Interviews Marius, 27.09.2007
Interview mit Julia A. Noack
Vor inzwischen so einigen Wochen fand sich im Postkasten ein Album einer mir bis dato unbekannten Künstlerin namens Julia A. Noack. Piles & Pieces – so der Titel des Albums – wusste schnell zu begeistern: Singer/Songwriter-Musik mit mannigfaltigen Einflüssen, die schnell positiv ins Ohr ging. Da lag die Idee, ein Interview mit Julia A. Noack zu führen, förmlich in der Luft. Gesagt, getan – hier ist es nun: Ein Interview mit Julia A. Noack, das genug Gelegenheit gibt, die Künstlerin und ihre Musik einmal näher kennenzulernen.
Marius: Da Du ja als Musikerin noch ziemlich „neu“ bist, fangen wir doch mal mit der üblichen Vorstellung an: Wer ist Julia A. Noack? Was macht sie? Wo kommt sie her, wo will sie hin?
Julia A. Noack: Gute Frage. Darum dreht sich ja eigentlich alles, oder? Wo kommen wir her, wo wollen wir hin. Ich beispielsweise komme aus Mönchengladbach, gebürtig. Hin wollte ich nach Berlin, und da bin ich aus Köln vor fast zwei Jahren hingezogen. Was ich mache: Musik, und Leben. Wobei die Schnittmenge da recht groß ist.
Wie kamst Du zur Musik? Was hat Dich auf Deinem musikalischen Weg bis heute maßgeblich beeinflusst und inspiriert?
Angefangen, Musik zu hören, habe ich mit den alten Platten meines Vaters. Janis Joplin, Bob Dylan, Beatles, Fleetwood Mac, Black Sabbath. Das ist natürlich schon eine ganze Ecke her, und die Musik, die mich seitdem beeinflusst hat, ist zu umfassend, als dass ich sie genau aufdröseln könnte. Meine Wurzeln liegen sicherlich im „klassischen“ Singer/Songwriting à la Dylan, Neil Young etc., aber meine Musik hat sich natürlich weiterentwickelt. Im Moment höre ich gerne moderne Singer/Songwriter wie Laura Veirs, Fiona Apple etc., und auch vieles, was mit Singer/Songwriter nicht so viel zu tun hat, von The Frames über Muse bis Madsen. Inspiriert werde ich von Musik aller Art und von Menschen bzw. allem, was ich emotional erlebe.
Beim Debüt-Album hat man ja immer den Vorteil, dass man ohne Druck arbeitet und im Grunde alles veröffentlichen kann, was in vielen Jahren entstanden ist. Aus welchem Zeitraum stammen die Stücke auf „Piles & Pieces“? Wie kam es zur Entstehung von „Piles & Pieces“?
Ich habe, aus welchen Gründen auch immer, sehr lange gebraucht, um mich zu entscheiden, endlich ein Album zu machen. Vielleicht, weil ich zwar schon sehr lange Musik mache, aber richtig fokussiert erst seit ca. 3 Jahren. Mit dem Umzug nach Berlin kam dann auch plötzlich die Erkenntnis, dass endlich ein Album her muss. Einen dementsprechend großen Zeitraum umfassen dann auch die Songs auf dem Album. Der jüngste Song auf der Platte, „Dawning Consciousness, Delayed“, ist vielleicht ein Jahr oder so alt; der älteste, „I Feel The Winter“, ist von ca. 1995.
Wie hat sich der Aufnahmeprozess zum Album allgemein gestaltet? Im Booklet stehen ja gleich verschiedene Städte als Aufnahmeorte verzeichnet…
Als ich mit den Aufnahmen anfing, war ich noch nicht so lange aus Köln weg, war noch ein bisschen in einer Übergangsphase und hatte noch mehr Kontakte in Köln. Dementsprechend habe ich dann damit begonnen, einen Großteil in Köln einspielen zu lasse. Die Rhythmusgruppe (Heiko Braun – Drums, Bernd Kistemann – Bass) hat zunächst in Köln eingespielt, dann haben wir in ein Studio nach Düsseldorf gewechselt. Aufgenommen und gemischt habe ich mit Christoph Schneider, Mischer von Fotos, Liquido etc. und Ex-Basser von Klee, der mir die verschiedenen Studios im Rheinland empfohlen hat. Während der Aufnahmen dann fing ich an, immer häufiger mit ein paar Berliner Musikern zu spielen, die ich dann auch gerne auf der Platte haben wollte. Da ich das ursprüngliche Arrangement von „Watching Magnum On TV“ ändern wollte, haben dann Anders Grop (Bass) und Christian Runge (Geige) den Song eingespielt. Christian Runge spielt auch bei anderen Songs auf dem Album Geige.
Insgesamt war es ein ziemliches Hin- und Hergefahre zwischen Berlin und Köln, aber es hat auch Spaß gemacht. Außerdem habe ich sehr viel gelernt bei den Aufnahmen. Und habe meine Songs erst richtig kennengelernt.
