Interviews Tristan, 12.01.2010
Interview mit The Pleasures
Wer gehofft hat, dass die Zeiten, in denen Männer enge Hosen trugen und endlos viel Haarspray in ihre Haare sprühten, vorbei seien, kann seine Hoffnungen spätestens dann aufgeben, wenn er das erste Mal mit The Pleasures in Berührung kommt… Spätestens, nachdem im vergangenen Jahr mit Oh yeah Revolution das aktuelle Album auf den Markt kam, muss man sich eingestehen: So richtig tot ist der Glam Rock dann wohl doch nicht. Ein willkommener Anlass für uns, mit Bandmitglied Dancette Pleasure ein Interview über The Pleasures, ihre Anliegen, Glam an sich, das aktuelle Album und viele weitere Themen zu führen…
Da euch vielleicht einige unserer Leser noch nicht kennen: Erzählt diesen doch kurz, wer ihr seid. Wer ist alles in The Pleasures involviert? Wie lange gibt es die Band schon?
Hallo, mein Name ist Dancette Pleasure und ich bin Sänger und spiele Keyboards. Lord Pleasure singt auch und spielt dabei Gitarre und ist neben unserem Bassisten Namens Sensai Pleausure auch unserer Musikproduzent in der Band. Neo Patra Pleasure spielt ebenfalls Gitarre und ist für tiefe Growls auf der Bühne verantwortlich und Disco Pleasure ist unser singender Drummer.
The Pleasures gibt es nun seit über 5 Jahren.
Wie seid ihr darauf gekommen, eine Travestieband zu gründen?
„Travestieband“ ist nur eine von vielen Schubladen, in der sich diese Band stecken ließe… Jeder von uns spielte in anderen „normalen“ oder weniger geschminkten Bands und man hatte das Gefühl, noch mal was richtig „versautes“ in seinem Leben machen zu wollen. Ich wollte aus meiner eigenen Haut raus, etwas so schräges machen, bevor ich mal 30 sein würde. Zu dieser Zeit hörte ich viel Zeug von David Bowie, den New York Dolls und Musik aus der Rocky Horror Picture Show und Lord Pleasure wohnt in direkter Nähe zum Hamburger Transenstrich. Da kam schnell das eine zum anderen und unsere erste Scheibe hieß ja entsprechend auch „Cuming Out“.
Wie seid ihr eigentlich auf den Namen „The Pleasures“ gekommen?
Es war zu dieser Zeit Mitte der 2000er Jahre, wo es tausende THE-Bands gab. Ich hatte einen Traum und sah den Bandnamen in fluoreszierenden Neonbuchstaben über mir…
Worum es bei The Pleasures gehen sollte, war von Anfang an klar und nur noch eine weitere THE-Band hätte das „Mehr-ist-mehr-Gefühl“ unterstreichen können. Das Wort Pleasures bringt noch heute das Lebensgefühl auf den Punkt. Jetzt noch das THE davor und fertig ist der perfekte Name.
Wenn man eure Musik hört, bekommt man den Eindruck, als hättet ihr bereits in anderen Bereichen Erfahrung mit Musik gemacht. Was habt ihr denn vor The Pleasures gemacht? Wart ihr vorher in anderen Bands? Wenn ja: In welchen?
Ich spielte zuvor in einer Indieglampopband Namens jubilee*, Lord spielte bei der Shockrockband Philiae und später bei Vagueness, Sensai spielt noch heute mit The Force. Disco spielte früher bei The Brilons und bei Pete Rose & The Blind Judges, als noch Neo Patra mit Fake und Penny Markt Massacre in die Saiten haute.
Seid ihr denn noch in anderen Bands involviert?
Klar! The Pleasures sind ein recht spezielle Band und nicht jedes Gefühl lässt sich mit unserem Konzept glaubwürdig rüberbringen und so braucht man manchmal eine Art von Ventil. Hin und wieder stehe ich mit meinem Soloding namens Solowshow mit Mike Breeze auf der Bühne. Das ist wie The Pleasures in Zeitlupe.
Lord und Sensai spielen beide bei Lord Of The Lost und Sensai hat dazu noch wie schon erwähnt seine Band The Force. Wir sind also Vollzeitmusiker.
Was reizt euch am Glamrock? Man merkt ja schnell, dass ihr Bands wie T-Rex, Poison, Twisted Sister und co. nicht abgeneigt sein könnt.
Mich reizen in erster Linie die Musik und das Lebensgefühl. Ich bin eh im Grunde ein „sag ja zum Leben“- beziehungsweise „Don`t dream it – be it“-Typ.
Bands, die sich beim Spielen auf die Schuhe gucken, finde ich maßgeblich langweilig. Ich will eine Show und bringe diese auch zurück auf die Bühne.
Ihr habt 2006 euer erstes Album mit dem Titel „Greatest Hits“ herausgebracht – wie kommt man denn auf den Titel? Ihr scheint ja auch keine falsche Bescheidenheit an den Tag zu legen.
