Vor kurzem gewannen sie den Bundesvision Song Contest, ihr Titel Träumst Du zusammen mit Marta Jandova enterte Platz neun in den Single-Charts, das mediale Interesse ist also dementsprechend groß. Trotz all dem daraus resultierenden Stress hat sich Flux – seines Zeichens Gitarrist bei Oomph! – die Zeit für ein ausgiebiges Telefonat über den Wettbewerb, dessen Folgen, den Vorwurf des Ausverkaufs und die Zukunft von Oomph! genommen. Das Resultat gibt es im folgenden Interview nachzulesen. Viel Spaß bei der hoffentlich interessanten Lektüre!

Frage: Herzlichen Glückwunsch erst einmal zum Gewinn des Bundesvision Song Contests! Wie war es für Euch, in einer solchen Umgebung aufzutreten und dann auch noch zu gewinnen?

Danke! Wir freuen uns natürlich erstmal, dass wir die Möglichkeit haben, da eine so große Verbreitungsplattform für unsere Musik zu finden und dass wir dort vor einem Millionenpublikum einmal bei TV Total und einmal beim Bundesvision Song Contest auftreten können. Wir haben da auch keine Berührungsängste in irgendeiner Form oder scheuen den Vergleich oder den Contest mit anderen Bands. Für uns ist es eher wichtig zu zeigen, dass es Rockmusik in Deutschland gibt, dass es auch eine große Fangemeinde für Rockmusik gibt, wie ja dann auch der Sieg von uns bewiesen hat und dass vielleicht, weil wir gewonnen haben, das auch ein Zeichen für die Mainstreammedien – wie ja auch Pro Sieben eins ist – ein Signal ist, dass die Fangemeinde durchaus so groß ist, dass so was auch mal Freitags- oder Samstagabends im Fernsehprogramm laufen kann.

Frage: Ihr seid zusammen mit Marta von Die Happy aufgetreten. Wie kam es zu der Zusammenarbeit und wieso fiel die Entscheidung ausgerechnet auf die Neueinspielung von „Träumst Du“?

„Träumst Du“ war schon immer auch ein Singlekandidat für die Plattenfirma und auch für uns. Letztendlich wählt die Plattenfirma eigentlich die Singles dann immer aus, wir machen ein Album und haben da viele gute Lieder drauf, aber die wissen eigentlich am besten, wie man das zu vermarkten hat. Für uns sind Singles dann ein Weg, das Album zu promoten. Den Künstler selbst interessiert ja eher das Album als solches. Träumst Du war eben noch nicht ausgekoppelt, wir hatten ja schon viele Singles ausgekoppelt. Wir wollten allerdings was Neues bieten, denn der fünfte Song wäre dann für unsere Fans – die das Album haben – sehr langweilig geworden. Da dachten wir über ein Duett nach. Und Marta hatte ja bereits einmal mit Apocalyptica am Bundesvision Song Contest teilgenommen. Mir hat es dann sehr gut gefallen, als sie das erste Mal auf Deutsch gesungen hat. Wir haben uns dann backstage beim Taubertal Festival mal unterhalten und ich sagte Ihr halt: „Ja super, wie Du da Deutsch gesungen hast. Wenn Du Lust hast, kannst Du ja irgendwann in Zukunft dann auch mal bei uns mitmachen.“ Da hat sie dann gesagt, dass ihr das total gut gefallen würde. Wir haben uns da letztens dran erinnert und ihr den Song geschickt, der ihr sehr gut gefallen hat. Sie kam dann zu uns ins Studio und es hat alles sehr schnell geklappt. Man weiß ja vorher auch nicht, ob die Stimmen überhaupt so gut harmonieren, in diesem Fall Dero und Marta, aber das hat super funktioniert und wir sind auch froh, dass wir sie dabei haben.

Frage: Und wie war die Zusammenarbeit mit ihr insgesamt?

Das war sehr easy. Ich mein, sie ist ja auch schon seit 13 Jahren unterwegs mit ihrer Band und hat sowohl im Studio als auch auf Tour schon viel gearbeitet. Sie ist es auch gewohnt, mit Jungs zu arbeiten und unterwegs zu sein – da macht sie eigentlich die versauteren Witze als wir. Also man merkt das schon, dass sie ihr halbes Leben in etwa mit Jungs im Tourbus unterwegs war und das macht es auch sehr einfach, mit ihr zusammenzuarbeiten. Sie hat da keine Allüren oder Zicken oder irgendwas, man kann mit ihr wie mit jedem anderen professionellen Künstler zusammenarbeiten und nett ist sie auch noch.

