Interviews Marius, 26.08.2009
Interview mit Everlaunch
Zwar haben sie erst in diesem Jahr ihr Debüt-Album veröffentlicht, aber eigentlich können Everlaunch bereits auf eine ausdauernde Laufbahn zurückblicken. Dies Jahr aber sollte es soweit sein: Auftritte mit großen Acts wie Oasis, die großen Bühnen von Festivals wie Hurricane und Area4 sowie nicht zuletzt natürlich das Debüt-Album. Ein willkommener Anlass, mit Thorsten, dem Sänger der Band, ein ausführliches Gespräch über die Band, ihre bisherige Laufbahn, das aktuelle Album, Konzerte, Festivals und weitere Themen zu reden. Viel Spaß beim Lesen!
Zu Beginn würde ich gerne erstmal wissen: Wer sind Everlaunch und wie hören sie sich an?
Everlaunch ist eine Band, die ihren Sitz im Zentrum irgendwo in der Mitte von Bremen, Hamburg und Hannover, also in Rotenburg hat Ein kleiner Ort, 20000 Einwohner. Musikalisch muss man sich Everlaunch so vorstellen, dass es eine vierköpfige Band ist: Schlagzeug, Bass, zwei Gitarren, Gesang – und das Ganze englischsprachig. Das ist so das Ganze in Kurzform ausgedrückt.
Das ist jetzt erst das Debüt-Album, aber eigentlich seid ihr ja schon eine ganze Weile aktiv…
Genau, im Sommer haben wir unser zehnjähriges Bandbestehen. „Suburban Grace“, die Platte, die jetzt am 24. Juli rausgekommen ist, ist in der Tat das offizielle erste Album, das Debüt-Album. Hat ein bisschen gedauert, aber hat sich gelohnt. Wir hatten ja vorher schon ein paar Demos und EPs in den letzten Jahren in Eigenregie veröffentlicht, aber das ist jetzt wirklich das erste ganz offizielle Werk von uns.
Offiziell ist es ein Debüt-Album – also hattet ihr theoretisch alle Zeit der Welt dafür. Aus welchem Zeitraum stammen denn die enthaltenen Stücke jetzt?
Die Songs auf der Platte sind in den letzten zwei Jahren. Also quasi mit dem Beginn der Platte haben wir auch Songs für die Platte verwertet. Wir hatten natürlich vorher unzählig viele Songs, wo wir selber dachten: „Okay, die sind ganz nett, die finden wir ganz gut“, aber als es dann auch wirklich an die Zusammenarbeit mit dem Produzenten ging, die Songs an sich zu finden, ob sie aussagekräftig genug sind, haben wir dann gesagt, wir lassen alles, was vorher da war fallen und beschäftigen uns ab dem Zeitpunkt nur mit neuen Sachen. Die sind jetzt bis zu zwei Jahre alt, die jüngsten Songs auch ein Dreivierteljahr alt, also relativ frisch.
Wie kam es, dass ihr solange gewartet habt, bis ihr das Projekt Debüt-Album dann auch wirklich angepackt habt?
Warum haben wir so lange gewartet? Eigentlich kann ich dir das gar nicht so genau erklären, das hat sich dann irgendwann rauskristallisiert, dass ein Produzent Lust hatte, mit uns zu arbeiten, weil er irgendwie in uns was gesehen hat, was mehr Daseinsberechtigung hatte als irgendwie eine andere, vielleicht jüngere Band, die das Ganze nur zum Spaß macht. Ab dem Zeitpunkt haben wir es halt richtig ernstgenommen. Als wir den Produzenten kennengelernt haben, das war 2006 das erste Mal. Die ersten wirklichen Zusammenarbeiten haben sich dann 2007 ergeben und ab da hat man dann an der Platte gearbeitet. Das ist der ganze Grund. Man hat zu dem Zeitpunkt, als wir angefangen haben, dann gemerkt, dass wir mehr zu sagen haben und mehr sein wollen als nur eine kleine Band, die hier und da mal ein paar Auftritte spielt, ein Demo veröffentlicht und es das dann gewesen ist… Wir haben halt mehr vor mit der Musik. Das hat seine Zeit gebraucht, aber das ist auch okay. Wir sehen das jetzt nicht so an, als hätten wir Jahre verschenkt. Es ist ja ganz gut gelaufen.