„Things Break“ schließlich habe ich ja zusammen mit einer Freundin und Kollegin geschrieben, Deb Montgomery, die ich in Irland kennen gelernt habe. Da ich gerne wollte, dass sie ihre Stimme auf dem Song singt, hat sie dann in Kanada ihren Part gesungen, und wir haben uns gegenseitig die Files hin und her geschickt.
Auch in der Information zur CD wurde Deine Kölner Herkunft und der Wechsel in die Wahlheimat Berlin genannt. Würdest Du sagen, dass dieser Ortswechsel auch Dein künstlerisches Schaffen in irgendeiner Weise beeinflusst (hat)?
Ja. Mit Berlin ging’s los.
„Piles & Pieces“ – was steckt hinter diesem Titel?
Wie schon gesagt, sind auf dem Album ja Stücke aus den letzten zwölf oder dreizehn Jahren. In dieser Zeit hat sich ganz schön viel angesammelt an Erlebtem und Gelebtem. Das sind die „piles“, die Stapel.
Und aus diesen Stapeln von Sachen und Songs habe ich einzelne Songs ausgewählt, die wie Gucklöcher kleine Einblicke geben auf einzelne Momente und Situationen. Kleine Stückchen, aus denen sich das Mosaik zusammensetzt. Das sind die „pieces“.
Einige Dinge sind mir in und zwischen den Stücken auf dem Album aufgefallen, um die es im Folgenden gehen soll… Beispielsweise im ersten Titel „Are you with me now“. Dort singst Du über eine Angelina. Wer ist Angelina? Worum geht es im Stück (mal davon ab, dass der Songname an sich natürlich ein gelungener Opener für ein Album ist)?
Angelina? Kennst du die nicht?
Ich erzähle selten was zu dem Inhalt von den Songs. Wenn ich das, worum es geht, erzählen wollte, würde ich es erzählen und keinen Song draus machen. Außerdem schränkt das den Hörer ein, weil es ihm vorgibt, was er mit dem Song assoziieren soll, und das ist doch bei jedem anders.
„Watching Magnum On TV“ ist ein weiterer auffälliger Titel. Nicht nur durch den beschwingten Rhythmus, sondern eben auch durch die Erwähnung von „Magnum“ als Sendung. Bist Du ein Fan von „Magnum“? Oder hat die Serie eine andere weitergehende Bedeutung im Kontext des Stückes?
Ich habe Magnum geguckt, als ich den Song geschrieben habe. Abgesehen davon spielen Männer mit Schnurrbart und Dauerwelle keine tragende Rolle in meinem Leben.
Würdest Du das Album als gefühlsbetont bezeichnen? Mir erschien es beim Hören teilweise als eine Gegenüberstellung von Gefühlen – zum Beispiel wenn nach dem positiv anmutenden „Love Song“ auf einmal ein Titel mit dem Namen „Things Break“ folgt, um im Folgetitel „I Feel The Winter“ die Kälte des Winters im Kontrast zum warmen Gefühl im „Love Song“ zu besingen…
Wahrscheinlich ist es emotional, ja, weil die Songs es wahrscheinlich sind, ja. Weil ich es wohl auch bin.
Gibt es ansonsten einen roten Faden oder gar ein zugrunde liegendes Gesamtkonzept auf „Piles & Pieces“?
Hm, ich hoffe es doch… Ein Gesamtkonzept in dem Sinne gibt es nicht, es ist ja kein Konzeptalbum, aber ich hoffe doch, dass die Songs in ihrer Gesamtheit einen roten Faden haben.
Ganz allgemein: Wie entsteht ein Julia A. Noack-Stück? Zuerst die Musik, zuerst der Inhalt? Was bewegt Dich dazu, einen Song zu schreiben?
Früher habe ich immer zuerst den Text geschrieben und dann die Musik dazu. Mittlerweile entstehen Text und Musik meistens gleichzeitig. Meistens ist es irgendetwas, das sich in mir anstaut, manchmal weiß ich noch gar nicht, was es genau ist, bis ich mich dann mit der Gitarre hinsetze, und dann kommt irgendwie alles hoch und raus.
Mal ein wenig zur – nennen wir es mal so – „geschäftlichen“ Seite… Du erscheinst auf Phonector. Zugegebenermaßen habe ich bei Deiner CD das erste Mal von Phonector gehört – wer steht hinter Phonector?
Phonector versteht sich selbst eigentlich gar nicht als Label, weil sie keine Labelarbeiten übernehmen wie Promotion oder Booking, sondern eher als Vertrieb. Chef von Phonector ist Stephan Bienwald, der selbst auch Berliner Musiker ist.
Wie kam es zur Zusammenarbeit von Phonector und Dir?
Meine Priorität beim Herausbringen dieser Platte war irgendwann nur noch der Zeitpunkt. Wenn man zwölf Jahre lang Songs mit sich rumschleppt und dann endlich ein paar davon vernünftig aufnimmt, will man nicht mehr ewig damit rumlaufen und ein tolles Label suchen. Zumindest wollte ich das nicht. Ich wollte die Scheibe einfach endlich raushauen. Phonector waren mir sympathisch, weil ich die Leute ein bisschen kannte. Außerdem boten sie mir, was ich zu dem Zeitpunkt suchte, nämlich erstmal eine zügige Veröffentlichung. Die „richtige“ Labelsuche wird dann wohl mit dem nächsten Album beginnen, und dann im Voraus.