Frage: Ich find die Entwicklung recht interessant, wenn man mal ein knappes Jahr zurückblickt. Letztes Jahr gab es diese etwas aufgebauschte Kontroverse um „Gott ist ein Popstar“… Wie bewertet Ihr die Entwicklung vom Echo- und Radioboykott hin zum Gewinn eines solch stark verfolgten Contests?

Gut, dieser Boykott ist ja nun mal nicht so zu verstehen, dass uns Deutschland oder die ganze Medienlandschaft boykottiert hat, es war ja eher so, dass eben RTL da den Schwanz eingekniffen hat, sie uns erst eingeladen und dann zwei Wochen später doch wieder ausgeladen hatten, weil sie eben meinten, wir könnten damit irgendwelche werbetreibenden Firmen bei ihnen verprellen oder eben sehr religiöse Zuschauer vor den Kopf stoßen. Das war ja jetzt kein Boykott der gesamten Medienlandschaft. Unsere Videos sind trotzdem auf Viva gelaufen und das Radio hat uns sowieso schon immer boykottiert. Selbst bei „Augen Auf!“, als wir 13 Wochen in den Top Ten waren, waren wir nicht ein einziges Mal in den Top 100 Airplay-Charts. Von daher war das ja nichts Neues bei „Gott ist ein Popstar“. Das hätten wir sowieso nicht gedacht, dass der Song im Radio läuft.
Ja, die Entwicklung… Es ist natürlich schon so, dass wir auch vorher nicht bei TV Total waren. Das war jetzt vielleicht mal der richtige Song, bei dem auch die sich gedacht haben, das würde jetzt ins Programm passen. Ist vielleicht für uns auch wichtig, dass wir da jetzt ein Fuß in die Tür bekommen haben, auch für die Zukunft. Also wie gesagt, wir scheuen uns ja nicht, da aufzutreten. Für uns ist es wichtig, den Zuschauern – auch den jungen Zuschauern – zu zeigen, dass es Rockmusik gibt, denn sonst hören die immer nur Boybands und so weiter und kriegen anderes gar nicht mit. Die kaufen sich ja nicht die Rock Hard oder den Metal Hammer und stöbern da in den Anzeigen – die fangen halt an, das gut zu finden, was sie täglich im Fernsehen sehen. Da müssen Rockbands natürlich ein wenig den Arsch zusammenkneifen und auch in solche Medien gehen, sonst kommen halt eben keine Rockfans nach und eben auch keine Rockmusiker.

Frage: Und wie kam es dann im Endeffekt zu der Teilnahme an dem Wettbewerb? Kam Stefan Raab auf Euch zu, musste man sich bewerben oder wie hat man sich das vorzustellen?

Pro Sieben, beziehungsweise das Produktionsteam von TV Total, also Brainpool, ist da auf die Plattenfirma zugekommen und hat nachgefragt. Wir haben dann kurz überlegt und haben dann eigentlich sehr schnell ja gesagt. Es ist ja auch so, dass im Vorjahr In Extremo bei dem Wettbewerb sehr gut abgeschnitten hat, da war es dann auch interessant für TV Total wichtig, eine große Bandbreite bei ihrem Song Contest anbieten zu können. Es ist denk ich auch für die wichtig, dass so gut wie jedes Genre da abgedeckt ist.

Frage: Eure erste Reaktion fiel dann also gleich positiv aus?

Ja, wir nehmen diese Herausforderung sehr gerne an. Wir spielen ja auch gerne auf sehr gemischten Festivals, weil das immer eine Herausforderung ist, neue Leute zu erreichen. Das ist natürlich auch für uns sehr wichtig, vor neuem Publikum zu spielen.

Frage: Wie seht Ihr den Stellenwert vom Bundesvision Song Contest? Glaubt Ihr, er hilft Euch in Sachen Erfolg längerfristig weiter oder ist das eher eine kurzfristige Angelegenheit, die dann wieder verschwindet?

