurde ausgewählt: Wo haben wir im Dezember gespielt? Was sind gute Einzugsgebiete? Dass man sagt: Wenn man in Ulm spielt, hat man auch das Einzugsgebiet Stuttgart noch ein bisschen. Dann haben wir noch Trossingen gespielt, das war dann auch Einzugsgebiet Bodensee und so. Wir versuchen das ja schon, ein bisschen aufzuteilen.

Marta: Was fehlt dir denn an Städten?

Beispielsweise Leipzig und Wilhelmshaven.

Marta: Ach so, ja gut. Na gut, dann sind wir halt in Erfurt. In Dresden waren wir auch nicht, das ist auch recht typisch. Aber in Leipzig waren wir ja auch im Dezember. Es wär schwierig eben, weil es wirklich kurze Zeit nacheinander ist. Das wird nicht so oft gemacht.

Das jetzt ist ja eine Akustik-Tour. Was ist der besondere Reiz daran, die Stücke dafür umzuarrangieren?

Marta: Es macht total Spaß, die eigenen Lieder umzubasteln. Dazu noch mit Klavier, weil wir das sonst ja nicht hatten. Plötzlich sitzt da so ein Mann am Klavier und spielt seine Melodien dazwischen. Außerdem noch der Percussionist. Wir haben ja drei Gastmusiker dabei. Das macht riesigen Spaß! Das ist, wie wenn man sich einmal im Jahr Anzug anziehen muss, dann zelebriert man das doch irgendwie. Wenn er gut passt natürlich, und gut sitzt.

Ralph: Also schön ist wirklich, die Songs, die man auf Festivals und auf Konzerten häufig spielt, einfach noch mal anders zu erleben. Das Ambiente ist anders, man ist mit mehr Leuten am Tourbus und so. Macht Spaß!

Lag der Fokus jetzt wieder auf den Stücken, die ihr sonst auch spielt? Oder wonach habt ihr ausgewählt?

Ralph: Naja, schon auch welche, die man sonst nicht so im Repertoire hat, um dann zu gucken: Sind diese Songs geeignet, sie unplugged zu machen? Es gibt einfach Songs, wo man sich gar nicht vorstellen kann, dass das funktioniert und sie funktionieren dann hervorragend. Es gibt aber auch Songs, die funktionieren unplugged zum Beispiel gar nicht. Da probiert man auch viel aus im Proberaum und am Ende sagt man: „Nee, das können wir jetzt nicht machen. Nehmen wir mal die nächste Nummer.“

Als Support ist Jake Roeder dabei. Wonach habt ihr ihn ausgewählt?

Marta: Er hat am besten zu uns gepasst. Wir haben das schon forciert, dass es eine One-Man-Band ist, die bei uns im Bus mitfährt, weil wir auch kein anderes freies Bett mehr haben. Als wir 2004 auf unserer ersten Unplugged-Tour waren, hatten wir eine One-Woman-Band und es war eine Frau mit Gitarre, das hat tierisch funktioniert.

Ralph: …außerdem hat er gute Songs! Das kann man ja heutzutage auf diesen ganzen MySpace-Seiten, die die Leute haben, sich ein Bild von machen. Kann sich die Songs anhören, kann sich die Bilder anschauen. Das ist ein cooler Typ! Die Songs sind natürlich maßgebend, inwiefern das zu einem passt. Und da war Jake Roeder super und er ist ein toller, cooler Typ, macht tolle Songs. Wir sind glücklich, dass er dabei ist.

Marta: Er ist auch lustig. Und er schnarcht nicht im Bus!

Ralph: Stinken tut er auch nicht!

Er fährt also auch mit bei euch im Bus?

Ralph: Genau!

