Für Peter Heppner läuft es im Moment ausgezeichnet. Erst stieg die Single Alleinesein auf Platz 16 der Single-Charts, das programmatisch betitelte Album Solo erreichte wenig später Platz 9 bei den Alben. Dennoch fand Peter Heppner die Zeit für ein sehr ausführliches Gespräch über Themen wie sein Album, dessen Entstehen und die anstehende Tour, aber auch kontrovers diskutierte Themen wie die derzeitige Lage bei Wolfsheim. Das Ergebnis gibt es nun an dieser Stelle nachzulesen. Viel Spaß bei der Lektüre!

Ich würde gerne mal ganz vorne anfangen und wissen, seit wann eigentlich die Idee im Raum stand, ein Solo-Album zu machen. Das war ja sicher jetzt keine Ad hoc-Entscheidung…

Also im Grunde genommen eigentlich schon. Die Entscheidung, es jetzt zu machen, war schon ein bisschen ad hoc, aber die Idee selbst ist natürlich schon etwas länger da. Allerdings ist das gar nicht so unbedingt meine Idee gewesen, sondern es war eher so, dass schon immer mehr oder weniger gefragt wurde, ob ich nicht mal eine Solo-Sache machen wollte. Das ist im Grunde genommen, seit ich Musik mache, so. Weil ich seitdem ja nicht nur in meiner Band Wolfsheim aktiv war, sondern auch immer nebenher Sachen gemacht habe. Seit „Die Flut“ wurden die Fragen dann immer eindringlicher und so langsam oder sicher hab ich mir dann auch gedacht: Naja, das wäre vielleicht ja auch tatsächlich mal interessant zu gucken, was dabei rauskommt, wenn ich mal ein Solo-Album mache. Dann hab ich es doch recht ad hoc plötzlich entschieden und dann auch relativ schnell umgesetzt.

Wie fühlt sich das an, so ein Album im Alleingang zu machen? Das ist nach so vielen Jahren in einer Band ja sicher dann doch etwas anderes.

Das muss man ein bisschen relativieren, weil ich ja im Grunde genommen immer auch neben der Band gearbeitet habe. Und so ein Solo-Album macht man ja auch nicht ganz alleine. Das heißt, ich hab jetzt ja auch mit Produzenten zusammengearbeitet. Daher war das jetzt nicht so ein riesiger Unterschied. Eigentlich hab ich das kaum gemerkt.

Dazu kam jetzt, dass du für die Aufnahmen nach London gegangen bist. Inwieweit würdest du sagen, dass London das Album neben dem gewachsenen Sprachgefühl noch beeinflusst hätte?

Es ist schon auch ein anderer Produzent gewesen als ich sie vorher hatte. Peter John Vettese ist ja doch ein sehr erfolgreicher Produzent auch weltweit. Man muss im Grunde schon sagen ein Star-Produzent. Das macht schon einen Unterschied, weil man auch merkt, dass der letztendlich auch dadurch, dass er in London arbeitet und auf einem bestimmten Niveau. Er hat da einen ganz anderen Horizont. Da spricht man halt ganz anders über Dinge. Das kann ich jetzt schwer an einem bestimmten Beispiel fest machen, das ist eher so ein grundsätzliches Gefühl, das sicherlich auch das Album geprägt hat. Es ist halt etwas weitsichtiger produziert und etwas mehr am Puls der Zeit, was so weltweite Musik-Geschichten angeht. Das ist nicht ganz so – wie soll man sagen? Die Ausrichtung ist eben internationaler.

Worin häufig auch gerne eine Beeinflussung gesehen wird ist, dass du jetzt nach den ganzen Jahren auf einem Indie-Label bei Warner auf einem Major gelandet bist mit dem Solo-Album. Wie arbeitet sich das für dich? Spürst du da Unterschiede?