Mehr ist einfach mehr. So kleine Brötchen backen ist nicht so unser Ding, was man auch an der opulenten Produktion hört. Wir dachten uns, wenn schon auf dicke Hose machen, dann auch richtig und wir hatten so zirka 100 verschiedene Arbeitstitel für das Album. „The treasure of Pleasure“ oder ähnliches fanden wir aber unter anderem auf Grund des Umfanges des Albums weniger passend als schließlich „Greatest Hits“.
Das wievielte Album ist eigentlich das aktuelle? Ich habe gesehen, dass sich viele Lieder auf eurer neuen CD befinden, die ihr vorher schon mal veröffentlicht hattet. Sind auf dem neuen Album neue Versionen? Wie unterscheiden sich diese von den alten?
Die „Oh Yeah Revolution“ ist nach der EP „Cuming Out“, dem Album „Greatest Hits“, der Single „Some Like It Rock“ und nach dem Doppelalbum Namens „Oh Yeah“ das nun dritte Album. Allerdings wurden viele Titel bereits in Eigenregie mit dem Album „Oh Yeah“ im Jahre 2007 veröffentlicht. Nun gab es einen Plattenvertrag und es hieß, es sei unmöglich gleich ein Doppelalbum raus zubringen. So nahmen wir unsere Lieblingslieder der „Coming Out“ und „Greatest Hits“ komplett neu auf und addierten sie zu unseren Lieblingsliedern der „Oh Yeah“.
Ihr seid ja jetzt bei Dockyard1, wodurch ihr nun wohl auch einem breiteren Publikum vorgestellt worden seid…
Ja, das stimmt. Deshalb war es für uns auch absolut gerechtfertigt, die Songs noch mal raus zu bringen. Da die „Oh Yeah Revolution“ weltweit erschien, kam uns diese Lösung als die beste vor.
Die Rückmeldungen zu „Oh Yeah, Revolution“ waren ja allesamt sehr gut. Gab es denn auch Rückmeldungen aus dem Ausland? Wie waren diese?
Oh ja, um nur eine zu nennen, gab es eine in einem der größten Metal-Magazine in Holland Namens „Aardschok“. Unsere niederländische Managerin Kirsten von Black As Romance Booking las uns die Rezension in ihrem süßen holländischen Akzent auf der Tour in Holland vor und nicht nur ihr Akzent schmeichelte. Wir bekamen da eine Bewertung von 76 aus 100 Punkten. Für die erste Scheibe in Holland sehr erfreulich, zumal das neue Kiss-Album dort nur wenig Punkte mehr bekam.
Auf dem Album findet sich auf eine sehr gelungene Coverversion von „Children of the Revolution“ von T-Rex. Warum habt ihr das Lied gecovert?
Dankeschön! Wir haben vor ein paar Jahren für den lebendigen Rest von T-Rex als Support gespielt und die Herren hatten bei genau jenem Song so eine unglaubliche Energie. Da standen wir Pleasures im Publikum und guckten uns die Show an und waren einfach sprachlos. Dieser magische Moment hat uns besonders für das Cover des Songs bewegt.
Wie entstehen denn die Lieder bei euch? Wo lasst ihr euch inspirieren?
Die allerersten Songs von uns entstanden zusammen mit Lord Pleasure in seinem alten Musikproduktionskeller, wo er auch die ersten Demos von uns vorproduzierte. Wir liebten damals vor 5 Jahren dieses freie Gefühl der Rocky Horror Picture Show und waren natürlich auch gemeinschaftlich im Musical. Dazu kommt, dass wir alle in den 1980ern groß wurden, wo man automatisch unendlich viele hochtoupierte Bands wie Guns N Roses, Alice Cooper, Bon Jovi, Cinderella, Roxette, The Cure oder Sisters Of Mercy nachmittags auf MTV sah… Da kommt dann vieles Zusammen. Und natürlich die Leidenschaft nach sexy hochtoupierten Frauen. Das meiste im Leben macht man ja eh für das andere Geschlecht und diese Dinge sind super Inspirationen für neue Songs.
Mittlerweile schreiben wir alle sogar oft gemeinsam an neuen Songs. Das kann überall passieren. Die besten Ideen, finde ich, entstehen, wenn wir alle gemeinsam auf Tour sind.
Gibt es denn andere Bereiche, aus denen ihr euch inspirieren lasst außer der Musik?
Auch Filme spielen für mich eine große Rolle. „Hedwig And The Angry Inch“ zum Beispiel oder „Still Crazy“ bedeuten mir sehr viel. Und Mode; aber diese lässt sich ja selbst meistens aus der Musikwelt inspirieren.
Ich nehme einfach mal an, im alltäglichen Leben wird man euch nicht als The Pleasures erleben – wie lauft ihr denn privat am liebsten rum? Oder gibt es euch nur als The Pleasures?
Haha, also Privat den ganzen Tag mit 30cm Glitter-Absätzen rumzulaufen wäre nicht ganz so entspannt machbar…
Mein Privat-Outfit ist im Grunde etwas weniger nackt als auf der Bühne, aber nicht weniger bunt. Und dezent geschminkt finde ich mich selbst einfach irgendwie hübscher. Dancette Pleasure ist also nicht so ganz aus mir rauszukriegen.