Wenn man sich so ein typisches Everlaunch-Stück mal betrachtet: Wie würdest du das Entstehen beschreiben? So von der Idee bis zum fertigen Stück?
Es gibt verschiedene Arbeitsweisen, die wir da bevorzugen. Die eine: Ganz klassisch, dass du zu viert im Proberaum musizierst und sich aus dem Jam heraus der Song nach und nach formt. Die andere ist, dass es einen Text gibt und der wird dann untermalt mit der passenden Musik. Oder aber auch andersrum, dass einer von uns in den Proberaum kommt und sagt: „Hier ist der fertige Song und den machen wir jetzt gemeinsam, daraus wird ein Everlaunch-Song.“ Das sind die Arbeitsweisen, die sich bei auch als sehr effektiv herausgestellt haben.
Ich würde dann gern wieder zum Album kommen. Das erste, was man sieht, ist ja immer der Titel. Warum „Suburban Grace“?
Ja, warum der Titel… Er umschreibt – genau übersetzt ist es ja – „die Anmutung der Vorstadt/Kleinstadt“. Wir kommen aus einer sehr kleinen Stadt, sind aber der Meinung – das haben glaub ich die Leute auch erkannt – dass der Sound, der auf dem Album zu finden ist, sehr groß ist. Also keine kleine Proberaum-Band oder kein typisches Indie-Ding, sondern nach mehr verlangt und wir auch viel an der Platte in Hamburg gearbeitet haben. Das ist so dieses Kontrast-Ding, mit dem Titel und dem dazugehörigen Artwork, mit dem Album-Cover darzustellen. Du siehst da ja die große Stadt auf der Cover-Front, die unserer Meinung nach nicht unbedingt schön ist, dieses Szenario, das sich da widerspiegelt. Das ist relativ kalt und kühl. Wir haben sozusagen diesen Luxus, den wir genießen können, wir sitzen hier auf dem Land und können in die Großstadt rein. Da können wir viel mehr mitnehmen und auf dem Land in Ruhe verarbeiten. Das ist dieses ständige hin und her Pendeln zwischen Klein- und Großstadt. Das ist so das Leben, das wir derzeit führen. Einige arbeiten in Hamburg, die machen viel Musik in den großen Städten und produzieren da Musik. Das beschreibt der Albumtitel.
Ich hab aus dem Album jetzt mal einige Stücke rausgesucht, über die ich gerne reden würde. Als erstes „Run Run Run“, weil es die Single war. Warum fiel die Wahl auf den Song als Single?
Wir haben natürlich noch eine zweite und dritte Single, die im Oktober und wahrscheinlich Weihnachten erscheint. Es war für uns der Song, der in dreieinhalb Minuten die kompletten Aspekte von Everlaunch sehr gut und sehr stark unterstreicht. Du hast sehr große Momente in dem Song, du hast dann wiederum auch einen ganz kurzen Moment, wo die Band ganz ganz klein ist und es nur den Sänger gibt und nur eine Gitarre, dann hast du es wieder ziemlich straight, du hast das Schlagzeug in den Strophen, die nach vorne treibenden Refrains… Wir waren der Meinung, dass der Song einen guten Überblick über das gesamte Album gibt. Deshalb haben wir den Song gewählt.
Ein anderer, der bei mir stark hängengeblieben war, ist „Sit and Wonder“. Worum geht es dabei? Welches Gefühl will er vermitteln?