Das macht für mich keinen Unterschied. Also ich merk da nichts. Ob ich letztlich meine Platte am Ende bei Warner abgebe oder bei StrangeWays. Das Label hat ja wenig zu tun mit der Herstellung – also eigentlich gar nichts. Deswegen macht das für mich keinen Unterschied. Nicht für die Platte. Wir könnten natürlich drüber diskutieren, inwiefern denn jetzt die Vermarktung durch Warner eine andere ist als die durch StrangeWays, aber das ist für mich ebenso wenig spürbar. Was ich nicht mach, mach ich nicht – ob nun bei Warner oder bei StrangeWays. Da hab und sehe ich keinen Unterschied – nicht wirklich. Ist jetzt ein bisschen langweilig vielleicht (lacht).

Es ist halt immer dieses Klischee vom bösen bösen Major, das da im Raum steht…

Es kommt immer auch so ein bisschen drauf an, wie man zum Major kommt. Wenn ich jetzt ein Newcomer-Act gewesen wäre, wäre das für mich vielleicht ein anderes Ding gewesen, aber es ist ja von vorneherein klar gewesen, dass Warner mir nicht zu erzählen braucht, wie ich jetzt Videos zu drehen oder Platten zu produzieren habe oder was auch immer. Das kommt auch nicht in die Tüte. Warum auch? Das kann ich ja seit 20 Jahren offensichtlich schon ganz gut.

Wie kam es im Endeffekt dann überhaupt zum Labelwechsel?

Ich hab das Label nicht gewechselt. Ich bin mit Wolfsheim immer noch bei StrangeWays.

Aber mit dem Solo-Album ja eben nicht…

StrangeWays wollte es nicht…

Ach so?!

Es ist aber auch eine finanzielle Frage, denn es ist heutzutage ziemlich schwierig, Platten noch zu finanzieren. Das hätte StrangeWays gar nicht gekonnt. Das heißt gar nicht unbedingt, dass sie es nicht gewollt hätten, aber wir hätten es da nicht machen können, weil es einfach schwierig ist, solche Etats noch aufzubringen, wenn man gar nicht weiß, ob man das überhaupt noch wieder reinkriegt. Das ist bei Warner einfach nicht so ein Problem, weil die Firma größer ist.

Verstehe… Ich würde jetzt aber mal gerne ein wenig direkter zum Album und seinem Inhalt kommen. Als Vorab-Single hast du „Alleinesein“ veröffentlicht. Warum fiel die Wahl auf das Stück?

Sagen wir es mal so: Ich bin mal davon ausgegangen, dass die Leute, die wirklich meine Fans sind, mitkriegen werden, dass ich eine LP mache und entsprechend auch darauf aufmerksam werden. Das Problem, das es bei mir und auch bei allen Alternative- oder Indie-Acts gibt, ist einfach, dass es im Radio nicht mehr gespielt wird, weil da im Grunde genommen nur Charts rauf- und runtergespielt werden. Deswegen haben wir einfach ein Stück genommen, von dem wir auch gemeint haben, dass es erstmal im Radio einfach besser angenommen wird. Also erstmal ein ganz praktischer Grund. Und zweitens war es auch so, dass ich das auch sehr interessant fand, mal wieder eine ganz andere Facette zu zeigen von dem, was ich so mache. Einfach auch mal zu zeigen: Ich muss zum Lachen nicht irgendwo in den Keller gehen, sondern man kann von mir auch positives zu Hören kriegen.

Würdest du es also als positives Stück bezeichnen? Du singst ja beispielsweise von „vertrauter Einsamkeit“, was aufs erste Hören vielleicht nicht gerade so positiv klingt.

Also „in vertrauter Einsamkeit“ – damit ist eher gemeint, dass man sich selbst vertraut ist, sich selber ja kennt, dass man mit sich selber ja auch keine Kompromisse machen muss in der Regel, weil man ja niemanden so gut kennt wie sich selber. Darum geht es eigentlich.

Würdest du sagen, dass dieses „lonely wolf“-Ding zu dir passt?

