Oder: Einiges an Energie und lauter Musik. Die Zeit reicht für die fünf Herrn von Sunrise Avenue derzeit kaum zum Atmen. Interviews für TV und Radio im Sekundentakt und dann noch eine ausverkaufte Deutschlandtour. Dennoch hat Sänger Samu Haber eine zeitlang das Atmen vernachlässigt und einige Fragen für alternativmusik.de via elektronische Post beantwortet. Dabei wurde nicht nur der aktuellen Tour gedacht oder der derzeitigen Erfolgssträhne Ehre gebührt. Ob die Zukunft im Musikgeschäft oder die Faszination des live Spielens. Alles zeugt von der Freude über die Möglichkeit das zu tun, was glücklich macht.

Frage: Herzlichen Glückwunsch! Ihr habt bisher in Finnland eine Menge Awards abgeräumt, seid in Deutschland Nummer 3 in den Single Charts. Das ist toll. Fühlt ihr eure Arbeit jetzt bestätigt oder lastet schon der Druck der Zukunft auf euch?

Ein Teil unserer „Arbeit“ ist es, mit anderen verglichen zu werden. Zum Glück waren die meisten Abstimmungen und Charts auf unserer Seite. Der Grund, das sich unsere Single (Anm.: Fairytale Gone Bad) jetzt in den Top 3 Deutschlands befindet ist hauptsächlich unserer Plattenfirma EMI zuzuschreiben. Die haben einen fantastischen Job gemacht!

Frage: Meint ihr, dass diese unbeschwerte oder auch gelassene Art die Fairytale Gone Bad an den Tag legt, einige Menschen (die stark an der sogenannten Rockcredibility – sprich Glaubwürdigkeit – festhalten) dazu veranlasst hat, eure Musik nicht anzuhören?

Jeder, der auf jegliche Glaubwürdigkeit fokussiert ist, kann denken, was er will. Wir machen unser Ding und die Arbeit der Plattenfirma ist es, die Singles auszusuchen und über Glaubwürdigkeit nachzudenken. In meinen Augen ist dieser rock credibility Kram einfach unnötiger Müll. Es wäre doch furchtbar zu denken: „wie sollte ich sein oder was sollte ich tun, um glaubwürdig zu sein.“ Wir machen eher, was wir machen wollen und genießen alles was kommt.

Frage: Einige Vorurteile entstanden ja nicht nur, da ihr das amerikanische Bild, das ihr gebt, nicht bekämpft, sondern auch weil eure Texte sehr eindeutig sind, eher unkompliziert und, nun ja, sonnig. Rock bedeutet ja nicht notwendigerweise sich andauernd über Politiker zu beschweren oder die Lasten der Welt zu tragen. Seid ihr euch über diese „die Welt ist toll und alles wird gut“ Haltung im Klaren? Oder ist es einfach: „ich mag das und deswegen mach ich das“?

Wie ich schon sagte. Wir machen, was wir mögen. Und die Welt ist ein fantastischer Ort.

Frage: Wirklich gute Lieder sind diese einzigartige Balance zwischen Text und Melodie. Ist es einfacher Text zu schreiben, wenn man traurig ist oder wenn man glücklich ist? Sprich: welche emotionale Verfassung ist besser? Und wie oft änderst du die Texte?

Ohne meine gemeinen Bandmitglieder würde ich gar nicht so viel verändern. Beides, Traurigkeit und Freude, eignet sich und je stärker das Gefühl beim Schreiben ist, desto besser. Ich glaube, ich war nie so voll Power wie beim schreiben von Choose To Be Me oder Fight ’Til Dying. Aber man muss auch mindestens zweimal ein gebrochenes Herz für ein Album gehabt haben.

Frage: Als ich anfing, eure Musik zu hören, war sofort klar, dass die Melodie die wichtigste Rolle spielt. Was macht gute Musik aus? Ist Musik ehrlich oder manipulativ oder was völlig anderes? Und was bedeutet euch Musik?

Melodie! Und eigentlich die Melodie des Refrains. Das ist der Startpunkt in 99% meiner Lieder. Ich glaube nicht, dass unsere Musik manipuliert, aber ich hoffe, dass sie in jedem Hörer irgendein Gefühl auslöst. Wenn man beispielsweise Make It Go Away hört, bedeutet es wahrscheinlich für jeden Hörer etwas anderes.

Frage: Letzten Sommer habt ihr begonnen, Deutschland und andere europäische Länder zu erobern. Einige Rückblicke: Wie oft wusstet ihr zwischen August und Dezember 2006 nicht, in welcher Stadt ihr seid?

Da gab es einige. Ich machte Berichte für unsere eigenen Kameras und Dinge für richtige Fernsehshows und sagte, ich wäre in Hamburg, obwohl ich tatsächlich in Köln war. Aber Deutschland hab ich bisher noch nie verfehlt…

Frage: Ihr habt eine Unmenge an live und sogar nicht so live Shows gespielt. Sind The Dome (Teenager-muss sein-ein Lied-Playback-Treffen) und solche Dinge notwendig, um ein größeres Publikum zu erreichen?

Am Anfang war ich wirklich gegen solchen Playback-Kram. Aber andererseits ist das Medienausmaß bei solchen Dingen so riesig, dass es definitiv nicht verhindert, dass sich das Album verkauft. Ich hasse Playback. Wir machen alles Mögliche, um es zu vermeiden, aber bei einigen TV Shows ist man lieber mit Playback auf der sicheren Seite, als sich später wegen des schrecklichen Sounds entschuldigen zu müssen.

