Interviews Tristan, 22.08.2009
Interview mit Divine Heresy
Vor kurzem erschien mit „Bringer of Plagues“ das zweite Album der Metal-Band Divine Heresy, auf welchem im Gegensatz zum Vorgänger nicht mehr Tommy Vext, sondern Travis Neal als Sänger auftritt. Ein guter Grund, sich mal mit Travis nicht nur über sein Hinzukommen zur Band, das neue Album sowie die Zukunft der Band, sondern auch über die Shows und die für nächstes Jahr geplante Tour zu unterhalten. Was es dabei zu erfahren gab, könnt ihr nun hier im Interview nachlesen.
Hallo Travis! Bevor wir anfangen: Es kann sein, dass einige unserer Leser euch noch nicht kennen. Kannst diesen kurz erläutern, wer ihr seid?
Wir sind Divine Heresy, eine Extreme Metal-Band aus Südkalifornien. Mit dabei sind Dino Cazares, der Gründer von Fear Factory und Brujeria, Tim Yeung am Schlagzeug – der war früher bei Nile, genauso wie Joe Payne unser Bassist. Zum Schluss bleibe noch ich übrig: Travis Neal, ich singe bei Divine Heresy.
Wie kam es zu der Gründung von Divine Heresy?
Aus einer Vision, die Dino im Jahre 2002 hatte. Allerdings dauerte es noch vier Jahre, bis das ganze Gestalt annahm. Nachdem Dino Fear Factory im Jahr 2002 verlassen hatte, suchte er einen Schlagzeuger, der in die Band passen würde. Zunächst hat er es mit Nicolas Barker von Dimmu Borgir und Cradle of Filth probiert, dieser musste aber wieder zurück nach Skandinavien, weil sein Visum nicht länger gültig war. Danach schrieb er Tim Yeung von Vital Remains. Die beiden haben dann das Material aufgenommen und Demos veröffentlicht. Außerdem wurde nach einem Bassisten gesucht, der langfristig bei der Band mitmachen würde. Bei drei Liedern hat das erstmal Tany Campos von Static-X übernommen und Dino hat den Rest aufgenommen. Nachdem die Suche länger erfolglos war, hat Dino eine Nachricht von Joe Payne bekommen, der früher bei Nile war. Und da Dino diesen mit Nile schon live gesehen hatte und ihm sein Handwerk gefiel war Joe auch wenig später als Bassist dabei. Ich bin im Jahre 2008 als Sänger dazu gestoßen, nachdem Tommy Vext die Band verlassen hatte.
Deine Wurzeln liegen ja irgendwo zwischen Death Metal, Progressive Metal und Hardcore. Wie sieht es denn mit dem Rest der Band aus? Habt ihr alle einen ähnlichen Hintergrund?
Ja, wir alle kommen aus der härteren Richtung, allerdings von unterschiedlichen Stilen. Ich finde die Band ist gut ausgewogen. Es kommen verschiedene Stilrichtungen zusammen, die alle unseren einzigartigen Stil beeinflussen.
Wenn man sieht, wer alles bei Divine Heresy mitmacht, scheint es ja so, als ob ihr einige der besten Musiker dieser Genres gefunden zu haben. Z.B. Ex-Mitglieder von Nile.Wie konntet ihr diese überzeugen, bei euch mitzumachen?
Im Fall von Tom und Joe war das so: Sie haben einfach gesehen, was für ein Potenzial in der Band steckt und das war ein guter Grund für sie, mitzumachen. Ich glaube, da war nicht viel Überzeugungsarbeit notwendig.
Wie sieht es denn mit dem Namen „Divine Heresy“ aus? Wie seid ihr darauf gekommen? Er klingt ja sehr paradox…
Das stimmt, im Grunde repräsentiert er „Gut gegen Böse“. So wie Ying und Yang oder Licht und Schatten im biblischen Sinn. „Divine“ bedeutet göttlich, während Heresy ketzerisch, also gegen Gott, bedeutet. Davon abgesehen fanden wir alle, dass diese beiden Wörter richtig geil zusammen klingen!
