Interviews Marius, 06.09.2007
Interview mit Patty Stucki (pattysplanet)
Vor einer Weile trat ein Bekannter auf mich zu, um mir eine in seinen Augen sehr gelungene Neuentdeckung vorzustellen. Diese Begeisterung steckte schnell an und neben einer Rezension zur CD Andromeda kam auch schnell der Gedanke, den Lesern das Projekt pattysplanet im Rahmen eines Interviews einmal genauer vorzustellen. Patty Stucki – die Frau hinter pattysplanet – willigte schnell ein und beantwortete baldigst unsere Fragen, um den pattysplanet-Kosmos einmal ausgiebig zu durchleuchten. Das Resultat gibt es an dieser Stelle nachzulesen. Viel Spaß!
Marius: Zu Beginn erst einmal die obligatorische Vorstellung… Da viele Leser Dich und Dein Schaffen bisher nicht kennen werden, stell Dich und Dein Werk doch einmal kurz vor! Wer oder was ist pattysplanet? Worum geht es, wer steht dahinter?
Patty: pattysplanet ist sozusagen mein Planet, wo ich genau das mache, was mich gerade interessiert und bewegt. Zurzeit arbeite ich allein, von der Idee bis zur fertigen Produktion, auch die Live-Performance gehört dazu.
Ich bin eine Soundfricklerin, singe, spiele Instrumente und mache viel elektronisches Sounddesign, Klangverfremdungen, mehrstimmige Gesangssätze etc. Das ganze könnte man als eine Art elektronisches Songwriting bezeichnen, oder als warme Elektronik mit Gesang und akustischen Einflüssen.
Wie kamst Du zur Musik? Gibt es so etwas wie ein Schlüsselerlebnis, das Dich zur Musik gebracht hat?
Hmm, irgendwie war die Musik immer schon da. Ich erinnere mich, dass ich als kleines Mädchen mit Kassettenrecordern mehrstimmige Melodien erfunden und aufgenommen habe, und dass Klänge und Instrumente mich immer schon magisch anzogen.
Wie würdest Du den Weg beschreiben und charakterisieren, der vom ersten Gedanken an pattysplanet im Endeffekt bis zu Andromeda geführt hat?
Nach meiner Phase als Teenager mit Synthesizer und Tapedecks machte ich einen mehrjährigen Ausflug in akustische Gefilde und tourte mit diversen Bands. Damals spielte ich vor allem Saxofon und wollte Stücke schreiben und vorproduzieren, um sie in Bandbesetzung zu spielen.
Beim Ausfeilen der Stücke packte mich dann die Klang-Design Leidenschaft, und so wurde es schnell elektronischer und klanglich experimenteller. Für meinen Gesang, der eigentlich nur als Guidespur gedacht war, bekam ich plötzlich gutes Feedback und sogar Angebote, bei anderen Projekten zu singen. Da zog ich erstmals in Erwägung, ein Soloprojekt daraus zu machen und nannte es pattysplanet. Alles Weitere war sozusagen eine logische Konsequenz.
Wie würdest Du die Entwicklung Deiner Musik von der ersten Veröffentlichung hin zu Andromeda beschreiben?
Das erste Soloalbum war eine Sammlung eigener Stücke im pattysplanet-Gewand. Darum herum habe ich zwei Alben und einige Collabs mit Leuten zusammen gemacht, die aus ganz verschiedenen Richtungen kommen: Jazz, Techno, Alternative, Indie, Elektronik. Das war sehr interessant, gerade weil die Einflüsse sehr unterschiedlich waren, und es hat für mein eigenes Projekt geholfen, wichtige Dinge herauszukristallisieren. In „Andromeda“ bekommt der Gesang deutlich mehr Raum, ist wichtiger geworden, ähnliches gilt für die elektronischen Sounds, die sich auch schon mal von herkömmlichen Instrumentierungen komplett lösen. Im Gegensatz dazu bin ich beim Songwriting von Experimenten wieder weggekommen, zurück zu geradezu konservativen Songstrukturen.
Wo wir nun bei „Andromeda“ angelangt sind… Was steckt hinter dem Titel?
Die ausgedehnte Weite, die wir nicht mehr überblicken können, aber zu der wir doch gehören, der Effekt des Verwischten, des nicht sichtbaren („Andromeda-Nebel“), der Zustand, wenn man durch Hören und Intuition mehr sehen kann als durch die Augen.