Der größere Effekt ist natürlich kurzzeitig. Man merkt es ja jetzt daran, dass unsere Single auf Platz neun in den Charts eingestiegen ist, was für eine fünfte Auskopplung aus einem Album ohne diesen Contest wahrscheinlich gar nicht so gelaufen wäre. Was das für die Zukunft bringen wird? Wir hatten jetzt natürlich ein sehr großes Medieninteresse nach dem Contest und man hofft halt, dass man sich damit auch langfristig mehr etabliert und in Zukunft eben auch bei TV Total mit der nächsten Single auftreten zu können, was ja durchaus sehr wichtig ist, weil Musiksender ja auch nicht gerade mehr werden. Zum Jahresanfang hat auch Viva Plus zugemacht und auf MTV und Viva läuft ja auch immer mehr in Richtung Doku-Soaps und Dating-Shows, so dass es mit dem Musikangebot im Fernsehen immer geringer wird. Da muss man als Band schon sehen, dass das in den wenigen Shows, die da noch übrig bleiben, dann auch stattfindet. Wetten, dass…? wird uns sicher so schnell nicht einladen.

Frage: Wie das bei so bekannten Bands wie Euch eben so ist, melden sich dann schnell böse Zungen zu Wort, die Kommerz vorwerfen. Es gab jetzt ja die Teilnahme an dem Contest, die Wiederveröffentlichung der Best Of (die sowieso erst einige Monate erhältlich war) und nun noch die Teilnahme an der Wok-WM. Wie steht Ihr zu solchen Stimmen und wie kam es im Endeffekt auch noch zur Teilnahme an der Wok-WM?

Die Wok-WM ist für uns Spaß, wir treten da ja nicht auf. Wir haben auf der Aftershow-Party vom Bundesvision Song Contest mit Stefan Raab darüber gewitzelt, dass wir an der Wok-WM teilnehmen. Er hat dann gefragt: „Wollt Ihr wirklich?“. Wir haben uns darauf erstmal angeguckt, weil es eigentlich eher ein Scherz war, haben dann aber ja gesagt. Das ist eigentlich mehr ein Spaß. Wir haben das ganze Team da kennen gelernt und verstehen uns ganz gut mit denen und fahren da halt mit. Einfach mal, um das für uns persönlich zu erleben. Die Chance, so einen Eiskanal in einem Wok herunterzuschlittern, wird einem ja nicht immer geboten. Das ist eigentlich purer Eigennutz. Wir denken da weniger an die Promotion, ich weiß gar nicht ob das in der Hinsicht überhaupt was bringt. Gut, der Name wird genannt und wir rasseln da den Kanal runter und kommen hoffentlich auch an, aber ob das Platten verkauft, da bin ich mir gar nicht so sicher, da wäre vielleicht ein Auftritt besser gewesen, aber danach wurden wir nicht gefragt. So machen wir das jetzt als Spaßveranstaltung mit.

Frage: Ist es vielleicht so, dass der Unterschied zwischen Spaß und Ernst da etwas verschwimmt?

Wo soll da auch der Ernst sein, wenn wir bei der Wok-WM auftreten? Klar, wir machen Musik mit Texten, die wir gerne von den Medien und den Hörern ernst genommen haben möchten und haben Aussagen über ernste Gedanken. Trotzdem sind wir auch Menschen, die auch mal Spaß haben oder die ein Event oder eine Herausforderung aus sportlichen Gründen lockt. Da ist auch ein eigener Ehrgeiz bei, eventuell am Ende auch gut abzuschneiden. Wir sind alle drei Sportler, von daher reizt uns das natürlich. Marta macht auch mit. Das ist einfach nur ein Erlebnisding, so als wenn Dich Dein Kumpel anruft und fragt, ob Du Lust auf eine Trekkingtour durch die Berge hättest. Andere kriegen Angebote zum Fallschirmspringen und wir haben uns gedacht, dass man das mal mitnimmt, wenn einem das schon einmal angeboten wird. Augen zu und durch. Wir denken da auch nicht an Promotion oder Mainstream. Klar, es kann einem passieren, dass man gleich nach dem Wok von irgendwelchen Stars und Sternchen oder C-Promis fährt und dann in einem Atemzug mit denen genannt wird, aber ich glaube, dass auch unsere Fans soviel Humor haben das zu begreifen, dass das für uns einfach nur eine Spaßveranstaltung ist und mehr nicht. Es geht dabei nicht um Promotion oder Anbiederung. Als Musiker denkt man eh nicht so drüber nach, wer seine Platten kauft. Man macht halt die Musik, die einem gefällt und hofft, dass es auch andere Leute gibt, die diese Musik mögen und sie dann vielleicht auch kaufen.

