Am 25. Mai diesen Jahres erschien mit Introducing The Band ein neues Album der Leipziger Formation The Galan Pixs, auf dem zehn neue Stücke und vier Remixe enthalten sind. Einige Wochen nach dem Release war es nun einmal an der Zeit, an verschiedenen Stellen nachzuhaken. Aus diesem Grund vereinbarte ich ein Interview mit Sänger Stefan Kopielski, um über die vier Jahre seit dem Vorgänger-Album, das neue Werk an sich, Einflüsse, Musikmessen, Szenen und andere Themen zu reden. Was dabei rauskam, gibt es nun an dieser Stelle nachzulesen. Viel Spaß!

Marius: Beinah vier Jahre sind seit „Boredom International“ vergangen… Wie kam es zu der langen Zeit? Was ist in den vier Jahren passiert?

Stefan: Ziemlich viel. Wir haben uns beruflich weiterorientiert, Timo hat eine Familie gegründet, wir hatten eigentlich alle immer gut zu tun. Da vergeht die Zeit.
Außerdem hat es lange gedauert, bis wir den richtigen Partner (Materie Records) für die Platte gefunden hatten.

Wie würdest Du den Prozess charakterisieren, der zum neuen Album geführt hat und in dem das Album entstanden ist?

Entspannt. Wir haben uns keinerlei Druck ausgesetzt, alles sollte stressfrei und easy vonstatten gehen, und größtenteils war das auch so. Wir haben eigentlich wirklich Spaß an der Arbeit an der Platte gehabt, im Gegensatz zum letzten Album, da musste ich immer zwischen Job und Musik vermitteln, was manchmal nicht einfach war.

Ihr seid ja nun inzwischen schon weit über zehn Jahre aktiv. Wie kommt es nach all der Zeit, zu der Idee, ein Album „Introducing the Band“ zu nennen, also sozusagen die Band vorzustellen?

Einerseits fand ich das aus genau diesem Grund witzig, andererseits ist es wirklich wie ein Neubeginn, gerade nach der doch etwas längeren Auszeit. Wir sind der Meinung, erst auf der neuen Platte wie eine echte Band zu klingen, früher hatte das doch oft einen ziemlich „Projektcharakter“, was auch immer spannend und interessant war, aber wir wollten dieses Mal einen anderen Ansatz finden.

Wie würdet Ihr das neue Werk selbst beschreiben? Und: Was ist neu, was ist anders gegenüber dem Vorherigen?

Tja, wie schon gesagt, die Intention war, diese Platte weniger experimentell zu gestalten, sondern etwas mehr auf den Punkt zu bringen. Gerade was unsere Identität als Bandkollektiv angeht, war es wichtig, diese herauszuarbeiten, die Band auch wirklich als solche hörbar zu machen. Auf Boredom International hatten wir viel Spaß daran, mit der Studiotechnik rumzuspielen, Experimente zu wagen und auch mal mit elektronischen „trackhaften“ Strukturen zu spielen. Das haben wir etwas ausgelagert, wir legen im Moment eher Wert auf gut durcharrangierte Songs.

Was hat Euch für das neue Werk beeinflusst und inspiriert?

Es gab und gibt immer Einflüsse aus den unterschiedlichsten Richtungen, wir haben untereinander die diversesten Einflüsse, Timo z.B. mag so Zeug von Travis und Keane bis obskursten Elektrokram, Henrik mag Rocksachen wie Queens Of The Stone Age, Tobias steht u.a. auf Jazz, Fecki auf den ganzen klassischen Indiekram und ich selber mag alles von The Smiths bis Justin Timberlake, bin also der Popper in der Band.

Würdest Du die Beatles als Einfluss nennen? Der Eindruck beschleicht mich beim Hören von „Off The Shore“…

Das kann ich jetzt wohl nicht bestreiten. Ja klar, The Beatles waren eine großartige Band, das hat sicherlich abgefärbt, das sage ich jetzt in aller Bescheidenheit. Das war auch meine erste Platte, habe ich von meinem Bruder bekommen, da war ich… acht oder so. Habe ich immer noch.