Manchmal schon. Manchmal passt es doch zu jedem. Ich mein, wenn’s nicht so passt, sollte man sich’s vielleicht manchmal passend machen. Ich find das ganz sinnvoll, sich immer mal wieder, wenn’s nötig ist, zurückzuziehen, sich selber zu reflektieren und über sich selber auch nachzudenken. Und das kann man eben am besten alleine.

Würdest du generell sagen, dass du nicht nur unbedingt positiv über das Zwischenmenschliche denkst? Gibt ja auch noch andere Titel, die da auffallen, zum Beispiel „Vorbei“ oder „I Hate You“. Das ist ja alles nicht ganz so positiv.

War es ja noch nie, was ich gemacht hab. „Friede, Freude, Eierkuchen“ – das ist ja auch „Alleinesein“ nicht. Aber es ist ja schon mal nicht Moll, sagen wir mal so. Es geht schon auch musikalisch ein bisschen in die positive Richtung. Ich würde auch die meisten Stücke, auch speziell die von dir gerade genannten, nicht unbedingt verstehen als negative Stücke per se. Bei vielen ist es doch so, dass sie nur Punkte markieren – und wenn man über diese hinausguckt, steht doch da auch eine positive Entwicklung an. Gerade bei so was wie „Being Me“ zum Beispiel, wo man sich zuerst denken könnte: „Mein Gott, das ist ja eine ganz negative Botschaft, die da rüber kommt. Ich bin das einzige, was ich hab und so weiter und so fort.“. Aber da geht’s ja um was ganz anderes: Da geht es darum, dass jemand entdeckt, dass es keinen Sinn macht, sein Leben an jemand anderem zu orientieren, sondern dass man lieber sich selber fragen muss: Was brauch ich? Wo will ich hin? Wie komm ich dahin? Er entdeckt gerade, dass er sehr lange in einer Sackgasse gewesen ist. Jetzt hat er durch diese Entdeckung, die er da gemacht hat gemerkt, dass das so nicht geht. Das ist erst die Möglichkeit, sich selber weiter zu entwickeln. Und das ist doch eine sehr positive Sache.

So gesehen ja, stimmt.

Naja, und also so prinzipiell zu diesem „Friede, Freude, Eierkuchen“-Ding kann ich nur sagen: Da gibt’s ja viele, die das so machen – die machen das auch gut, die sollen das auch weitermachen, ich bin dann für die anderen Klänge zuständig.

Bei „Alleinesein“ war mir zudem noch der Video-Clip aufgefallen. Da sind die Szenen, wo du rennst, die sich mit denen abwechseln, wo du ruhig dastehst und den Text singst. Welche Idee steckt hinter dem Video?

Da ging es darum: Wie setzt man das jetzt um? Wie setzt man diesen Drang danach, alleine zu sein, optisch um? Da sind wir relativ schnell bei jemandem gelandet, der sich auf jeden Fall bewegt, denn in der Bewegung, in dem Laufen, steckt ja schon das Alleinesein. Das kann man ja nur bedingt gemeinsam machen. Da ging es letztendlich darum, den Inhalt des Liedes in Bildern umzusetzen, die das Gefühl auch weiter tragen. Ich glaub, das hat auch ganz gut geklappt.

Ein weiteres Stück, das mir aufgefallen ist, war „Walter“. Nicht nur das Stück, sondern die Zeile „Love won’t tear us apart, Walter“ im Booklet. In welchem Zusammenhang steht das – der Song und die Aussage?

Walter ist ein sehr sehr guter Freund von mir gewesen, der letztes Jahr leider verstorben ist. Und Joy Division ist eine der Bands gewesen, die wir am allerbesten fanden. Daher dann auch dieser Satz.

Und warum die Wahl zwischen London oder Manchester?

Das war halt der Traum, nach England zu gehen und da große Stars zu werden und tolle Musik zu machen. Walter und ich haben halt auch die Musik gemeinsam entdeckt, wie das so ist mit besten Freunden, wenn man jugendlich ist und die Musik gerade anfängt, für einen ganz wichtig zu werden. Das war für mich eine sehr wichtige Zeit, da hat dann Joy Division auch eine wichtige Rolle gespielt und die Musik an sich – naja, meine ganze Einstellung zum Hier und Jetzt und der Musik heute geht letztendlich auf die Zeit zurück. Daher ist Walter auch letztendlich eine sehr wichtige Person für mich gewesen, für meine Arbeit in der Vergangenheit. Da hat man dann auch das Bedürfnis, das noch einmal ein bisschen zu verewigen. Wir hatten eben den Traum, nach England zu gehen und da große Stars zu werden.

