Justin Balk - Justin Balk Sollte euer erster Gedanke jetzt sein: “Justin Balk? Nie gehört!”, so ist es durchaus möglich, dass ihr ihn trotzdem bereits kennt. Vor der Auflösung der Cucumber Men im Jahre 2001 war Justin Balk als Sänger eben jener Band aktiv. Wenn es jetzt noch nicht geklingelt hat, dann klingelt es vielleicht, wenn ihr den Titel Ich kenn den Bruder dessen Freundin hat ne Schwester deren Vater früher mal sein Fußballtrainer war hört. Zur Veröffentlichung seines selbstbetitelten Debüt-Albums hatte ich die Ehre, ein kleines Interview mit ihm zu führen.

Wenn Du Deinen Werdegang bis heute einmal rückblickend betrachtest… Wie würdest Du ihn in eigenen Worten beschreiben und wo liegen für Dich Höhepunkte und Tiefpunkte?

Eine Frage, die man sehr umfangreich beantworten könnte. Bestimmte Auftritte waren Höhepunkte, andere (nicht so gelungene) eher Tiefpunkte. Ja, in der Tat haben wir uns immer in erster Linie als Live-Band definiert, was bedeutet, dass die wesentlichen Erfahrungen (wie auch immer geartet) auf der Bühne stattfanden. Sicherlich ist es eine tolle Sache, wenn man zum ersten Mal einen Tonträger in den Händen hält, auf dem man drauf ist, aber noch bewegender waren bestimmte Erlebnisse auf Tour - musikalischer Art.

Bist Du mit der derzeitigen Situation musikalisch gesehen zufrieden oder hast Du Ambitionen, als Solokünstler hoch hinaus zu kommen?

Eigentlich ist beides der Fall. Zum einen bin ich sehr froh, dass das Album veröffentlicht wurde - und auch, wie es geworden ist. Zum anderen wehre ich mich nicht dagegen, dass es noch weiter geht. Im klassischen Sinne “hoch hinaus kommen” muss ich allerdings nicht. Für mich ist weiterhin das Ziel, meine Musik machen (und auch veröffentlichen) zu können. Das beinhaltet aber natürlich auch, dass sich das ganze einigermaßen finanziell trägt.

Wie gefällt Dir die Arbeitsweise besser? Mit Band oder jetzt solo?

Mir gefällt der momentane Zustand sehr gut, allerdings bin ich ja auch jetzt nie ganz alleine. Das Album habe ich mit meinem Produzenten Stefan aufgenommen. Und die Live-Umsetzung findet ja auch mit (m)einer Band statt.

Wie war allgemein die Arbeit zum Solo-Album? Es sind ja ziemlich viele Leute noch weiterhin beteiligt gewesen… War es leicht, diese für Dich und Dein Vorhaben zu gewinnen?

Das mit den anderen Musikern hat sich eigentlich immer irgendwie ergeben. Sind ja alles Freunde von Stefan und mir. Insofern war es ziemlich leicht - wir mussten keinen anbetteln.

Woher kommen die Inspirationen zur Musik und auch zu den Inhalten? Vieles, über das Du singst klingt in gewisser Weise autobiographisch. Sind es selbsterlebte Geschichten oder fiktive Stories?

Wieder mal beides. Die Basis ist eigentlich immer autobiographisch. Und immer, wenn das tatsächlich erlebte zu unspektakulär wirkt, lüge ich was dazu. ;-)

Während die Cucumber Men immer eher rockigerer und insgesamt wohl auch eher positiver klangen, zeigst Du Dich auf Deinem Solo-Album deutlich melancholischer. Wie kommts?

Einspruch! Beziehungsweise: Ich finde die Platte alles andere als in erster Linie melancholisch. Sie ist mit Sicherheit bedächtiger. Aber, wenn ich mir zum Beispiel Porridge oder Kommst du mit anhöre, bin ich geneigt zu sagen, dass ich auch positiv geschrieben habe, oder?

Welche Einflüsse würdest Du für Deine Musik nennen??

Die Einflüsse stehen zufälligerweise gerade alle neben mir im Plattenschrank. Und in der Tat sind es eher die Platten, und nicht die CDs, die mich inspiriert haben: Beach Boys, Tom Petty, George Harrison, Your Song von Elton John, Dancing in the Moonlight von Thin Lizzy.

Gibt es eine tiefere Botschaft hinter dem, was Du schreibst?

Aus Faulheit würde ich jetzt gerne mit “Nö” antworten, aber das wäre nicht wahr. Ich glaube, ich suche das Wahrhaftige. Das Wahrhaftige in den Dingen, in den Tönen. Wenn ich mit einem Freund spreche, schreibe ich danach mindestens einen neuen Song. Ich antworte mit Liedern.

Ich muss gestehen, dass ich persönlich nicht viel an Promotion von Deiner Platte mitbekommen habe? Hast Du irgendein Ziel, das Du mit dem Album verfolgst? Also jetzt eher in kommerzieller Hinsicht?

Dazu lässt sich folgendes sagen: Dieses Album ist bei einer unglaublich kleinen Firma erschien (Grundsound/Indigo). Und dafür haben wir durchaus einiges erreicht: Artikel in Magazinen, Berichte und Besprechungen im Internet. Zudem lief das Video zu Porridge einige Male bei Fast Forward! Das alles ist für uns ein ziemlich großer Erfolg. Künstler bei großen Firmen würden darüber vielleicht nur lachen können, wir aber freuen uns.

Etwas weitergehend: Gibt es in Deinen Augen etwas, was man machen könnte, um den Markt wieder etwas zu stabilisieren?

Ich glaube, dass sich einiges von alleine regeln wird. Ich kenne aus der “Major-Firmen”-Zeit der Cucumber Men einige sehr fähige Leute aus der Branche, welche mit Enthusiasmus und Liebe zur Musik. Aber ich durfte auch Leute kennenlernen, zu denen dir gar nichts einfiel. Bei sehr vielen leider musste man sich echt fragen, was die da verloren hatten: Ansonsten wird es nicht ewig gut gehen, dass manche (beziehungsweise alle) großen Firmen mit Casting-Interpreten ihre finanziellen Schäfchen ins Trockene bringen und darüber vergessen, nachhaltigere Inhalte (inspirierte Musik zum Beispiel) zu entwickeln.

Mal ein Themenwechsel… Was das Touren angeht. Was waren die besten und die schlimmsten Erlebnisse, die Dir auf Tour mal begegnet sind?

An die schönsten kann man sich naturgemäß nicht erinnern - und die schlimmsten behält man natürlich für sich!

Hast Du vor, mit dem Solo-Album auch ein paar Solokonzerte zu spielen?

Ja, habe ich vor, beziehungsweise: Wir sind dabei. Mit kompletter Band, aber auch alleine. Siehe alles auf meiner Site unter “live”.

Als letztes noch so eine Standard-Sache… Was wären die fünf Alben, die Du auf eine einsame Insel mitnehmen würdest?

Das ist mein Liebling unter den Standard-Sachen. Also: Revolver von den Beatles, Against the Wind von Bob Seger, irgendeine von Elliott Smith, die DVD “Concert for George” (sind DVDs erlaubt?) und Under the bushes under the stars von Guided By Voices.

Vielen Dank!

Interview: Marius Meyer

(Unter http://neon.stern.de/kat/entertainment/popmusik/justinbalk/2854.html gibt es übrigens ein weiteres interessantes Interview mit Justin - sehr zu empfehlen!)