Interviews Marius, 20.05.2008
Interview mit Michi Beck von den Fantastischen Vier
Album, Clubtour, Hallentour, DVD-Veröffentlichung, Festivalauftritte, kurzum: Es bleibt kaum Zeit zum Atmen für Die Fantastischen Vier. Dennoch fand Michi Beck in all dem Trubel die Zeit, uns für Alternativmusik.de präzise auf den Punkt ein paar Fragen zu beantworten, die sich vor allem natürlich um die DVD drehten, aber auch das leidige Thema „Die da“, Die Fantastischen Vier als Phänomen für die ganze Familie behandelten und einen kurzen Ausblick auf das, was in nächster Zeit zu erwarten ist, gaben. Viel Spaß bei der Lektüre!
Vor kurzem erschien Eure DVD „Fornika für alle“ – woraus erwuchs überhaupt die Idee für die DVD? War es bereits vor der Tour geplant?
Bär, unser Manager, hatte als erster die Vision, dass man die tour auf “Film” festhalten muss – nicht zuletzt wegen der spektakulären “Lightshow”. Da er am frühesten mit der Vision ums Eck kam, hat er dann auch direkt den Zuschlag für die Produktion bekommen
Als Basis für die DVD diente ja (wie der Titel schon sagt) die Fornika-Tour. Wonach habt Ihr die Titel ausgewählt, die Ihr zum einen zunächst live gespielt habt und wonach wurde dann entschieden, welche Titel auch den Weg auf die DVD finden?
Wir haben schon vor der Tournee eine grobe Songsauswahl gemacht, diese wurde im Laufe der Tour dann immer mal wieder leicht verändert – hauptsächlich natürlich Songs der neuen Platte und Live-Hits plus länger nicht mehr Gespieltes. Für die DVD wurde dann letztlich keine gesonderte Setliste mehr angefertigt, sondern authentisch das genommen, was wir an den beiden Abschlusskonzerten der tour in Stuttgart gespielt haben
Warum fiel die Wahl der DVD-Aufnahme auf Stuttgart?
Die Wahl war ziemlich einfach, nachdem beide Tage in der Schleyerhalle recht früh ausverkauft waren, und dann auch noch als fulminanter Tourabschluss, zu dem wir uns noch einige Specials ausgedacht haben – außerdem sind wir halt nach wie vor ’ne Stuttgarter Band.
„Krieger“ habt Ihr auf der Tour nicht in der originalen Version, sondern in einer Aphex Twin-Version gespielt. Wie kam es dazu?
Wir haben „Krieger“ schon so oft gespielt, dass wir mal was Neues ausprobieren wollten. Außerdem haben wir schon seit 1996 diesen genialen Aphex Twin-Remix, dem unserer Meinung nach viel zu wenig Beachtung geschenkt wurde. zusammen mit den LED-Monitoren bot sich die Version als Spektakel für alle Sinne an.
Bei „MfG“ standet Ihr plötzlich in der Mitte der Halle auf dem Mischpult. Woher kam diese Idee? Und wie kamt Ihr so schnell unbemerkt in die Mitte der Halle?
Es war die Idee unseres Bühnendesigners und Lichtkonzeptionisten Gunther Hecker, die erste Zugabe inmitten des Publikums zu spielen. In der Schleyerhalle war es recht einfach, dort hin zu kommen, da wir, wie in vielen größeren Hallen, durch die Katakomben bis in die Mitte der Halle und dann hinter Absperrgittern zum Mischpult laufen konnten. Es gab aber auch einige Hallen, wo wir uns einfach den weg durchs Publikum bahnen mussten…
„MfG“ ist inzwischen für viele so etwas wie ein Identifikations-Hit für Euch geworden. Viele jüngere Zuschauer identifizieren Euch gerade über diesen Hit. So wie das einst mit „Die da“ war – was dann auch die nächste Frage darstellt: „Die da“ wurde auch auf dieser Tour nicht gespielt. Ist der Titel für immer und ewig aus dem Repertoire verschwunden?
Ich denke schon. Wir haben schon auf so viele Art und Weisen versucht, den Song umzubauen und ihn für uns wieder interessanter und moderner zu machen – aber am ende merkten wir immer wieder, dass wir einfach nicht mehr „Die da“ sind…
Wie schätzt Ihr insgesamt Euer Publikum ein? Ich habe den Eindruck, dass die „Generation Die da“ inzwischen viele Folgegenerationen bekommen hat, die den Titel eigentlich gar nicht mehr so weitergehend kennen (eben nur als ein Song einer alten CD). Oder trügt dieser Eindruck?
Ich glaube, niemand vermisst „Die da“ – wir haben so viel andere „Hits“, dass wir uns nicht mit diesem Song komplettieren müssen. Selbst die mitgewachsenen Fans, die uns schon ewig begleiten, haben sich nie beschwert, dass wir unseren ersten Hit nicht mehr live performen.