Wie muss man sich das vorstellen bei euch auf Tour? Was passiert vor und zwischen den Shows? Als Zuschauer sieht man ja immer nur das auf der Bühne…

Ralph: Ja, das ist das große Mysterium, das dürfen wir jetzt natürlich nicht verraten, was da so alles passiert. (beide lachen) Es geht sehr sehr lustig zu und wir haben die ganze Zeit lustige Leute dabei. Unser Percussionist ist wirklich ein sehr sehr lustiger Typ, der nicht auf den Mund gefallen ist. Dann sitzt man halt im Bus, manchmal hat man erst morgens um sechs Abfahrt, dann kann man noch in die Stadt gehen und das ein oder andere Getränk zu sich nehmen. Manchmal geht man auch total früh ins Bett, manchmal guckt man Video zusammen, manchmal quatscht man mit Leuten…

Marta: …und trinkt Rotwein dabei…

Ralph: …genau, man trinkt ein bisschen Rotwein. Also das ist eigentlich sehr unterschiedlich.

Wieder direkter zu den Konzerten. Wenn man euer Publikum so anguckt: Wie würdet ihr selbst euer Publikum beschreiben? Gibt es so etwas wie ein typisches Die Happy-Publikum?

Marta: Nein, das ist nämlich auch ein Mysterium. Wir haben von ziemlich jung bis ziemlich erwachsen dabei. „Ziemlich erwachsen“ hab ich jetzt lieb gesagt, aber es gehen wirklich auch 50-, 60jährige zu unseren Konzerten. Gestern musste ich auch gucken. Ich dachte erst, der Papa ist anstandsmäßig wegen seiner Tochter da, plötzlich fing der Papa an, die Texte mitzusingen, hat mitgetanzt. Das ist sehr gemischt, das freut uns auch. Dadurch merken wir, dass unsere Musik vielseitig ist, dass es nicht nur irgendwelche Teenies anspricht oder nur alte Leute, die auf Balladen stehen, sondern dass es einfach alle möglichen Altersgruppen sind. Das finden wir gut.

Mein Eindruck ist, dass manchmal auffällig viele junge Mädchen im Publikum bei euch sind.

Ralph: Die kommen alle wegen mir!

Marta: Natürlich! Aber wir haben schon auch lesbisches Publikum.

Ralph: Also was wirklich Auffallendes gibt es auch gar nicht. Ich merk das selber, weil ich für das Merchandising zuständig bin. Wenn man sich vor der Tour sagt: Es kommt jetzt wahrscheinlich viel junges Publikum, wir brauchen T-Shirts in Größe S und Girlies und nachher wird das L-Shirt ausverkauft. Man kriegt so ein Gespür für das Publikum auch durch das Merchandising, durch die Shirts, die man verkauft. Das ist so unplanbar bei uns und dann sieht man wieder Leute um die 40 rum im Publikum, die haben dann ihre Töchter und Söhne schon dabei, die irgendwie gerade mal sieben sind. Dann auch diese Verrückten, die schon mittags vorm Nightliner stehen und Autogramme haben wollen, die einem alle hinterherreisen, die so 16/17 sind. Also das ist durchweg total unterschiedlich.

Ich dachte bei den jungen Mädchen daran, dass sie in dir vielleicht eine Art Vorbild sehen könnten….

Marta: Ach, das wäre schön. Aber ich kann sagen: Bei Revolverheld zum Beispiel stehen viel mehr junge Mädchen da. Also da ist jetzt nicht die Überhand an Mädchen, würde ich sagen.

Generell: Wenn man das mit der Vorbildfunktion ein wenig weiterführt… Wie würdet ihr eine Vorbildfunktion von Musik sehen? Es taucht ja vor allem immer wieder in eher nicht so feierlichen Zusammenhängen dann auf, wenn man bestimmte Musik ranholt. Das ist zwar bei euch vielleicht nicht so der Fall, aber wie seht ihr das allgemein mit Musik und Verantwortung?

