Mit einer undogmatischen und überaus eigenwilligen Mischung aus Metal, Rock, Funk und Pop die man so bislang selten erlebt hat, erregte die noch relativ junge Band Jam Pain Society mit ihrem Erstlingswerk Black Light Messiah einiges an Aufmerksamkeit. So schafften sie es auch direkt mit ihrem Debüt, einen Deal mit Locomotive Records zu ergattern. Grund genug, ihre Sängerin Leah Kirby über ihre Musik, die Entstehung der Band und ihre musikalischen Vorbilder einige Fragen zu stellen. Viel Spaß beim Lesen!

Bevor es richtig losgeht, erzählt doch bitte kurz unseren Lesern, wer ihr seid!

Wir sind Jam Pain Society, eine fünfköpfige Rock-Band aus den USA. Unsere Musik ist eine durchdachte Kombination verschiedener Musikrichtungen: Schwere Gitarrenriffs mit engen rhythm sections, die die Grundlage jedes Songs sind, dazu starke Hooklines und ehrlicher Gesang voller Seele und Leidenschaft.

Die Bandmitglieder sind: Chris Hill, verantwortlich für Gitarre und Hintergrundgesang, Greg Putnam am sechs-saitigen Bass, Chapman Stick ebenfalls am Background-Gesang beteiligt, Matt Frederick: Bass und Background-Gesang, Nick Campbell am Schlagzeug und schließlich ist meine Wenigkeit die Sängerin der Band.

Wie kam es zur Gründung von Jam Pain Society?

Die Idee, eine Band zu gründen, die so klingt wie Jam Pain Society, entstand eigentlich schon bevor wir fünf uns überhaupt getroffen haben. In einer ganz frühen Phase, als Chris einige der Songs schrieb, spielte er einige Lieder der Band Parliament auf seiner Metal-Gitarre und merkte, dass er damit auf etwas gestoßen war und erarbeitete daraus ein Konzept.

In der Zwischenzeit entstanden weitere Teile, die zur Bandgründung führten: Während ich aufwuchs, hatte mein älterer Bruder, der AC/DC, Black Sabbath und Judas Priest hörte, großen Einfluss auf mich, auch wenn die Musik häufig als Geschrei im Vergleich zu anderer Musik aussah.

Nick hat sich in seinem Zimmer verbarrikadiert, um die rudimentären Fertigkeiten am Schlagzeug zu erlernen. Greg dagegen spielte in einer Progressive-Rock-Band und nebenbei in einer Dream Theater-Coverband und Matt hat seine ersten Erfahrungen mit der Art von Musik in einer lokalen Metal-Band gesammelt, die Chris damals produziert hat.

Irgendwann trafen sich Chris und ich und wir begannen, damit Lieder zu schreiben und die Band zu gründen. Wir haben uns dann mehrere Drummer angeschaut und angehört, bis wir uns für Nick entschieden haben. Danach wurde dann ein Bassist gesucht, wobei die Entscheidung auf Matt fiel. Da wir einen stärkeren Live-Sound haben wollten und nicht einfach wie jede andere Band einfach ’ne zweite Gitarre oder ein Keyboard dazunehmen wollten, haben wir uns für einen weiteren Bassisten entschieden. Greg war der erste, der auf unsere Anzeige reagierte und als wir ihn spielen sahen war klar, dass er der richtige für den Job war. Er war genau das, was wir gesucht hatten und als wir ihn den Chapman Stick spielen sahen, waren wir einfach nur umgehauen.

Wenn man sich euer Album „Black Light Messiah“ anhört, merkt man schnell, dass ihr sehr viele verschiedene Stile miteinander vermischt und etwas völlig neues kreiert. Gibt es Bands von denen ihr inspiriert wurdet?

Ja, absolut. Obwohl eigentlich jeder von uns einen unterschiedlichen Musikgeschmack hat. Allerdings bauen auf dem auf, was wir alle als die besten Bands ansehen. Dazu gehören unter anderem KISS, Led Zeppelin, Van Halen, Pantera, Stevie Wonder, Prince, White Zombie, Lenny Kravitz, Marilyn Manson, Disturbed, Tool, Dag, Aretha Franklin, Mother’s Finest, Alanis Morissette… Die Liste kann man ewig so weiterführen, aber belassen wir es mal bei den genannten.