Wenn wir das Album jetzt noch einmal als Gesamtes sehen: Was immer unvermeidlich darüber steht, ist der Vergleich mit Wolfsheim. Wie stehst du zu dem Vergleich und wie würdest du ihn selbst benennen?

Muss ich das? Das liegt nicht unbedingt an mir, da irgendwelche Vergleiche zu ziehen. Ich hab das nicht gemacht – ich habe einfach Musik gemacht, ich hab die Lieder ausgearbeitet und auskomponiert und die Texte, die ich gut fand in diesem Augenblick genommen. Das hab ich auch bei Wolfsheim so gemacht, das habe ich aber auch bei Schiller und „Wir sind wir“ gemacht. Wie auch immer – also ich muss ganz ehrlich sagen: Ich seh da keinen Gegensatz und auch keinen wirklichen Ansatzpunkt für einen Vergleich. Letztendlich mach ich meine Arbeit weiter. Und da haben mich stilistische Fragen, ob ich mich von irgendwas wie auch immer absetzen soll, wenig zu interessieren. Deswegen kann ich da im Grunde gar nichts zu sagen. Ich würd’s auch nicht miteinander vergleichen. Ich würde aber mein Solo-Album auch nicht mit irgendwelchen Schiller-Alben oder wie auch immer vergleichen. Von daher – was soll ich sagen?

Das war auch eigentlich das, worauf die Frage so abzielte – wie du zu dem Vergleich stehst. Und das wurde ja deutlich.

Ja, doch.

Das Album ist jetzt in sieben Versionen erschienen, was ja doch recht seltsam anmutet.

In sieben Varianten?

Ja!?

Ich kenn zwei… Zwei Hardcopy-Varianten zumindest. Da gibt es eine Fan-Edition und es gibt das normale Jewel-Case. Und dann gibt es noch die eine oder andere Download-Variante irgendwo. Aber so an sich – vom Album gibt es eigentlich nur zwei.

Es gab da glaub ich noch eine Amazon-Variante…

Okay, das waren so Sondereditionen, im Grunde genommen aber nur im Download-Bereich. Amazon hat keine besondere Version gehabt, sondern die haben noch einmal eine limitierte Version mit einem Autogramm von mir versehen. Das ist das einzige, was die von anderen Versionen unterschieden hat. Das war einfach nur eine signierte. Es gab dann noch bei ein paar Download-Portalen Bonus-Tracks, aber das sind ja keine verschiedenen Versionen. Es sind eigentlich nach wie vor zwei.

Aber wie kam es zu der Entscheidung, in den Download-Portalen dann noch Bonus-Titel reinzubringen?

Das ist ein ganz übliches Mittel, um Sachen zu bewerben. Das machen solche Download-Portale ganz gerne, dann haben sie was exklusives, womit sie dann Kunden locken können. Das läuft dann eine ganze Zeit lang und dann werden wir mal gucken, dass wir die ganzen Bonus-Tracks wieder einsammeln und dann werden wir sie noch einmal irgendwo drauf bringen. Ein Fan muss jetzt nicht sieben Versionen kaufen, um alle Bonus-Tracks zu haben.

