Interviews Anne-Sophie, 16.10.2009
Im Gespräch mit Windmill
Matthew Thomas Dillon klingt zuweilen wie ein kleines Eichhörnchen, das munter durch den Wald flitzt und piepsend nach einer Nuss sucht, um sie für den Winter zu verstecken. Zumindest bekommt man den Eindruck, wenn man zum ersten Mal eines seiner Alben hört. Doch ist er das wirklich? Ein kleines Eichhörnchen mit Puschelschwanz? Um dem Mysterium Dillon auf den Grund zu gehen, bot es sich an, vor dem Auftritt in der Leipziger naTo ein Interview mit ihm und seinen Bandkollegen zu führen. Was als netter Plausch über Windmill‘sche Musik begann, wurde schließlich zu einer Gruppentherapie-Sitzung und artete zu guter Letzt in einem unglaublich bunten Konzert aus. Die Show ist leider nicht mehr zu rekonstruieren, doch wer sich mit Worten und einem mitunter äußerst tiefgründigen Gespräch allein begnügen kann, dem sei das folgende Interview empfohlen.
Bevor wir beginnen, wäre es toll, wenn du vielleicht kurz etwas über Windmill an sich sagen könntest. Wer oder was steckt dahinter? Wie lange gibt es das Projekt schon. Einfach nur eine kleine Beschreibung für all diejenigen, die dich noch nicht kennen.
Matthew: Ich begann mit dem Projekt Windmill vor etwa drei Jahren. Doch schon davor schrieb ich die ganze Zeit Songs, nahm sie zu Hause auf, zeigte sie aber niemanden. Das ging etwa zehn Jahre so, irgendwann hatte ich über 2000 Lieder. Ich lebte nun einmal in einer kleinen Stadt, in der sich niemand um so etwas oder mich kümmerte, also darüber, was ich so tat oder Musik machen und all sowas. Deswegen gab ich auf ich, schließlich dachte ich, es sei ein wertloser Zeitvertreib. Zwei Jahre später allerdings kaufte ich mir wieder ein Piano und Geräte zum Aufnehmen, spielte fünf Tracks ein, die wiederum von einem Label entdeckt wurden und die mochten das. Das war eine echte Überraschung für mich. Wirklich eine große Sache, denn ich hatte in dieser Hinsicht überhaupt kein Selbstvertrauen in mich, habe auch nie etwas von meiner Musik an Labels verschickt. Ich dachte immer: „Leute wie ich, die schaffen sowas nicht, die machen nicht solche coolen Sachen.“ Daraufhin passierten viele Sachen in recht kurzer Zeit. 26 war ich da, und nahm dann das erste Album „Puddle City Racing Lights“ auf. Wieder zwei Jahre später tourte ich umher und traf diese Jungs hier. Seitdem spielen sie mit mir, auch auf der neuen Platte „Epcot Starfields“. Und jetzt geht es mir eben gut. Was soll ich auch sonst sagen? Ich leide an nichts. Obwohl, ich hatte mal Asthma, aber das scheint verschwunden zu sein.
Tommy: Du trägst eine orangefarbene Mütze.
Matthew: Genau. Da steht Trucker drauf.
Tommy: Und du riechst ganz schön schlecht.
Matthew: Ja, mag sein. Dennoch: Germany rules!
Das Album ist vor kurzem in Deutschland erschienen und die Kritiken dazu sind voller Lob. Viele bewundern die doch recht niedliche Geschichte, die du darin verarbeitet hast, gehen auf deine Kindheit und die Erinnerungen daran ein. Doch wenn man sich den Pressetext durchliest, merkt man, dass noch mehr dahintersteckt. Nicht nur ein Tag in deiner Kindheit, sondern tiefgründigere Gedanken, die in andere Richtungen einschlagen. Magst du davon erzählen?
