Interviews Marius, 01.04.2008
Mit Schandmaul in der Anderswelt – Ein Interview
Dass Schandmaul nach all den Jahren zu den Speerspitzen in Sachen mittelalterlicher Rockmusik gehören und sich ihren Platz neben Bands wie Subway To Sally und In Extremo redlich verdient haben, steht sicherlich außer Frage. Nun erscheint dieser Tage mit Anderswelt ihr neues Album, das einiges an Redebedarf aufwarf. Grund genug also, sich mal über das neue Album und die enthaltenen Stücke zu unterhalten, aber auch über Klänge aus der Dose, Konzerte, Jubiläen, Newcomer und andere Themen. Gitarrist Ducky stand Rede und Antwort.
Zum Anfang würde ich gern direkt an das Vorwort der neuen CD anknöpfen, weil ihr da schreibt, dass es in den letzten zwei Jahren eine wahre Flut an schönen Erinnerungen gewesen wäre. Was waren denn da für euch so Highlights?
Das ist ganz ganz unterschiedlich. Eins der Highlights war definitiv das Wacken Open Air, auf dem wir gespielt haben, dann aber auch einfach ganz viele unspezifische Geschichten, weil es bei uns als Band eben sehr rund läuft. Da ist schon ein Tag, wo man gemeinsam arrangiert, eine wunderbare Sache. Das auf einen Punkt oder eine Sache zu bringen ist da eher schwierig.
Dann direkter zum Album. Wie würdest du den Prozess beschreiben, der dann im Endeffekt zu dem neuen Album geführt hat?
Da muss ich ein bisschen ausholen. Wir haben uns ja das letzte Mal – zu unserem letzten Album „Mit Leib und Seele“ – auf einer Burg eingesperrt und haben da das Album mehr oder weniger arrangiert. Das haben wir diesmal nicht gemacht, sondern sind bei uns im Proberaum geblieben.
Einfach deshalb, weil wir diesmal wesentlich mehr Zeit hatten und durch diesen fehlenden Zeitdruck schon im Vorfeld sehr viel arbeiten konnten, sehr früh schon Texte hatten, sehr früh schon jeder Texte mit nach Hause genommen hat. Es schreiben ja nicht alle Texte, sondern vor allem Thomas, Anna und Birgit – und der Rest gibt dann sozusagen seinen musikalischen Senf dazu. Also wir haben uns schon sehr früh unsere musikalischen Grundideen den Kollegen vorstellen können und letztlich haben wir uns dann in Blöcken zu jeweils einer Woche im Proberaum getroffen und haben diese Grundideen wachsen lassen. Daraufhin sind dann diese Songs entstanden. Wir haben die dann erstmal grob live für uns gespielt und aufgenommen, die hat dann wieder jeder mit nach Hause genommen und sich Gedanken gemacht. Dann haben wir uns wieder getroffen und eine Vorproduktion aufgenommen, die an und für sich schon sehr gut war. Davon haben wir dann auch Spuren im Studio verwendet. Zwischen dem Prozess der Vorproduktion und der Albumproduktion hatten wir noch einmal genug Zeit, uns auch für das Album vorzubereiten, dann sind wir ins Studio gegangen. Also der Hauptfaktor war im Gegensatz zum letzten Album die Zeit. Wir hatten mehr Zeit, uns mit den eigenen Nummern auseinanderzusetzen.
Wo würdest du zwischen „Mit Leib und Seele“ und „Anderswelt“ die Unterschiede sehen? Was ist neu, was ist anders?
Thematisch anders – oder eine Rückführung zu älteren Schandmaul-CDs – ist sicherlich, dass wir mehr abgeschlossene Geschichten erzählen. Es sind wieder mehr fantastische Geschichten dabei, die aber trotzdem irgendwie jeden irgendwo berühren können. Aber auch diese Geschichten sind in sich abgeschlossen, es geht wieder mehr in die Märchen- und Fabelwelt. Das ist eigentlich der größte Unterschied zu „Mit Leib und Seele“.
Wo kamen die Inspirationen zu den Titeln da so her?
