Interviews Marius, 05.09.2006
Interview mit Lux Interna
Mittlerweile sind zwei Jahre vergangen, seit mit Ignis Mutat Res die letzte Veröffentlichung von Lux Interna das Licht der Welt erblickt hat. Grund genug, einmal nachzuhaken, wie der aktuelle Stand der Dinge bei Lux Interna ist. Wie das Interview mit Joshua Gentzke zeigte, ist auch ohne eine neue Veröffentlichung eine ganze Menge bei der Gruppe passiert, über das zu reden war. Und einen kleinen Ausblick auf das, was in naher Zukunft zu erwarten ist, gab es bei dieser Gelegenheit auch gleich… Viel Spaß beim Lesen!
Frage: Fangen wir vorne an… Kannst Du den Namen Lux Interna ein wenig erklären?
„Das innere Licht“. Die beste Variante, wie ich den Namen artikulieren könnte ist es, auf eine Definition zu verweisen, die wir bereits einmal online gepostet haben:
„Lux Interna // Is a hidden light // A lantern carried // In skin and blood…// A light that is wilderness // Not oasis // But kingdom”
Frage: Wie viele Personen sind derzeit in Lux Interna involviert und wie sieht das derzeitige Line Up aus?
Es gibt einen „Kern” von Lux Interna, dem von einigen häufigen Unterstützern geholfen wird. Diejenigen, mit denen ich Lux Interna begonnen habe und die immer noch zu Lux Interna gehören, sind Kathryn, Kevin Sweet und Shane Hallinan. Zusätzlich waren wir sehr froh, dass wir häufig mit Katherine Trimble, die uns auf unserem neueren Werk wunderbare Cello-Passagen gespielt hat, Doug White (Life Between Us), der verschiedene Passagen mit Mandoline und E-Geige bei einigen Songs gespielt hat und Phil Concerti, der sowohl Violine als auch Cello auf Ignis Mutat Res gespielt hat, arbeiten konnten.
Seit Kathryn und ich häufiger mal reisen muss das Line Up von Zeit zu Zeit relativ flexibel sein. Es wäre natürlich schön, bei jeder Darbietung alle Kernmitglieder dabei zu haben, aber bis wir unseren privaten Jet von Eis & Licht bekommen haben, ist das nicht immer einfach so möglich. Wie dem auch sei, ich bin immer offen für Kollaborationen, wenn sie mit den richtigen Leuten sind, sei das live oder in einem Studio. Es ist schön, Kollaborateure von „außen“ zu haben, die dann irgendwie Teil der Geschichte werden.
Frage: Zwei Jahre sind seit Eurem letzten Album „Ignis Mutat Res“ vergangen. Was ist in diesen zwei Jahren passiert und was hat sich geändert?
So einiges! Je mehr ich auf die Zeit seit zwischen Ignis Mutat Res und jetzt zurückblicke, desto mehr sehe ich, dass das Album eine Art von phoenix-orientiertem Ritual war – und zwar ein sehr effektives. Die letzten zwei Jahre waren sehr lebenserfüllt. Vielleicht sind die nächsten zwei Jahre es sogar noch mehr. Und so weiter…
Frage: Ich habe gelesen, dass Ihr von Bremen nach Amsterdam gezogen seid. Wie kam es zuerst zu Bremen und wie kam es dann zur Entscheidung, nach Amsterdam zu gehen? (Für mich, der jahrelang nahe Bremen gewohnt hat ist es auch sehr interessant zu wissen, warum Ihr Euch Bremen anstelle irgendeiner anderen deutschen Stadt ausgewählt hattet…)
Kathryn und ich mussten mal eine Weile aus Amerika raus. Die Lage dort waren nicht gesund – und ist es wie ich vermute noch immer nicht. Natürlich ist das alte Europa auch nicht frei von Problemen, aber zurzeit haben die Vereinigten Staaten eine ziemlich schwarze Zeit. Ich möchte jetzt nicht abschweifen, daher behalte ich lieber meinen Kommentar über die aktuelle Situation der Staaten für mich. Auf jeden Fall entschieden wir uns schnell für einen Umzug. Vielleicht ist es unschicklich, die Dinge zurückzulassen, wenn sie am schlechtesten Punkt angelangt sind, vielleicht wäre es besser gewesen zu bleiben und auf eine Veränderung hinzuarbeiten, aber wir sind keine politischen Personen und hatten beide den Traum, uns einfach mal auszuklinken. Also sind wir gegangen.