Ralph: Man hat auf jeden Fall eine Verantwortung, wenn man auf der Bühne steht. Ich mach mir da gar nicht so wahnsinnig viele Gedanken. Ich persönlich versuche, das Leben so zu leben, dass ich keinen anpiss, dass ich da nichts wahnsinnig Schlimmes mache, dass ich im Einklang mit meinen Mitmenschen lebe. Und wenn ich das auf der Bühne auch bin, dann hab ich kein Problem damit, wenn ich Vorbild bin, weil ich mit mir selbst im Reinen bin. Die Verantwortung hat man natürlich auch, aber das ist jetzt keine Belastung. Für mich ist es keine Belastung, als Vorbild oder so wahrgenommen zu werden. Das ist für dich als Frontfrau vielleicht noch mal anders.

Marta: Musikalisch ist es für mich erstmal wichtig, dass wir gut spielen. Dass wir denen da draußen zeigen, dass wir nicht nur so da stehen. Wir stehen da, obwohl wir keinen Vitamin B hatten oder keine berühmten Eltern hatten, die uns geholfen haben. Ich war in keinem Playboy dieser Welt. Und trotzdem ist mir immer ein Bedürfnis, den Menschen zu zeigen, dass wir wirklich musikalisch eine gute Band sind, die einfach zusammenspielt, die sich zudem blendend versteht. Das klappt jetzt auch mit den drei Extra-Musikern. Als Verantwortung: Ich sag auch manchmal Worte da draußen, die man in der Schule als Lehrerin vielleicht nicht unbedingt sagen würde, aber ich glaube, das Wichtigste an uns, was wir vermitteln – das machen wir glaub ich wirklich gut, da wir viel Feedback von unseren Fans haben – ist, dass wir wirklich viel positive Energie verbreiten und positive Weltsichtweisen, sehr viel Freude. Politisch wollten wir nie sein, weil wir keine großen politischen Denker sind, nur um den Leuten irgendwas zu erzählen, damit sie denken: „Oh, wir sind eine politische Band, wir machen Zeichen.“ Das überlassen wir lieber denen, die sich wirklich auskennen. Ich glaube, Freude zu verteilen, Lebensfreude zu verteilen, ist mir persönlich sehr wichtig. Dass die Leute nach Hause gehen und sich denken: „Hach, war das schön.“

Bei den letzten Konzerten habt ihr immer für Viva con Agua gesammelt. Wie kam es dazu?

Ralph: Auch eine Form von Verantwortung.

Marta: Zwei von uns – also Thorsten und ich – sind ja große Hamburg-Liebhaber und wohnen auch da. Wir wurden angesprochen von Benny Adrion und finden das, wie er das macht, einen sehr guten Weg. Er hat ja keine fetten Sponsoren hinter sich und verdient damit auch gar kein Geld, obwohl er das halbe Jahr in der Welt unterwegs ist, um ebendiese Projekte zu organisieren. Er hat dabei aber trotzdem auch Spaß.
Ich mein: Wasser… Leute wissen gar nicht, wie wertvoll Wasser ist. Die lassen es laufen beim Zähneputzen, duschen zwei Stunden lang. Beim Händewaschen lässt man es auch stundenlang laufen… Also man ist gar nicht so für Wasser sensibilisiert. Es kommt unglaublich gut an, was die von Viva con Agua alles machen. Die Leute sind interessiert. Einen Becher zu spenden, an dem 50 Cent sind, das tut niemandem weh, dafür kann irgendwo in Malawi ein Brunnen gebaut werden, das find ich super. Man muss sich bei diesen 20000 Spenden-Aktionen für eine entscheiden.

Klar, sonst bleibt für euch ja auch gar nichts mehr vom Eintritt über.
Ihr steuert jetzt geradewegs aufs 1000. Konzert irgendwann zu. Habt ihr da schon irgendwelche Planungen?

Marta: Noch nicht, wir haben noch etwa 120 vor uns.

Ralph: Das wird noch etwas dauern, zwei Jahre denk ich.