Frage: Wie steht Ihr allgemein zu solchen Stimmen, die behaupten, ihr wäret so kommerziell geworden oder würdet Euch gar verkaufen? Ihr hört das ja wahrscheinlich schon seit Jahren und nicht erst jetzt seit dem Bundesvision Song Contest…

Das hören wir ganz konkret seit Jahren, ist richtig. Das ist immer so in Etappen. Wenn du den ersten Majorvertrag unterschreibst, was wir 1997 gemacht haben, zum Beispiel. Da hört man sofort: „Oh, ihr seit ja beim Major, da kommt jetzt wohl der große Kommerz.“ Dann haben wir das natürlich auch gehört, als wir mit „Augen Auf!“ die Nummer eins hatten. Beim Bundesvision Song Contest muss ich sagen, haben wir das aber kaum gehört. Und: Schlimmer als ein Nummer eins-Hit kann man kommerziell ja gar nicht werden. Was sollen wir jetzt noch Schlimmeres machen, als 13 Wochen in den Top Ten gewesen zu sein und da auch in allen Medien stattgefunden zu haben? Da ist die Messlatte ja sowieso schon von uns recht hoch gesetzt. Die Fans, die das behaupten, dass sie unsere Musik nicht mögen, weil sie jetzt ja jeder mag, denen geht es ja gar nicht um die Musik. Die wollen sich ja eher profilieren, weil sie was hören, was sonst keiner kennt und dadurch etwas Besonderes sind. Denen geht es aber nicht um die Musik. Wenn ich die Musik liebe und geil finde, dann ist mir das doch egal, wer sie noch hört. Da soll sich jeder an seine eigene Nase fassen. Ich kann es nur wiederholen: Wir schaffen es gar nicht, Musik zu machen, wo wir nach irgendwelchen Trends oder Kommerz schielen. Wir können nicht Monate an einem Song im Studio arbeiten, dafür fehlt uns die Energie. Wir machen Musik, die wir selber lieben, wo wir mit Herzblut und Engagement bei der Sache sind. Das ist auch immer eine Momentaufnahme, was wir im Moment empfinden und was wir für Musik machen wollen. Und wenn das heute nur Elitehörer hören und wir nur 30 Scheiben davon verkaufen, dann kann das passieren, aber dann haben wir trotzdem Musik gemacht, die wir lieben. Wenn das morgen wieder ein Nummer eins-Hit wird, warum auch immer, dann können wir das auch nicht ändern. Niemand von uns hat gewusst, dass „Augen Auf!“ ein Nummer eins-Hit wird. Das war ein Song für uns wie jeder andere auf der Platte und die Plattenfirma meinte, wir sollten ihn als erste Single herausbringen, dann haben es plötzlich auch die Fünfjährigen gekauft. Ich bin jetzt 39 Jahre alt, ich weiß nicht, was für Musik ein Fünfjähriger hört und könnte das auch gar nicht planen.

Frage: Kommen wir ein letztes Mal zurück zum Bundesvision Song Contest zurück. Der soll ja auch eine Art Querschnitt durch die deutsche Musikszene präsentieren, wobei die Auswahl dieses Jahr überraschend independent-lastig war: Neben Euch standen auch Gruppen wie Melotron und MIA plötzlich in einer Show auf der Bühne, die von mehreren Millionen Zuschauern verfolgt wird. Seht Ihr das als ein Zeichen dafür, dass sich hierzulande eine Art Paradigmenwechsel hin zu mehr – nennen wir es mal – substantiellerer Musik abzeichnen könnte?

Schön wärs, aber da glaub ich nicht wirklich dran. Ich denke, das liegt zum einen daran, dass die Redaktion von TV Total die Teilnehmer selber auswählen darf. Da wird versucht, auch mit Newcomern zu mischen und es gibt auch kleinere Bundesländer, wo es scheinbar gar nicht so einfach ist, da die richtigen Bands an den Start zu bekommen, wenn ich Stefan da richtig verstanden hab. Allgemein, wie ich vorhin schon gesagt habe, freu ich mich drüber, dass sie da genremäßig stark mischen können. Da waren ja auch alternative Gitarrenbands dabei oder auch Bands aus der Elektroszene wie auch HipHop verschiedener Ausrichtung, aber eine gewisse Lastigkeit ist da nicht auszumachen, höchstens so was wie Soul oder Blues hat gefehlt. Sonst war aber alles vertreten, was man im Fernsehen so zeigen darf.