Matthew: Es ging darum, zu realisieren, dass man irgendwann einmal sterben wird. Man lebt mit dem Wissen, man wächst damit auf. Doch es kommt einmal der Zeitpunkt, der einen bewusst werden lässt: „Oh ja, du wirst wirklich in ferner Zukunft sterben.“ Jeder, um den ich mir Sorgen mache, alle, die ich liebe, meine ganzen Erfahrungen, die werden nicht mehr da sein, irgendwann. Das passierte in einer Phase, nachdem ich das erste Album aufgenommen hatte. Da verkroch ich mich und dachte sehr viel darüber nach. Ich wurde mir darüber bewusst, dass meine Eltern altern. Menschen, um die ich mich wirklich sorge, werden ebenso älter. Sogar ich. Ich fand es schwer, damit klarzukommen. Ich denke, ich habe das Album geschrieben, um all das zu bewältigen. Um mir selber sagen zu können, dass alles okay ist, alles okay sein wird.
In diesem Zusammenhang dachte ich daran, wie es war, im Epcot Centre zu sein. Ich war dort mit meiner Familie und es war einfach perfekt, wie alle zusammenkamen. Da wusste ich noch nicht, dass das nicht alles ewig sein wird. Ich wusste noch nichts von den Sorgen, die man als Erwachsener hat. Ich versuche deswegen, auf der Platte Probleme der Zukunft zu umschreiben, aber in einer Art und Weise, die der von damals gleicht. Die sorgloser ist. Macht das Sinn?
Ja, es macht Sinn.
Matthew: Gut, ich bin mir da nämlich nie so sicher. Es ist immer so, wenn ich ein Album mache. Vor allem aber ist es überraschend. Als ich ein paar der ersten Kritiken dazu las, war ich wirklich erstaunt, wie viele der Menschen mich verstanden haben. Auf ganz verrückte Weise. Manchmal denkt man sich, dass man beim Schreiben der Musik zu abstrakt sei, zu persönlich. Doch dann merkt man, dass alle sich im Grunde ein wenig ähneln. Natürlich sind wir alle irgendwie anders, dennoch, es gibt Punkte, da sind wir alle gleich. Jeder hat den gleichen menschlichen Geist. Ich glaube zum Beispiel auch daran, dass alle Leute ein gutes Herz haben. Wenn all diese Personen dann noch verstehen, worüber du sprichst, dann ist das einfach nur cool. Total cool sogar.
Viele der Lieder klingen ja tatsächlich sehr persönlich und intim. Was ist am schönsten, wenn man solche Songs schreibt? Und was am schlimmsten oder vielleicht am härtesten?
Matthew: Nun ja, der härteste Teil am letzten Album war der Fakt, dass ich es im Beisein von anderen Leuten machen musste. Ich musste ins Studio gehen, zum ersten Mal überhaupt, vor Fremden singen. Ich hasste es, wirklich, es war schlimm. Dafür ist das Endprodukt letztendlich toll geworden, etwas, worauf man stolz sein kann. Selbst wenn ich mich vielen Problemen wie der Sache mit dem Selbstbewusstsein stellen musste.
Bei der neuen Platte wollte ich allerdings wieder allein aufnehmen, allein sein beim Entstehungsprozess. Ich dachte, dass ich so frei von Hemmungen sei und von Dingen erzählen könnte, über die ich normalerweise nicht reden würde. Singen, wie ich es vor anderen Menschen nicht machen würde.
Das Beste war wiederum, dass ich machen konnte, was ich wollte. Das Label hörte nichts, bis alles fertig war. Sie haben sich niemals eingemischt und ich konnte daher einfach exakt das machen, was mir vorschwebte. Es war so cool. Es war so cool daran zu arbeiten und zu wissen, dass es am Ende wirklich veröffentlicht werden würde. Dieses Gefühl hatte ich vorher so noch nie. Die ganzen zehn Jahre lang, in denen ich bereits Tracks aufnahm, hatte ich zwar schon Phantasien darüber, doch es passierte ja nicht. Ich stellte mir vor, wie es sei, das Album in den Händen zu halten. Ich überlegte, wem ich im Booklet danken sollte. Oberflächliche Sachen. Aber wenn du Musik machst und überhaupt nicht weißt, wie du jemals dorthin kommen sollst, sind es eben diese kleinen Phantasien, die dich vorantreiben. Demnach zu wissen, dass Epcot Starfields erscheinen würde, war ein Ansporn.
