Konzertberichte Marius, 11.11.2010
Amy Macdonald – 07.11.2010, Hamburg o2world
Sehnsüchtig wurde sie erwartet. Nicht nur wegen der bei den Zuschauern seit Wochen gestiegenen Vorfreude, sondern auch direkt am Abend, da man mit gleich zwei Vorbands das Publkum auf eine harte Probe gestellt hat. Gerade bei Events in dieser Größenordnung ist es immer schwierig, mit gleich zwei Vorbands zu arbeiten. Vor allem dann, wenn beide hierzulande einen gegen Null tendierenden Bekanntheitsgrad haben und vorher nirgends angekündigt waren. Da hilft es auch nichts, wenn sie eigentlich gut sind. Auch durch die Rahmenbedingungen gab es für Amy Macdonald einiges auszubügeln.
Als zunächst mal Martin and James aus Glasgow die Bühne betraten, war da nicht viel dran auszusetzen. Ein junges Duo, bewaffnet mit zwei Gitarren, eröffnete den Konzertabend mit einem kurzen Set verschiedener Akustik-Nummern, bei denen viel Gefühl mitschwang. Das Publikum: Andächtig lauschend, überraschend still. Ein freundlicher Empfang für das schottische Duo also, das hier auch wirklich ordentliche Arbeit und schöne Musik ablieferte. So konnten sie mit Applaus verabschiedet werden.
Etwas, was dem darauf folgenden Fyfe Dangerfield leider verwehrt blieb. Dabei lag es eigentlich gar nicht an ihm. Nein, es waren die Rahmenbedingungen. Ein zu nicht unerheblichen Teilen durch Radio-Hits der jungen Schottin gezogenes Publikum – um das Wort Event-Fan mal zu vermeiden – wartete hier eben vor allem auf den Grund ihres bezahlten Eintrittsgeldes. Da konnte Fyfe Dangerfield wenig ausrichten. Wäre er zuerst gewesen, hätte es wohl besser geklappt. Schließlich war es auch wirklich schön, was er da mit Akustik-Gitarren, Streicherinnen, sparsamer Perkussion und dem Piano ablieferte. Schöner britischer Indie-Folk, der leider völlig unterging. Das lag nicht nur an seiner Spielposition, sondern das die letzten Songs seines Sets in Rauschen und Störgeräuschen untergingen. Für Respektlosigkeiten gegenüber dem Künstler ist das zwar noch lange kein Grund, den Unmut aber konnte man verstehen. Fyfe Dangerfield nahm es indes cool. Er hat auch allen Grund dazu, schließlich macht er tolle Musik. Nur der Rahmen war falsch.
21:15 Uhr sollte es dann aber soweit sein. Die Pfiffe abgeebbt, das Licht wieder abgedunkelt und Amy Macdonald konnte die Bühne betreten. Mit einer eingespielten Live-Band wirkte sie dabei zwar in ihren Songs routiniert, eingespielt und hochprofessionell, zeigte aber auch immer wieder, dass sie dabei eigentlich sehr natürlich und authentisch geblieben ist. Wenn sie zum Beispiel erzählt, wie überraschend schnell dieser große Erfolg für sie kam, nimmt man ihr das absolut ab. Das alles immer wieder durchwoben mit Anekdoten zu ihren Songs, Geschichten aus dem Tour-Leben, aber auch mit einer ehrlichen Dankbarkeit. Da steht eine auf der Bühne, die das lebt, was sie tut – und damit völlig zielgruppenübergreifend begeistern kann.
Musikalisch ist der Abend beides: So wie erwartet, aber auch anders. Dass Amy Macdonald mit ihrem Set, bestehend aus beiden Alben, das Publikum begeistern kann, war abzusehen. Bis das Hamburger Publikum aufgetaut ist, dauerte es zwar eine Weile, aber spätestens mit Don’t Tell Me That It’s Over waren hier sämtliche Zweifel beseitigt. Was aber ebenfalls spätestens bei diesem Song erkennbar war: Die Schottin war hier offenbar auch angereist, um sich zwischendurch mal als Rock-Musikerin zu präsentieren. Zwar haben die Songs auch auf Platte ein mitreißendes Potenzial, wirken dort aber im Nachhinein betrachtet teilweise ziemlich harmlos, während man auf der Bühne deutlich mehr Wucht ergänzte. Das mochte nicht immer jedem gefallen, zeigte aber, welche Energie da hinter einer zierlichen Erscheinung steht.
Vom Set her gab es da wenige Überraschungen. Wie auch bei zwei Alben? Die gefeierten Singles waren ebenso mit im Programm wie Songs, die man sonst nicht so oft mit Amy Macdonald hört. Songs wie This Is The Life also genau so wie beispielsweise Footballer’s Wife oder auch das hierzulande noch nicht erschienene An Ordinary Life. Die Stimmung blieb auf einem guten Level – auch im Innenraum, der in der mit 6000 Leuten gefüllten Arena etwas spärlich besiedelt aussah. Genug Lautstärke, um erfolgreich die eine oder andere Zugabe einzufordern, war da auf jeden Fall vorhanden. Was natürlich auch getan wurde. Vor allem Let’s Start A Band bewies dabei, dass ohne diesen Zugabenblock auch etwas gefehlt hätte.
Am Ende des Abends wusste man, warum Amy Macdonald es schafft, so genre-übergreifend die Hörer zu begeistern. Sie hat den Dreh raus, gefühlvolle Songs zu schreiben, natürlich rüberzukommen und das alles nebenher so zu präsentieren, dass all das in einem glaubwürdigen Licht erscheint.
Homepage: www.amymacdonald.co.uk
MySpace: www.myspace.com/amymacdonald

Text: Marius Meyer
Bilder: Universal Music 2010