Das ist natürlich eigentlich eine Frage, die man am besten den Textern stellt… Ich weiß zum Beispiel vom Thomas, dass er seine Inspirationen sehr viel aus Hörbüchern und Romanen – Fantasy und solchen Sachen – zieht. Und Anna und Birgit… Also gerade die Anna wird mehr vom wirklichen Leben geprägt, verarbeitet also erlebte Sachen, die Birgit ist da so eine Mischung aus beidem, würde ich sagen. Also sowohl Gelesenes und Gesehenes als auch Selbsterlebtes.
Das Album heißt „Anderswelt“ – was steckt allgemein hinter dem Titel?
Wenn man die „Anderswelt“ aus der mystischen Sicht sieht, dann ist es die Welt der Feen und Elfen, einfach also eine Märchenwelt. Das ist aber durchaus ein interpretierbarer Begriff, denn jeder hat irgendwo seine Anderswelt. Wenn wir uns zum Beispiel unsere Konzertbesucher ansehen, die sich auf unseren Konzerten einfach eine Auszeit vom realen Leben, ich sag mal vom „Malochen“, holen wollen und suchen, ist das ja auch eine Art Anderswelt. Und unsere Musik ist ja nun auch nicht wirklich die mainstreamige, die im Radio rauf und runter läuft, da haben wir wieder eine musikalische Anderswelt. Also ich denke der Begriff ist für jeden selbst interpretierbar, definierbar und so hat auch jeder von uns seine eigene Definition davon.
Ich würde jetzt gerne mal auf ein paar Titel vom Album zu sprechen kommen… Vom Titel her ist der „Fiddlefolkpunk“ mir stark aufgefallen. Was steckt hinter dem Titel? Eine Art Selbstdefinition? Eine Momentaufnahme?
Da stellt sich immer die Frage: Wie nennt man ein instrumentales Stück? Das Problem haben wir seit unserem ersten Album, da sind immer irgendwelche instrumentalen Stücke drauf und wir standen immer vor dem Problem: Wie nennen wir dieses Ding jetzt? In dem Fall war es dann relativ einfach, weil es von der Rhythmus-Struktur her, von der Geschwindigkeit des Songs her eher in die punkige Ecke geht, während die Geigen- und die Flötenspur obendrüber tatsächlich einen folkigen Charakter haben. Das haben wir einfach im Namen verbunden: Hauptinstrument ist die Fiddle, die macht Folk, der Rest macht Punk. Daraus wurde der Fiddlefolkpunk.
Als Opener habt ihr den Titel „Frei“ gewählt auf dem Album. Kannst du da was zu sagen, worum es geht und warum ihr das als Opener gewählt habt?
Bei einem neuen Album ist es grundsätzlich so: Man sucht sich einen Song, der nicht gleich mit der Tür ins Haus fällt. Das Problem hatten wir bei Alben davor, dass sie irgendwie immer mit einem Paukenschlag angefangen haben. Das wollten wir diesmal nicht. Wir wollten bewusst eine Nummer wählen, die zwar schon rockig und ein guter Repräsentant für das Folgende ist, die sich aber ein bisschen anschleicht. Wenn man die CD in den CD-Player schiebt und hat vielleicht ein bisschen zu laut gestellt, fällt man nicht gleich aus dem Sessel. Da ist ja dieses Drehleier-Intro, das langsam eingefadet wird und dann fängts erst richtig an. Allein von diesem Aspekt her war die Nummer der perfekte Opener. Und dann – was ich eben schon gesagt habe – ist die Nummer eben ein guter Querschnitt auf das Album. Man kann nach der Nummer durchaus erahnen, was einen erwarten wird.
Kannst du zu dem Titel inhaltlich was sagen? Dieser Freiheitsbegriff – was hat der für eine Bedeutung?
Der Freiheitsbegriff ist für den Musiker natürlich allgegenwärtig, weil das der große Traum ist, der immer über diesem Musikerleben schwebt, obwohl es in Wahrheit ja gar nicht unbedingt stimmt. Aber dieser Freiheitsgedanke ist ja schon in den Köpfen immer da – man kann tun und lassen was man will und eigentlich ist es auch relativ egal, wann der Tag anfängt und wann er aufhört. Konkret in diesem Lied geht es um einen Menschen, der auf der Flucht ist – und trotzdem seine Freiheit lebt. Das klassische Robin Hood Thema eben…
Ein anderer Titel, der mir noch auffiel, war „Missgeschick“. Dabei geht es um diesen Burschen, der sich „mit Weibern nur die Zeit vertreiben will“. Kannst du da was zu sagen, worum es geht und wovon der Song inspiriert ist?