Frage: Wo seht Ihr Euch selbst nach all den Jahren in der Musikszene verankert? Seht Ihr Euch selbst noch in irgendwelchen Kategorien? Sei es jetzt musikalisch oder subkulturell gesehen…

Das haben wir eigentlich noch nie. Weder, dass wir Kulturen oder Subkulturen verleugnet haben, noch dass wir drüber geärgert haben, dass wir dort Fans haben. Wir fanden das eher spannend, dass wir eben auf einem Metal-Festival spielen können oder einem Rock-Festival. Oder dass wir auf dem Wave Gotik Treffen spielen können. Wir haben auch schon auf Punk-Festivals gespielt oder eben auf Mainstream-Festivals. Ich find das gerade toll, wenn wir auf unterschiedlichen Hochzeiten da tanzen können. Unser eigener Musikgeschmack ist auch sehr breit gefächert, das geht von Klassik über Beatles, Björk bis zu Rockmusik und elektronischer Musik. Wir versuchen, das auch einfließen zu lassen. Von daher wäre ich eigentlich auch enttäuscht, wenn wir nur eine uniformierte Fangemeinde im Konzert vorfinden würden. Ich denke mal, unser musikalischer Horizont ist dafür viel zu weit gefächert.

Frage: Wenn ich das richtig gelesen habe ist für Ende des Jahres ein neues Album von Euch angekündigt…

Oh, das ist schön… Ja, wir sind natürlich dran. Wir machen jetzt noch eine Live-DVD fertig, die wir letztes Jahr aufgenommen haben. Das ist das, was sich die Fans sehr wünschen. Die haben sich weniger eine Best Of gewünscht, weil ein Fan sowieso alle Alben hat und daher keine Best Of braucht. Da werden wir sicher erstmal die DVD rausbringen. Dann wollen wir anfangen, ein neues Album zu schreiben. Ob das dieses Jahr noch was wird? Da schauen wir mal. Ist ja bei uns immer nicht ganz so fest. Je nachdem, wie uns die Ideen kommen und je nachdem, wie viel Festivals wir im Sommer spielen, wodurch man dann immer etwas rausgerissen wird. Wir werden auf jeden Fall das zehnte Album fertig machen.

Frage: Kann man da inhaltlich und musikalisch schon irgendwas Nennenswertes sagen, was die Richtung betrifft?

Nein, also wir sind noch in der Phase, wo wir einfach Songs schreiben oder Ideen sammeln. Erstmal jeder für sich. Dann treffen wir uns und spielen uns die vor. Das läuft dann auch immer ohne Absprachen. Da wird nicht vorher festgelegt, dass das nächste Album softer, härter, schneller oder in irgendeine andere Richtung gehend sein muss. Da wollen wir uns nicht beeinflussen. Wir sind hinterher oft selber überrascht, in welche Richtung es dann geht, weil man in der Zeit davor auch oft dieselben Sachen erlebt hat. Die stärksten Songideen wählen wir dann aus und arbeiten zu dritt dran, da ändert sich auch immer noch sehr viel. Von daher kann ich in der Hinsicht überhaupt noch nichts sagen.

Frage: In den letzten Jahren habt Ihr Euch immer wieder recht kooperationsfreudig gezeigt, was interessante Zusammenarbeiten betrifft. Ich denk da jetzt neben Marta auch an Nina Hagen und Sonja Kraushofer. Ist in der Richtung wieder was zu erwarten?

Das machen wir immer spontan. Wir sitzen eigentlich nie vorher da und sagen uns, dass wir mal mit wem ein Duett machen müssten, um den dann anzurufen und zu fragen. Das haben wir noch nie gemacht. Es war eigentlich immer so, dass das spontan entstanden ist. Auch die Geschichte mit Apocalyptica: Da hat man sich mal getroffen und drüber gesprochen, dann haben die noch Streicher eingespielt. Das sind einfach spontane Sachen. Auch so bei Nina Hagen, die hab ich einfach angerufen und zwei Wochen später waren wir im Studio in Köln und haben die Nummer aufgenommen. Da machts auch Spaß, wenn das alles so spontan und frisch entsteht und nicht alles ein halbes Jahr zuvor am Reißbrett geplant wird. Von uns aus gerne, aber wie gesagt: Das lassen wir aus uns zukommen.