Schwierig war jedoch, dass ich überhaupt gar keine Ressourcen hatte, um die CD zu produzieren. Ich musste es zu Hause machen und dort habe ich nur ein Keyboard und ein Mikrophon. Zudem waren die Leute in meinem Haus ziemlich taktlos und nicht gerade entgegenkommend. Sie machten laut Abendbrot, wenn ich gerade versuchte, einen Song einzuspielen. Oder packten mir irgendwas vor die Tür, wenn ich singen wollte. Ich musste immer warten, bis sie weg waren, um etwas für die Platte zu machen. Deswegen hat es schlussendlich so lang gedauert. Ich denke, ich hätte nicht so lang gebraucht, wenn ich ein Studio gegangen wäre.
Ist mit dieser Geschichte das gemeint, was im Pressetext steht? Dass du das Album am Rande des Wahnsinns aufgenommen hast?
Matthew: Ja, auch, gewissermaßen. Es war eine harte Zeit. Ich war sehr beschäftigt mit den Aufnahmen für die erste LP. Wenn dann das Ende einer Tour kommt, macht man plötzlich gar nichts mehr, alles verschwindet sozusagen. Du hattest eine gute Zeit, konntest dich mit Fans und begeisterten Menschen auseinandersetzen. Aber die Leute vergessen dich danach und du musst wieder von vorn beginnen. Du weißt nicht, wie es klingen wird. Ob es gut wird. Es war eine dunkle Phase. Dann noch die Themen, mit denen ich mich beschäftigte. Die Angst davor, gewisse Dinge im Leben zu verlieren. An alles, was ich denken konnte, war dieses Album. Ich hätte bestimmt andere Sachen mit meiner Zeit anfangen können. Es ist wirklich eine intensive Sache, über die Entstehung einer Platte nachzudenken, nicht zu wissen, wie es letztendlich sein wird.
Also warst du ein wenig besessen davon?
Matthew: Ja, tatsächlich, so war es. Sehr besessen sogar. Deswegen musste ich ja an Walt Disney denken. Er war so eine kreative, aber eben von dieser Kreativität besessene Person. Ich erkannte da irgendwie Parallelen.
Ist es Epcot Starfields nun eigentlich eine Platte geworden, die lediglich von dir und deinen Erfahrungen erzählt? Oder kann man es vielleicht als Dillon-Familien-Album betrachten?
Matthew: Eigentlich ist es lustig. Ich hoffe, meine Familie wird es verstehen. Es braucht immer ein wenig Zeit, denn sie sind nicht sehr musikalisch oder sonderlich an Musik interessiert. Ich weiß, dass meine Mutter es mag, sie schickte mir deswegen eine Nachricht. Meine Neffen hingegen finden es wahnsinnig cool. Mein 9-jähriger Neffe schickte mir extra eine SMS. Außerdem hatte er das Cover nachgemalt. Ich musste fast weinen.
James: Oh ja, das stimmt. Wir mussten ihm Taschentücher bringen.
Matthew: Ich denke, es gibt viele Menschen, die von sich behaupten, dass es ihnen egal ist, ob ein anderer Mensch toll findet, was sie machen. Aber sie wollen es auch. Unbedingt will man das, gerade von Personen, die dir nahe stehen. Meine Familie findet es schon toll, was ich mache. Sie sind sehr süß, was das angeht. Es ist schon irgendwie ein Familienalbum. Auch wenn sie es gar nicht verdienen.
Was? Das soll man so schreiben?
Matthew: Ach Quatsch, natürlich verdienen sie es. Aber man sollte nicht die Jungs neben mir vergessen. Sie gehören für mich auch zur Familie, sie sind brillant. Es ist genauso ihre Platte. Sie haben viel dafür getan. Sie mussten zum Beispiel immer unter meinen fünf Minuten leiden.