Ist durch Phonector ein bundesweiter Vertrieb auch über den „normalen“ CD-Handel gewährleistet? Mir ist vorhin aufgefallen, dass Amazon beispielsweise die CD zwar gelistet hat, diese jedoch dort nur über Zweithändler beziehbar ist…
Phonector bietet hauptsächlich den Handel über’s Internet, aber wir werden wohl demnächst auch den offiziellen Handel ein bisschen bestücken. Die offizielle Listung bei Amazon kommt jetzt auch bald.
Da das Album jetzt ja auch schon eine Zeit veröffentlicht ist: Wie war die bisherige Resonanz (sowohl von der Kritik her als auch vom „Business-Aspekt“ her)?
Gut! Ich habe natürlich keine Vergleiche, schließlich ist es ja mein Debüt-Album, aber bisher bin ich ganz zufrieden. Sowohl von der Presse, als auch von den Hörern kommen sehr gute Reaktionen. Die Business-Seite alleine zu bestreiten, wie das bei mir der Fall ist, ist natürlich nicht ganz einfach. Eine riesige Promotion-Aktion zu gestalten ist dann halt eher schwierig. Dafür bin ich aber bisher eigentlich recht zufrieden mit den Verkäufen.
Um die ganze Thematik mal etwas zu verallgemeinern… Man hört ja immer Dinge über die schlechte Lage der Musikindustrie – ich erinnere mich an Kampagnen mit Slogans wie „2000 kopierte CDs vernichten eine Nachwuchsband“ und solche Dinge. Und auch von wirklich etablierten Leuten hört man, dass es immer weiter bergab geht. Wie ist es, in einer solchen Lage der Musikszene nun mit einem Debütalbum aufzuwarten? Ist man da in irgendeiner Weise betroffen oder fühlt sich höheren Erwartungen ausgesetzt? Wie bewertest Du allgemein die Lage der Musikindustrie derzeit?
Ich finde es auch schwierig. Weil der Markt eben sehr übersättigt ist, und das Ganze eben ein recht undurchsichtiger Dschungel für jemanden, der eigentlich mit „Business“ nichts zu tun hat. Höheren Erwartungen fühle ich mich nicht ausgesetzt, meine eigenen sind da hoch genug und den Druck mache ich mir selbst.
Von derlei Dingen mal wieder zu etwas ganz anderem… Wie steht es um eine Live-Umsetzung der CD? Bei Dir auf der Seite tauchen immer mal vereinzelt Tourdaten auf, eine richtige Tour scheint sich allerdings nicht abzuzeichnen. Ist in der Hinsicht etwas in Planung?
Es kommen immer wieder neue Termine hinzu. Da ich das Booking selber mache, dauert das eben manchmal ein bisschen länger, als wenn eine Booking-Agentur am Start wäre. Bald wird aber dann sich auch ganz Deutschland bespielt. Es folgen Europa und die Welt.
Wie steht es ansonsten um weitere Pläne? Ist ein zweites Album schon in Planung? Was gibt es in naher und ferner Zukunft von Dir zu erwarten?
Konkret ist das zweite Album noch nicht in Planung, aber die songs dazu entstehen natürlich bereits. Erst mal freue ich mich darauf, zu spielen. Außerdem kann ich es nicht erwarten, nach dem ganzen geschäftlichen Kram, wieder das zu tun, worum es eigentlich geht: das eigentliche kreative Arbeiten an der Musik.
Kurz vorm Abschluss noch eine Frage, die ich in Deinem Fall (auch bedingt durch die vielen Namen, die es auf der MySpace-Seite zu sehen gibt) sehr interessant finde… Einer der Standards: Welche fünf Platten würdest Du auf eine einsame Insel mitnehmen?
Das ist eine schöne Frage, aber auch eine schwere…
Ich glaube:
1) Laura Veirs – Saltbreakers
2) Bob Dylan – Planet Waves
3) The Frames – Set List
4) Van Morrison – The Healing Game
5) Queens Of The Stone Age – Lullabies Of Paralyze
Das war es von meiner Seite. Die letzten Worte gehören Dir (wenn Du magst)! Gibt es etwas, das Du unbedingt loswerden oder ergänzen möchtest?
Semmelbrösel in den Socken hält den ärgsten Schweißfuß trocken.
Ich wird’s mir merken! Vielen Dank für das Interview!
Weitere Artikel
Rezension zum Album Piles & Pieces

Homepage: www.julianoack.com
MySpace: www.myspace.com/julianoack
Interview: Marius Meyer
Bilder: PR
16 Aug 2008, 1:22 pm 1.Marcus…
Am 04.09.08 kann mensch Julia A. Noack in Castrop-Rauxel live erleben.
Infos: http://www.bahiadecochinos.de