„Sit and Wonder“ – da müssten eigentlich noch x Ausrufezeichen hinter den Text, diesen Titel. Das ist eine Warnung an die Leute, die selber Beziehungen und selber mit einer Beziehung schon fast abgeschlossen haben und dann kurz bevor sie eigentlich schon sagen wollen „ja, okay die Beziehung ist beendet“ noch einmal die Kurve kriegen. Aber nicht, weil sie selber sich davon überzeugen könnten, die Beziehung noch einmal anzugehen, sondern weil der andere Lebenspartner erkennt, dass die Beziehung noch Sinn macht. Es ist halt ein ganz klassisches Beziehungsthema, wenn man es so nehmen möchte. Aber aus meiner Sicht eher mit der Aufforderung zu deuten: Überlegt euch ganz gut, was ihr mit eurer Beziehung anstellt. Und überlegt euch gut, wenn es euch in einer Beziehung nicht gut geht, ob ihr dann wirklich gleich den Schritt gehen wollt und sagen: Ich cancel die ganze Beziehung. Das, was man sich vielleicht über Jahre aufgebaut hat, lass ich fallen. Da sollte man sich vielleicht noch zwei drei Mal überlegen, ob das denn wirklich der richtige Schritt wäre.
Dann gab es noch „Stop the Clocks“. Warum sollen da eurer Meinung nach die Uhren angehalten werden?
Es ist ja auch irgendwie bei der ganzen Platte so, dass es ganz persönliche Dinge sind, die da in den Texten wiedergegeben werden. In „Stop the Clocks“ geht um eine Person, die einem sehr nahe steht. So gesehen ist der Titel ein Widerspruch mit dem, was der Text wiedergibt. Man soll sich nicht ausruhen und warten, dass das Leben auf einen zukommt, sondern es vielmehr in die Hand nehmen. Auch, wenn man eine Vergangenheit erlebt hat, in der man quasi zu dem erzogen wurde. Es ist eine Aufforderung, auch da zu sagen: Okay, lassen wir die Vergangenheit jetzt einfach so sein, wie sie war und ab jetzt nehm ich mein Leben selber in die Hand und mach auch was draus. Selbst wenn ich die letzten Jahre nichts auf die Reihe gekriegt hab, ist jetzt der Moment. Wenn ich dann noch den Song höre, dass dann der richtige Moment kommt. Es geht um einen Typen, der in seinem ganzen Leben nur rumgehangen hat und jetzt soll er sein Leben in die Hand nehmen.
Neben den Album-Songs sind noch drei Remixe auf dem Album zu finden. Welche Wichtigkeit haben die für euch, dass sie auch auf dem Album gelandet sind?
Die Frage hat jüngst auch jemand gestellt, die ich auch sehr berechtigt und gut finde, weil es was komplett anderes ist zu dem Rest, zu dem eigentlichen Album. „Seesaw“, diese kleine Akustik-Nummer, haben wir raufgepackt, aus dem einfachen Grund, dass wir dem Zuhörer oder dem Hörer der Platte ganz klar sagen wollen, dass Everlaunch-Songs, auch wenn sie so groß produziert sind in so einem krassen Pop-Gewand, dass sie auch in seiner reduziertesten Form mit der Stimme und einem begleitenden Instrument – sei es jetzt die Gitarre oder ein Klavier oder irgendwas anderes – immer noch funktioniert, sogar noch intensiver als die eigentliche Album-Version. Man kann es auch als Singer/Songwriter inszenieren.
„Picturefreak“ war so: Die Klavierversion hat ein Mensch aus England eingespielt. Das ging über Web 2.0, den hatten wir in einer Community kennengelernt. Der hatte uns gehört und fand uns super und hat gefragt, ob wir was dagegen haben, wenn er sich als Pianist daran probiert. Wir haben ihm völlig die Freiheit gelesen, welchen Song er nimmt. Die Wahl fiel dann auf „Picturefreak“. Wir waren sofort begeistert von der Nummer und haben dann gesagt, die muss unbedingt Gehör finden. Daher ist sie als Bonus-Version dabei.