Für den Herbst steht nun auch die Tour zum Album auf dem Programm. Da würde ich gerne mal wissen, was der Besucher erwarten kann von der Tour…

Der Besucher kann erwarten: Mich, meine Band, natürlich das neue Album, aber auch ’ne Menge alte Tracks, da gibt es ja auch recht viele. Gerade auch meine Solo-Projekte werden zu hören sein, aber auch ein paar Stücke von Wolfsheim werden dabei sein. Aber Hauptteil des Programms werden meine Solo-Sachen sein und die jetzige LP. Ich hab wie gesagt eine Band dabei. Vier richtig nette und fähige Musiker, mit denen ich auf der Bühne Musik machen werde. Wir haben auch ganz tolle Leute für Licht und Animationen, mit denen wir im Moment schon an ganz spannenden Dingen arbeiten. Das wird hoffentlich richtig schön. Also so, wie es jetzt im Moment aussieht, wird es toll.

Ich hab in diversen Online-Foren gelesen und man wundert sich vielerorts über den Eintrittspreis von teilweise knapp über vierzig Euro. Wie kommt es zu diesen vergleichsweise hohen Preisen, wenn man jetzt beispielsweise mit Wolfsheim-Konzerten vergleicht?

Sagen wir mal so: Wenn man es mit Wolfsheim-Konzerten vergleicht – die sind vier oder fünf Jahre her. Da waren die Preise insgesamt auch noch etwas niedriger. Und wenn man sich so insgesamt den Vergleich mal anschaut, dann muss man doch sagen, dass die Acts eher dabei sind, sich auf 50 Euro einzuschießen statt auf 40 und da find ich, sind wir doch eher im unteren Segment. Und wenn man dann von Konzertkarten von 150 und 200 Euro hört, muss man doch sagen: Dagegen sind wir doch billig.

Sind ja jetzt auch ein paar Musiker mehr mit dabei…

Ja, das erstmal auch. Und zweitens: Die Zeiten haben sich auch gewandelt. Ich mein, wenn keine Platten mehr gekauft werden, muss man halt sehen, wie man die Musik sonst finanziert. Die Kartenpreise haben überall angezogen, da sind wir nicht alleine. Und die haben anderswo noch viel mehr angezogen. Also wir sind eher im unteren Segment. Es war sogar eher so, dass ich noch da insistieren musste, dass der Preis nicht noch höher geht. Der regelt sich letztendlich nach der Nachfrage – und da man Konzerten von mir große Nachfrage unterstellt, waren die Veranstalter kaum zu zügeln. Aber wir haben es dann doch noch hinbekommen, einen humanen Preis zu kriegen am Ende.

Neben Tour und Album jetzt noch ein paar andere Dinge. Der Name Wolfsheim ist nun schon häufiger gefallen. Wie ist da der Stand der Dinge? Da gab es ja gerade in letzter Zeit viele wieder viele Meldungen zu…

Markus Reinhardt hat versucht, mich aus der Band rauszuklagen und ich möchte mir das nicht gefallen lassen. Und um dann in der Öffentlichkeit nicht so dämlich dazustehen, behauptet er halt, ich würde lieber solo als Wolfsheim machen wollen, aber das ist natürlich alles gelogen, das sieht ganz anders aus. Warum er jetzt plötzlich meint, mich aus der Band rausklagen zu wollen, das kann ich dir nicht sagen. Da weiß ich nichts drüber. Das hat er mir auch nicht erzählt. Das Verfahren ist abgewiesen worden, Markus hat verloren, er geht jetzt aber in Revision und dann schauen wir mal, was da am Ende kommt. Ich rechne aber ehrlich gesagt nicht damit, dass bei der Revision was anderes rauskommt.

Kann man da denn überhaupt noch von Hoffnungen auf eine Fortführung der Band sprechen?

