Sechs Jahre nach der Bandgründung erschien im Januar das selbstbetitelte Debüt-Album der Gruppe Blind, das an dieser Stelle auch bereits besprochen wurde. Die gelungene Mischung zwischen Power-Pop, Alternative-Rock und Modern-Metal wusste zu begeistern und machte neugierig, wer da eigentlich hinter diesem Projekt steht, wie es zum Debüt-Album kam, was die Ziele sind, was die Gruppe zu sagen hat und was sonst noch so dahintersteckt. Es lag also nahe, in Form eines Interviews all das mal nachzuhaken. Hier also die Antworten von Gitarrist Fabian Zimmermann.

Marius: Die Band hat sich im Jahr 2002 gegründet, sechs Jahre später erscheint nun das Debüt-Album. Was ist in den sechs Jahren passiert? Wie gestaltete sich der Weg vom ersten Gedanken an die Band bis ins Jetzt zum Album-Release?

Fabian: Also erstmal haben wir die Band damals nicht mit der Absicht gegründet, schnellstmöglich einen Plattenvertrag zu unterschreiben. Wir sind Musiker, haben alle schon vorher in anderen Bands gespielt, wir haben die Band gegründet um Musik zu machen, zusammen im Proberaum abzuhängen und zusammen auf der Bühne zu stehen. Das hat immer super funktioniert, wir haben gespielt, gespielt, gespielt, wo immer es ging und sind darüber einfach eine gute eingespielte Band geworden. Wir haben auch bis heute nicht eine CD an Plattenfirmen geschickt, unser Ruf eilte uns wohl voraus.

Laut Online-Interview im Metal-Hammer habt ihr bereits mit Gruppen wie In Extremo, Limp Bizkit und Nightwish gespielt. Und das ohne ein einziges Album draußen gehabt zu haben. Wie kam es zu diesen großen Auftrittsmöglichkeiten?

Das lief im Prinzip immer so, dass uns irgendjemand live gesehen hat. Micha von In Extremo hat uns z.B. in einem kleinen Jugendraum in seinem Heimatort gesehen und uns spontan als Supportgruppe eingeladen, so war es im Prinzip auch bei allen anderen.

Ihr behauptet von euch, nicht amerikanisch klingen zu wollen, gleichermaßen aber vor allem vermeiden zu wollen, typisch deutsch zu klingen. Was ist für euch ein typisch deutscher Klang und warum wollt ihr diesen vermeiden?

Diese Aussage kommt eigentlich daher, dass man unser immer gesagt hat, wir würden sehr amerikanisch klingen. Das ist für uns erstmal ein großes Lob, allerdings ist es nicht so, dass wir irgendeinem Soundideal oder irgendwelchen amerikanischen Bands nacheifern, ich finde unseren Sound und unsere Musik steht für sich. Was „typisch Deutsch“ betrifft, haben wir in der letzten Zeit festgestellt, dass viele deutsche Bands keinen Wert mehr auf einen guten Sound und gutes Handwerk legen, sondern eher darauf, dass sie besonders cool sind oder besonders abgefahrene Klamotten tragen, das ist für mich mittlerweile typisch Deutsch geworden und so wollen wir definitiv nicht sein, für uns steht die Musik im Vordergrund.

Eure Aussage noch etwas weiter nach vorne aufgedröselt: Was ist für euch ein „amerikanischer Klang“?

Naja, ich persönlich finde da stimmt einfach alles, es klingt einfach ausgewogen, fett und professionell.

Wenn man nun von der Aussage abstrahiert: Wie würdet ihr nach den bisherigen Ausführungen denn eure Musik selbst beschreiben?

Wir selber sind davon überzeugt, dass wir ganz einfach Rockmusik machen, ohne wenn und aber. Das hat einfach damit zu tun, dass wir uns auch in Zukunft nicht die Freiheit nehmen lassen werden, unsere Musik in welche Ecke auch immer zu gestalten. Das ist uns als Band extrem wichtig.

Ganz allgemein: Was sind eure Einflüsse, wovon seid ihr inspiriert? Diese Frage kann jetzt sowohl musikalisch als auch außer-musikalisch (bezogen auf Ereignisse, Lebenssituationen und ähnliches) angewendet werden…

Musikalisch sind es natürlich vorwiegend amerikanische Bands, weil wir mit ihrer Musik aufgewachsen sind, sie uns geprägt hat. Außerdem sind wir natürlich von unserem Umfeld inspiriert, von dem, was um uns herum passiert. Steve schreibt seine Texte über Dinge die ihn berühren, wir gehen mit offenen Augen durchs Leben gehen.