Auf der anderen Seite stehen die elektronischen Einflüsse. Wo kommen diese her?

Wie schon gesagt, wir mögen alle möglichen Musikstile, natürlich auch elektronische, ursprünglich kommen wir ja auch aus der Richtung. Wir stehen auf die Mixtur aus beiden Elementen, auch wenn man das heutzutage gern wieder auseinanderdividieren will, für uns ist das was ganz natürliches.

Ein Titel, der mir nicht nur wegen seiner Elektronik, sondern auch wegen seines Titels aufgefallen ist, war „Lights go down in Germany“. Worum geht es dabei?

Meine Texte möchte ich eigentlich nur ungern kommentieren, ich beschränke mich da gerne auf das rein Formale. Es soll gut klingen. Das ist alles was ich dazu sagen möchte. Es gibt Autoren welche über ein großes Sendungsbewusstsein verfügen und andauernd „Denkanstöße“ liefern wollen, aber ich gehöre nicht dazu. Auf jeden Fall ist es kein das-neue-super-WM-wir-sind-wieder-wer-Nationalgefühl-bejahendes Stück. Kein bisschen.

Wen bezeichnest Du mit „Major League Whores“?

Den Song.

Wer ist Zoe („Killing Zoe“)?

Das ist eigentlich ein Film von Roger Avary. „Zoe“ ist eine Filmfigur gespielt von Julie Delpy. In meiner Version flippt sie halt ein bisschen aus.

Woher kam die Entscheidung, neben dem eigentlichen Album noch vier Remixe hinzuzufügen?

Remixe waren und sind immer ein wichtiger Teil unseres bandeigenen Kosmos, wir haben früher sehr viel für andere Bands gemacht und uns sogar ein Remixalbum geleistet. Ich finde es immer noch interessant, die Stücke in einen anderen Kontext zu bringen, quasi von der Bühne auf den Floor, wenn man so will. Außerdem haben wir das auf allen unseren Alben bisher so gemacht, das hat schon Tradition, und ich finde die neuen Mixe einfach großartig. Wir wollen, dass die Leute die hören, keine Frage.

Welche Ziele habt Ihr für das neue Album gehabt? Wurden schon welche erreicht?

In musikalischer Hinsicht sind wir absolut zufrieden. Die Platte ist so geworden wie wir sie haben wollten, inhaltlich und qualitativ. Darüber hinaus sind wir – wie immer vor neuen Veröffentlichungen – sehr vorsichtig mit Zielsetzungen. Es gibt keine kommerziellen Überlegungen, das ist einfach nicht mehr planbar. In dem Konstrukt zwischen Label, Vertrieb, Verlag und Presse kann soviel schief gehen, da braucht es nur eine Panne zu geben und der schöne Marketingplan ist im Arsch. Also ist es besser, sich einfach nur Mühe zu geben und hoffen, dass die Leute das mögen, was man da gemacht hat. Funktioniert bisher ja auch ganz gut.

Stichwort Erfolg… Wie würdet Ihr selber das bisher Erreichte beschreiben? Ich frage, da im Zusammenhang mit Euch immer wieder erwähnt wird, dass der große Durchbruch bisher ausblieb. Wie seht Ihr das?

Wir sind immer noch hier, wir machen das, was uns Spaß macht und wir stehen zu hundert Prozent hinter unserer Musik. Alles andere ist Blödsinn, wir wollten nie Metallica werden. Ich verstehe nicht, wieso heutzutage, wo Musik für 90% aller Deutschen nichts weiter als ein Klingelton ist, immer noch die Größenmaßstäbe aus den Achtzigern angesetzt werden. Was für eine Art großen Durchbruch meinen die Leute eigentlich?