Frage: Wonach wählt ihr dabei die Duett-Partner aus?

Wir finden es immer interessanter, wenn zu einer männlichen Stimme eine weibliche Stimme hinzukommt. Allein vom Klang her grenzt sich das viel besser ab. Oft machen wir das bei Songs, die das Thema Liebe behandeln. Da Dero nicht schwul ist, passt immer besser eine Frau dazu. Dann gucken wir, welche Stimme zu dem Song passen würde, je nachdem, ob es eine Ballade oder was Rockiges ist. Ab dem Punkt ist die Auswahl auch in Deutschland schon sehr gering. Die Stimme muss auch mit Deros kräftiger Stimme mithalten können. Da gibt es nicht so viele, aber wir sind da immer wieder offen, Sachen auszuprobieren.

Frage: Du hast vorhin Festivals angesprochen. Gibt es schon konkrete Pläne für Festivals und Clubtouren in diesem Jahr?

Ja, es gibt schon vier oder fünf Festivals, die gebucht sind und es kommen auch vermehrt noch Anfragen rein. Kann man alles bei uns auf der Homepage www.oomph.de nachsehen, da sind immer die aktuellen Daten drauf, ich weiß die gerade auch nicht auswendig.

Frage: Ihr seid nun ja schon extrem lange im Geschäft. Habt Ihr da noch so etwas wie Aufregung, bevor Ihr auf die Bühne tretet oder geht das dann einfach so locker weg?

Nein, man ist schon aufgeregt. Teilweise auch wegen der Technik, dass man hofft, dass auch alles funktioniert – vielleicht reißt eine Saite oder es gab Probleme beim Soundcheck. Kurz vorher kommt dann der Adrenalinkick. Das ist so eine positive Aufregung, so in der Art, wie wenn man sich als Kind aufs Christkind gefreut hat und endlich die Bescherung haben konnte. Eine eigene Tour ist natürlich immer schön, weil man weiß, dass die Leute, die gekommen sind einen wirklich sehen wollen. Das sind Fans, mit denen kann man anderthalb Stunden eine große Party feiern. Das ist also eher eine Vorfreude.

Frage: Ihr habt inzwischen viel erreicht, sei es die Nummer eins mit „Augen Auf!“ oder auch der Contest. Gibt es da überhaupt noch Ziele, die ihr habt und erreichen wollt?

Da ist nach oben hin noch viel Luft, kann ich Dir sagen. Man kann natürlich zum Einen hoffen, dass man wieder einen Nummer eins-Hit oder wieder eine Platinplatte hat, zum Anderen gibt es natürlich auch noch viele Länder. Wir fangen jetzt gerade an, im Osten etwas aufzubauen, haben ja jetzt in Lettland und in Finnland gespielt. Wir planen auch seit längerem, drei bis vier Shows in Russland zu spielen, da haperts oft an genauen Absprachen zwischen den Bookern und den Agenturen vor Ort. Aber da sind wir dran und das ist so das nächste Ziel. Wir haben vor Kurzem eine Frankreichtour gespielt und wollen da im Herbst oder im Frühjahr auch noch einmal hin, das ist noch nicht ganz raus. Es gibt noch so viele Märkte. Auch in Deutschland hinken wir ja auch noch etwas hinterher, wenn man so andere Bands betrachtet, wenn man als Beispiel die Verkaufszahlen von Rammstein nimmt. Da ist durchaus noch Potential, was wir auch hier in Deutschland noch erreichen können.

Frage: Das war es dann auch soweit von meiner Seite. Gibt es noch irgendetwas, das ihr den Hörern mit auf den Weg geben könnt, was in naher Zukunft von Euch zu erwarten ist?

Viel gute Musik. Aber sonst hab ich da jetzt keine spezielle Message. Vielleicht ein paar gebrochene Finger und Beine bei der Wok-WM. Schadenfreudige Zuschauer oder die, die uns hassen, können da gerne zugucken und abwarten.

Vielen Dank für das Interview!

Homepage: www.oomph.de

Interview: Marius Meyer
Bilder: PR