Konzertberichte Marius, 27.03.2008
Benedicte Braenden - 17.03.2008, Leipzig
„Wir wollen spielen“, so könnte man die Devise von Benedicte Braenden beschreiben. Und so kam es, dass die junge Norwegerin nach ihrem Auftritt als Support-Act von The BossHoss im Haus Auensee am Folgeabend ein weiteres Konzert in Leipzig spielte, diesmal im „Noch besser leben“. Dieses Mal eine Solo-Show, während The BossHoss sich einen Tag Pause gönnten. Waren am Vorabend 1700 Zuschauer anwesend, so waren es nun in etwa 35, wobei der Club in etwa so groß war wie am Vorabend die Bühne. Ein gemütlicher Konzertabend in Wohnzimmer-Atmosphäre also, der auf diese Weise ein sehr intensives Konzerterlebnis werden sollte.
Gegen 21:00 Uhr betraten nach und nach die ersten Menschen den Club (bzw. das Wohnzimmer), gegen 21:45 Uhr sollte es dann soweit sein: Benedicte Braenden und ihre Mannen betraten die Bühne: Eine ebenerdige Fläche mit drei Barhockern und Mikrofonen, dazu ein Schlagzeug. Der Kronleuchter wurde gedimmt, es konnte losgehen. Das tat es dann auch mit dem Titel Guilty As Sin, der auch den Vorabend eröffnete. Allerdings war dies nicht nur von der Lokalität her ein ganz anderer Abend als der vorherige, sondern auch vom Publikum her betrachtet: Auf die Frage, wer am Vorabend da gewesen sei, hoben bloß drei der Besucher ihre Hand. Aber wie dem auch sei: Die Show im „Noch besser leben“ war sowieso gänzlich anderer Natur, nicht zuletzt durch die Wohnzimmeratmosphäre und auch die Tatsache, dass es sich um eine verstärkte Akustik-Show handelte.
In fast anderthalb Stunden – was angesichts der Tatsache, dass bisher kein Album veröffentlicht ist, ziemlich beachtlich ist – spielte sich das Quartett gut gelaunt durch ein Set aus 16 Stücken und produzierte dabei eine vollkommen staubfreie Country-Atmosphäre, immer wieder durchsetzt mit Anklängen aus Rockmusik. Das Konzert zeigte die Gruppe in großer Spielfreude fernab der großen Bühnen der BossHoss-Tour und deckte dabei ein großes Gefühlsspektrum ab, das in den Stücken der Künstlerin manifestiert ist. Von Melancholie über Nachdenklichkeit hin zu Freude und dem großen Gefühl wurde nichts ausgelassen. Und es standen dabei eben nicht nur die Stücke an sich im Mittelpunkt, sondern es wurde auch Wert auf die Kommunikation mit dem Publikum gelegt, das stehend und sitzend aufmerksam und begeistert den Klängen lauschte. Kleine Geschichten zu den jeweiligen Stücken gehörten wie selbstverständlich mit zum Programm.
Folglich wurden die vier nicht ohne Zugabe entlassen, weshalb sie sich den Weg von den Instrumenten weg und wieder auf die Bühne zurück auch gleich sparten. Die erste Zugabe wurde direkt an das Set angeschlossen und mit Crashin’ and Burnin’ beendet, die zweite Zugabe wurde dem Publikum überlassen: Eigentlich waren bereits alle für die Tour einstudierten Stücke gespielt, da das Publikum aber noch etwas hören wollte, war die Frage, was es denn sein soll. Die Entscheidung fiel dann auf Cold Hard Rain, was auch beim zweiten Mal noch für gute Stimmung zu sorgen wusste. Und dann war Schluss – ein wirklich gelungener Abend fand sein Ende. Es ist sehr zu wünschen, dass wir baldigst wieder von Benedicte Braenden zu hören bekommen – trotz der intensiven Atmosphäre einer kleinen Clubshow wie dieser ist ihr sehr zu wünschen, dass sie auch solo mit dem Release ihres Debüt-Albums gegen Ende des Jahres ein paar größere Hallen gefüllt bekommt. In diesem Sinne: Ein ehrliches „Gerne wieder!“
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Text und Bilder: Marius Meyer