Tommy: Ja, das mussten wir.
James: Siehst du, wie schlimm das war? Tommy musste dabei nicht einmal lachen.
Matthew: Irgendwie fühlten wir aber alle, dass ein weiteres Windmill-Album entstehen muss.
Tommy: Ja, nach allem, was 2007 so passierte. Es gab eine lange Pause, du hattest irgendwie eine schwierige Phase. Aber du hast es geschafft. Du warst dir deiner Sache bewusst. Und ohne deine lustigen fünf Minuten wäre die Platte sicherlich ganz anders geworden. Da bin ich mir sicher.
Matthew: Ja, so ist es wohl. Ich denke, man realisiert im Leben irgendwann, dass nicht alle schlimmen Dinge, die dir widerfahren, eine schlimme Folge haben müssen. Es klappt nicht immer, jedoch kann aus einer dunklen Phase deines Lebens etwas Tolles hervortreten. Für mich ist es diese CD, das ist der gute Teil. Ich bin sehr stolz darauf. Natürlich wird es nicht jeder verstehen, es ist überhaupt nicht kommerziell angelegt. Trotzdem ist es für mich besonders, denn es ist genauso geworden, wie ich es wollte. Niemand kann mir das nehmen. Es ist egal, wenn Menschen es nicht mögen. Es ist immer da, es wird bleiben und es ist, was es ist.
Tommy: Es sind auch die Leute, die es besonders machen. Wir haben so viel Spaß bei all den Shows, die Leute nehmen uns und die Musik gut an.
James: Ja, genau, das ist eine Sache, die diese Tour und all das Drumherum so wahnsinnig schön macht. Die Leute zu sehen, wie sie zu den Konzerten kommen. Sie haben Spaß, singen mit, tanzen, lachen über Matthews Dummheiten. Wirklich jeder lacht, jeder kann mitmachen. Wir hatten zum Beispiel letzte Nacht eine Frau auf der Bühne, die Opernmusik sang.
Matthew: Das alles ist immer noch so speziell für mich. Ich habe viel Zeit mit der Musik und gleichfalls damit, zu akzeptieren, dass es mich nicht weit bringt. Doch ich hätte niemals gedacht, dass ich tatsächlich so etwas einmal machen werde. Aber nun machen wir es. Es ist so faszinierend. Wenn man das Cover in irgendeiner Zeitung sieht, etwas über die Platte liest. Oder all die Poster hier in der Stadt, das fühlt sich verdammt cool an. Ich bin niemand, der denkt, dass er all das hier verdient. Viel mehr Menschen sollten die Möglichkeit bekommen, sowas hier zu tun. Es ist ein spaßiger Job, man ist privilegiert, wenn man es machen darf. Du darfst dann nicht arrogant sein oder respektlos. Viele Leute müssen erst einmal sehr hart arbeiten, bevor ihre Band überhaupt dieses Level erreichen kann.
Epcot Starfields ist ein Konzeptalbum. Ist es einfacher, solch eine Platte zu kreieren oder doch ziemlich schwierig, die Songs trotzdem individuell zu gestalten, ihnen jedoch nicht die gemeinsame Grundlage zu nehmen?
Matthew: Es ist ein bisschen von beidem. Im Grunde hat man einen Punkt, von dem aus man startet. Immer, wenn man einen neuen Song schreiben will, braucht man einen Gedanken, diesen Punkt, an dem alles beginnt. Es entsteht ein Rahmen, ein Gerüst für all die Sachen, die danach folgen.
Auf der anderen Seite ist das hart. Du musst nun mal innerhalb deiner selbstgesteckten Grenzen bleiben, aber du möchtest auch, dass jedes Lied für sich wirkt. Ich habe sehr stark daran gearbeitet, dass jeder Track seine eigene Identität bekommt und das Album immer noch nach einer Geschichte mit Anfang, Mittelteil und Ende klingt. Trotzdem soll es möglich sein, sich einen Song auszusuchen, der, wenn man ihn hört, für sich selbst steht, ganz unabhängig von all den anderen Nummern auf der CD. Das ist wirklich eine Herausforderung.
