Im Februar erschien mit Maaäet der dritte Longplayer der Finnen von Tenhi, der an dieser Stelle bereits ausführlich besprochen wurde. Nachdem nun einige Monate vergangen sind, war es an der Zeit, bei Tenhi nachzufragen, wie das Album angenommen wurde, was in nächster Zeit von ihnen zu erwarten ist und wie es allgemein um ihr musikalisches Schaffen steht. Um diese Dinge zu klären, hat Tyko Saarikko – der Kopf der Gruppe – sich die Zeit genommen, einige Fragen zu beantworten, die es nun an dieser Stelle nachzulesen gibt. Viel Spaß bei der Lektüre des hoffentlich interessanten Interviews!

Frage: Folgt man der Promo-Beschreibung zu Eurem Album, so gibt es kaum wirkliche Änderungen im Vergleich zu Eurem letzten Album Väre. Wie bewertet Ihr diese Aussage?

Tyko: Das ist ziemlich richtig. Auch wenn der Klang sich von dem fragilen Sound auf Väre unterscheidet, gibt es keine Änderungen in unserem Stil. Es ist eindeutig ein Tenhi-Album. Der Klang ist allerdings diesmal ein wenig dreckiger und die Vocals stehen mehr im Vordergrund.

Frage: Kannst Du einige Unterschiede zum letzten Album beschreiben?

Tyko: Väre war eine endlose Landschaft mit breiten, vielseitigen Klängen, Maaäet ist etwas persönlicher und in sich gekehrter. Das Piano und die Violine nehmen zusammen mit den Vocals eine größere Rolle ein, als es auf den vorherigen Werken der Fall war. Dennoch sind alle vorzufindenden Elemente typisch Tenhi.

Frage: Wie würdest Du den Weg der Band vom Anfang bis jetzt beschreiben?

Tyko: Über die Jahre hinweg hat sich nichts Entscheidendes geändert. Wir haben immer noch die gleiche Art und Weise, Musik zu machen. Es erscheint unglaublich, dass inzwischen zehn Jahre vergangen sind, seit wir angefangen haben. Ich halte mich selbst ständig mit Dingen beschäftigt, die mit der Band zu tun haben, obwohl wir bisher erst drei komplette Alben veröffentlicht haben. Es ist wie ein endloser Korridor mit verschiedenen Themen und Türen zu einer ungezähmten und ungesehenen Welt, aus der wir unsere Inspirationen holen.

Frage: Kannst Du den Prozess beschreiben, der vom Beginn der Arbeit an Maaäet bis zum vorliegenden Ergebnis geführt hat? Wie lief das Songwriting?

Tyko: Anfangs hatten wir nur ein oder zwei fertige Stücke und haufenweise Themen herumfliegen, als wir die Aufnahmen gestartet haben. Wir haben aus diesen Themen viele verschiedene Arrangements gemacht, die das Album zu einem langen Prozess mit sehr viel Stress und Schweiß gemacht haben, aber letztendlich haben wir genau das verwirklicht, was wir wollten.

Frage: Ein Blick auf den Titel… Was ist die Bedeutung von Maaäet?

Tyko: Es repräsentiert Mutter Erde – unsere Mutter.

Frage: Es ist vermutlich für den Großteil der Hörer schwer, die finnischen Texte zu verstehen. Kannst Du etwas über die Inhalte der Texte auf Maaäet sagen?

Tyko: Die Texte auf Maaäet sind wie ausgerissene Seiten aus einem alten Notizbuch. Sie behandeln verschiedene Farben des Leidens und die Bemühung, neue Hoffnung zu finden – also den Kreislauf des Loslassens, damit sich etwas Neues entwickeln kann. Aus diesem Grund beschreiben wir das Album bildlich auch gerne als einen herbstlichen Waldboden.

Frage: Gibt es so etwas wie einen thematischen Faden, der sich durch Euer gesamtes Schaffen oder durch Maaäet als Gesamtwerk zieht?

Tyko: Es fühlt sich so an, als wären alle unsere Stücke Teil der gleichen dunklen Landschaft. Ich betrachte das gerne wie eine Wiese, über die sich unsere Stücke bewegen.

Frage: Wie bereits erwähnt sind alle Eure Texte komplett in Finnisch gehalten. Welche Entscheidung steckt hinter der ausnahmslosen Nutzung Eurer Muttersprache?

Tyko: Ich kann mich nicht erinnern, welche Entscheidung dem zugrunde liegt, aber inzwischen gehört es zu unserem typischen Klangbild.