Davon abgesehen haben wir beide das Reisen im Blut und sind generell von Europa sehr eingenommen. Wir waren vorher häufiger in Deutschland und entschieden, dass es unser Pfad war, uns ein bis zwei Jahre dort aufzuhalten – also taten wir das. Dass wir Bremen als Domizil ausgewählt haben war, weil Kathryn dort die Garantie hatte, ihren Master-Abschluss fortsetzen zu können. Bremen war also eine praktisch orientierte Wahl.
Unsere Zeit, die wir im Norden der Stadt in einer bukolisch anmutenden Gegend namens St. Magnus verbracht haben, wird immer in uns bleiben. Die Erinnerungen an diese Zeit werden immer mit Birken, Reihern, Morgennebel, Trauerweiden und der eigenartigen Filterung des Lichts durch die dortige Luft, wie wir sie noch nie zuvor gesehen haben, verknüpft sein.
Jetzt sind wir gerade in Amsterdam, von wo aus ich diese Zeilen schreibe. Vorbei die Zeit der ruhigen Wälder Norddeutschlands, die ich vermissen werde. Aber ich freue mich auf das neue Kapitel. Auch dieses Mal war der Umzug praktisch orientiert: Ich habe dort die Garantie, mein Master-Studium in den Fächern Mystizismus und „Westliche Esoterik“ an der Universität Amsterdam fortführen zu können.
Frage: Haben die Umzüge Euer musikalisches Schaffen in irgendeiner Weise beeinflusst?
Alles wird von allem affektiert. Ich bin mir sicher, dass die Umzüge uns und damit auch unsere Musik sogar in mehr Wegen beeinflusst haben, als ich es mir bewusst bin. Ich versuche immer, offen für Inspirationen zu sein. Ich denke, dass jeder, der in irgendeiner Hinsicht künstlerisch arbeitet, in der Lage dazu sein sollte, die Möglichkeit zu haben, immer offen für Inspirationen zu sein, wo auch immer diese Inspiration herkommen mag.
Frage: Wenn Du zurückblickst vom Beginn der Arbeit mit Lux Interna und dem Release „truth an beauty and all their severity” bis heute, wie würdest Du den Weg beschreiben, den Ihr und Eure Arbeit absolviert hat?
Vieles hat sich geändert zwischen damals und heute. Ich habe mich geändert, die in Lux Interna involvierten Leute haben sich geändert und natürlich hat sich auch die Musik mit diesen Änderungen verändert. Es gibt da so einige Stücke, die mir, wenn ich sie heute anhöre, distanziert, nahezu fremd erscheinen. Es ist immer seltsam, ein Dokument aus einer bestimmten Zeit des Lebens zu hören und aus dem Echo dieser Klänge zu hören, wer man damals war.
Auch das Gegenteil stimmt: Es gibt gewisse Stücke, die mir heutzutage sehr vertraut klingen, sehr nah an meinem gegenwärtigen Leben mit bleibender Relevanz sind. Das Innerste der Vision hinter der Musik sind die Schlüsselelemente, die sich nicht im Fluss befinden und sich auch in der vorhersehbaren Zukunft nicht ändern werden.
„truth and beauty and all their severity” war der Beginn einer Reise, „Absence and Plenum” war immer noch ein stiller, gefrorener und intensiv inwendiger Moment, „Ignis Mutat Res“ war eine verzehrende Flamme, deren Asche sich zurzeit zu dem formt, was als nächstes kommen wird….
So weit wie wir derzeit sind, versuchen wir herauszuhören, was jeder Song uns sagt, sowohl textlich als auch musikalisch, dann bauen wir die Essenz dessen in die musikalischen Strukturen um. Wir haben kein vorbestimmtes Klangbild und das ist etwas, nachdem ich nach wie vor strebe. Hoffentlich wird der Klang sich weiterentwickeln und hoffentlich wird er immer organische Qualität in sich haben, ohne jemals nur einem vorgefertigten Schema zu folgen.
