Eine Band, zwei Gesichter. Sollte der Name nicht sofort einleuchten, die Köpfe dahinter kennt Ihr bestimmt, denn bei Pain in the Ass handelt es sich um nichts anderes als das zweite Gesicht von Such a Surge. Vordergründig soll diese Band da sein, um Nein zu sagen und ein Zeichen zu setzen. Und dieser Protest wird mit einer Härte dagebracht, die man evtl. auch von den Livekonzerten kennen könnte. sPAIN ist ein sehr rohes, wütiges Werk geworden, das mit Such a Surge eigentlichem Gesicht eigentlich kaum zu vergleichen ist. Um herauszufinden, was es mit diesem Projekt auf sich hat, beantwortete Sänger Olli mir anlässlich der Veröffentlichung des Albums bereitwillig einige Fragen.

Gab es irgendein Schlüsselerlebnis, das Euch zur Musik gebracht hat?

Ja bestimmt gab es das bei jedem von uns. Der eine wollte wahrscheinlich auch so rocken wie Metallica und lies sich damals von Papa und Mamma zu Weihnachten eine Gitarre schenke und der andere hatte damals ’82 “wild style” gesehen und wollte dann auch so rappen können wie “Busy Bee” oder “Grandmaster Caz”; ist bei jedem von uns halt anders gewesen. Zu erst war es natürlich nur ein Hobby und keiner hätte von uns je damit gerechnet das es mal so abgeht. Später ist dann der persönliche Horizont bei jedem weiter geworden und man konnte sich auf andere Sachen einlassen, denn es war als Metaller am Anfang wahrscheinlich schon mal etwas anderes, daß da jemand wie ich in den Übungsraum kommt und plötzlich anfängt zu rappen. Genauso war es für mich 1992 als eingefleischter hip hopper neu mal was mit Gitarren zu machen.

Wie ist Pain in the ass entstanden?

P.I.T.A. ist damals spontan nach einigen Sessionaufnahmen entstanden. Wir haben damals in einem kleinen Studio in Braunschweig einfach mal einige Songs aufgenommen und die ganze Geschichte dann “Pain In The Ass” genannt. Eigentlich steckt nur Spass am Rocken dahinter, ob es jetzt einen oder anderen Namen trägt, für uns bleibt es das gleiche.

Was hat es mit diesem interessanten Bandnamen auf sich?

Die Musik die wir machen wird nach wie vor nicht von jedem geliebt oder gar verstanden. Viele sind aber trotzdem unserer Musik, durch die Präsens auf Festivals oder hin und wieder im Musik TV ausgesetzt. Sicher werden auch oft konservative Nachbarn von uns genervt denn unsere Musik dreht man ja ganz gerne mal auf. “Pain In The Ass” ist ja slang für “das nervt, geht mir auf den sack, macht nur ärger u.s.w.” und so fanden wir diesen Namen sehr passend für dieses Projekt. Der Name ist schön Plakativ und Laut wie die Songs halt auch zum Teil. Wir stehen halt auf sowas.

Was hat der CD-Titel für eine Bedeutung?

Wir haben uns für das Songwriting 10 Tage nach Spanien zurückgezogen, um sich voll darauf zu konzentrieren und easy drauf zu kommen. Ein Freund von uns baute dort, in der nähe von Mallaga ein neues Studio und so wollten wir auch generell mal sehen was dort entsteht. Der Umstand das in dem englischen Wort für Spanien das Wort “Pain” enthalten ist gefiel uns dann noch mehr. S. für Surge und Pain ergab sPain.

Habt Ihr Euch irgendein Ziel gesetzt, das mit Pain in the ass erreicht werden soll (sowohl kommerziell als auch anders)?

Wir haben uns zwar kein Ziel gesetzt, aber hoffen natürlich schon das vielen Leuten die Platte gefällt. Wir hatten einfach Lust auf diese P.I.T.A. Sache und probierten es einfach mal aus. P.I.T.A. war auch ein Test für uns, um zu sehen ob wir noch Spass am Musik machen haben, denn nach knapp 10 Jahren kann man sich diese Frage ja schon mal stellen. Es hat sich gezeigt das wir noch viel Spaß haben bei dem was wir machen und wir freuen uns schon bald wieder Live zu spielen, denn grade mit den P.I.T.A. Sachen in kleinen Clubs werden wir uns sehr wohl fühlen.

Einige Leute meinen, mit Such a Surge hättet Ihr Euch von der härteren Vergangenheit distanziert… Wie kommt es, daß Pain in the ass nun “back to the roots” geht?