Außerdem gibt es noch ein Problem: wenn die Idee hinter dem Album zu vage ist, dann hast du wohl deine Zeit verschwendet. Eine Platte kann nicht von Dingen handeln, die keiner versteht. Man muss Lieder schreiben, bei denen wenigstens eine Person denkt: „Oh ja, ich weiß, wovon er redet!“. Das sollte schon die Intention sein.
Musst du denn allein sein, um die Lieder zu schreiben? Im Pressetext wurde es so beschrieben – nur du und die Musik. Oder geht das zum Beispiel auch mit den beiden hier, getreu dem Motto „Bandmeeting, wir brauchen einen neuen Song!“?
Matthew: Das ist so eine Sache, mit der ich zu kämpfen habe. Es hat etwas mit Selbstbewusstsein zu tun. Jeder denkt darüber nach, was Menschen von einem halten. Selbst wenn sie sagen, dass es ihnen egal ist, dann stimmt das nicht. Das ist Müll, so ein Gerede.
Tommy: Windmill war nie so gedacht, von Anfang an nicht. Wir haben nicht so viel dazugegeben, zu all der Musik. Wir halfen Matt lediglich dabei, seine Visionen zu realisieren, formten seine Songs sozusagen mit. Trotzdem stehen wir als Band sehr eng zusammen, auch wenn es Matts Ideen und seine Lieder sind.
Ein wichtiger Punkt, der in allen Reviews zu der Platte auftaucht, ist deine Stimme. Alle sind begeistert von deiner Musik, doch mit deiner Stimme müssen sie sich erst anfreunden. Da liest man dann von deiner merkwürdigen, unüblichen Stimme, die der eines Nerds gleichen soll. Ich finde aber, dass sie oftmals sehr gut passt. Bei Big Boom oder Ellen Save Our Engergy klingt es nach einem Kind, das rote Bäckchen hat und sich ungemein auf den phänomenalen Tag im Epcot Centre freut. Selbst Airsuit trägt diese kindlichen Züge in sich. Würdest du sagen, dass deine Stimme in diesem Fall ein großes Plus an Authentizität in sich birgt? Funktioniert Epcot Starfields gerade wegen ihr so gut?
Matthew: Ich weiß es gar nicht so recht. Ich denke nicht einmal wirklich darüber nach. Als ich zum ersten Mal aufnahm, versuchte ich das zu kopieren, was ich selber toll fand und mochte. Zehn Jahre später aber weißt du überhaupt nicht mehr, warum du gewisse Dinge getan hast oder machst. Es ist dann so, wie es ist. Windmill und der ganze Sound, nicht nur die Vocals, sind sehr natürlich für mich. Ich kann nur zufrieden sein, wenn Windmill dem Sound gleicht, den ich im Kopf habe. Ich könnte es nicht anders machen. Es gibt kein großes Design oder das Denken, dass die Lieder nur dann wirken, wenn sie in irgendeiner besonderen Weise dargeboten werden. Das bin einfach ich, denke ich.
Ich habe gemerkt, dass, seit die Menschen das erste Album hören konnten, die Leute, die die Musik mögen und sie verstehen, so wie ich sind. Wenn ich sie treffe, dann merke ich, dass wir uns ähneln, wir können uns miteinander identifizieren. Daran kann man abmessen, wie viel meiner Persönlichkeit in der Musik steckt.
Tommy: Es gibt sogar eine lustige Geschichte dazu. Wir waren auf einem Festival und haben dort diesen Mann gesehen. Er war vielleicht 50, doch er sah genauso aus wie Matt. Er trug die gleichen Sachen, die gleiche Brille. Ich ging zu ihm und bat ihn um ein Bild mit Matt. Es stellte sich heraus, dass dieser Typ tatsächlich nur wegen Windmill gekommen war. Das fanden wir klasse.