Marta: Nicht mal, anderthalb vielleicht. Das wär schon geil, da irgendwas geiles zu machen. Thorsten macht bestimmt ein spezielles T-Shirt. „Ich war dabei.“

Ralph: Das ist auf jeden Fall cool. Ich glaub, nächstes Jahr schaffen wir es noch nicht, oder?

Marta: Nein, glaub ich auch nicht. 120 Konzerte schaffen wir nicht mehr.

Ralph: Also 2011 dann das 1000. Konzert.

Mal zu einem anderen Thema… So ein Jubiläum ist ja eher etwas erfreuliches, nicht so erfreulich ist: Euer Label Gun Records hat vor kurzem dichtgemacht. Wie habt ihr das wahrgenommen, wie empfindet ihr das?

Ralph: Wir sind jetzt schon seit zehn Jahren in diesem Musikgeschäft, man hat soviel kommen und gehen sehen. Wir haben glaub ich auf sechs Alben sechs Mal mit unterschiedlichen Leuten gearbeitet. Es tut einem Leid um manche Zusammenarbeit, die sehr gut war, um die Situation tuts einem auch sehr leid, dass jetzt manche Leute ohne Job da stehen. Das ist tragisch, vor allem bei Leuten, die man gut kennt. Wir sind gut aufgefangen worden von der Sony, die mit uns jetzt die nächste Platte macht und sind da in guten Händen. Wie gesagt: Um die eine oder andere Zusammenarbeit tuts einem leid, aber das sind wir mittlerweile gewohnt, das ist die Industrie. Die einzige Konstante, die wir wirklich haben, sind wir selber – und das wissen wir auch schon seit zehn Jahren. Von dem her ist das jetzt nicht so wahnsinnig tragisch.

Aber würdet ihr schon sagen, dass die Situation so schlimm ist, wie sie immer gemacht wird?

Ralph: Naja, klar. Die machen ja nicht umsonst ihren Laden zu.

Marta: Und wir sind ja auch nicht die einzigen, wo die Plattenfirma pleite gegangen ist.

Ralph: Man muss nur auf diese einschlägigen Musikwirtschaftsportale gucken, da sieht man, dass fast jede Woche jemand dicht machen muss. Das ist natürlich echt tragisch. Wir müssen auch gucken, wie wir damit zurechtkommen. Wir sind froh, dass wir jetzt bei Sony sind, bei der Mutteragentur von Gun Records.

Marta: So traurig, wie es ist: Es sei denn, Du bist Die Ärzte oder Die Toten Hosen oder eine Gruppe, die wirklich große Hallen füllt, wovon es nicht viel in Deutschland gibt. Wir verdienen keinen Cent mit einem Plattenverkauf. Das geht den meisten Bands in Deutschland so. Natürlich regt man sich dann auf, wenn man merkt: Alle brennen sich die CDs, alle laden sie kostenlos runter. Es ist letztendlich unser Geld. Es gibt auch viele Bands, die keinen Plattenvertrag nach der Pleite anderer Plattenfirmen bekommen haben und die müssen wieder arbeiten. Das liegt zum Teil daran, dass die Leute Musik nicht mehr wertschätzen, sodass sie kein Geld mehr für Musik ausgeben wollen. Davon kommts. Wenn man guckt, wie viele Platten man früher verkauft hat und wie viel man jetzt verkauft. Das ist ja auch nicht nur bei ein bis zwei Bands so, sondern das ist in der ganzen Welt so. Und das ist wirklich traurig. Sehr viele Bands, die genauso viel spielen wie wir, haben nebenbei noch Nebenjobs. Wir haben noch Glück, dass wir viel spielen, dass noch viele Leute zu unseren Konzerten kommen, dass wir davon leben können. Eine rosige Zukunft ist das Plattengeschäft nicht.