Wie würdest Du die Musik auf Andromeda selbst beschreiben? Ich fand es beim Hören Deines Albums nicht gerade einfach, die Musik begrifflich zu erfassen, da sie sehr vielfältig ist. Wie würdest Du sie bezeichnen und wovon ist sie beeinflusst?
Ja, bisher habe ich auch noch keine Beschreibung, die so gut trifft, dass niemand überrascht ist wenn er es denn hört. Ich nenne es „electronic songwriter“, „warme elektronische Musik mit Gesang“ oder „Musik vom Südmars und der Erde“, die Presse schreibt z.B. „Sounds aus Sternenstaub, Vocals wie vom Himmel“ (Albrecht Piltz, Keys).
Ich glaube, dass nur Poeten in der Lage sind, Musik wirklich treffend in Worte zu fassen.
Beeinflusst? ja, von allem was ich bisher so gehört und gespielt habe. Als Teenie war das vor allem Elektronisches Zeug, Pop und Heavy Metal, später Funk, Jazz und Experimentelles. Beeinflusst aber auch von Dingen, die nicht direkt aus der Musik kommen müssen. Klänge von Wind und Wasser, oder einfach Eindrücke, die sehr stark sind, etwa wenn man vor einem großen Berg steht, jemanden, liebt oder verliert, in einer hektischen Stadt ist, den Gewitterhimmel beobachtet …
Steckt hinter Andromeda ein Konzept? Gibt es einen roten Faden?
Andromeda vertont ein kleines Stück einer langen Reise, auf der Suche nach dem Ursprung der Sehnsucht, nach Antworten, nach Begründungen für den Verstand… Letztlich ein Album über das Nach-Hause-Finden, bzw. den Weg dahin.
Gleich der erste Titel „Luna“ fiel mir auf, da er allein vom Titel her für Dich von Bedeutung zu sein scheint, wie auch die auf Deiner Internetseite angegebene Mail-Adresse zeigt. Worum geht es bei „Luna“ und welche Bedeutung hat „Luna“ für Dich?
Luna, der Mond (in den romanischen Sprachen übrigens weiblich, was ich auch passender finde), schwebt da oben, wunderschön, geduldig, und schaut auf die Erde und die Wesen die hier leben. Luna ist schon _sehr_ lange da und weiss, wie vergänglich das ist, was wir erleben, wie verwischt und unstetig das, was wir fühlen. Manchmal besuche ich Luna, schaue von ihrem Platz aus hier her, was ich dann sehe ist oft sehr anders als von der eigenen Welt aus.
Auffällig – ebenfalls bereits beim Songtitel – ist auch „Bioley ‘ndisha“. Was heißt das und wofür steht es?
Ursprünglich ist es ein Fantasiename. Ich habe das Stück gemacht, einmal vor einem Auftritt, der Name und die Melodie waren einfach plötzlich da, ich habe den Chor aufgenommen, das Stück als Experiment einige Male live gespielt und dann einen Text geschrieben, der dazu passt. Daniel Knef (der das wundervolle Artwork von „Andromeda“ gemacht hat), erzählte mir später, dass es einen Ort in der Schweiz gibt, der Bioley heißt. Ich komme zwar aus der Schweiz, aber den Ort kenne ich noch nicht. Klar, dass ich ihn mal besuchen werde, vielleicht kann ich dann die Frage schlüssig beantworten.
Anknüpfend an „Luna“ ist mir auch „Ode To Saturn“ aufgefallen. Ist das Planetensystem ein Thema für Dich oder sehe ich hier gerade Querverbindungen, wo eigentlich gar keine sein sollten? Davon ab: Was fasziniert Dich am Saturn?
Ich mag Planeten, ich sehe sie eher wie eine Art Wesen, jeder ist individuell, hat eine eigene Ausstrahlung. Die Menschen haben ihnen ja schon ganz viel zugeordnet in verschiedenen Kulturen. Die Cassini-Fähre hat auf dem Weg zum Titan Tonaufnahmen vom Saturn gemacht. Sie wurden ausgewertet und in einen für Menschen hörbaren Bereich gebracht, und schließlich gab es sie im Internet zum Download. Daraus musste ich einfach diesen Song machen. Und, wenn wir schon dabei sind: Lang lebe Pluto!