Gibt es auch nicht-musikalische Einflüsse bei Jam Pain Society?

Natürlich. Das übliche Hin und Her, die Frustration im Alltag, das Integrieren in eben jenen und gleichzeitig weiter seinem Traum nachzueifern, ist eines unserer Hauptthemen. Das Thema findet man wie du sicher weißt jeden Tag – alles, was dazu führt, dass man versucht, der zu werden, der man wirklich ist und das ist nicht leicht, genauso wenig nehmen wir das Thema auf die leichte Schulte. Auch das Bedürfnis, ehrlich zu sein, die Dinge realistisch zu sehen, aber dennoch seine Hoffnung nicht zu verlieren – all das kann sehr schwierig sein, besonders wenn alles auf einmal zusammenkommt und dazu dann noch das richtige zu tun, obwohl die ganze Welt dich zu nötigen scheint, genau das Gegenteil zu tun. Letzten Endes ist das eine Menge Stoff, um viele gute Songs zu schreiben.

Und wo liegen eure Wurzeln? Wie kamt ihr überhaupt zur Musik?

Wie ich bereits schon in vorigen Fragen erwähnte, durch eine gleichwertige Anerkennung verschiedener Genres: Rock, Metal, Funk, Pop usw.

Um noch einmal auf den Genre-Mix in eurer Musik zurückzukommen: Bist du oder eines der anderen Band-Mitglieder noch in anderen Bands involviert? In Metal-Bands oder Bands, die gar nichts mit Metal zu tun haben. Oder gibt es andere Bands, in denen ihr früher gespielt habt?

Wenn JPS nicht im Studio oder auf Tour ist, spiele ich gelegentlich mit meinem Onkel und meinem Bruder oder anderen Leuten aus der Stadt Cover-Versionen anderer Lieder auf Konzerten. Wir spielen alles: Von Oldies zu moderner Tanzmusik und alles was dazwischen liegt.

Wenn es die Zeit zulässt, macht Nick gelegentlich bei Nebenprojekten mit, die ganz andere Musik machen als JPS. Man kann ihn ebenfalls auf Open-Mic Jam Sessions finden, wenn er nicht grade bei uns ist.

Chris lebt quasi im Studio. Wenn er mal nicht bei JPS ist, produziert er andere Bands. Derzeit produziert er ein Album einer Band namens Unsound und ist total aufgeregt deswegen. Die Richtungen der Bands variieren. Er sucht sich die Projekte nach dem aus, was ihm gefällt.

Greg bringt anderen Bass Spielen bei und er ist vor kurzem damit fertig geworden, Bass-Spuren für Eleventh Hour einzuspielen. Das ist die Band, in der er spielte bevor er zu uns kam. Bevor Matt zu JPS stieß, spielte er Bass für eine Band, die Chris produziert hat. Die hieß Drill 187. Jetzt ist er aber voll und ganz bei JPS.

Und was hört ihr so Privat?

ch tendiere da eher im Gegensatz zu dem, was ich singe zu, entspannterer Musik. Ich denke mal, so gleicht sich das aus und natürlich bringt jeder Tag eine andere Laune mit sich. Ich hör mir regelmäßig Alanis Morisssette und Fiona Apple an. Außerdem bin ich ein großer Chris Cornell Fan – ich höre hauptsächlich seine Solo-Sachen, obwohl ich alles mag, was er so macht. Seine erste Solo-CD Euphoria Morning ist einer meiner Allzeit-Favoriten. Ich hab außerdem vor kurzem Dashboard Confessional für mich entdeckt und es macht verdammt viel Spaß, sie mir anzuhören. Letzten Endes mag ich auch Stevie Wonder, egal in welcher Stimmung ich mich befinde.

