Das nennt man dann wohl spontan: Am Abend zuvor hörte ich im Vorprogramm von The BossHoss zum ersten Mal von Benedicte Braenden, am Tag drauf stand schon die Idee eines Interviews im Raum. Im Rahmen ihres Solo-Auftrittes im Leipziger Club „Noch besser leben“, mit dem sie den Day Off von The BossHoss nutzte, fand sich spontan die Gelegenheit, zwischen Soundcheck und Konzertbeginn ein kurzes Interview mit Benedicte Braenden zu führen und dabei einmal über ihre Musik, die Tour mit The BossHoss, Country im allgemeinen und die weiteren Pläne zu reden.

Da die Leser dich vielleicht noch nicht so gut kennen: Kannst du dich und deine Musik vielleicht ein wenig vorstellen?

Mein Name ist Benedicte Braenden und ich komme aus Norwegen. Ich mag sowohl Country-Musik – wie beispielsweise die alte Country-Musik – als auch Rock’n’Roll und Rockabilly. Ich versuche, diese Dinge zu mischen, um irgendwo dazwischen meinen eigenen Klang zu finden.

Wovon ist deine Musik inspiriert?

Ich bin sehr inspiriert von altem Rock’n’Roll wie AC/DC und Motörhead und so, und auch von Dolly Parton, Gram Parsons und Townes van Zandt (der mein Lieblings-Singer/Songwriter ist). Ich versuche, das alles zu mischen. Ich würde sagen, das sind meine Haupt-Einflüsse.

Kommen wir mal zur Tour… Warum hast du dich entschieden, zwei Shows in Leipzig zu spielen?

Wir haben zwischen den BossHoss-Shows ein paar Day Offs, also haben wir versucht, weiterzumachen und die ganze Band war hier. Wir brauchen keinen Day Off – wir wollen spielen! (lacht)

Wie hast du die gestrige Show im Haus Auensee empfunden?

Das Publikum war großartig und es gibt einem sehr viel Energie, die Leute in den ersten Reihen deine Stücke mitsingen zu sehen. Viele BossHoss-Zuschauer reisen ihnen nach und kommen so mit ihnen an verschiedene Orte. Vielleicht haben sie die CD gekauft. Wir hatten eine großartige Zeit!

Wie kam es zu der Tour mit The BossHoss?

Ich weiß das gar nicht so genau. Mein Management rief mich an, sie standen in Kontakt mit dem BossHoss-Management. Ich weiß nicht genau, wie das passierte – das war so ein Management-Ding.

Wie ist es denn, mit ihnen zu touren?

Wir haben sehr viel Spaß und die Jungs sind so nett! Sie behandeln und sehr freundlich. Und ich muss sagen: Es ist so erstaunlich, an einen Veranstaltungsort zu kommen, wo dann schon 3000 Leute im Publikum. Ich, die ich ja mehr oder weniger in der Anfangsphase bin, bin da nicht wirklich dran gewöhnt. Die ersten Shows hatten was von: „Oh, da sind 3000 Leute draußen!“ Aber jetzt ist es fast schon schwerer für mich, vor kleinerem Publikum zu spielen, weil sie alle so nah dran sind. Das macht mich inzwischen sogar nervöser als vor den großen Menschenmengen zu spielen, weil die so weit weg sind und man sie gar nicht so sieht.

Hast du mit der Tour irgendwelche Ziele, die du erreichen willst?

Ich hoffe, dass es nach dieser großen Tour in Deutschland einfacher für mich ist. Ich hoffe, mein Debütalbum wird im Herbst fertig sein. Ich muss dann in Deutschland touren, um das Album zu promoten und hoffe, dass es so einfacher wird, ein paar Leute zu erreichen. Vielleicht haben sie dann vorher schon von mir gehört, weil ich ja Support für The BossHoss war.
Auch als Musikerin habe ich viel gelernt, weil ich mit einer anderen Band getourt bin und so viele Shows in einer Reihe gespielt habe, daher war es auch gut für mich – gute Vorbereitung für mein Album!

Okay. Ich würde dann gerne etwas allgemeiner werden… Wie bist du generell zur Musik gekommen und zu dieser Art von Musik? Gab es so etwas wie ein Schlüsselerlebnis oder etwas in der Art?

Was passierte, war: Als ich 14 war, spielte ich in einer Rock’n’Roll-Band mit einigen Jungs aus meiner Klasse und von da an habe ich immer in Bands gespielt, meist Rock’n’Roll. Ich verlor dann irgendwas, das Rock’n’Roll-Bands mir gegegeben hatten. Es hörte auf, mir Einflüsse zu geben.
Ich habe einen älteren Bruder, der mehr von Country-Musik begeistert war und er stellte mir Steve Earle und andere großartige Künstler vor. Das war in etwa das, womit alles begann. Eine neue Welt hat sich mir geöffnet mit jeder Menge Country-Künstlern. Es gibt da ja so viele verschiedene Stile. Du hast Bluegrass, du hast Rockabilly… Es gibt da so viele Dinge. Das war sehr inspirierend für mich.