Inspiriert ist er durch ein Buch, das der Thomas gelesen hat, wo tatsächlich einem das Schwert runtergefallen ist, so dass er sich entmannt hat. Da hat er sich überlegt, dass das ja eigentlich eine nette Idee ist – oder auch nicht so nett, aus Sicht des Mannes – und hat dann den Song geschrieben. Diesen Text über einen Burschen, der im Wirtshaus die Wirtin angräbt und vor lauter Suff im Streit mit dem Wirt stolpert und sich mit seinem eigenen Messer entmannt. Darum geht’s. Inspiriert von einer Geschichte, die der Thomas gelesen hat.
Ich hab im Booklet dann bei euch mal ein bisschen weitergelesen – dort steht hinten der Satz: „Schandmaul kommt auch in der Anderswelt ohne Synthesizer und ähnliche Klänge aus der Dose aus.“ Welche Wichtigkeit hat das für euch? Warum betont ihr das so?
Das ist für uns sehr wichtig. Und zwar einfach aus dem Grund: Es gibt in dieser Plastikpopwelt schon sehr viel Lug und Trug, wenn man sich mal anschaut, was auf der Bühne abgeht. Wenn man Glück hat, wird noch live gesungen, der Rest kommt aus der Dose und wird dem Publikum aber so verkauft, als würde hier gerade jeder sein Instrument ganz toll beherrschen. Wenn man genau hinschaut, sieht man: Oh je, der hat aber nicht wirklich Ahnung von dem, was da aus der Dose tönt. Für uns ist Musik einfach ehrliches Handwerk. Alles, was bei uns zu hören ist, ist handgemacht und nicht irgendwie einfach zusammengeschnitten. Irgendein Plagiat von einem Sampler zu ziehen, das kann dann im Endeffekt jeder, der sich ein bisschen mit Computern auskennt, das hat aber mit Musik nichts zu tun. Musik ist Gefühl und Gefühle kann man in ein Instrument stecken und das Instrument kann wiedergeben, was du hereinsteckst. Aber Computer hat nicht wirklich was mit Musik zu tun.
Was mir im Booklet auch noch auffiel: Bei den Stücken steht ja stets „Musik & Arrangement“ vermerkt. Da steht bei euch wirklich immer nur der Bandname und keine Einzelpersonen. Wie hat man sich das da vorzustellen, wie ein Song bei euch entsteht?
Da muss ich auch ein bisschen ausholen… Bei älteren Alben steht immer der Komponist dabei, dann steht Arrangement – da steht immer Schandmaul, und der Texter. Bei den letzten zwei Alben haben wir durch den Prozess der Songwerdung gesagt, dass es eigentlich Quatsch ist, einen Komponisten hineinzuschreiben, da zwar jemand mit einer Grundidee kommt, aber dann rutschen alle sechs Leute drüber und am Schluss wird ein Schandmaul-Song draus. Wir haben mal eine ganz lustige Aktion gemacht: wir haben eine Vinylplatte herausgebracht, da hört man die erste Grundidee, dann hört man die Vorproduktion und dann hört man die Studioproduktion. Da kann man ganz gut nachvollziehen, was ich hier meine. Es ist einfach so: Es bleibt ja kein Stein auf dem anderen stehen von so einer Grundidee. Wenn jetzt zum Beispiel die Birgit mit einer Flötenmelodie ankommt und ich mir denk: „Hm, da würde aber jetzt der Akkord vielleicht schöner drunter passen, dann müsste sie aber ihre Melodie ändern…“ So muss man sich das in etwa vorstellen. Es spuckt jeder in den Topf und jeder hat seine Ideen und am Schluss entsteht aus einer Grundidee eben ein Schandmaul-Song. Und deshalb kann man bei „Musik“ eben nur sagen: Schandmaul.
Davon ausgehend mal zu einer etwas allgemeineren Frage: Wie ist das bei euch denn allgemein, wenn ihr ein neues Album macht? Spürt ihr da irgendeinen Druck? Ich hab jetzt letztens auch gelesen, dass ihr inzwischen ja auch alle von der Musik lebt.