Okay, kommen wir mal zu eurem neuen Album: Mir hat es sehr gefallen und ich scheine, wenn ich mir andere Besprechungen durchlese, nicht der einzige gewesen zu sein. Seid ihr mit den Kritiken soweit zufrieden, die ihr bekommen habt?
Absolut! Wir sind richtig froh über das Feedback, das wir bekommen haben. Die Leute scheinen mich als neuen Sänger auch gut aufgenommen zu haben, genau so wie den neuen Klang von Divine Heresy. Okay, es gab einige Leute, die lieber Tommy als Sänger wiedergehabt hätten, aber das wird nicht geschehen. So wie Divine Heresy jetzt besteht, wird die Band weiterhin bestehen!
Der Titel des Albums ist „Bringer of Plagues“, was auch wieder eine biblische Thematik durchscheinen lässt. Auch viele Lieder sind sehr apokalyptisch. Was hat euch dazu inspiriert?
Wie du richtig erkannt hast, haben wir einige Elemente aus der Bibel entnommen: Das Jahr 2012 als Beginn eines neuen Zeitalters zum Beispiel und die Gerüchte um das Ende der Welt und deren Zerstörung. Diese Gedanken spuken vielen Leuten heutzutage im Kopf herum und das war einfach ein Thema, das wert war, darüber etwas zu machen: Mit all den Konfliktherden auf der Welt, dem Klimawandel usw. Es schien einfach ein passendes Thema für die heutige Zeit zu sein.
Davon abgesehen: Wo nehmt ihr denn sonst eure Ideen für eure Lieder her?
Da gibt es eine Menge Einflüsse: Die Welt um uns herum, unsere persönlichen Erfahrungen, Filme, Fernsehen, Videospiele and Bücher… Von so vielem, es hängt einfach davon ab was unsere Aufmerksamkeit erregt.
Und wie entwickelt sich bei euch ein Lied? Habt ihr da eine bestimmte Vorgehensweise? Kümmert ihr euch alle darum oder macht das nur einer in der Band?
Bei uns ist das definitiv Teamarbeit. Erstmal sorgen Dino, Tim und Joe für das Grundgerüst eines Liedes und dann komme ich dazu und fange an, die Texte und die Melodien zu schreiben. Sobald sich der Text anfängt zu entwickeln, nimmt das ganze Lied auch Gestalt an und während er sich entwickelt kommt auch alles an seinen Platz.
Wo du vorhin Tommy Vext erwähnt hast: Er war der Sänger auf eurem ersten Album. Soweit ich weiß, wurde er gegangen, nachdem er sich mit Dino verkracht hat. Was ist denn damals genau passiert?
Dino und Tommy hatten einen Streit, weil Tommy die Idee hatte, die Show zu verkürzen, um danach mit einigen seiner Kumpels von New England Metal Fest rumhängen zu können. Als die Band dann einfach weitergespielt hat, ist Tommy ausgerastet und auf Dino losgegangen. Nun ja – und da das nicht der erste Vorfall dieser Art war und er einfach weder Respekt gegenüber den anderen Bandmitgliedern zeigte noch sonderlich professionell war, gab es keine andere Möglichkeit, als ihn aus der Band zu werfen.
Jetzt bist du ja der Sänger – wie ist die Band auf dich aufmerksam geworden?
Ich wurde, während sich die Band verschiedene Sänger angehört hat, ausgewählt. Ich habe ihnen einige Hörproben via E-Mail geschickt. Eigentlich sollte ich nur zwei Lieder singen und dann bewertet werden, aber ich habe sieben Stück von „Bleed the fifth down“ eingeschickt und das hat den Rest der Band so umgehauen, dass ich ihr Mann war.
Klingt gut! Und wie sieht es mit live Spielen aus? Werdet ihr auch auf Tour gehen? Auch in Europa? Wie sehen da eure Pläne aus?