Wo fühlst du dich dabei mehr zuhause? Fühlst du dich heimischer in der Rockmusik oder mehr in der Country-Musik?

Am Anfang war das sehr seltsam, denn mit meiner anderen Band – einer Mädchenband namens Bazooka Boppers – war ich immer auf der Bühne am Singen und Rocken, aber jetzt spiele ich Gitarre. Das ist etwas, das total anders ist als in meiner Rockband. Ich denke, es hat einige Jahre gedauert, sich mit diesem neuen Stil vertraut zu machen, aber jetzt fühle ich mich viel wohler mit der Country-Geschichte. Dennoch versuche ich es nach wie vor ein wenig mit Rock zu mischen. Daher denke ich, dass ich mich in beidem zuhause fühle!

Aber was denkst du über dieses negative Image von Country? Ich denke mal, viele Leute denken bei Country an alte Männer mit Banjos und das ist für sie dann Country…

Ich glaube vor allem in Norwegen sind einige Bluegrass-Bands, was sich gut entwickelt. Es ist inzwischen akzeptierter, Country-Musik zu machen – es ist jetzt erlaubt, das zu tun. Vor fünf Jahren war das mehr so was wie: „Oh, du spielst Country? Okay… Warum?!” Aber Country ist soweit ich weiß in etwa die meist verkaufte Musik in der Welt. Also muss es ja definitiv Menschen geben, die Country lieben.

Du spielst sowohl vor Rock-Zuschauern als auch vor Country-Publikum. Was sind für dich da die Unterschiede?

Wenn ich Country-Festivals spiele, sind die Leute mehr dort, um zu tanzen. Sie sehen es als Tanzmusik. Wenn ich eher Rock’n’Roll-Shows spiele wie hier heute, stehen die Leute eher und hören zu. Ich mag das alles gerne, auch akustisch, wie heute. Ich glaube, das Publikum hört mehr auf die Texte und setzt und entspannt sich gern mit einem Bier oder so. Es gibt da verschiedene Arten von Publikum, vor denen man spielt.

Eine andere Sache ist: Du bist jetzt auf Tour, aber es ist – außer der Tour-CD – bisher keine Veröffentlichung von dir erhältlich. Wie steht es um die Pläne für eine Veröffentlichung?

Ich hoffe, im April mit den Aufnahmen für mein Debüt-Album zu beginnen. Es wird im Herbst veröffentlicht, vielleicht im November. Das ist der Plan!

Ich habe auf deiner MySpace-Seite ein Stück namens „Winter“ gefunden. Was bedeutet Winter für dich?

Meinst du den Song oder generell den Winter?

Vielleicht beides…

Vielleicht beides… Ja, Winter ist kalt, wie du weißt (lacht) und dieser Song handelt von einem Kerl, der mich gestalkt hat. Der Song handelt von einer Zeit, in der ich das Gefühl hatte, mit Licht an zu schlafen, weil ich Angst hatte: Ist er in meine Wohnung gekommen? Ist er hier? Wartet er draußen? Und solche Dinge… Ich habe mich entschieden, den Song „Winter“ zu nennen, weil Winter kalt ist und man da dieses Gefühl bekommt. Aber ich liebe den Winter auch. In Norwegen gibt es dann Unmengen von Schnee und man kann Cross-Country-Skiing machen und solche Sachen. Winter kann also beides sein. Es macht dich glücklich und traurig.

Wir haben jetzt gerade über MySpace geredet… Was denkst du generell über die Chancen, die MySpace bietet? Hältst du es für eine große Chance für Musiker oder ist es überbewertet?

Ich denke, es ist eine große Chance. Die Mädchenband Bazooka Boppers, in der ich zuvor gespielt habe… Wir machten eine MySpace-Seite und Vibra Agency kontaktieren uns via MySpace. Sie haben und gefunden und haben unsere Musik gehört, dann machten wir mit ihnen die Tour. Jetzt sind sie mein Management. Ich denke, das ist ein guter Weg, sich als Musiker selbst zu promoten. Du kannst dort deine Musik und deine Videos veröffentlichen und bekommst so durch MySpace Kontakte, was ich für eine gute Sache halte.

Das waren eigentlich schon so gut wie alle Fragen… Ich würde am Ende nur gerne noch wissen, ob es – neben dem Album – bereits Pläne für die nahe und ferne Zukunft mit deiner Musik gibt.

Ich denke, da gilt es abzuwarten. Wir sind auf dieser Tour, die im Dezember gestartet hat. Ich weiß genau, dass Musik das ist, was ich machen will. Also werde ich definitiv weitermachen! Wichtig ist jetzt, baldigst mein Debüt-Album fertig zu bekommen. Das ist jetzt erstmal das Hauptanliegen!

Das waren alle Fragen. Vielen Dank für das Interview!

Weitere Artikel
Konzertbericht: Benedicte Braenden – 17.03.2008, Leipzig Noch besser leben
Konzertbericht: The BossHoss – 16.03.2008, Leipzig Haus Auensee

Homepage: www.benedictebraenden.com
MySpace: www.myspace.com/benedictebraenden

Interview und Bilder: Marius Meyer