Als ich beim Konzert in Leipzig war, hatte ich den Eindruck, dass Die Fantastischen Vier eine generationenübergreifende Angelegenheit ist. Würdet Ihr da zustimmen? Sozusagen „Fanta 4 als Band für die ganze Familie“?
Wenn man so möchte, ja! Wir sind jetzt 40 und viele unserer Hörer auch, oder sogar noch ’nen Tick älter – ist ja normal, dass die jetzt auch Kids haben, die sie mit aufs Konzert bringen. Es gibt aber auch Teens, oder Anfang Twens, die uns erst kennen lernen, wenn wir ’ne neue Platte draußen haben. Wir kriegen ’ne menge Mails, in der uns die Kids, die dann aufs Konzert kommen, ihr Erstaunen mitteilen, was wir schon alles gemacht haben…
Wo wir bei den älteren Titeln sind: Wie ist es für Euch, diese nach all den Jahren nach wie vor immer wieder auf der Bühne zu performen und einzustudieren? Wie vermeidet Ihr die Gefahr der müden Routine?
Durchs neue Platten machen – wir können uns nicht vorstellen, über Jahre nur mit altem Material durch die Lande zu tingeln
Neben der DVD ist mit „Yeah Yeah Yeah“ nebenbei noch eine Single erschienen. Warum fiel die Wahl ausgerechnet auf „Yeah Yeah Yeah“?
Super Nummer, alter ;o)
In meinen Augen ist es zwar eine gelungene Single, aber insgesamt nicht gerade die Art von Song, der im Radio auf und ab gespielt wird. Würdet Ihr das auch so bewerten?
Nee, das spielt bei der vierten Single keine rolle mehr – ist halt auch ’n echter Live-Kracher und dient nebenbei noch als Promo-Single für die Live-DVD.
Allgemein: Seht Ihr Euch und Euer Schaffen selbst direkt als HipHop an? Es macht bei den letzten Alben ja schon mehr und mehr den Eindruck, als würde dieser Rahmen auch gerne mal gesprengt.
Dieser Rahmen ist längst gesprengt – wir machen, wie das einer mal so schön nieder schrieb: Future Pop mit HipHop Roots.
Ihr gehört in diesem musikalischen Rahmen sicherlich zu einer der dienstältesten Gruppen. Wie fühlt es sich für Euch an, nun schon so lange aktiv und erfolgreich zu sein? Und hättet Ihr damals geglaubt, dass das so lange anhalten wird?
Wir hätten das natürlich nie und nimmer geglaubt. Mit 25 hab ich schon gesagt, dass ich mit 30 bestimmt nicht mehr auf der Bühne stehe – jetzt bin ich 40 und es fühlt sich immer noch super an…
Wie bewertet Ihr allgemein den aktuellen Erfolg ebendieser Gruppen, die schon wirklich lange dabei sind? Neben Euch fallen mir beispielsweise gerade auch Fettes Brot ein, die große Erfolge feiern im Moment, während andere in Eurem Genre (und auch anderswo) genau so schnell verschwinden, wie sie gekommen sind.
Es gibt halt Dauerbrenner und One Hit Wonders – qualität is here to stay.
Was immer wieder im Zusammenhang gerade mit dieser Art von Musik aufkommt, ist die Gewalt-Debatte. Wie seht Ihr das? Hat HipHop wirklich Potenzen, Menschen gewalttätig zu machen? Oder ist das doch eher nur die verzweifelte Suche nach Sündenböcken?
Gewalt erzeugt immer Gegengewalt. Listen to the Dalai Lama!!!
Nach all den Jahren: Kommen da gelegentlich Gedanken daran, erst einmal einen Gang zurückzuschalten und sich zurückzulehnen? Wie ist es für Euch, sich zu neuen Dingen aufzuraffen, was das musikalische Schaffen betrifft?
Jetzt machen wir erst mal noch ’ne Platte und dann schauen wir weiter…
Vor der großen Tour zur Fornika lag noch die Clubtour zur Fornika. War das eine einmalige Geschichte oder ist mit so etwas evtl. noch einmal zu rechnen?
Wir machen eigentlich seit einigen Jahren bei jeder neuen platte erst ne Clubtour, dann große Festivals und dann ’ne Hallentour.
Nun gab es Album, Albumtour, DVD, neue Single… Ist nun Zeit, sich erstmal auszuruhen? Oder sind schon wieder Pläne da für etwas Kommendes? Könnt Ihr einen kurzen Ausblick geben?
Im Juli 2009 feiern wir unser 20jähriges Bühnenjubiläum als „Die Fantastischen Vier“ und wenn alles gut geht, kommt Anfang 2010 ’ne neue Platte…
Weitere Artikel
Konzertbericht: Die Fantastischen Vier – 24.11.2007, Leipzig Arena
Rezension: Die Fantastischen Vier – Fornika

Homepage: www.diefantastischenvier.de
MySpace: www.myspace.com/diefantastischenvier
Interview: Marius Meyer
Bilder: Andreas „Bär” Lasker