Und dieser Remix von „Gravity“, das war so eine ganz spontane Aktion von unserem Produzenten Timo und unserem Gitarristen. Die haben abends, als das Album eigentlich schon fertig war, im Studio, hatten ein paar Bierchen getrunken und hatten einfach mal Lust, was komplett anderes mit Everlaunch zu machen. Die Nummer war auch nicht ganz ernst. Das ist eher so ein bisschen Ausbruch. Viele Leute, die die Platte jetzt rezensieren, sehen da eine sehr verbissene Nummer bei dem Remix und haben es leider nicht ganz verstanden, dass er auch nicht ganz ernst gemeint war. Ist aber auch okay, so haben die auch was zu sagen, um vielleicht einen Minuspunkt zu finden. Aber wir haben selber Spaß dran, wenn die wer im Auto auflegt und wir am Ende noch mal so ein elektronisches Stück haben. Wir finden es auf jeden Fall gut, dass auch diese Version auf der Platte ist und noch einmal so einen komplett anderen Weg geht, den die Musik von Everlaunch gehen kann.
Zu „Run Run Run“ noch mal: Da habt ihr ja auch ein Video gedreht. Worum geht es in dem Clip?
Es geht um eine Beziehung zwischen mir als Sänger und einer Dame, die ihre Position hat und ihre Rolle spielt, aber diese Beziehung aber so gesehen auch nicht da ist. Die besteht nur durch Blicke und die Worte, die da sind mit der Kamera. Es gibt nicht einen Moment, wo die Beziehung wirklich da ist, aber man hat trotzdem das Gefühl, dass da eine Beziehung ist zwischen dieser Frau und mir. Das ist eine sehr simple Sache. Wir haben auch versucht, die Bilder, die Lichteffekte, die Band und wie sie aussieht, für sich sprechen zu lassen. Wir wollten keine total durchkonzipierte und durchgeschriebene Geschichte in den dreieinhalb Minuten wiedergeben, sondern auch da eher sagen: Wir lassen die Musik von Everlaunch für sich sprechen und unterlegen sie mit schönen Bildern. Dass das ganze Wirkung zeigt, sieht man ja: Das Video wird im Moment bei MTV gespielt und findet auch da seinen Anklang und seine Aufmerksamkeit. Und auch im Netz.
Wie seht ihr denn generell heutzutage die Wichtigkeit von Musikvideos? Hat das im Fernsehen noch viel Sinn oder ist der große Markt inzwischen eher YouTube? Vor ein paar Jahren nach dem Ende von Viva Zwei war es ja erstmal so, dass man gedacht hat, das Musikvideo sei erstmal tot…
Ja, also ich find es immer noch sehr wichtig, vor allem als Künstler, weil du dich noch mal anders ausdrücken kannst und die Musik noch mal anders darbieten kannst, wenn es mit einem Video hinterlegt ist. Ich ganz persönlich schaue kein MTV. Es sei denn, es läuft Samstagabends die Rockzone, wo unser Video halt platziert wird, oder auch sonst, wenn es nicht läuft, schau ich mir die Rockzone an oder auch nachts mal, wenn da noch die Musik ansatzweise läuft, die mich interessiert. Sonst seh ich für mich persönlich die Wichtigkeit von Musikfernsehen nicht mehr ganz so groß. Ich denke, das geht vielen Leuten so. Ich glaube, die nutzen dann eher den Vorteil und gehen ins Netz und können sich aussuchen, was sie sehen wollen anstatt dass sie bei MTV dann den ganzen Tag vorm Fernseher sitzen und hoffen, dass das Video, das sie sehen wollen, mal mitläuft. Da muss man ganz ehrlich sein, dass die typische analoge oder digitale Fernsehen nicht mehr so die Wichtigkeit hat wie noch in den 90ern als dann auf Viva Zwei wirklich noch täglich viele gute Videos liefen. Wenn dann eine deutsche Indie-Band wie Slut bei Viva Zwei in den 2Rock-Charts lief und da auf den vorderen Plätzen war, dann hat sich das auch noch ausgewirkt auf die Band, auf die Konzerte, auf die Verkaufszahlen der Alben. So was findet heute leider leider nicht mehr statt.
Wie würdest du denn generell den derzeitigen Musikmarkt einschätzen? Ich frage, weil ich im Booklet gelesen habe, dass ihr euch bei den Leuten bedankt, die das Album geklaut haben.