Ralph: Für mich macht es auch keinen Unterschied, ob ich mir eine CD von Jake Roeder kauf, weil ich den Typen kenne und weiß, er braucht jede Mark wegen diesem Produkt oder ob ich mir eine CD von U2 kauf. Man bekommt was. Man bekommt ein gutes Stück Musik und alles hat seinen Preis. Die Attitüde zu haben: „Ich will irgendwas hier geschenkt, wo sich jemand wirklich viel Gedanken drüber macht und viel Arbeit reinsteckt.“ Das können und wollen wir alle nicht nachvollziehen. Dieses Denken müsste mal wieder ein bisschen mehr in die Leute. Wir haben nichts zu verschenken und so funktionierts auch nicht.

Marta: Und ohne Geld können wir leider auch keine Platten aufnehmen, das Studio kostet viel Geld, Pressung kostet Geld… Wir haben ja auch ohne Plattenfirma schon Platten gemacht und haben uns immer verschuldet, um das irgendwie alleine zu verkaufen. Damals konnte man noch keine CDs brennen, damals musste man dann die CD kaufen. Das ist ein bisschen traurig, vor allem wenn man dann sagt: „Die Plattenfirmen sind scheiße und die Preise sind zu hoch.“ Mein Gott, das ist eine CD, wo man wirklich monatelang dran gearbeitet hat. Man kann sich gar nicht vorstellen, was man alles für ein Budget braucht, um so eine Platte rauszubringen. Vor allem bei einer größeren Band. Klar kann ich mir eine CD zuhause auf dem Rechner machen. Aber wie hört sich das dann an? Da gibt es ja auch andere Beispiele. Wenn ich ein gutes Auto haben möchte, dann kauf ich mir halt keinen Trabi, sondern zumindest einen Golf. Einen Golf gibt es leider noch nicht zum Runterladen. Sonst hätte ich einen Porsche. Dann würde ich mir einen Porsche runterladen!

Brötchen kann man auch noch nicht downloaden morgens…

Marta: Das verstehen Leute halt nicht. Dann denken sie: „Ey, ich bin cool. Komm gib mir eine CD, ich ripp sie mir.“ Schade eigentlich.

Also ist euer täglich Brot inzwischen auch mehr das live Spielen?

Ralph: Genau.

Marta: Nur!

Ralph: Wir sind zum Glück eine Band, die sich durchs live Spielen etabliert hat in Deutschland, Österreich, Schweiz und drumrum. Deshalb ist es für uns nicht so wahnsinnig tragisch, weil live immer noch gut funktioniert bei uns. Das ist natürlich auch keine sichere Bank für die nächsten 20 Jahre. Wir müssen daran arbeiten, dass es so bleibt. Aber die Tendenz sieht man einfach auch bei anderen Bands, die mit einem hochgekommen sind, die in der Bundesliga spielen, dass die einfach wegsterben, weil sie diese Möglichkeit nicht mehr haben, live zu spielen.

Marta: Dazu noch Finanzkrise, keiner gibt mehr Geld aus…

Ralph: Das ist natürlich nicht einfach, wie ich vorhin schon gesagt hab. Aber wir wissen, was wir können, wir wissen, was wir wollen, wir wissen, was wir tun und wir mögen das, was wir tun. Von dem her wird es da immer einen Weg geben, wie man sich durchschlägt.

Ihr habt es schon gesagt: Ihr seid wirklich sehr viel auf Tour. Wie ist das für euch, nach so einer Tour wieder nach Hause zu kommen? Was ist das für ein Gefühl nach so einer Tour?

Marta: Früher war das anders, weil wir da sechs sieben Wochen auf Tour waren. Jetzt sind wir nur zwei Wochen auf Tour. Dann kommt man nach Hause und man fühlt sich die ersten zwei Tage komisch, sucht das frisch gemachte Frühstück, das natürlich nicht da steht, wenn man zuhause ist… Wir sind diese Wechsel aber mittlerweile gewöhnt.

Gibt es schon Pläne für nach der Tour? Vielleicht eine Tour-CD?