Ich denke, dass es auch für Musiker und Schreiber ganz gewöhnlich ist, dass man mehr und mehr in sein eigenes Klangbild hineinwächst bei jeder neuen Veröffentlichung.
Wir arbeiten zurzeit an einem Mini-Album, das – so Gott will – im Winter fertig sein soll. Der dortige Klang wird sich vermutlich wieder ziemlich von dem Klang auf den vorherigen Veröffentlichungen unterscheiden…
Frage: Auf „Ignis Mutat Res“ gab es die Adaptation von Rilkes “Lange musst Du leiden“. Hast Du ein generelles oder spezielles Interesse in deutsche Lyrik (oder in die deutsche Sprache als Ganzes)? Woher kam die Entscheidung, Rilke und ebendieses Gedicht zu interpretieren?
Nun, dieses Gedicht hatte schon lange einen Platz in meinem Kopf eingenommen, nachdem es mir das erste Mal in einer Zusammenstellung von Fragmenten und unbeendeter Poesie von Rilke begegnete. In meinem Respekt war es nicht meine aktive Entscheidung, diese Zeilen zu wählen – sie steckten wie Widerhaken in mir drin und ich wollte, oder besser musste, sie dort raus bekommen.
Wenn ich Rilke betrachte, erscheinen mir viele seiner Texte als etwas Besonderes. Rilkes Arbeit beinhaltet sowohl unerträglich Intimes als auch Dinge, die in einer schrecklichen Distanz zu allem Heiligen stehen. Er fürchtete und liebte zugleich, dass der schrecklich sakrale Platz, der so nah am Herzen ist, soweit zurücktritt und ein entfernter Kosmos wird, erfüllt von den kalten Sternen des Verlangens. Das ist zumindest, was seine Werke mir sagen.
Manchmal denke ich, dass es zu kühn von mir war, einen Text zu einem Song zu schreiben, der mit Zeilen von Rilke beginnt. Ich tat das alles in Unterwürfigkeit gegenüber Rilke und hoffe, dass es am Ende harmonisch genug herüberkam – so dass seine Ruhe nicht gestört wird.
Die deutsche Sprache als ein Ganzes betrachtend: Ja, ich habe ein Interesse an vielem von ihrer langen und vielseitigen literarischen Tradition, die durch sie geboren wurde und auch an der Sprache an sich. Da ich einige deutsche Wurzeln in mir trage, fühle ich mich eher natürlich als durch eine Entscheidung zu dieser speziellen europäischen Sprache hingezogen.
Ich erinnere mich immer noch wie seltsam und wundervoll, aber dennoch nicht komplett fremd, die wenigen deutschen Wörter und Lieder klangen, die meine Großmutter mir als Kind sang und vorsprach.
Als ich älter wurde, dämmerte mir, dass viele der Dichter und Denker, mit denen ich mich beschäftigte, ihre Gedanken durch das Medium der deutschen Sprache an die Welt weitergaben. Ich entdeckte die Dinge zuerst durch Übersetzungen und war neugierig, wie wundervoll die Originale sein müssten – oder vielleicht, wie anders?
Ich bin nicht gut in Fremdsprachen, aber ich habe den Weg begonnen, Deutsch zu lernen und ich hoffe, es ist nur eine Frage der Zeit – und Ausdauer – bis die Sprache zu mir kommt und ich zu ihr. Meinen ersten deutschen Roman habe ich schon durchgelesen – von Herrmann Hesse.
In der Zwischenzeit hoffe ich, dass alle Deutschen mit denen ich mich unterhalten habe, wenn man das so nennen kann, genug Humor und Gnade hatten, um mir mein Stolpern und Fummeln durch ihre Muttersprache zu vergeben. Es tut mir leid…
Frage: Können wir eine weitere Interpretation eines deutschen Textes auf dem nächsten Album erwarten?