Wenn man nicht davon ausgeht, dass das nicht sofort morgen anfangen muss, sondern dass da vielleicht auch noch ein bisschen Zeit vergehen kann, dann schon. Markus und ich sind ja nie wirklich befreundet gewesen. Wir sind Arbeitskollegen gewesen, wir haben uns nicht mal besonders gemocht, also ist das wohl offensichtlich keine Voraussetzung dafür, mit jemandem gut zusammenarbeiten zu können. Es ist jetzt natürlich viel passiert und das ist sicherlich auch so, dass noch ein bisschen Zeit ins Land gehen müsste, bis man sich auch ein wenig abgeregt hat. Natürlich müsste Markus jetzt auf mich zukommen nach dem, was er so gemacht hat. Aber so prinzipiell sehe ich da nicht so das Problem. Und letztendlich liegt mir eben sehr viel an Wolfsheim selber. Da hab ich ja auch sehr sehr viel Arbeit in den letzten 20 Jahren reingesteckt und auch sehr viel Herzblut dran verloren und das will ich auch nicht so einfach aufgeben. Das wäre ja Blödsinn. Deswegen seh ich da – was heißt seh ich da? – hab ich da einfach noch Hoffnung. Ich hoffe, dass es da irgendwann noch einmal einen Weg hin zurück gibt. Wie berechtigt diese Hoffnung ist, das kann ich dir nicht sagen. Ich erlebe so was ja jetzt auch zum ersten Mal. Ich seh nur, dass es bei anderen Bands durchaus wohl auch gehen kann, nachdem man sich offensichtlich bis aufs Blut bekämpft hat, auch in der Öffentlichkeit, später dann noch einmal funktioniert. Also dass die sich wieder zusammenfinden für irgendwas. Vielleicht geht das auch bei uns.

Einer der Vorwürfe, der da immer im Raum stand, war der, dass deine häufigen Gastauftritte bei anderen Künstlern schuld gewesen wären. Wie siehst du das?

Das ist unsinnig, die hab ich ja auch immer dann gemacht, wenn bei Wolfsheim – für mich zumindest – nichts zu tun war. Dann hab ich Gastauftritte gemacht. Und das hat ja in der Vergangenheit auch sehr gut funktioniert, sehr viel auch auf Wolfsheim zu übertragen. Das heißt also, Wolfsheim hat eigentlich immer davon profitiert. Das war auch sehr deutlich zu merken: Wenn ich dann wieder ein Solo-Projekt gemacht hatte, sprangen auch Wolfsheim entsprechend in die Höhe bei der nächsten Platte, die dann rauskam. Das hat wunderbar funktioniert, warum sollte das nicht jetzt funktionieren? Ich wäre ja auch nicht der erste aus einer Band, der auch einmal eine Solo-Platte macht. Es ist ja eher so, dass man sagen muss, es gibt eigentlich keine Band, bei denen nicht mal der Sänger ein Solo-Projekt gemacht hat. Das ist doch völlig üblich und ganz normal und auch überhaupt nicht problematisch. Deswegen versteh ich auch überhaupt nicht, weshalb sich das gegenseitig ins Gehege kommen soll, jetzt plötzlich nach immerhin so 16, 17 Jahren, in denen sich darüber ja nicht beschwert wurde.

Du hast ja wirklich schon mit sehr vielen verschiedenen Künstlern zusammengearbeitet… Wenn man mit so vielen zusammen gearbeitet hat, gibt es da noch Wünsche und Träume, mit wem du wirklich gerne mal zusammen arbeiten würdest?