Dein Album wird nur über die Internetseite sowie auf Konzerten vertrieben. Wie kommt das? Ist das eine bewusste Entscheidung oder hat sich kein Label gefunden, das die Veröffentlichung übernehmen wollte (was mir unverständlich erschiene)?
Beim ersten Album hatte ich versucht, ein Label zu finden und habe sehr oft das Feedback bekommen, dass sie es gut finden, aber nicht wissen wie sie es verkaufen sollen, weil es sich so schlecht einordnen lässt. Bei „Andromeda“ habe ich nicht mehr gesucht, sondern mir eine eigene Taktik überlegt. Das Album komplett auf eigene Kappe machen und auf den Konzerten verkaufen. Damit spare ich die Kosten für Promo/Vertrieb und kann so auch mal einen schlecht gelaufenen Eintritts-Deal querfinanzieren. Ob die Taktik letztlich so aufgeht, wird sich herausstellen.
Die Reaktionen schienen beinah durchweg positiv gewesen zu sein, wenn man die Rezensionen ansieht. Was mir außerdem auffiel:Die Resonanz kam aus den unterschiedlichsten Richtungen, so zum Beispiel aus dem Sonic Seducer, der Visions und Sound & Recording. Wie bewertest Du diese Tatsache?
Ich denke, dass es für meine Musik eigentlich ein sehr breites Publikum gibt, aber ziemlich verstreut in den Randgebieten verschiedener Szenen. Das sehe ich auch bei den Konzerten. Ich kann im Umfeld von vielen Musikarten spielen: Elektronik, Dark, World, Songwriter, Jazz. Zwar bin ich dann eigentlich immer der Alien und falle etwas aus dem Rahmen, aber die Leute freuen sich über etwas „anderes“, „neuartiges“, „frisches“.
Wie bist Du allgemein mit den Reaktionen zufrieden? Hattest Du für Andromeda ein Ziel? Wenn ja: Wurde es Deiner Ansicht nach erreicht oder nicht?
Ja, ich habe durchweg gute Resonanz bekommen, was mich natürlich sehr freut. Meine eigenen Ziele sind etwas langfristiger, bisher bin ich zufrieden.
Neben Deiner Aktivität mit pattysplanet hast Du auch das Netzwerk Electronic Ladiez gegründet. Was ist Electronic Ladiez? Wie kam es dazu? Gibt es eine Philosophie hinter dem Netzwerk?
Electronic-Ladiez ist ein kleines Netzwerk von Frauen, die elektronische Musik (weit gefasste Version des Begriffs) machen, mit der Absicht, sich intern auszutauschen, zu unterstützen und zu netzwerken, und nach außen eine stärkere Präsenz in der Öffentlichkeit zu bekommen. Es gibt mehr Frauen in dem Bereich als viele denken. Als ich vor sechs Jahren nach Köln gezogen bin, fand ich hier gleich mehrere Frauen, die elektronische Musik machen, und die Idee, ein Netzwerk zu gründen stieß auf Begeisterung. Mittlerweile gibts eine Webseite, wir organisieren Konzerte und Jam-Sessions, das Netzwerk wächst stetig, und zur Zeit basteln wir gerade an einer DVD.
Durch die „Ladiez“ im Namen weist Ihr bereits drauf hin, dass es sich hierbei um einen rein weiblichen Zusammenschluss handelt. Rührt das daher, dass Ihr eben alle weiblich seid oder ist die Weiblichkeit ein Teil der Philosophie (schließlich finden sich auf Deiner Homepage auch Links zu „Femalepressure“ und „Frauen Musik Club Köln“)?
Nein, es gibt keine Philosophie, die alle vertreten. Das Netzwerk lebt von dem, was die einzelnen Ladiez mitbringen, und das ist extrem unterschiedlich. Ich persönlich finde gerade diese Vielfalt spannend. Wir hatten z.B. mal eine Diskussion darüber, ob und wie die Bedienung elektronischer Musikinstrumente weiblicher oder intuitiver sein könnte. Einen gemeinsamen Konsens gab es am Ende nicht, aber die unterschiedlichen Meinungen und Einstellungen dazu fand ich sehr inspirierend.
Wie geht es mit pattysplanet weiter? Was ist in (naher und ferner) Zukunft von Dir zu erwarten?