Momentan scheint Paul Celan mir beständig ins Ohr zu flüstern…
Frage: Wo wir über ein neues Album reden… Gibt es schon konkrete Pläne für ein neues Lux Interna-Album? Gibt es Dinge, die Du zum Inhalt bereits sagen kannst und eventuell sogar eine ungefähre Angabe, wann es veröffentlicht wird?
Wie an früherer Stelle bereits erwähnt, befinden wir uns derzeit mitten in den Aufnahmen von neuem Material. Wenn alles gut läuft – und ich bete, dass es das tut – sollten wir diesen Winter fertig sein – somit hoffe ich, dass wir im Frühling einen Veröffentlichungstermin bekommen können. Der Arbeitstitel des Werks lautet: „godisnotdeadforthebirds”.
Ich bin sehr begeistert von dem neuen Material und ich fühle, dass irgendwas darin sehr gewachsen ist. Es ist natürlich ein ermüdendes Klischee zu sagen, dass es bisher unser bestes Material sei – ich fühle mich wie ein zottelhaariger Rocker, aber… nun… Ich denke, ich belasse es an dieser Stelle. Ich hoffe, jede Veröffentlichung wird prächtiger und ich habe ein gutes Gefühl, was die kommende Veröffentlichung betrifft.
Die neuen Stücke werden eine Sammlung von Hymnen an abwesende Götter darstellen. Abwesenheit bestätigen ist Präsenz bestätigen und es ist die Präsenz, die wir wünschen, durch unsere Musik darzustellen.
Frage: Welche Themen behandelt Ihr generell in Eurer Musik und welche Themen kann der Hörer auf der kommenden Veröffentlichung erwarten?
Frauen, Autos und Suff. Okay, ich versuche ernsthaft zu antworten…
Ich sehe, dass die Texte trotz einiger konsistenter Themen, die sich vordergründig durch unsere Werke ziehen, dennoch tiefgründiger geworden sind. Ich plane die Texte nie thematisch aus… Eher kommen sie einfach von irgendwo, zur richtigen Zeit, zu der sie bereit sind, zu kommen.
Wenn ich mich zurücklehne und die Songs betrachte (oder in diesem Fall eher anhöre), sehe ich definitiv sich wiederholende Motive und Ideen. Seither fühle ich, dass Kunst in ihrer ganz eigenen Natur ein Versuch ist, das auszudrücken, was durch ihre eigene Natur bedingt nicht auszudrücken ist. Die Texte scheinen sich oft um zentrale Themen zu drehen, die nur im Negativen gezeigt werden können: Durch Kontraste wird das gezeigt, was nicht gezeigt werden kann. Wir haben vielleicht einen Hauch von Finsternis in unserer Musik – in der Hoffnung, dass durch diesen Kontrast das Licht klar wird.
Vielleicht halten wir auch eine Lampe in die große Finsternis, hoffend das Heilige in der Verdunkelung zu behalten.
Das neue Material wird natürlich den Pfad fortsetzen, den wir bisher beschritten haben: Stücke über Liebe, Hass, Gott, Preisungen, Schuld und Verlangen – aber es wird, so hoffe ich, ein tiefer gehendes Level erreichen mit einer neuen Art von Verständnis für diese Themen. Ich kann schon einmal sagen, dass viele neue Figuren in dem Material, das wir gerade bearbeiten, auftauchen werden. Christus, Erzengel Michael, Lucifer, Milton, Celan, und so weiter.
Frage: Wo kommen die Einflüsse in Eurer Musik her? Gibt es einige Haupteinflüsse, die Du nennen kannst?
Inspiration kommt von allen Seiten – wenn man weiß, wie man sie hört. Es gibt natürlich viele philosophische und künstlerische Werke, durch die wir inspiriert wurden, aber der richtige Stoff, der uns inspiriert, kommt aus dem Leben selbst – sowohl aus dem inneren wie dem äußeren Leben wie auch aus der Naht, wo die beiden sich treffen.
Frage: Ein Name, der oft erwähnt wird, wenn es um Lux Interna geht, ist Leonard Cohen. Kannst Du etwas über diese spezielle Beziehung zu Leonard Cohen sagen?