Meinst du jetzt finanziellen Druck oder Leistungsdruck?
Eigentlich in jeglicher Hinsicht. Ist ja eine Art finanzieller Druck, wenn ihr wisst, dass ihr von dem Endergebnis irgendwie lebt.
Der finanzielle Druck ist jetzt nicht so groß, weil wir eine Band sind, die sich ihren Erfolg ja auch schwer und dauerhaft erarbeitet hat muss ich sagen. Wir haben eine sehr starke und sehr treue Fanbase, von der wir einfach wissen, dass immer so und so viele Leute zu den Konzerten kommen. Es ist natürlich immer eine gewisse Erwartungshaltung da, also gerade wenn du mal einen bestimmten Charterfolg hattest – das letzte Album ist auf Platz 10 gewesen. Das sind Sachen, die will man irgendwie toppen, obwohl wir alle wissen, dass das im Endeffekt totaler Blödsinn ist, weil die Chartzahlen immer prozentual zum Erstplatzierten berechnet werden. Das heißt: Ein Album, das auf Platz 15 landet kann wesentlich mehr Einheiten verkauft haben als ein Album, das auf Platz 10 gelandet ist. Und trotzdem ist da natürlich dieser Druck von außen da, dass man sich auch steigert. So zieht sich das in jeden Bereich – man möchte musikalisch besser werden, man möchte einfach nicht stehen bleiben, man möchte schon auch mehr Zuschauer bekommen. Der Druck ist schon da, aber wir sind keine Band, die da jetzt sagt: „Ohgottogottogott, wir müssen jetzt Ziel XY morgen erreicht haben.“ Das ist da innerhalb der Band nicht so dramatisch.
Was mir beim Album noch auffiel: Benni Cellini ist häufig als Gast zu finden. Was verbindet euch allgemein mit der Letzten Instanz?
Die Freundschaft mit der Letzten Instanz hat eigentlich angefangen, als wir im Frühjahr 2007 mit ihnen auf Tour waren, als sie als Vorband dabei waren. Da haben wir gemerkt: Wir ticken relativ ähnlich. Das war sehr angenehm, das war kein Gefühl Vorband/Hauptband, das war ein Gefühl Co-Headliner/Headliner, so kann man das sagen. Aus dieser Freundschaft – man muss es wirklich Freundschaft nennen – heraus, war dann auch klar: Wenn wir einen Cello-Spieler holen, holen wir natürlich den Benni. Warum sollen wir jemanden anderen fragen, wenn der Kumpel um die Ecke das auch machen kann?
Ist da mal wieder mit einer gemeinsamen Tour oder überhaupt gemeinsamen Aktivitäten zu rechnen?
Also in Stein gemauert ist da noch nichts. Wir haben momentan ehrlich gesagt ganz andere Dinge im Kopf, weil Ende des Jahres unser zehnjähriges Bühnenjubiläum ansteht mit einem Riesenkonzert. Da sind wir schon schwer in den Vorbereitungen und natürlich läuft auch alles auf die Veröffentlichung des neuen Albums zu, daher haben wir uns da noch keinen Kopf drüber gemacht. Aber es ist absolut nicht auszuschließen, weil es eine sehr schöne Zusammenarbeit mit ihnen ist.
Du hast es jetzt ja schon angesprochen: Ihr bereitet euch auf das Jubiläumskonzert vor. Wie ist das allgemein: Hättet ihr damals gedacht, dass der Weg mal so weit führen wird? Wie fühlt es sich an?
Wie es sich anfühlt, kann ich dir mit einem Wort sagen: Großartig! Es hätte von uns damals niemand damit gerechnet. Schon allein deswegen nicht, weil Schandmaul für jeden eigentlich ein Nebenprojekt war, also jeder irgendwo noch in einer anderen Band mitgespielt hat. Wir haben uns einfach getroffen – das Ganze war eigentlich als Projekt für ein einziges Konzert gedacht. Dieses eine Konzert hat dann so eingeschlagen und hat uns selber auch so viel Spaß gemacht, dass wir einfach weiter gemacht haben. Dann die erste CD in Eigenproduktion rausgebracht haben und so wurde es schrittweise immer mehr und immer mehr, bis dann irgendwann tatsächlich auch überhaupt keine Zeit mehr für andere Berufe neben der Musik noch war. Von dem her ist es natürlich eine großartige Geschichte, wenn du auf der einen Seite von deinem ehemaligen Hobby – aber eigentlich auch größten Traum – irgendwann leben kannst.
