Konzertberichte Marius, 23.02.2010
Amit Erez & Alexander McKenzie in Delmenhorst
Ein sehr ambitioniertes und gleichermaßen eigenwilliges Tour-Konzept ist es, das Amit Erez und Alexander McKenzie & The Underpaid verfolgen: Statt eines Konzerts pro Abend und Stadt werden hier gleich häufiger mal zwei Konzerte an einem Tag gespielt und die selben Städte werden auch gerne mal häufiger angesteuert. Dabei fehlen auch kleine Orte, die nicht als Konzert-Hochburen bekannt sind, nicht auf dem Plan. So zum Beispiel am 21.02.2010, als das Duo bestehend aus dem israelischen Singer/Songwriter und der kanadisch-niederländischen Alternative-Band nach einem Konzert in Schortens am Nachmittag des Abends noch weiter nach Delmenhorst reisten.
Als Gitarristen von Eatliz kennt man Amit Erez hierzulande ja schon als nicht mehr ganz so geheimen Geheimtipp, nun will er auch sein Solo-Werk hierzulande anpreisen. Bei der rekordverdächtigen Zuschauermenge von bloß sieben Gästen schien er mit dem Füllstand einverstanden und eröffnete seinen Auftritt. Bloß mit einer Akustik-Gitarre und einem Mikrofon bewaffnet zeigte er, dass auf dieser Tour wahrhaftig Singer/Songwriter-Musik geboten werden soll – das ist zwar auch auf dem Album der Fall, dort aber noch mit Unterstützung an anderen Instrumenten. Heute sollte es intim werden. Dabei entstand einer solche Ruhe, dass man bereits beim Betätigen des Auslösers der Kamera ein schlechtes Gewissen bekommen konnte, denn das Klick-Geräusch war so deutlich zu vernehmen.
Zwar erscheint mit Last Night When I Tried To Sleep I Felt The Ocean With My Fingertips dieser Tage ein neues Album von Amit Erez, dennoch aber hatte man den Eindruck, es ginge hier vor allem darum, dass er sich und seine Musik bekannt macht, ohne dezidiert das neue Album promoten zu wollen, denn hiervon waren nur wenige Stücke im Set. Stattdessen spielte Amit Erez ein Set bestehend aus elf Songs, die sich einmal quer durch seine Solo-Diskographie spielten. Das fügte sich auch alles nahtlos an- und ineinander und ließen die wenigen Zuhörer begeistert und andächtig zurück. Keine Gespräche, kein Geflüster, sondern andächtiges Zuhören bei einem Singer/Songwriter, der hier mit Herz bei der Sache war, dessen Songs direkt aus dem Innersten kamen. Nachdem er mit Endings Get An Early Start von 2007er-Album Summer Conquered By Rain sein Set beendete, wurde folglich auch die eine oder andere CD gekauft.
Setlist: Secret Cards, Clever And Strong, Falling Trees, Appollio, Postcard, Heart Away, Love Again, Coming Down, Oh My God, Cinnamon Scattered Along Your Shoulders, Endings Get An Early Start


Nach einer kurzen Umbaupause ging es unmittelbar weiter mit Alexander McKenzie & The Underpaid. Die kanadische Sängerin und ihre niederländischen Musiker-Kollegen betraten in Band-Besetzung die Bühne und begeisterten die anwesenden Gäste schnell. Trotz der vollen Instrumentierung sollte das Ziel hier gar nicht sein, Lautstärke-Rekorde oder ähnliches aufzustellen. Das Zauberwort war vielmehr: Atmosphäre. Mit überwiegend ruhigen Pop-Songs wollten sie die Hörer berühren, was – maßgeblich mitbedingt durch die eingängige und kräftige Stimme Alexander McKenzies – auch sehr gut gelang. Das Schlagzeug diente dabei oft eher zu Percussion-Zwecken, anstatt großartig aufs Tempo drücken zu wollen, der Bass sorgte für die notwendige Struktur und die Gitarre durfte auch gerne mal improvisieren.
Mit ebenfalls elf Songs zeigten Alexander McKenzie & The Underpaid hier gut, was sie konnten. Auch wenn es überwiegend ruhig zuging, hieß das nicht, dass das Tempo nicht auch mal angezogen werden dürfte. Sugarcubes beispielsweise war einer dieser Songs, die gut gelaunt aufzeigten, dass es nicht nur um Traurigkeit gehen soll. Auch wenn die Songs häufig von traurigen Erlebnissen inspiriert sind: Gute Laune sollte nicht fehlen. Auch No Definition zeigte gut gelaunt, dass man hier mit Spaß bei der Sache ist. Überhaupt wurde viel gelacht. Das zeigte auch Amit Erez bereits im Vorfeld bei seinen Ansagen. Gut gelaunt war der Abend sowieso: Auch die viel zu wenigen Hörer waren begeistert – auch bei Alexander McKenzie wurden noch einmal so einige Einkäufe hinterher getätigt. Man fragt sich bloß: Warum nehmen so wenige diese Gelegenheit wahr, für freien Eintritt ein so gutes Konzert zu sehen? Eigentlich schade. Aber die Musiker schienen zufrieden – so soll das sein!
Setlist: Torino Blues, A Thousand Pieces, You Can Twist, Sugarcubes, Fallow Instead, At Least It’s A Dry Cold, Rule Over Rodents, Somehow Shining, Square One, No Definition, Brother Where Art Thou



Weblinks
Homepage Amit Erez: www.amiterez.com
MySpace Amit Erez: www.myspace.com/amiterez
Homepage Alexander McKenzie: www.alexandermckenzie.com
MySpace Alexander McKenzie: www.myspace.com/alexandermckenzie
Text und Bilder: Marius Meyer
24 Feb 2010, 11:29 am 1.Delmenhorst - Blog - 23 Feb 2010…
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