Nun, ich muss zugeben, dass ich etwas geschmeichelt bin, wenn diese Referenz genannt wird, auch wenn ich sie selber gar nicht so recht sehe. Cohen ist ein extrem begabter Wortschmied – einer der wenigen, wo dieses Wort auf einen Songschreiber anwendbar ist. Er wie auch Johnny Cash waren vor langer Zeit Inspirationen für mich, meine elektronische Gitarre gegen eine akustische auszutauschen. Ich habe gesehen, dass feinsinnigere und leisere Musik potenziell stärker als Bombast sein kann.
Frage: Gibt es andere Musiker, die Du als Einflüsse nennen könntest? Ich frage, da man als Einflüsse oft automatisch Bands wie Death in June und Sol Invictus erwartet, wenn man über „neuere“ Neofolk-Bands redet…
Ohne pingelig oder anmaßend klingen zu wollen, würde ich sagen, dass „Inspiration“ ein besserer Begriff ist als „Einfluss“. Vielleicht zumindest im Kontext dieser Frage, der Unterschied ist fließend.
Wie auch immer… Als ich mit Lux Interna begann, hörte ich gelegentlich die oben genannten Bands. Obgleich ich diese Bands nach wie vor sehr gerne mag, hat sich mein Geschmack ein wenig verändert. Im Moment höre ich gerne Künstler wie John Jacob Niles, Sharon Kraus, Tracy Marrow, Nick Cave, Blind Willie Johnson, Woven Hand und Johnny Cash, um mal aus dem Stehgreif einige zu nennen.
Ich bin auch sehr begeistert von den vielen Veröffentlichungen des von Moses Asch und Marian Dister betriebenen Labels Folkways. Viele der Alben zeigen die Energie und die Schönheit eines amerikanischen Geistes, der nichts mit der künstlichen, hyperkapitalistischen Kultur zu tun hat, die heutzutage viel zu oft als Kontext angesehen wird, wenn man etwas als „amerikanisch“ bezeichnet.
Frage: Wie interpretierst Du die ganze Genre-Geschichte allgemein? Würdest Du Eure Musik selbst als Neofolk bezeichnen? Magst Du es, in solchen Kategorien zu denken? In meinen Augen birgt das Denken in derlei Kategorien oft die Gefahr, die Musik zu eng zu charakterisieren, so dass einige Aspekte verloren gehen könnten…
Ich stimme zu, dass Kategorisieren oft zu reduzierend wirkt. Die ganze Genre-Geschichte ist recht kompliziert – ein rutschiger Abhang, wenn man so will. Kategorien sind die Welt der Musikkritiker, Promoter und Verkäufer. All diese sind, ob nun zum Besseren oder zum Schlechteren, hier, um zu bleiben. Labels haben es traditionell schwer, etwas zu verkaufen, was nicht einfach in eine Kategorie passt. Genau so hat die Öffentlichkeit den Hang, eine bestimmte Art von Melodien und recycelten Gitarrenriffs aufzunehmen. Die Menschen misstrauen dem, was sie nicht einfach in eine vorgegebene Kategorie stecken können. Auf der anderen Seite denke ich aber auch, dass Sprache an sich schon reduzierend wirken kann…
Auf unsere Musik bezogen: Nein, ich würde sie nicht als Neofolk bezeichnen. Ich verschwende nicht viel Zeit mit Gedanken darüber, wie Menschen unsere Musik wohl nennen, ich hoffe nur, dass sie die Musik in ihrem eigenen Kontext hören können. Es ist einfach Lux Interna – und das steht hoffentlich über allen Bezeichnungen.
Es ist immer schwer, wenn Leute fragen, was man für eine Musik mache. Es gibt keine wirklich gute Antwort, wenn man vom Hören der Musik selbst absieht. Vielleicht träfe es „blackwaterresurrectionfolk”, das könnte nah dran kommen.
Frage: Über Euch fand sich auch ein Eintrag im Buch „Looking for Europe“. Was denkt Ihr über das Konzept von „Looking for Europe“ im Gesamten?
Ich finde, dass dieses Buch, das sehr einfach ein absolutes Desaster von einem Werk hätte werden können, sehr geschickt von seinen Autoren gehandhabt wurde. Es war in meinen Augen höchste Zeit, ein Buch wie dieses zu schreiben und ich kann nur sagen, dass ich glücklich bin, dass es so geworden ist, wie es nun vorliegt.