Um den Bogen zum Album zu spannen: Warum eigentlich „Blind“? Also sowohl als Bandname als auch als Albumtitel.

Zum Bandnamen gibt es eigentlich keine wilde Geschichte, wir haben uns Gedanken über einen Namen gemacht und Blind war einfach kurz, prägnant und er hat gewisse Emotionen geweckt, wir fanden der passt ganz gut zu uns. Und zum Albumtitel, Blind ist einfach das was in den letzten Wochen, Monaten und Jahren unser Leben bestimmt hat, von daher lag es auf der Hand dem Album diesen Titel zu geben.

Sehr viele Stücke auf dem Album drehen sich in irgendeiner Weise um Liebe, das Zwischenmenschliche, die Zweisamkeit. Wie kommt es, dass sich so viele Stücke um diesen Themenkreis drehen?

Wie gesagt, Steve schreibt seine Texte über Dinge die ihn berühren. Das sind eben ganz oft auch persönliche Dinge von ihm, die er aus seinem Leben verarbeitet aber auch Geschichten von anderen Menschen. Wir wollen nicht mit dem erhobenen Zeigefinger durch die Welt gehen und lassen Themen die die Welt verbessern bewusst weg.

Ein Stück, das mir schnell auffiel, war „Break Away“. Wovon handelt es? Der Text klingt ja an sich alles andere als optimistisch.

Steve hat diesen Text im Studio geschrieben. Er thematisiert die Zeit, als wir nicht davon ausgehen konnten, einen Plattenvertrag zu unterschreiben und irgendwelche Jobs gemacht haben, um uns über Wasser zu halten. Er spricht über Wege die eingeschlagen werden und die große Frage: Was wäre wenn ich einen anderen gewählt hätte?

„I pick up the phone but I don’t wanna call you up // I don’t wanna need you right now“ – was steckt hinter diesen Zeilen? Ist es die Ambivalenz einer zerbrochenen Beziehung, die in „Today I Break Loose” behandelt wird? Worum geht es in dem Stück allgemein?

Diese Zeile steht als Metapher für Dinge, die man nicht tun will, aber tun muss, wie es so häufig ist, sei es im Berufsleben oder anderswo. „Today I Break Loose“ handelt von der Normalität, vom Alltag, mit dem jeder sich abgefunden hat. Die meisten Menschen wissen zwar, dass in ihrem Leben etwas verkehrt läuft, jedoch ändert die Mehrheit nichts daran.

Was ein wenig aus dem Rahmen fällt, ist „Every You Every Me“. Wie kam es dazu, das Album mit diesem Titel um eine Ballade anzureichern? Wovon handelt der Titel?

„Every You Every Me“ ist mit Abstand der älteste Song auf dem Album, wir hatten diverse Versionen, allerdings nie eine die uns so richtig gekickt hat. Als ich eines Tages mit Kuddel (Die Toten Hosen) in seinem Homestudio saß, haben wir an diesem Song gebastelt und kamen dann auf die Idee mit der Piano-Version. Diese Version hat es dann auf den Punkt getroffen, die traurige Stimmung des Songs zu unterstreichen. Der Song handelt von dem Verlust eines Menschen, wir haben sehr lange an diesem Song gearbeitet, um dieser Emotion im Song gerecht zu werden.

In Eurem Booklet dankt ihr vielen Bands, eine Gruppe die aber auch allgemein in Verbindung mit euch auffällt, sind Die Toten Hosen. Was verbindet euch mit der Gruppe?

Ich habe Kuddel auf einem Konzert kennen gelernt, seitdem sind wir sehr gute Freunde und da wir nicht weit auseinander wohnen sehen wir uns sehr oft. Was uns mit den Toten Hosen verbindet ist z.B., dass wir mit Patrick Orth den gleichen Manager haben.

Was ist für euch als junge Gruppe, die gerade erst ihr erstes Album veröffentlicht hat, für ein Gefühl, auf der Homepage der Toten Hosen (die immerhin eine Geschichte von über 25 Jahren mitbringen) als „Tipp der Woche“ direkt auf der Startseite gefeatured zu sein?

Das ist für uns natürlich völlig überwältigend. Die Toten Hosen sind eine der größten deutschen Bands überhaupt, sie haben erreicht, wovon andere Band ihr Leben lang nur träumen können. So Sachen wie z.B. Headliner bei Rock am Ring, das ist doch für eine normal sterbliche Band gar nicht greifbar.

Ansonsten sind mir im Booklet (wie übrigens auch bei MySpace) auch Die Happy und Silbermond aufgefallen, als Gruppen, mit denen ihr stark verbunden zu sein scheint. Diese Gruppen sind ja doch etwas unterschiedlich. Was verbindet euch mit diesen beiden Gruppen?