Kannst du schon was dazu sagen, was der Zuschauer bei der Jubiläumsshow an Besonderheiten erwarten kann?
Wir werden eine Bühne hinstellen, wie wir sie bisher noch nicht hatten, auch von der ganzen Technik her. Wir werden sehr sehr lange spielen, der Zuschauer kann sich da auf ein riesiges Konzert, ein sehr langes Konzert, mit sehr alten Stücken auch, ganz neuen Stücken und teilweise auch völlig neuartigen Stücken freuen. Wir sind da auch selber noch am Auskasperln und am Ideen Wetzen. Wir sind selbst schon gespannt, was uns da noch alles einfällt.
Vorher steht auch erstmal noch die sozusagen „reguläre“ Tour an. Was kann der Zuschauer denn da erwarten? Es gibt ja denk ich auch viele, die häufiger zu euren Konzerten kommen. Was wären auch Argumente, noch einmal zu kommen?
Wir werden auf dieser Tour auch schon eine fantastische Bühne haben. Unser Lichtmann hat da einen sehr tollen Plan ausgeheckt, es wird also sehr ansehnlich sein. Dann werden wir einen kompletten Rundumschlag machen, es wird Titel aus allen Alben zu hören geben – natürlich auch etliche aus dem jetzt ganz neuen Album. Aber wir werden auch ganz alte Bekannte ausgraben, die wir schon fünf bis sechs Jahre nicht mehr gespielt haben.
Gibt es schon einen Support-Act, den ihr nennen könnt?
Auf der Tour werden mehrere Support-Acts dabei sein. Es wird spielen: The Seer, was uns sehr gefreut hat. Das ist eine Folkrock-Gruppe, die schon sehr lange – ich glaub seit 18 Jahren – Deutschland unsicher macht. Wir haben von denen damals zum berühmten ersten Schandmaul-Konzert auch einige Nummern gecovert. Also The Seer, sehr empfehlenswert. Dann haben wir zum Teil eine Band dabei, die sich Krieger nennt. Die haben schon etliche Bands supported, also auch namhafte Bands. Und in Köln wird noch Substyle mit am Start sein, da verbindet uns auch eine gewisse Freundschaft mit dem Gitarristen, der auch ein kleines Studio in Köln hat und die Siegerband unseres bandeigenen Bandwettbewerbs zum Teil produziert hat.
Der Wettbewerb ist ein weiteres Thema, auf das ich gerne zu sprechen kommen würde. Gibt es den Wettbewerb „NewComerMusic“ noch?
Den gibt es noch, ja. Das läuft so: Wir bekommen Bewerbungen von den unterschiedlichen Bands, die wir dann in einem Jury-Auswahl-Verfahren anhören und aus den CDs vier Finalisten auswählen, die live gegeneinander – oder miteinander, je nachdem, wie man das sehen will – antreten und vor einer Fachjury ihr Können darstellen müssen. Diese Fachjury wählt aus den vier Bands eine Siegerband aus. Diese Siegerband wird von uns ein Jahr begleitet. Begleitet heißt in dem Fall: Wir haben sehr viele Partner an Bord – eine Plattenfirma, eine Booking-Agentur, gute Fotografen für die Bandfotos, einen Produzenten, die alle kostenlos mit Rat und Tat zur Seite stehen und dieser Band einfach Steine aus dem Weg räumen, über die man zwangsläufig, wenn man diese Kontakte nicht hat, fliegt. Wir haben diese Schritte selber getan, wir sind selber so und so oft auf die Nase geflogen, so dass wir gesagt haben: Das kann man einer jungen Band wirklich ersparen, indem man ihnen einfach unter die Arme greift und sagt: „Geh den Weg, den du gehen willst, aber vermeide die und die Schritte, denn mit denen fällst du auf die Nase“.
Hat der Wettbewerb irgendwelche musikalischen Beschränkungen oder ist er ganz offen?