Man konnte es noch nie allen recht machen und das wollen wir auch gar nicht. Es kann auch sein das diese Leute gewisse Sachen zu oberflächlich betrachten, denn
es ist doch wohl normal das man Distanzen aufbaut, wenn man etwas hinter sich lässt und weiter geht.
Wir haben immer Versucht neue Wege einzuschlagen und ich denke, das ist auch einer der Gründe weshalb wir noch Lust haben zusammen Musik zu machen. Wir stehen zwar noch hinter den Sachen die wir vor Jahren mal gemacht haben, aber wollen uns natürlich auch nicht immer wiederholen und abgesehen davon das man sich auch persönlich in einer Zeit von “Under Pressure” bis “Der Surge Effekt” weiterentwickelt wäre es völlig bescheuert sich selbst zu Limitieren. Es kommen bei uns halt einfach sehr verschiede Einflüsse zu Tage und wir waren halt auch glücklicherweise immer Mutig genug, das zu machen was wir wollen.

Wie wollt Ihr die Hörer mit Eurer Musik berühren/beeinflussen?

Das haben wir beim Songwriting oder Texten nicht in der Hand. Wir freuen uns wenn unsere Musik Emotionen verschiedenster Art auslöst, aber wie gesagt, wir können nur Musik machen und sehen dann hinterher, wenn wir Feedback von unseren Leuten bekommen wie die Sachen auf den jenigen wirken.

Wie meint Ihr, reagieren die Such a Surge-Fans auf Pain in the ass?

Es wird sicher Fans geben die das mögen und andere wieder nicht, weil sie vielleicht dann doch mehr auf Surge songs wie “Gib Mir Mehr” oder “Schatten” stehen. Das Leute komplette Alben von uns durchhören und alles was wir machen lieben ist sicher eine Seltenheit aber muß ja auch gar nicht so sein.

Wie sehr interessiert es Euch allgemein, wie die Hörer auf die Musik reagieren?

Das interessiert uns schon, denn wenn wir Platten rausbringen wollen wir ja auch das möglichst viele Leute unsere Musik mögen und hören. Es ist nach wie vor ein unbeschreibliches Gefühl live zu hören wie Leute meine Texte mitsingen und offensichtlich etwas damit anfangen können. Das Gefühl etwas zu machen, was vielleicht jemandem mehr bedeutet, als nur Musik von der man sich berieseln läßt, ist ein großer Antrieb. Man kann zudem auch nicht leugnen, daß es auch dem persönlichem Ego gut tut. Ganz abgesehen davon sind es ja auch unsere Plattenkäufer die uns dieses Leben ermöglichen und unseren Kühlschrank füllen.

Interessieren Euch Eure Rezensionen in den Medien?

Ja sicher interessiert uns das und gerade wenn man mal nicht so gut weg kommt liest man es aufmerksam und will wissen wie das so gesehen wird. Es gibt aber natürlich auch unsachliche Rezensionen von Leuten, die sich wahrscheinlich sowieso nur selten wirklich mit irgendetwas auseinandersetzten und nur scheiße schreiben. So etwas geht uns dann einfach nur am Arsch vorbei. Wir sind nach 9 Jahren Kritikfähig genug aber wir denken nicht daran wenn wir unsere Songs schreiben oder unsere Platten aufnehmen. Das wird sich auch nie ändern.

Wird Pain in the ass weiterhin existieren, oder ist sPAIN nur zur Abwechslung zwischendurch gedacht?

Mal sehen, denn es kommt bei uns immer darauf an, ob wir da Bock drauf haben. Man kann jetzt noch nicht sagen ob weitere Platten von P.I.T.A. folgen werden denn Such A Surge ist ja nach wie vor unsere Nummer 1.

Was macht Ihr im Tourbus, während Ihr von Stadt zu Stadt fahrt?

Schlafen, Video gucken, Playstation spielen, Lesen, Bier trinken, Musik hören u.s.w. Man versucht sich halt alles so angenehm wie irgend möglich zu machen denn eine lange Tour kann auch schon mal anstrengend werden und dann ist zwischen durch halt chillen angesagt.

Wenn Ihr einen Pain in the ass-Award an irgendjemanden übergeben dürftet (ganz egal, was für Menschen, Organisation, usw…), wer würde diesen bekommen?

Iggy Pop, Jack Nicholson, Tom York, Hape Kerkeling, Christoph Schlingensief, und auf alle Fälle Chuck D. von Public Enemy

Vielen Dank für die aufschlussreichen Antworten!

Interview: Marius Meyer