Marta: Im Juli kommt jetzt eben diese Best Of, wobei da nicht alle Singles drauf sein werden, sondern eher Lieder, die sich Fans wünschen…

Ralph: Wir haben auch den Aufruf auf der Seite, dass man über unsere Homepage seine drei Lieblingssongs auswählen kann. Aus dieser Reihenfolge werden wir dann diese „Most-Wanted-CD“ zusammenstellen, die Anfang Juli rauskommt. Dabei ist dann noch das von Marta erwähnte Konzert in der Großen Freiheit in Hamburg, das wir letztes Jahr aufgenommen haben.

Marta: Und alle Videos!

Sind die Stücke nur die Albumstücke oder stehen da auch irgendwelche selteneren Aufnahmen zur Wahl?

Ralph: Das sind alle 109 Songs, die wir je im Studio aufgenommen haben.

Und die Festivalsaison?

Ralph: Ja, ist auch schon geplant. Die Tourdaten stehen auch schon auf der Homepage. Aus dem Kopf weiß ich es auch nicht so genau. Wir werden öfter in Tschechien sein, was sehr schön ist. Lässt sich jetzt auch gut verbinden mit Martas Musical-Engagement. Und im Ausland zu spielen ist immer schön. Ja, da freuen wir uns drauf. Festival ist immer cool.

Was ist das für ein Musical?

Marta: Das ist ein Prager Musical, das heißt „Mona Lisa“. Und ich spiel da immer mit.

Zu dir als Sängerin: Neben Die Happy ist deine Stimme ja auch öfter mal bei anderen Bands zu hören. Rückwirkend gefragt: Gibt es da irgendwelche Highlights, an die du dich besonders gerne erinnerst?

Marta: Ich fand die Zusammenarbeit mit BAP unglaublich. Das war super, weil er so eine Koryphäe ist. Mit Apocalyptica war auch sehr speziell, weil ich das Lied auf zwei Sprachen gesungen hab. Auch beim Bundesvision Song Contest und so. Es macht immer Spaß, weil es fast immer auf deutsch ist, was ich mir bei der Band nicht vorstellen kann.

Wenn man nach vorne fragt: Ist da wieder was in Planung, wo du deine Stimme leihst?

Marta: Darüber darf ich nicht sprechen, aber es ist etwas im Anmarsch. Aus Deutschland schon wieder.

Andersrum gedreht: Gibt es jemanden, den ihr gerne bei Die Happy als Gast dabei haben würdet?

Marta: Wir haben das immer vor, wenn wir ein Album schreiben, aber haben es bisher nie geschafft. Leider. Wir wollten schon immer mit Henning von den H-Blockx irgendwas machen, aber kamen nie dazu. Obwohl wir uns persönlich kennen, Freunde sind und uns super verstehen. Ich glaube, man muss das von vorne forcieren, dann wird’s erst was.

Neben den Gaststimmen: Ihr seid ja nun wirklich lange aktiv und auch viel live unterwegs gewesen. Hat man da überhaupt noch irgendwelche Träume als Musiker?

Marta: Klar! Wir wollen nach Japan. Zwei oder drei Alben wurden da schon veröffentlicht. Da würden wir gerne ein paar Konzerte spielen. Ich würde auch in Paris gerne mal spielen. Und dieses eine Festival in Brasilien. Unser Album wurde auch in Brasilien veröffentlicht. Sie haben uns mal angefragt, aber zu einer Zeit, wo wir gar nicht konnten. Deswegen hoffen wir, dass das nicht noch mal passiert.

Zum Abschluss würde ich gern einfach rein spekulativ wissen: Wo seht ihr euch als Die Happy in fünf bis zehn Jahren?

Marta: Na hoffentlich auf den Bühnen der Welt. Der Welt! Wohlgemerkt! (lacht) Man hofft ja immer. Man will ja immer weitergehen. Also ans Ende haben wir noch nicht gedacht!

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Homepage: www.diehappy.de
MySpace: www.myspace.com/officialdiehappy

Interview: Marius Meyer
Bilder: Marius Meyer (1, 2, 3, 4, 6, 7, 8, 9), Duncan Smith (5)