Was die anderen betrifft, weiß ich, dass Chris Lenny Kravitz, KISS, Pantera und Disturbed hört. Außerdem hört Nick Tool, Dave Matthews Band, Dr. Dre und die Beastie Boys. Ich bin mir sicher, dass Matt ’ne Mange New Metal hört, da er ständig versucht, uns so’n Zeug anzudrehen. Und Greg hört glaube ich in der letzten Zeit viel Old-School Funk.

Ihr seid ja direkt mit eurem ersten Album bei Locomotive Records gelandet, die ein durchaus bekanntes Label sind. Wie ist dazu gekommen und wie habt ihr ihre Aufmerksamkeit erregt?

Wir haben Locomotive durch Carol Kaye, die für Kayos Productions arbeitet, kennen gelernt. Ihre PR-Agentur kümmert sich viel um Locomotive-Künstler und -Veröffentlichungen in den USA. Ein Freund von ihr hat sie auf uns aufmerksam gemacht: Micheal McConell, der mittlerweile auch zu unserem Manager geworden ist. Carol gefiel, was sie von uns hörte und dachte sich, dass Locomotive das ähnlich sehen würde. Also hat sie einige unserer Lieder dorthin geschickt. Da Locomotive ebenfalls sehr angetan waren, boten sie uns einen Vertrag an.

Ihr seid ja noch eine relativ junge Band: Habt ihr schon Konzerte gespielt? Wenn ja: Wie hat das Publikum reagiert? Wie sieht es mit zukünftigen Konzerten und Tourneen aus? Werdet ihr auch nach Europa und Deutschland kommen? Wenn ich mir eure Musik so anhöre, muss es ein fantastisches Gefühl sein, euch live zu sehen.

Vielen Dank! Ja, wir haben schon eine ganze Menge Konzerte gespielt. Unsere lokalen Fans sind gekommen und erwarteten eine Show und wir haben ihnen gegeben, was sie wollten – und da hat es keine Rolle gespielt, wie groß der Veranstaltungsort war!

Egal ob zehn oder 10000 Leute: Wer zu unseren Konzerten kommt, bekommt auch was für sein Geld. Wir nehmen sowohl den akustischen als auch den visuellen Aspekt unserer Auftritte sehr ernst und keiner der beiden steht über dem anderen.

Wir haben vor kurzem einige Konzerte mit Ace Frehley gespielt und die Reaktionen des Publikums waren unglaublich. Wir arbeiten auch mit unserem Management an weiteren Tourdaten für die nahe Zukunft, um unser Album noch mehr Menschen nahe zu bringen – und wir würden es lieben, Konzerte in Europa zu spielen.

Wo du gerade Ace Frehley erwähnt hast: AceFrehley, ehemaliges KISS Mitglied hat ja als Gastmusiker auf eurem Album „Black Light Messiah“ mitgearbeitet. Wie kam es zu dieser Zusammenarbeit?

Ein Freund von uns hat Ace einige unserer Lieder vorgespielt und da er unsere Musik mochte, hat unser Freund ihm vorgeschlagen, bei einem unserer Songs mitzuspielen und Ace sagte: „Klar!“ Das war eigentlich alles – so einfach ging das. Das nächste, was wir wussten war, dass Chris zu Ace in sein Heimstudio gefahren ist und dort Ace und den Ton-Engineer Rich Tozzoli traf und die Lieder aufgenommen hat. Chris ist ein großer KISS-Fan, also ist für ihn sozusagen ein Traum wahr geworden. Er meinte: „Das war war besser, als einen Grammy zu gewinnen.“ Davon abgesehen meinte er, dass es ein beeindruckendes musikalisches Erlebnis war, aber noch viel mehr war er beeindruckt davon, wie cool die Zusammenarbeit mit Ace war. Er muss eine tolle Zeit gehabt haben.

Jam Pain Society ist ein interessanter Bandname. Wie seid ihr auf diesen gekommen? Was bedeutet er?

Wir sind eine fan-orientierte Band, daher das „Society“. Das „Jam Pain“ resultierte daraus, dass wir versucht haben, Worte für das zu finden, wie unsere Musik klingt. Und diese schienen da am besten zu passen.

