Konzertberichte Marius, 23.01.2010
Archive – 18.01.2010, Leipzig Schaubühne Lindenfels
Man muss sich manchen Montagabend wundern. Gerade dann, wenn Archive in Leipzig auftreten. Wenn vor der Schaubühne Lindenfels auf einmal in großen Lettern etwas von „Ausverkauft“ steht und Menschen mit gelben Zetteln herumlaufen, auf denen liebevoll mit Edding „Suche Karte“ geschrieben wurde – ergänzt um den obligatorischen Hundeblick in der Hoffnung, doch noch eine der begehrten Karten für den Auftritt von Archive zu bekommen. Leipzig scheint ein gutes Pflaster für Bands wie Archive zu sein, denn obgleich es mit dem aktuellen Album Controlling Crowds zu einem Chart-Entry hierzulande gereicht hat, war die ausverkaufte Schaubühne Lindenfels dann doch leicht überraschend. Über den Verdientheitsgrad dieser ausverkauften Halle allerdings muss nicht weiter diskutiert werden…
Zunächst waren pünktlich um 20:30 Uhr allerdings erst einmal BirdPen an der Reihe, um als Support von Archive schon einmal die Menge anzuheizen. Was in Trio-Besetzung als akustisch anmutendes Konzert begann, steigerte sich bald in für die meisten Konzertbesucher unerwartete Gefilde. Waren die Songs Nature Regulate und Cold Blood noch ruhige Akustiknummern, die rechtfertigten, wofür die Sitzplätze im hinteren Teil der Halle waren, verschob sich der Eindruck dann bei Off. Mit einem entfernt an Closer von den Nine Inch Nails erinnernden Beat gab es hier ein beatlastiges Stück elektronisch geprägter Musik, das bereits die ersten zum Mittanzen animierte. Auch im anschließenden – schon das Set beendenden – Only the names change stand noch einmal Tanzbares auf der Tagesordnung. Während die anstrengenden Support-Acts meist viel zu lange spielen, hätte man hier gerne mehr als vier Songs in gut 20 Minuten gehört…
Setlist BirdPen: Nature Regulate, Cold Blood, Off, Only the names change
Plangemäß weiter ging es dann um ziemlich genau 21:30 Uhr mit den Headlinern des Abends. Gleich beim Opener Pills trugen Archive dick auf und zeigten beinah ihre ganze Besetzung, teilweise zu acht, sehr häufig aber auf jeden Fall zu siebt, standen sie dabei auf der Bühne und präsentierten ein Konzert so vielseitig wie die Inhalte ihrer Alben. Im Herzen war die Show ein Rockkonzert mit elektronischer Prägung, aber die Einflüsse der vielen anderen Genres, die bei Archive verschmelzen, waren kaum zu überhören. Triphoppige Momente, Rap-Passagen und teilweise gar Einflüsse aus Breakbeat verschmolzen bei Archive zu einem großen Ganzen und rissen auf ganzer Länge mit. Für Abwechslung sorgten dabei nicht nur die verschiedenen Stile, sondern auch die wechselnden Stimmen – haben Archive doch gleich drei Sänger/Sängerinnen im Gepäck.
Im Mittelpunkt der Controlling Crowds-Tour stand – wie sollte es anders sein – das aktuelle Album Controlling Crowds, aus dem es viele Songs zu hören gab. Mit sieben Stücken war dabei mehr als das halbe Album vertreten. Bastardised ink stellte dabei beatlastig die Rap-Stärken von Rosko heraus, Dave durfte anschließend bei Kings of speed seine Qualitäten unter Beweis stellen, das zwischen Rock und TripHop-Einflüssen rangierte, betörend wurde es immer wieder dann, wenn Maria Q am Gesang war, wie beispielsweise in Collapse/Collide. Viele der Stücke wurden bereits frenetisch bejubelt, richtig groß wurde der Jubel dann bei Hits wie Fuck U.
Ohne Zugabe lief natürlich hier nichts. Mit dem Titelstück des aktuellen Albums wurde der aus vier Stücken bestehende Zugabenblock dann auch würdig begonnen. Controlling Crowds, begleitet von grauen Männern auf der Videoprojektion hinter der Bühne, konnte das Publikum verzaubern und noch einmal für sich einnehmen, bevor nach guten zwei Stunden um halb zwölf der Abend sein Ende nahm. Ein gelungener Konzertabend im perfekten Ambiente!
Setlist Archive: Pills, Sane, Finding it so hard, Razed to the ground, Collapsed collide, Bastardised ink, Kings of speed, Fuck U, Lines, Blood in numbers, You make me feel, Danger visit, Lights
Zugabe: Controlling crowds, Bullets, So few words, Pulse
Homepage: www.archiveofficial.com
MySpace: www.myspace.com/archiveuk

Text: Marius Meyer