Frage: Es werden oft Bilder und Metaphern benutzt, um Eure Musik zu beschreiben. Wie denkst Du über diese Benutzung von Bildern zur Beschreibung Eurer Musik?

Tyko: Vielleicht ist es so, weil unsere Stücke sich musikalisch in vielen Dingen voneinander unterscheiden, zum Beispiel in der Instrumentierung. Das Gefühl ist es, das die Stücke zusammenhält. Darüber hinaus lassen die finnischen Texte die Musik etwas distanzierter wirken, so dass es einfacher erscheint, die durch die Musik entstehenden Bilder zu beschreiben.

Frage: Befürchtet Ihr dabei nicht manchmal, dass dieses Funktionalisieren der Musik die Musik an sich in den Hintergrund rücken könnte? Vielleicht ist da ein kleines Risiko, dass die Menschen sich in den Bildern verlieren…

Tyko: Stimmt. Aber das stört mich nicht. Am wichtigsten ist, dass die Hörer für sich persönlich etwas aus der Musik herausholen können. Wenn das erreicht ist, dann waren wir erfolgreich.

Frage: Ihr selbst beschreibt Eure Musik als vom Folk beeinflusste, progressive Musik. Kannst Du diese Beschreibung etwas näher erläutern?

Tyko: Es ist eine recht alte Beschreibung – etwas, was wir geschrieben haben, als wir einst etwas über unseren Stil aufschreiben sollten. Ich habe nach wie vor nicht die richtigen Worte für unsere Musik gefunden. Wir haben kleinere Einflüsse aus dem Folk (heutzutage etwas weniger als vorher) und die progressive Musik ist mit unseren Songstrukturen verbunden, die selten dem Standard folgen.

Frage: Was sind die größten Einflüsse Eurer Musik?

Tyko: Ungefesselte Vorstellungskraft und die Farben des Lebens vom Leid bis hin zum Sonnenlicht.

Frage: Ihr werdet musikalisch oft unter Neofolk eingestuft und ich denke, dass viele Eurer Hörer ebendiese Art von Musik bevorzugen. Wie interpretierst Du diese Tatsache?

Tyko: Wir haben einige Elemente, die typisch für den Neofolk sind, aber generell ist das ein zu enger Pfad für unseren musikalischen Fluss. Vielleicht ist es so, weil unsere Musik hauptsächlich akustisch ist und die Texte die gleiche Art von Romantik und Sehnen in sich haben.

Frage: Was denkst Du über Neofolk im Allgemeinen?

Tyko: Einige Gruppen der Neofolk-Szene mag ich sehr gerne, aber da ist natürlich auch viel Müll dabei.

Frage: Maaäet ist inzwischen eine ganze Weile auf dem Markt. Entsprechen die Reaktionen und der Erfolg Euren Erwartungen? Wie waren allgemein die Reaktionen?

Tyko: Die Reaktionen waren sehr positiv. Es war keine große Überraschung: Wir haben erwartet, dass unsere früheren Fans das Album mögen werden, da keine großen Veränderungen in unserem Stil stattgefunden haben. Die Vermarktung war diesmal größer, weshalb ich hoffe, dass uns durch Maaäet einige neue Hörer für sich entdecken konnten.

Frage: Gibt es allgemein irgendetwas, das Ihr mit Eurer Musik erreichten möchtet?

Tyko: Ich möchte Alben erschaffen, die zwischen der Zeit stehen und auch nach Jahren noch von neuen Hörern entdeckt werden.

Frage: Plant Ihr, Maaäet live umzusetzen?

Tyko: Wir hoffen, dass wir das realisieren können, aber im Moment ist es wegen der Zeitpläne der Session-Musiker unmöglich. Wir versuchen, diese Dinge im Laufe des Sommers zu klären. Es ist auch möglich, dass wir etwas speziellere Shows mit nur wenigen Mitgliedern machen, also eher akustik-basiert. Vor dem Herbst wird das aber auf keinen Fall was, da wir derzeit an dem neuen Harmaa-Album arbeiten.

Frage: Die klassische Schlussfrage… Gibt es noch irgendetwas, was Du ergänzen möchtet, das bisher noch nicht gefragt wurde?

Tyko: Wir bereiten derzeit eine spezielle Tenhi-Veröffentlichung mit altem und unveröffentlichtem Material vor, die im Winter anlässlich des zehnjährigen Bandjubiläums erscheinen soll. In der Zwischenzeit wird Prophecy airut:aamujen von Harmaa veröffentlichen – Harmaa ist die andere Band von Ilmaris und mir.

Interview: Marius Meyer
Bilder: PR