Mit Die Happy sind wir seit einem gemeinsamen Konzert befreundet, Thorsten hat sich dann einige Zeit für uns stark gemacht, uns einen Produzenten und gute Supportshows unter anderem auch mit Silbermond besorgt. So haben wir dann eben auch Silbermond kennen gelernt und sind seitdem gut befreundet.

Eine ganz andere Frage zum Booklet und auch den allgemeinen Promo-Fotos: Ihr steht dort rockend auf einem großen Parkplatz. Was steckt hinter dieser Parkplatzsituation, was sind der Gedanke und die Idee dahinter?

Hauptsächlich ging es uns darum, dass man uns als Band wahrnimmt. Unser Fotograf Erik Weiß hat das zu 100% eingefangen, es geht um eine echte, ehrliche und bodenständige Rockband und das sieht man meiner Meinung nach sehr deutlich.

Das Album ist jetzt zwar noch nicht lange draußen, aber wie habt ihr die bisherigen Resonanzen empfunden? Hattet ihr irgendwelche Erwartungen, was den Erfolg betrifft? Und meint ihr, dass es in die richtige Richtung geht? Ich hab beispielsweise gesehen, dass der „Piranha“ das Album zum Album des Monats kürte.

Ich glaube, man darf sich keine Erfolgszwänge setzen, denn aus der Vergangenheit wissen wir, dass das nur wenig bringt. Wir sind sehr zufrieden mit unserem Album und das ist das, worauf es uns ankommt.

Was in Texten und Rezension zu euch und dem Album immer wieder auffällt, ist das frequentierte Nennen des Namens „Linkin’ Park“ – wie ist es für euch, immer wieder mit diesem Vergleich konfrontiert zu werden?

In erster Linie ist es mal ein großes Kompliment für uns, mit so einer Band verglichen zu werden, obwohl es nie unser Bestreben war, diese oder eine andere Band zu kopieren. Ich denke, wir sind sehr facettenreich und haben auch unseren eigenen Stil.

Wie ist das allgemein mit dem Erfolgsdruck? Ihr veröffentlicht bei EMI, also bei einem Majorlabel – fühlt ihr euch da irgendeinem Druck ausgesetzt?

Die Plattenfirma arbeitet sehr gut mit uns zusammen und lässt uns freie Hand. Wir haben einen Partner gefunden, der langfristig mit uns zusammen arbeiten will und darüber freuen wir uns sehr, deswegen sind wir da ganz entspannt.

Wie kam es überhaupt dazu, bereits mit dem Debüt-Album bei einem Major zu veröffentlichen?

Wir haben schon immer unser eigenes Ding gemacht und uns nur darauf konzentriert, was wir als Band machen wollten. Ich glaube diese Geradlinigkeit hat letztendlich dazu geführt, dass die EMI uns unter Vertrag nehmen wollte. Dazu kommt, dass wir uns mit der Philosophie der Plattenfirma identifizieren konnten und deswegen stand einer Zusammenarbeit nichts im Weg.

Im März folgt nun die erste Tour nach dem Album-Release. Was erwartet bzw. erhofft ihr euch von der Tour? Und andersrum: Was können die Besucher erwarten?

Es wird heiß, laut und geil werden. Wir haben auf jeden Fall Lust, unser Album jetzt auf die Massen loszulassen. Nach langer Zeit im Proberaum freuen wir uns natürlich, unsere erste eigene Tour zu spielen. Wir wünschen uns einfach, dass es so läuft wie in der Vergangenheit, dass der Funke überspringt und die Leute mit einem guten Gefühl nach Hause gehen.

Gibt es schon Pläne, wie es nach der Tour weitergehen wird? Oder wird sich dann erst einmal auf die faule Haut gelegt?

Nein, wir werden natürlich im Sommer viel unterwegs auf den Festivalbühnen sein, wir wollen spielen, spielen, spielen. Wir werden neue Songs schreiben und einfach das weiter machen, was wir bis jetzt gemacht haben, BLIND!

Das waren alle Fragen – die letzten Worte gehören euch (wenn ihr mögt)! Falls ihr noch irgendetwas ergänzen oder loswerden möchtet: Hier ist Platz dafür…

Vielen Dank für dieses Interview und als letztes bleibt nur zu sagen: Wir sehen uns auf Tour!

Weitere Artikel
Rezension zum Album Blind

Homepage: www.blindpage.de
MySpace: www.myspace.com/officialblind
Interview im Metal Hammer (Direktlink): http://www.metal-hammer.de

Interview: Marius Meyer
Bilder: PR (Bild 2, 4, 5: Erik Weiss, Bild 3: Kai Müller)