Genau, das hatte mich auch einer von der Visions letzten gefragt, warum wir diesen Satz geschrieben haben. Wir sind der Meinung: Wenn derjenige am Anfang unsere Musik sich illegal besorgt über Rapidshare oder so und dann zu unserer Musik dadurch findet und vielleicht ein Konzert besucht. Dann find ich das okay. Nicht okay finde ich, wenn er die Musik geil findet und es dann nicht schätzt. Selbst, wenn er sich melden würde und sagt, dass er das gut findet, wäre mir das genug. Aber ich möchte von den Leuten hören, dass sie sich damit auseinandersetzen. Wenn sie sich das runterladen und das dann scheiße finden und wieder vom Rechner löschen, ist es für mich immer noch okay. Deshalb sagen wir das auch ganz offen: Wenn ihr unsere Musik klaut, ist es okay, aber dann setzt euch auch bitte intensiv damit auseinander, schätzt unsere Musik und im besten Fall seid ihr dann so ehrlich und unterstützt uns als relativ kleine Band und besucht unsere Konzerte oder kauft die Platte oder am besten beides. Das ist so die Meinung. Ich merke ja auch bei dir, dass du dich mit der Platte und den Texten intensiv auseinandergesetzt hast, das find ich auf jeden Fall gut!
Was mir im Booklet auch noch auffiel ist, dass ihr euch bei Paulsrekorder bedankt habt. Was verbindet euch mit der Band?
Wir kennen die selber auch schon sehr lange. Die gibt’s ja auch schon seit 2001 oder 2002. Ist auch eine Bremer Band, man läuft sich öfter über den Weg. David von Paulsrekorder war zum Beispiel am Freitag auch bei unserer Release-Show in Berlin zu Besuch. Das ist einfach so ein Hallosagen, wir freuen uns immer wieder, wenn wir sie treffen. Das macht man gerne mal und wenn ich mich nicht irre, haben die uns in ihrem Debüt-Album auch gegrüßt. Und warum soll man so was verstecken? Man muss ja nicht sagen: „Es gibt nur uns“, sondern auch mal die Leute auch auf andere Bands aufmerksam machen. Daher stehen da zum Beispiel Paulsrekorder oder auch die Jungs von Computer aus Hamburg auch mit drin. Das sind halt Kollegen von uns, die wir selber sehr sehr schätzen und finden das gut, was die machen mit ihrer Musik.
Du hast gerade schon die Release-Konzerte angesprochen… Ich habe mal ein paar Live-Berichte von euch gelesen und mir ist aufgefallen, dass öfter mal der Vergleich mit Placebo fällt, den ich gar nicht so sehr sehe. Wie seht ihr diesen Vergleich?
Mittlerweile sehe ich ihn auch, wenn ich unsere Musik sehe, gleich null. Es ist einfach so, dass wir live am Ende des Konzerts – das ist so Tradition mittlerweile – „Setting Sun“ spielen als letzten Song spielen, weil es sich anbietet, den am Ende wirklich zerbrechen zu lassen und ihn komplett auseinander zu nehmen. Und wir packen in diese Nummer ein Cover von „Running up that hill“ rein, was ja von Kate Bush ist, aber Placebo beispielsweise haben das Ding von ihr gecovert. Sie war ja so eine 80er-Ikone – und da sprechen uns dann viele junge Leute an „oh, dieses Placebo-Cover war total toll“. Obwohl es nicht von Placebo ist, sondern von Kate Bush. Deshalb taucht es dann auch mal auf, dass wir sie in dem Moment an Placebo erinnern. Das ist auch okay. Auf der Platte hör ich es hingegen gar nicht mehr. Zu früheren Zeiten hat man das dann öfter auch in irgendwelchen Reviews oder auf der Website gelesen.