Ganz offen, überhaupt keine musikalischen Beschränkungen. Es geht um Qualität. Wir haben dieses Jahr beispielsweise bei den Finalisten eine klassische Rockband, eine Rap-Kapelle, eine Crossover-Geschichte und eine absolute Harcore-Band mit dabei gehabt.
Das klingt wirklich sehr weitgehend… Eine Sache, über die ich gerne noch sprechen würde, ist noch etwas ganz anderes. Vor kurzem war ja der Bundesvision Song Contest, den Subway To Sally gewonnen haben. Ich würde gerne mal wissen: Wie habt ihr als Band diesen Sieg bewertet? Und meint ihr, dass solche Wettbewerbe die Musiklandschaft verändern könnten? Ich habe beispielsweise auch euch trotz allem Erfolg noch nie im Radio gehört…
Wir haben alle mitgefiebert an diesem besagten Tag. Subway sind ja auch eine Band, die wir sehr gut kennen und mit der wir uns auch sehr gut verstehen. Wir haben uns sehr gefreut auf alle Fälle und denken, dass das auch ein wichtiger Sieg war für diese ganze Szene, ob man es nun Mittelalter nennt oder überhaupt alternative Szene – eben Musik, die nicht mainstream-mäßig im Radio rauf und runter läuft in der Hot Rotation. Man hat es ja an der Reaktion von Stefan Raab gesehen, der selber sehr überrascht war. Aber das zeigt auch, dass gerade solche Bands unglaublich treue Fans haben. Ich finde das gut, dass so eine Band gewonnen hat, weil das vielleicht auch mal die Medien-Gurus, die die Programme machen, wachrüttelt. Es ist ja nicht umsonst so, dass Gruppen wie Subway To Sally oder wir oder In Extremo oder wie sie alle heißen – ohne jetzt eine mit der anderen vergleichen zu wollen – doch immer relativ hoch irgendwo in die Charts einsteigen, weil einfach sehr viele treue Fans am ersten Tag in die Läden rennen und sich das neue Album holen. Da ist ja nicht nur ein Markt da, sondern auch eine Sehnsucht nach solcher Musik. Ich denk schon, dass das sehr wichtig ist, den Leuten das auch mal in breiteren Medien zugänglich zu machen.
Wäre der Wettbewerb etwas, wo ihr euch selbst auch einmal eine Teilnahme vorstellen könntet?
Also der Bundesvision Song Contest, den könnten wir uns schon vorstellen. Aber beispielsweise den Eurovision Song Contest – da wohl dann nicht.
Das war es von mir soweit mit Fragen. Zum Schluss würde ich nur gerne wissen: Könnt ihr schon einen kurzen Ausblick geben? Ihr habt jetzt im November das Jubiläumskonzert – gibt es schon Pläne für danach oder ist das jetzt erstmal das nächste große Ziel?
Die Planungen gehen schon weiter… Wir werden im Sommer einige Festivals spielen, werden auch im Sommer weiterhin das Jubiläumskonzert vorbereiten. Wir werden nach dem Jubiläumskonzert noch einmal auf große Deutschlandtour gehen. Dann wird das Konzert auch mitgeschnitten, so dass im Frühjahr 2009 eine Live-DVD und Live-CD auf den Markt kommen. Und spätestens dann werden die Arbeiten für das neue Studio-Album angehen, was wir für 2010 ins Auge gefasst haben, wo dann 2009 neben dem ganzen Touren und den Festivals ein großes Augenmerk drauf gelegt werden soll.
Okay, das ist wirklich schon recht langfristig.
Ja, muss man ja…
Das war es von mir dann mit Fragen…
Danke fürs Interview!
Ich habe zu danken!
Weitere Artikel
Rezension: Schandmaul – Anderswelt
Konzertbericht: Schandmaul – 24.08.2007, Leipzig Parkbühne

Homepage: www.schandmaul.de
MySpace: www.myspace.com/schandmaulmusic
Interview: Marius Meyer
Bilder: PR (1, 2, 4, 5, 6, 8), Marius Meyer (3, 7)
09 Apr 2008, 2:30 pm 1.Jonathan…
halo gibt es auch bald arkorde zu der CD Anderswelt