James: Vor allem, weil wir uns von da an vorstellen konnten, wie Matt in 20, 30 Jahren aussehen wird.
Matthew: Das war wirklich seltsam. Aber ich habe schon einige Leute getroffen, die das Projekt Windmill verstehen, eine ähnliche Denkweise wie ich haben. Das beweist für mich, wie viel von mir darin steckt. Es ist einfach kein Design, keine gestellte Sache. Macht das immer noch Sinn?
Tommy: Ja, natürlich. Du merkst es schon nicht mehr, was?
Matthew: Ja, ich weiß es schon nicht mehr.
James: Eines kann ich definitiv sagen: Nach dem Hören des ersten Albums und den Einstieg in die Band danach, kann ich nur bestätigen, dass das, was da in seinen Songs und seiner Stimme, schlicht und ergreifend Matt ist. Auch wenn er auf der Bühne ist, seine Songs spielt, ernst oder lustig ist. Das ist er. Wir haben ihn kennen gelernt und wissen nun, dass seine Persönlichkeit ein großer Teil seiner Musik ist. Es ist alles sehr echt.
Zuletzt noch eine schöne, kitschige Frage, bevor wir ein kleines Spiel spielen: Solch eine Kindheitserinnerung zu Musik machen zu können, wie es bei Epcot Starfield geschehen ist, ist das das Beste, was ein Musiker während seiner Karriere vollbringen kann?
Matthew: Wahrscheinlich nicht.
Nicht?
Matthew: Das beste ist es wohl, etwas zu machen, auf das man stolz sein kann. Es ist ein wenig lustig. Natürlich ist es eine tolle Sache oder die tollste Sache überhaupt, dass ich wegen Windmill Alben aufnehmen kann. Aber es sind auch andere Dinge passiert. Freunde haben ihre Freundinnen oder Freunde durch Windmill getroffen. Ich habe die coolsten Leute in meinem ganzen Leben durch Windmill kennengelernt. Genauso wie meine wunderschöne Freundin. Und viele meiner besten Freunde. Diese ganze Erfahrung hat mein Leben dermaßen bereichert und verändert, nicht nur die CD‘s allein. Doch nicht nur mein Leben, das Leben vieler Menschen. Es ist also gar nicht das Musizieren allein, die Idee einer CD. Viel mehr ist es die Entscheidung, der Mut, so etwas zu kreieren, das beste, was dir als Musiker passieren kann. Jetzt aber: Spiel, Spiel, Spiel!!!
Na gut, dann legen wir los. Fünf Fragen, immer nur drei Antworten. Nennt doch zum Beispiel mal drei Adjektive, die Windmill treffend beschreiben.
James: Todsicher.
Matthew: Todsicher? Was soll das denn bedeuten? Ist das dein Wort?
James: Ja, es ist schließlich ein Adjektiv.
Tommy: Oh Gott, das ist hart. Ich bin wirklich schlecht bei Spielen, wie es scheint. Homoerotisch. Nein, doch nicht, nimm das raus. Ich nehme nur sexy.
Matthew: Ich nehme das, was die Kritiker immer über mich sagen: Quietschend. Todsicher, sexy und quietschend also. Ich denke, wir sollten das als Bühnennamen nehmen. Jeder bekommt ein T-Shirt mit dem Namen drauf.
Tommy: Kein Problem, ich mag meines.
Okay, jetzt drei Gründe, weswegen man auf ein Konzert von Windmill gehen sollte.
Tommy: Man sollte wegen der beständigen Veränderung gehen. Jeder Abend mit uns ist anders.
Matthew: Die Leute. Die Leute sind gleichermaßen wichtig. Das Publikum ändert sich immer wieder. Ja, im Grunde hat Tommy das schon gesagt, aber so ist es nun einmal.
James: Ich denke, es ist eine Sache, die CD zu hören und eine andere Sache, Windmill live zu sehen. Es ist dann ganz anders. Die Show gibt dir viel mehr.