Aber heute ist das wohl nur noch durch dieses eine Live-Ding bedingt. Ich kann da aber auch mit leben. Wenn die Leute irgendwas in unserer Musik sehen, dann ist das ja gut. Selbst, wenn sie sagen: „Ihr klingt nach der und der Band.“ Das sind viele unterschiedliche im Moment. Man darf natürlich nie seine Eigenständigkeit verlieren, das machen wir auch nicht, aber es bringt einem ja selber mehr. Wenn ich als Besucher auf einem Konzert von Everlaunch war und gehe nach Hause und erzähle dann meinen Freunden am nächsten Tag, dass ich auf dem Konzert war, dann sagen die, weil wir ja noch nicht so groß sind: „Die Band kenn ich gar nicht. Wie klingen die denn?“ Und dann ist es ja nahe liegend und gut, wenn die sagen können: „Die klingen in etwa wie die und die Band.“ Dann können die Leute da mehr mit anfangen als wenn man es nicht so sagen kann. Dann ist es auch okay, wenn die Vergleiche ranziehen.
Das mit Placebo hab ich zum Beispiel in einem Bericht gelesen zu dem Konzert mit Oasis am Jahresanfang… Da würde ich sowieso gerne mal wissen: Wie war das für euch, mit Oasis zu spielen? Was hat euch das bedeutet, mit einem derartig großen Act zu spielen? Und wie wurdet ihr da aufgenommen, auch vom Publikum?
Es war auf jeden Fall ein sehr schönes Ereignis und ich glaube auch, man kann fast sagen, in der Größenordnung fast einzigartig. Das könnte ein einzigartiges Erlebnis bleiben. Ich hoff es natürlich nicht, aber wenn es so ist, ist auch okay. Es war supergeil, in der Philipshalle, die mit 8000 Leuten knapp ausverkauft war, in einer so großen Arena zu spielen. Und du hast halt deine Musik in so einem Raum festgehalten. Sonst hat man vielleicht mal bei Open Air Festivals so eine Besucherzahl, aber da verfliegt ja der Sound, einfach weil es Open Air ist. Das ist ein unbeschreibliches Gefühl, wenn du da in so einer Halle spielst und der Sound wirklich da gefangen und dicht auch ist. Die Leute haben uns super aufgenommen. Man kennt ja die Oasis-Fans, die als sehr stur bezeichnet werden, die halt eher Oasis-fixiert sind. Aber dies Gefühl hatten wir gar nicht, die hatten uns sehr positiv aufgenommen, haben sich sehr dankbar gezeigt auch nach dem Konzert, als es dann an die Merchandise-Sachen ging. Das war sehr gut. Die Leute um Oasis herum haben uns supernett empfangen, waren sehr unterstützend, auch bei Sound und Technik. Oder auch hinten im Backstage, die Catering-Leute. Oasis hatten eine eigene Catering-Firma auch dabei, die die Welt-Tournee begleitet haben. Die Jungs von Oasis selber auch, die wir glücklicherweise dann auch Backstage getroffen haben und mit denen ein paar Worte gewechselt haben. Das war alles super. Das, was man sonst immer hört, das wären alles total die arroganten Leute. Diese Rolle spielen sie vielleicht nach außen, aber wenn du mit denen dann zusammenarbeitest, sind das auch ganz normale, nette Menschen. Nur dass die halt etwas mehr Geld auf dem Konto haben als man selber.
Und wie war für euch die Festival-Saison? Ich hab gesehen, dass ihr wirklich sehr unterschiedliche Festivals gespielt habt. Hurricane mit 60000 Leuten, dann wiederum so was wie „Rock am Schloss“ mit 3000 Leuten.