Und bei eurem Album? Wie kamt ihr auf den Namen „Black Light Messiah“ und was soll das Album-Cover ausdrücken?

Der Titel „Black Light Messiah“ dreht sich um Heldenverehrung. Ich weiß nicht, wie es in Europa ist, aber hier in den USA suchen viele Leute nach einem Helden, den sie verehren und dem sie nacheifern können und genauso nach einem Sündenbock, den sie für alles verantwortlich machen können. Das „Black Light Messiah“-Konzept geht also hauptsächlich um eigene Verantwortung. Es geht darum, selber was zu erreichen und selber der Held zu werden. Davon bräuchten wir mehr in der Welt.

Zum Album-Cover kann ich nur sagen, dass es im Grunde zeigen soll, wie etwa unser Album klingt, in Anbetracht der Stilmischung usw.

Dazu: Wenn dich jemand fragen würde, wie eure Musik klingt, der eure Musik noch nie gehört hat: Was würdest du ihm sagen?

Es ist eine Mischung aus Hard Rock und Metal, die auf Funk, Industrial und Pop trifft, mit melodischem und dennoch dreckigem Gesang, die man so noch nicht gehört hat.

In eurem Lied “Here it is” singst du ja auch „So here it is, the undefinable…“. Ist das auch etwas, das eure Musik in gewisser Weise beschreibt und was du über diese sagen würdest oder was meinst du damit?

Im Großen und Ganzen würde ich unsere Musik so beschreiben. Der Text selber handelt von Individualität und unserem Einsatz für diese und unserer Kraft. Es geht auch im die Idee, dass es Kategorien gibt, in die wir bestimmt reinpassen – allerdings auch nur bis zu einem gewissen Grad. Mit anderen Worten: Wir sind nicht nur Metal oder Pop, auch wenn dies für einige Lieder zutrifft. Wir sind auch oft genug beides.

Das Lied “Wasted” fiel mir auch sehr schnell auf. Was kannst du mir über das Lied sagen?

Der Text von “Wasted” ist eine Reaktion darauf, wie Promis angebetet und idealisiert werden und die Geilheit der Menschen diese wieder von dem Thron zu reißen, auf den sie sie selber gesetzt haben. Es geht auch darum, dass es mittlerweile in Ordnung ist, Klatsch und Spekulationen als wahrhaftige Neuigkeiten darzustellen.

Gibt es denn noch andere Lieder, zu denen du gerne was sagen möchtest?

Es mag vielleicht eine abgedroschene Phrase sein, aber jedes Lied auf unserem Album hat einen tieferen Sinn für uns, die sie es geschrieben haben. Deswegen kann ich auch nicht einfach irgendeinen Song rauspicken und die anderen vernachlässigen. Wir bemühen uns, die Lieder so zu schrieben, dass sie unsere persönlichen Gefühle und Erfahrungen widerspiegeln und wer auch immer unsere Musik hört sich in dieser wieder finden kann.

Als letzte Frage: Was habt ihr als nächstes vor? Gibt es schon konkrete Pläne für die Zukunft?

Langfristig möchten wir Musik aufnehmen, auf die wir selber stolz sein können. Im Moment geht’s erstmal darum, möglichst viel zu touren und „Black Light Messiah“ so vielen Leuten wie möglich schmackhaft zu machen.

Vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast meine Fragen zu beantworten. Die letzten Worte gehören dir…

Ich selber habe zu danken: Einmal für das Interview und viele wirklich gute Fragen und des Weiteren dafür, dass du dir die Zeit genommen hast, unser Album zu hören und dich damit auseinander zu setzen. Wir können es kaum erwarten, nach Europa zu kommen und unsere dortigen Fans zu treffen. Jeder, der das Interview liest und unsere Musik mag, kann uns gerne per Mail oder Myspace schreiben, woher er kommt. Wir werden alles tun, um zu euch zu kommen. Danke!

Weitere Artikel
Englische Version des Interviews
Rezension: Jam Pain Society – Black Light Messiah

Links
Homepage: www.jampainsociety.com
MySpace: www.myspace.com/jampainsociety

Interview: Marius Meyer
Bilder: PR