Jetzt, wo das Album draußen ist, sind wir dabei, das alles zu planen. Wir haben ein paar Sachen fürs nächste Jahr geplant, aber das ist alles noch nicht Spruchreif. Wir werden definitiv im nächsten Jahr auf Tour gehen und während dieser auch in Europa vorbeischauen. Also: Bereitet euch auf uns vor!
Apropos Touren: Ich habe gehört, dass Dino die ganzen Bass-Spuren für euer Vorgänger-Album selbst eingespielt hat. Wie war es denn dann möglich, live zu spielen? Oder hattet ihr da schon einen Bassisten?
Ja, zu der Zeit war Joe schon mit dabei. Und so konnten wir dann auch live loslegen.
Wie sehen eure Shows denn aus?
Chaotisch, wild, total verrückte Gestalten fliegen durch die Luft. Da wird einfach ganz viel Energie freigesetzt – mit anderen Worten: Einfach nur geil!
Dino war ja früher bei Fear Factory: Wäre es deswegen denkbar, alte Fear Factory-Stücke auf euren Shows zu spielen? Oder ist das für ihn und euch ein abgeschlossenes Kapitel?
Nein, Fear Factory ist immer noch ein Teil seines Lebens und Divine Heresy haben auch schon einige Lieder vom „Demanufacture“-Album live gespielt. Außerdem ist das neue Fear Factory-Line-Up, bei dem auch Dino wieder dabei ist, gerade dabei, neue Lieder für das nächste Album aufzunehmen, dass nächstes Jahr erscheinen soll.
Okay, dann muss ich mal fragen: Wenn Dino sowohl bei Fear Factory wieder mitmacht sowie bei Brujeria und Assesino… Ist das nicht eine Menge Arbeit, bei so vielen Projekten mitzumachen? Wie macht er das?
Dino ist nicht mehr bei Brujeria. Assesino gibt es immer noch und bislang gab es da auch keine Probleme. Immerhin hat Divine Heresy mit Assesino auch zusammen gespielt und dann wird halt erstmal ein Divine Heresy-Set gespielt und dann ein komplettes mit Assesino. Und ihm scheint das zu auch sehr zu gefallen.
Da er ja auch Divine Heresy gegründet hat, nehme ich mal an, dass er was machen wollte, was mit seinen anderen Projekten nicht möglich war. Ist das richtig?
Ja, er wollte halt was machen, was mehr in Richtung seiner Wurzeln zurückgeht. Einfach was, das brutal und direkt in die Fresse geht. Er hatte gerade seine arbeit mit Roadrunner fertig und sehr viel so radiotauglichen Kram gemacht. Danach sollte einfach was kommen, was intensiv war und vor allen Dingen eines: Metal in Reinkultur! Und so entstand Divine Heresy…
Oh nein, mit Divine Heresy wird es definitiv weitergehen. Wir alle hängen sehr an dem Projekt und haben mit diesem auch noch einiges vor. Warte mal auf die nächsten Veröffentlichungen, die noch kommen werden.
Das klingt gut! Und wie sehen die Pläne denn konkret aus?
Nun ja, erstmal werden wir uns mit dem neuen Album den Arsch abtouren. Wir haben allerdings noch nicht begonnen, an neuen Stücken zu arbeiten, da wir ja gerade erst das neue Album rausgebracht haben. Aber da wird noch was kommen und ich sehe eine viel versprechende Zukunft für Divine Heresy. Wir haben da was Zeitloses geschaffen!
Vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast, meine Fragen zu beantworten! Wie üblich hast du das letzte Wort…
Da bleibt mir eines zu sagen: Los! Geht zu dem Musikgeschäft eures Vertrauens, besorgt euch „Bringer of Plagues“ und bereitet euch darauf vor, dass wir schon Bald mit unserer Tour über den Erdball fegen werden! Wir sehen uns auf der Tour!
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Rezension: Divine Heresy – Bringer of Plagues
MySpace: www.myspace.com/divineheresyband

Interview: Tristan Osterfeld
Bilder: PR (SureShotWorx)