Was wir bisher gespielt haben, war alles super. Das waren verschiedene Situationen. Wir haben ja sowohl Hurricane als auch Southside gespielt, haben beim Southside am Freitagabend um sieben im Zelt gespielt, bei Regen. Das Zelt war bis oben hin voll, es kannte uns niemand, die Resonanz direkt beim Konzert war super, die Leute haben die Musik dankbar angenommen, haben mitgemacht. Wir haben selber sehr sehr lange gefeiert den Abend und am Sonntag haben wir dann als zweite oder dritte Band auf der großen Open Air-Bühne beim Hurricane gespielt. Die Leute waren sehr müde von dem Festival, aber auch da war dann die Resonanz wieder sehr gut. Die Leute haben gut mitgemacht. Das waren halt große Dinger, das macht immer Spaß. „Rock am Schloss“ war auch super. Wir hatten da am ersten Tag des zweitägigen Festivals einen sehr guten Slot, ich glaube abends um elf als drittletzte Band, die Leute hatten Lust auf uns. Bisher war die Open Air-Saison sehr gut und es kommen ja noch zwei drei Dinger, die wir jetzt spielen. Wir spielen noch beim Area4-Festival, dann Ende August noch einmal ein Festival in Scheeßel, wo wir selber Headliner sind, weil wir aus der Gegend kommen. Ich glaube, das wird ähnlich weiter so schön verlaufen, wie es bisher der Fall war.
Jetzt mal ein kurzer Blick in die Zukunft… Ich hab letztens gehört, dass ihr schon am zweiten Album gearbeitet habt, bevor das erste überhaupt auf dem Markt war.
Genau, wir haben angefangen, einfach um mal zu gucken, weil wir ja Oktober/November/Dezember auf Tour sind. Wir wollten einfach mal gucken: Wie kann vielleicht das nächste Album aussehen? Deshalb waren wir schon eine Woche fernab von allem und haben im mobilen Studio gearbeitet und haben einfach mal ein paar Song-Ideen genutzt, um zu gucken, wie die Platte klingen könnte. So doof das klingt: Es wird ein bisschen anders klingen, wird immer noch viel die typische Besetzung Gitarre, Bass, Schlagzeug, Gesang geben, aber wir werden dann auch glaub ich neue Elemente mit reinbringen. Die Synthesizer wahrscheinlich noch krasser in den Vordergrund gestellt, weil wir das momentan sehr gerne machen. Wir arbeiten jetzt aber auch nicht verkrampft, dass wir auch noch im Frühjahr eine Tour machen und im nächsten Sommer die nächste Platte rausbringen, sondern wir werden gucken, dass die Platte gut wird, noch besser als die erste und dann gucken, dass die wahrscheinlich Ende nächsten Jahres rauskommt. Wenn es dann etwas später wird, ist das auch okay für uns. Wir haben bisher noch nie Sachen gemacht, die irgendwie halbgar waren – und das werden wir auch weiterhin so praktizieren. Die Leute kennen uns so und haben da auch Verständnis für. Ich glaube, das ist der richtige Weg. Es gibt zu oft Bands, die das erste Album rausgebracht haben und dann mit der zweiten Platte gar nichts mehr zu sagen hatten. Das wollen wir definitiv vermeiden und werden wir auch.
Das war es von mir mit Fragen. Zum Abschluss würde ich nur gerne noch wissen, ob es schon weitere Pläne für die nahe und ferne Zukunft von Everlaunch gibt, wie eine zweite Single oder so.
Es gibt unsere Tour, die im Oktober startet. Da gibt es auch eine zweite Single, „Seesaw“ wird das werden. Da ist die Album-Version drauf, die Unwired Version, die auch auf dem Album ist, dann noch ein Remix von den Freunden von Computer und dann gucken wir, was zu Weihnachten oder Anfang nächsten Jahres machbar ist, wahrscheinlich dann noch die dritte Single vom Album. Welche das dann sein wird, wissen wir noch nicht. Im Frühjahr dann noch eine zweite Tour zum Album und dann geht es ans nächste Album. Das sind so die Pläne. Wenn zwischendurch noch irgendwas ansteht, dass externe Konzertveranstalter auf uns zukommen und sagen, sie möchten uns gerne irgendwo reinbuchen in irgendwelche Konzerte, ist das auch okay. Dann würden wir uns freuen, wenn das stattfindet, wenn sich das anbietet.
Ich bedanke mich für die ausführlichen Antworten!
Weitere Artikel
Rezension: Everlaunch – Suburban Grace
Homepage: www.everlaunch.de
MySpace: www.myspace.com/everlaunch

Interview: Marius Meyer
Bilder: mightyTUNES