Natürlich werden Bücher dieser Art immer Bauchschmerzen bei den Menschen verursachen – einige haben ein Problem damit, in eine Szene gedrängt zu werden, aber ich denke, dass „Looking for Europe“ ein aufrichtiges Bemühen war, einige unterbewertete Künstler und deren musikalische Abstammung zu dokumentieren. Ich sehe es nicht – wie einige es tun – als den Versuch an, alle Gruppen in eine musikalische Ecke zu drängen.
Frage: Du hast in diesem Buch auch das Essay „absence and plenum” geschrieben. Wessen Idee war es, diesen Text zu veröffentlichen und warum?
Um zu enthüllen, was wahrscheinlich besser unentdeckt geblieben wäre, begann eine Unterhaltung zwischen mir und den Autoren des Buches. Ich schrieb und recherchierte zu dieser Zeit über Hölderlin, Heidegger, Rilke und Apokalyptizismus. Ich war akademisch gerade in religiöse Studien über apokalyptische und nicht-kartesische Gedankentraditionen im Spezifischen involviert und dachte, es wäre vielleicht interessant, eine Art freies Essay über einige spirituelle Dimensionen zu schreiben, die in einigen Formen der Untergrund-Musik existieren. Ich genoss das Schreiben und bin dankbar, dass das Essay übernommen wurde.
Wie schon gesagt: Es ist in freier Form geschrieben und nicht dazu gedacht, ein definitives Statement abzugeben. Es ist eher ein (hoffentlich in irgendeiner Weise interessantes) Nachdenken über diese Themen.
Frage: Wie würdet Ihr Euer Publikum charakterisieren? Gibt es eine bestimmte Gruppe von Menschen, die Ihr mit Eurer Musik erreichen möchtet?
Ich bin mir nicht ganz sicher, wer unser Publikum ist, da wir aus Zeitgründen und finanziellen Gründen (leider) nicht oft live spielen, was wir gerne täten.
Es gibt keine „bestimmte Gruppe“ von Menschen, die ich erreichen möchte, aber natürlich ist es sehr ermutigend, einen Brief zu bekommen oder jemanden zu treffen, der unsere Musik mag und dazu eine intelligente und ehrliche Person ist.
Frage: Gibt es ein bestimmtes Ziel, das hinter Eurer Musik steht? Oder irgendetwas, das ihr gerne erreichen würdet beim Hörer?
Wenn es überhaupt richtig ist zu sagen, dass Lux Interna ein Ziel habe, dann ist es, unseren kleinen Beitrag in der Verkündigung des Wortes Gottes zu tun. Ich hoffe, dass unsere Musik das aufwiegt, was in Heideggers Worten „heimisch“, aber vielleicht auch „heimlich“ ist. Ich hoffe, und vielleicht ist es etwas zuviel gehofft, dass unsere Musik dem Hörer etwas enthüllt, etwas aus ihm: Dass er irgendwie Nachhall im zerstreuten Licht dieser Welt findet. Vielleicht sind das alles naive oder leere Hoffnungen – aber so ist die wundervolle und zugleich schreckliche Natur der Hoffnung.
Frage: Gibt es irgendwelche Pläne, Eure Musik in nächster Zeit live zu präsentieren, die bereits spruchreif wären?
Ich hoffe, in der nahen Zukunft einige Shows organisieren zu können. Wenn jemand daran interessiert ist, eine zu organisieren, soll er nicht zögern, mit uns in Kontakt zu treten.
Frage: Vielen Dank für die Beantwortung der Fragen. Gibt es irgendetwas von mir nicht Gefragtes, was Ihr gerne ergänzen würdet?
Danke vielmals für das Interesse und für das Interview!

Lux Interna bei MySpace: www.myspace.com/luxinterna
Interview: Marius Meyer
Bilder: PR
07 Dec 2006, 5:01 pm 1.Funprox.com article: » Joshua speaks…
[...] An interesting interview (in German) with Lux Interna @ alternativmusik.de. The band is working on a mini album, which could be ready this winter. [...]