Ich habe immer viel mehr Ideen als ich verwirklichen kann. Z.B. will ich das Programm live auf der Strasse spielen, außerdem plane ich Zusammenarbeit mit verschiedenen Kunstformen (Video, Märchen)…
Im Moment arbeite ich an neuen Sachen mit viel Live-Looping und Improvisation. Nächstes Jahr möchte ich mehr Konzerte spielen, und danach gibts vielleicht wieder mal ein Album oder eine DVD…
Von der Zukunft ein kurzer Abstecher in die Vergangenheit: Was würdest Du bisher als Highlights und Tiefpunkte Deiner Laufbahn sehen? Gibt es beispielsweise Auftritte, an die Du sehr gerne oder eben am liebsten gar nicht zurückdenkst?
Einen richtig schrecklichen Gig hatte ich eigentlich nie. Es gab einige, die schwierig waren, z.B. wegen technischer Probleme oder weil das Publikum nicht mitbekommen hat, dass die Musik live gespielt ist. Ich habe daraus immer etwas lernen und verbessern können. Einer der schönsten Auftritte war in Köln im „333“, ein kleines künstlerisches Café. Eine kleine Bühne vor einer gemalten farbigen Kulisse, ich hatte einen wundervollen Gastmusiker eingeladen (Alexander Meyen, Violine). Es war großartig, was er aus den Stücken gemacht hat, obwohl er sie nicht einmal vorher gehört hatte.
Durch die Vielseitigkeit Deiner Musik und der Namen, die in Zusammenhang mit dieser fallen, finde ich eine der Fragebogenstandardfragen bei Dir sehr interessant, nämlich die Frage nach den so genannten „Inselplatten“… Welche fünf Alben würdest Du mit auf eine einsame Insel nehmen und warum gerade diese?
Was, nur fünf? Ich kenne eigentlich wenig viel Musik und besitze nicht viele Platten, aber selbst ich finde fünf zuwenig! Aber ich versuchs…
Herbie Hancock – Head Hunters: Momente voller Groove und Ideenreichtum eingefangen und auf Platte gebracht.
Depeche Dode – Exciter: Absolut rundes Album, an dem ich alles grossartig finde… Gesang, Songwriting, Klangdesign und die verschiedenen Stimmungen der einzelnen Songs.
Tori Amos – Little Earthquakes: Total intime Stimmung mit Tori.
Michel Petrucciani – The Blue Note Years: Herrlich um von melancholisch zu hoffnungsvoll überzuschwenken.
Björk – Debut: Wundervolles Zusammenkommen verschiedenster Instrumente mit Björks unvergleichlichem Gesang und ihrer Art, mit Musik Bilder zu malen und Geschichten zu erzählen.
Eigentlich dürfen in der Liste auch Happy Rhodes, Steps Ahead, Portishead, Yello, Sting, Kate Bush und Massive Attack keinesfalls fehlen! Also, ich würde sehen, dass ich möglichst schnell Netz habe auf der Insel, und mich bei MySpace, Pandorra und Last.fm rumtreiben… ;-)
Das war es von meiner Seite mit Fragen. Zum Schluss also: Gibt es irgendetwas, das Du noch ergänzen oder loswerden möchtest?
Ja. Ich möchte mich bedanken bei Euch. Für das Interview, und dafür, dass ihr Infos über Musik jenseits des Mainstream veröffentlicht. Damit helft ihr gerade unabhängigen Künstlern eine Menge!
Homepage: www.pattysplanet.de
MySpace: www.myspace.com/pattysplanet
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Rezension zum Album Andromeda

Interview: Marius Meyer
Bilder: PR
24 Oct 2009, 11:40 am 1.Erika Schumacher…
Hallo Patrizia
Habe mich sehr gefreut, dieses Interview zu lesen und so etwas mehr zu erfahren, was du so machst. Gratuliere!
Freue mich immer, wenn ich von Erich und Dorothe höre, dass es dir gut geht!
Also, lasse es dir weiterhin gut gehen, wir grüssen dich herzlich, Toni und Erika
Werde sie heute Nachmittag sehen, da wir den Geburtstag von Ruth 46 und Tanja 20 feiern.
Wie die Zeit vergeht! Hast du übrigens mein SMS zum Geburi erhalten, Erich musste lange suchen, bis er mir deine Natelnr. geben konnte? War sie okay? Ich hoffe es. Du musst keine Sorge haben, dass ich dich mit Mitteilungen bombardieren werde, aber so ab und zu ein Grüessli um zu fragen und zu hören wie es dir so geht und was du so machst……