Und wie reagiert euer soziales Umfeld, wenn diese hören, was ihr mit The Pleasures so anstellt? Oder wie hat dieses reagiert, als ihr davon berichtet habt?
Bisher regierte unser soziales Umfeld eher positiv auf uns. Sogar meine Ma schenkte mir neulich eine Lederweste aus einem Sexshop für mein Bühnenoutfit und fragte in einem Teeniebekleidungs-Geschäfte nach glitzernden Hotpants für mich. Und mein Boss zeigte mir neulich stolz seinen MP3-Player, wo unsere gesamte Musik schön sortiert war. So denke ich, ist die Akzeptanz recht hoch.
Ihr habt in der Schlingensief-Doku „Die Piloten“ mitgewirkt. Wie ist es zu der Zusammenarbeit gekommen? Wie ist man auf euch aufmerksam geworden?
Unsere damalige Managerin arbeitete außer für The Pleasures noch für eine Filmproduktionsfirma und ebendiese war für seine Show verantwortlich. Irgendwann lud uns Christoph nach Berlin in seine Wohnung ein und schmiedete mit uns ein paar Showpläne…
Wie war es für euch, dort mitzuwirken?
Anfangs fühlte ich mich ein wenig wie Helmut Zerlett in der Harald Schmidt Show, hehe.
Als wir die Produktionsleiterin mal fragten, wie die Show denn ablaufen würde, bekamen wir nur die Antwort, dass sie das selbst nicht wissen würde. Das machte uns schon ein wenig Angst, aber am Ende ging alles gut, da wir einfach unser Ding durchzogen.
Wie muss man sich euch live vorstellen? Ich habe mal gelesen, dass man das nicht erklären kann, sondern dass man es selbst erleben müsse, aber das finde ich sehr unbefriedigend – würdet ihr dennoch versuchen, mal eure Auftritte zu beschreiben?
Echt? Wer schreibt denn so was? Unsere Shows sind recht ausgelassen und natürlich bunt. Da stehen fünf wild geschminkte Typen auf hohen Schuhen auf der Bühne und rocken in Hotpants und auch mal Strapsen oder Röcken, als gäbe es kein Morgen mehr. Es qualmen und fliegen die Gitarren, es läuft das Kunstblut von den geschminkten Lippen, es kommt unfreiwillig vor, dass Keyboard-Cases durch das Feuerwerk abbrennen, mal springt man in die teenageesque erste Reihe. Dazu werden unsere Songs live performt, das Publikum wird zum Mitsingen animiert und regelmäßig einem Glitterregen ausgesetzt.
Seid ihr denn bald auch auf Tour? Mit wem werdet ihr dann unterwegs sein?
Wir waren gerade erst auf Tour. In Deutschland, Holland und in England. Dort waren wir mit der Rockband Drugdealer Cheerleader unterwegs und erlebten echt schräge Dinge. Vom nackten, englischen Bassisten auf der Bar über Aftershow-Parties in ominösen Bikerclubs bis zum Stagedive ins nächste prall gefüllte Dekollete…
Mit wem würdet ihr denn gerne mal live spielen? Egal, ob es nun realistisch wäre oder in euren kühnsten Träumen.
Realistisch gesehen waren wir gerade erst als Support-Act für Alice Cooper im Gespräch. Leider ist das kurzerhand nichts mehr geworden, aber ein Traum war es schon. Nachdem wir aber 2008 bereits für Hanoi Rocks als Supportband spielten, bleiben die Optionen recht übersichtlich. Vielleicht kann ich ja noch Paul Stanley dazu überreden, uns für seine Kiss-Europa-Tour als Support-Act zu buchen. Wünschen darf man sich so was ja…
Ich hoffe doch, dass es mit The Pleasures noch weitergehen wird: Was sind eure Pläne für die Zukunft? Gibt es schon welche?
Im Moment planen wir gerade die Konzerte und Touren für das neue Jahr. Für England und Holland liegen schon mehrere Anfragen vor. Allerdings möchten wir auch die Arbeiten am nächsten Album vorantreiben, wofür wir schon etliche Songs geschrieben haben und im ersten Quartal 2010 wird unser neustes Video veröffentlicht. Ganz nebenbei wurde gerade eine Rock-Oper über The Pleasures geschrieben, in der wir alle selbst mitwirken werden. 2010 wird also ganz neue Akzente setzen.
Vielen Dank, dass ihr euch die Zeit genommen habt, meine Fragen zu beantworten. Ihr ahnt schon: Das Interview ist vorbei und die letzten Worte gehören natürlich euch…
Vielen Dank, denkt daran, dass wir alle nur dieses eine Leben haben und „you can`t rock `n roll when you are dead so live right without pushing dreams ahead!“.
Weitere Artikel
Rezension: The Pleasures – Oh yeah Revolution
Homepage: www.thepleasures.de
MySpace: www.myspace.com/thepleasuresmusic

Interview: Tristan Osterfeld
Fotos: Bo Ismono
10 Feb 2010, 11:26 pm 1.ulli…
mit kiss zusammen touren wäre echt geil. bin dabei lach, beim träumen ha ha