Frage: Ich hab mich das nur gefragt, weil ihr ja live eine „richtige“ Rockband seid, aber dann bei Viva und The Dome zu sehen seid. Ihr genießt es also, widersprüchlich zu sein?

Ich könnte das von vorhin über die Glaubwürdigkeit wiederholen. Aber für mich persönlich kann ich nur sagen: es ist echt cool, bei TV Shows und solchen Dingen aufzutreten und wir sind glücklich, da zu sein. Es gibt so viele Bands, die dazu nie die Möglichkeit haben. Und ich finde, dass es so was wie rock credibility gar nicht gibt.

Frage: Was waren eure besten Konzerte und was machte die so besonders?

Top 3:
1. Tokio Hotel im Sommer – Ich habe nie gewusst, dass Mädchen so laut schreien können und das sogar für den Supportact.
2. NRJ Nordic Music Awards – 30 Minuten Show vor der Gala in Helsinki. Ein volles Haus und vier Trophäen!
3. Tavastia Club Helsinki. Der Traum eines jeden Rockmusikers auf Finnland wurde vergangenen September wahr. Einer der coolsten Clubs der Welt.

Frage: Bevorzugt ihr eigentlich das eher glatt und kantenlos produzierte Album oder das härtere live Musizieren?

Beides. Es ist gut, das Album glatter zu halten. Live ist alles viel überraschender und mit Ecken gespickt.

Frage: In Bezug auf eure Deutschlandtour: Eure Februartour ist ausverkauft und ihr habt schon Zusatztermine für März bekannt gegeben (Anmerkung: am 04.02.2007 schon zu 75% ausgelastet). Was können die Leute erwarten, wenn sie zu euren Konzerten gehen?

Vor allem bei unserer 5-Städte Minitour wird man fünf Jungs sehen, aufgeregter wie selten zuvor über ihren ganzen Kram. Ich habe noch nie etwas so ersehnt in meinem ganzen Leben. Und die Tatsache, dass im März die Bühnen größer sind, lässt uns das Blut schneller durch die Adern rennen. Das Publikum wird einiges an Energie und lauter Musik zu sehen und zu hören bekommen. Dinge, die direkt aus dem Herzen kommen.

Frage: Ihr habt ja erst ein Album auf dem Markt und einige Leute werden sich wohl fragen, ob sie schon alles kennen, was ihr spielen werdet. Wird es denn Lieder geben, die der normale Musikhörer noch nicht kennt?

Hm, sicher kennt man die meisten Lieder vom aktuellen Album, aber ich wäre auch nicht überrascht, wenn die Leute nur Fairytale Gone Bad kennen würden.

Frage: Bezüglich live spielen. Ich habe euren ersten Deutschlandauftritt in Köln (Anmerkung: 23.08.2006) gesehen und gehört. Es hat gerockt, aber um ehrlich zu sein, waren da schon einige Dinge schief. Ist das die Gefahr des live spielens oder auch ein Grund gewesen, weswegen ihr mehr Konzerte gegeben habt, als das Jahr Tage hat?

Die Show im Kölner Underground war ja das erste Konzert in Deutschland überhaupt und die Menge der technischen Probleme war echt unglaublich. Janne’s Verstärker ist Mitte des dritten Songs kaputt gegangen und … Naja, jedenfalls haben wir nach dem Köln Konzert 60 Auftritte gehabt und ich kann voller Überzeugung sagen, das niemand enttäuscht sein wird!

Frage: Unsere Annahme, dass wir guten und treibenden Rock erleben dürfen, können wir also als bestätigt sehen?

Ja! Und die Freude darüber wird ganz unser sein.

Frage: Was sind eigentlich eure Langzeitziele? Weltherrschaft für das nächste Jahrzehnt oder hört ihr auf, wenn alle ein Top-Model als Freundin, zwei Villen, einen Mercedes, einen BMW und vielleicht noch einen Porsche haben?

Dann brauchen wir ja nur noch die zweite Villa und wir können aufhören … Nein, also, ich weiß nicht. Wir möchten sehr viel auf Tour sein und ab einem bestimmten Punkt werden wir uns an das zweite Album machen. Jenes wird es aber nicht vor dem kommenden Jahr geben. Unser jetziges Album kommt in noch mehr Ländern raus und wir werden einfach viel unterwegs sein.

Frage: Und als letztes würde ich gerne wissen: ihr mögt ja die Beatles (jeder mag die ja, irgendwie) und ich frage mich, ob ihr überhaupt im Beatles Museum gewesen seid, als ihr im August 2006 in Halle (Anmerkung: Laternenfest) gespielt habt?

Nope. Ich wusste gar nicht, dass es eines gibt. Nächstes Mal auf jeden Fall!

Wir sagen Danke für dieses Interview und wünschen auch weiterhin viel Erfolg für eure Platte und Liveauftritte!

(Anmerkung: Ein aktuelleres Interview vom 20.10.2007 gibt es ebenfalls auf dieser Seite zu lesen. Einfach hier klicken!)

Weitere Tourtermine:
23.03.2007 Chemnitz, Südbahnhof
24.03.2007 Berlin, Columbia Club
25.03.2007 Köln, Live Music Hall
26.03.2007 Hamburg, Grünspan
zu finden unter: www.contrapromotion.de

Interview: Katrin Gruhl
Bilder: PR