Wie steht es darauf aufbauend um Eure Ziele und Pläne?

Wir versuchen alles auf uns zukommen zu lassen, kein Stress. Vielleicht haben wir noch genügend Ideen für eine weitere Platte, vielleicht auch nicht…

Was mir beim Lesen der Presse-Info auch noch einmal bewusst geworden ist: Ihr arbeitet oft mit Gruppen zusammen, die eher dem – sagen wir mal – düsteren Bereich zuzuordnen sind, wie zum Beispiel Front 242 und Anne Clark, die in der Info erwähnt sind. Wie erklärt Ihr Euch, dass es immer wieder in die düstereren Gefilde geht? Oder ist das nur ein Trugschluss meinerseits?

Nee, stimmt schon. Früher waren wir ja durchaus mal so drauf, vieles stammt auch noch aus der Zeit. Wir haben da auch nicht sooo starke Berührungsängste, wenn uns was interessiert oder jemand an einer Zusammenarbeit mit und interessiert ist, machen wir das, wenn es geht. Man sieht auch sehr viele schwarz gekleidete Leute bei uns im Publikum, und wir selbst tragen eigentlich immer noch gerne schwarz. Vielleicht sind wir ja auch nur uncoole Gruftis…

Würdet Ihr Euch selber irgendeiner Szene zuschreiben?

Ich glaube nicht, nein. Ich wüsste nicht welche Szene uns haben wollte…

Ihr seid ja auch bei der PopUp-Messe aufgetreten. Welchen Stellenwert messt Ihr Veranstaltungen wie dieser bei?

Leider ist die Leipziger PopUp die einzige Messe ihrer Art in Deutschland. Ich hoffe, es wird in Zukunft mehr davon geben, irgendwie habe ich das Gefühl, das ist der einzig nennenswerte Widerstand gegen die extreme Trashkultur, die wir im Moment haben. Dagegen ist eigentlich ja nichts einzuwenden, aber manchmal wird es doch ein bisschen zuviel des Guten, und die Alternativen schaffen sich nicht von allein. Vielleicht hilft die PopUp dabei, dass sich Musikinteressierte gegenseitig erkennen. Wir sind kein Markt, wir sind Menschen.

Wie bewertet Ihr allgemein die aktuelle Situation in der Independent-Szene?

Das beobachten wir nicht wirklich intensiv genug, um was dazu zu sagen. Ich weiss gar nicht, wie sich eine Indie-Band heutzutage definiert, ist es der Sound oder die Frisur oder bei welchen Vertrieb die grade sind..? Keine Ahnung.
Doch, es ist die Frisur, eindeutig. Daran erkennt man heutzutage eine echte Indie-Band. Und deutsch muss man singen. Und Trainingsjacken tragen. Seit neuestem trägt man auch wieder Vollbart. Mehr braucht es eigentlich nicht, oder? Alle anderen sind nicht Indie, auf keinen Fall.

Wie geht es mit den Galan Pixs weiter? Ist auch mal eine größere Tour geplant?

Im September/Oktober wollen wir gerne mit einer befreundeten Band im Gepäck (LOS ANGELES LOVE) ein paar Gigs spielen, aber der Booker sitzt noch dran. Im August wird es via MySpace ein neues Video geben, vielleicht auch mit der dazugehörigen Single, mal gucken. Wir bleiben am Ball.

Das war es von meiner Seite… Obligatorischer Schluss: Gibt es irgendetwas, bisher nicht Gefragtes, das Du gerne ergänzen würdest?

Vielen Dank für Dein Interesse, ich hoffe ich konnte Deine Fragen alle in Deinem Sinne beantworten! Ich hatte jedenfalls meinen Spaß…

Homepage: www.thegalanpixs.de
MySpace: www.myspace.com/thegalanpixs

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Rezension zum Album “Introducing The Band”

Interview: Marius Meyer
Bilder: PR