Was sind die drei Dinge, die ihr hasst, wenn ihr auf Tour seid?
Matthew: Ähm, ganz klar, James, Tommy…
James: Tolle Antwort!
Tommy: Die Schlafzimmer. Dass man nicht genügend Platz für sich hat.
Matthew: Ja, das ist ab und zu lustig. Manche Orte gleichen einem Vier-Sterne-Hotel und sind wirklich toll. Andere sind einfach nur ein Ein-Mann-Apartment mit komischer Dusche und nur einem Bett für eine alle.
Tommy: Ein Bett zu teilen, das ist schon okay. Aber bitte nur einmal und nicht drei Wochen hintereinander. Es lässt dich verzweifeln. Nach drei Wochen auf Tour möchte man unbedingt einmal allein in ein Zimmer gehen, sich ausbreiten, für sich sein und zum Beispiel ein Buch lesen.
James: Es ist hart, die Menschen vermissen zu müssen, die dir nah stehen. Es ist so. Natürlich hat man Spaß, hier dabei zu sein. Die Jungs sind toll, es ist witzig mit ihnen, die Shows sind klasse. Trotzdem hat man immer im Kopf, wie gern man die Leute sehen möchte, die man liebt.
Tommy: Es ist so schwierig, eine Freundin zu haben, die zu Hause bleiben muss, wenn man auf Tour ist. Da hat man Angst, die Vorstellungskraft spielt verrückt. Ich weiß nicht, was ich tun würde, wenn meine Freundin plötzlich auf Tour wäre.
Matthew: Das wird ja hier schon zur Therapie! Für mich ist es sehr hart, dass ich all das nicht mit jedem teilen kann. Du kannst nicht jeden mit zum Konzert nehmen und du kannst auch nicht von allen verlangen, dass sie mitkommen. Meine Eltern beispielsweise haben nicht die Möglichkeit dazu, hierher zu kommen und sich eine Show von uns anzusehen. Dabei ist es so toll und gerade deswegen wollen wir es unbedingt zeigen.
Tommy: Deswegen filmen wir auch so viel. Damit wir später damit angeben zu können.
Welche drei Alben habt ihr euch denn zuletzt gekauft?
Tommy: Wir kaufen nicht. Ich habe aber ein Album von The Black Atlantic bekommen.
Matthew: Es ist ja nun einmal so, dass wir viele Sachen einfach so bekommen, als Musiker, so wie du als Journalistin sicherlich auch. Obwohl, ich habe mir etwas von Jeffrey Lewis letztens gekauft. Das ist wirklich fabelhaft.
James: Ich habe noch etwas: Muse. Die mag ich. Oh, natürlich: Ich habe mir „Epcot Starfields“ von Windmill gekauft.
Die Frage aller Fragen: Welche drei Alben sollte man unter keinen Umständen im heimischen Plattenschrank missen?
Tommy: Das ist doch einfach: „Epcot Starfields“, „Puddle City Racing Lights“ und das nächste Album, das wir machen werden.
Nein, das war zu einfach. Los, noch ein Versuch!
Matthew: Mirah und deren Platte „Advisory Committee”. Sehr gut. Clem Snide, „End Of Love”, unglaublich toll. Ich merke gerade, dass ich wohl nur Namen sagen, von denen noch nie jemand gehört hat, oder? Aber egal, eins noch. Eels, „Electro Shock Blues“.
Tommy: Drei sind gar nicht genug. Man könnte jetzt so viel sagen, es gibt so viele Bands, die mehr als offensichtlich gut sind. Nimm zum Beispiel etwas von den Flaming Lips. Das ist super.
James: Immerhin haben wir auch Sachen genannt, die vielleicht gar niemand kennt. Das ist noch viel besser, wenn die Menschen neue Musik entdecken.
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Homepage: www.epcotstarfields.com
MySpace: www.myspace.com/windmillband

Interview: Marius Meyer
Bilder: Samira Schmäh