Da das eigentlich immer so gewesen ist, dass ich eben nicht hingegangen bin und nach Wünschen und Träumen irgendwelche Leute ausgesucht hab, sondern dass das im Grunde genommen so war, dass sich die Sachen ergeben haben oder sich in irgendeiner Art und Weise so herausgebildet haben oder ähnliches: Ich bin nie so vorgegangen, dass ich gesagt hab „Och, mit Schiller würde ich gerne mal was zusammen machen“, sondern es war einfach so, dass wir da bei dem gleichen Verlag waren und dann hat man eben auch das gekannt, was der andere macht. Dann hat der Verleger mal die Idee gebracht: „Wie wäre es denn mal, wenn ihr was zusammen machen würdet?“ Dann haben wir uns das mal genauer angehört, was denn gerade so aktuell ist, so hat sich das dann irgendwie ergeben. Es ist letztendlich nicht so, dass ich jetzt gesagt hab „Das möchte ich jetzt unbedingt mal machen, das verfolge ich jetzt mal“, sondern letztendlich sind die Sachen immer sehr gesund und sehr authentisch gewachsen find ich. Das würde ich eigentlich auch nicht aufgeben wollen. Daher hab ich mir auch bewusst nie die Frage gestellt: „Okay, wer wäre denn da vielleicht noch mal, mit wem ich denn unbedingt mal was zusammen machen möchte?“ Den gibt es so eigentlich nicht.
Ich hab jetzt im Nachhinein festgestellt, dass ich das eine wirklich gute Idee fand, mit Peter John Vettese zusammenzuarbeiten und dass das einer von denen ist, mit denen ich – ohne dass ich es wusste – eigentlich schon lange mal was hätte machen wollen oder sollen, denn die Arbeit hat einfach extrem gut geklappt. Eigentlich find ich das ein bisschen schade, dass wir nicht schon Jahre vorher zusammengekommen sind. So kann ich das jetzt sagen. Aber jetzt wirklich irgendwelche Leute da nennen? Nee, find ich irgendwie auch doof. Da würden mir wahrscheinlich eine Menge nicht einfallen, die es aber auch verdient hätten, da mit in die Reihe gestellt zu werden, denn ich bin da ja relativ offen, bei dem, was ich mir so vorstellen kann.

Also eher so, dass es sich dann doch eher einfach ergibt?

Ja, das muss sich ergeben. Muss halt das richtige Lied sein, es muss die richtige Zeit sein und mir muss dann das richtige einfallen… Bei Schiller ist das ja auch so gewesen: Zwei Mal hat es geklappt, jetzt gab es zwei LPs, da war ich nicht dabei, da hat es nicht so gefunkt. Bei Witt oder bei Paul van Dyk ist es ja auch nicht so, dass ich gesagt hab: „Einmal und nie wieder.“ Es ist schon so, dass wir mehr oder weniger in Kontakt geblieben sind. Mit Witt jetzt noch nicht so sehr, das hat sich so ein bisschen verlaufen. Mit Paul zum Beispiel bin ich auch noch regelmäßig in Kontakt und wenn wir etwas haben, was dem anderen gefallen könnte, dann schicken wir uns das auch. Deswegen: Schauen wir mal!

Das waren dann fast meine Fragen. Zum Schluss würde ich gerne noch wissen: Das Album ist jetzt draußen, die Tour steht bevor… Gibt es schon weitere Pläne für das, was noch so kommt? Vielleicht eine neue Single oder neue Projekte?

Es soll auf jeden Fall dieses Jahr auch noch eine neue Single kommen, da ist aber noch nicht so hundertprozentig klar, welche es sein wird. Da gucken wir noch ein bisschen hin und her. Das wird nächste Woche eindeutig bekannt gegeben. Im Moment arbeiten wir an nicht viel mehr als an der Tour, im Moment hab ich den Kopf auch nicht für viel mehr frei, denn da arbeiten wir gerade unter Hochdruck dran. Es ist doch dann so, dass das, was wir uns vorgenommen haben an Zusammenspiel von Musik und Licht und Projektion und ähnlichem ist dann schon ein bisschen aufwändig und da sind wir gerade unter Hochdruck dabei. Deswegen hab ich da jetzt im Moment gerade nicht so wahnsinnig viel Zeit, mir über andere Sachen Gedanken zu machen. Aber es ist schon relativ klar, was dann nach dem Februar passieren wird, denn auch im Ausland gibt es eine sehr große Nachfrage nach Live-Auftritten und die werden wir natürlich so schnell wie möglich zu sehen zu erfüllen, weil das einfach eben mittlerweile nicht mehr auf Deutschland beschränkt ist. Da haben wir erstmal die Deutschland-Tour geplant, danach wird es dann ein bisschen ins Ausland gehen und dann müssen wir danach mal weiter gucken. Weitere Pläne gibt es im Moment eigentlich noch nicht.

Vielen Dank für das Interview!

(Anmerkung: Ein aktuelleres Interview mit Peter Heppner von Februar 2010 findet sich auf dieser Seite unter diesem Link.)

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Bilder: Mathias Bothor (Ausnahmen: CD-Cover)