Es war als erstes Konzert der Tour bereits vor Monaten ausverkauft und nicht nur die Hörerschaft war voller Vorfreude auf das Abschlusskonzert dieser Tour: Auch Alexander Veljanov gab im Interview auf dieser Seite bereits im Vorfeld zu, dass er sehr gespannt darauf sei, einmal in der Kulisse des Leipziger Gewandhauses auftreten zu dürfen. So fand sich am Abend des 21.02.2007 ein gut gemischtes Publikum ein, um diesem besonderen Konzert von Deine Lakaien zusammen mit dem Orchester der Neuen Philharmonie Frankfurt beizuwohnen.
Es trafen in verschiedenster Hinsicht Welten aufeinander. Eine Band, die sich der elektronischen Avantgarde verschrieben hat, trifft auf ein klassisches Orchester. Moderne Synthesizer-Technik trifft auf den C64. Ausgehgarderobe trifft auf zerrissene Jeans. Aber ein entscheidender Gegensatz wurde dabei ausgeschaltet: Der augenscheinliche Gegensatz der hier aufeinander treffende Musikstile wurde außer Kraft gesetzt, die Stile wurden zu einer gelungenen Melange verbunden. Im Vorfeld der Tour versprach Sänger Alexander Veljanov, dass hier eben kein simples „Classic meets Pop“-Happening stattfinden sollte, bei dem das Orchester als Tortenguss über die Musik gelegt wird, sondern mit dem Orchester gearbeitet werden soll. Und genau dieses Versprechen wurde eingehalten: Passagen, die sonst aus der Elektronik kamen, wurden vom Orchester übernommen, das sonst elektronisch gehaltene Material wirkte auf einmal sehr organisch. Berührende Momente voller Harmonie zauberte das Orchester aus seinen Instrumenten, ohne es dabei auf einen seichten Aufguss der Klänge Ernst Horns und Alexander Veljanovs anzulegen: Auch der verstörende Zwischenton wird authentisch vom Orchester produziert und es war faszinierend, mit welcher Filigranität auf so gekonnte Weise die bewusste Dissonanz zelebriert wurde.
Überhaupt war ein weiteres Mal festzustellen, dass Deine Lakaien Künstler sind und nicht bloß Musiker. Dies lässt sich vor allem an Ernst Horn festmachen. Der studierte Dirigent vermochte es, mit einer Hand das Orchester zu dirigieren, während die andere das Klavier spielte, manch ein Stück wird gar komplett zum Kunstwerk. Allen voran hier Mindmachine, das als drittes Stück nach der Pause mit noch nicht komplettem Orchester gespielt wurde. Klänge aus dem originalen C64 der Anfangszeit der Formation, zu denen Ernst Horn an den verschiedensten Gerätschaften hantiert und während des Stückes mehrmals seine Position auf der Bühne wechselt: Mal an den Synthesizern, mal an den Knöpfen, mal die Hand am Klavier, mal die Hand im Klavier. Dazu Alexander Veljanov, der aus dem Wort „Mindmachine“ mehr rausholt, als man es für möglich hält.
Zwei Stücke später ist mit Reincarnation dann vorerst Schluss. Weitere zwei Male lässt sich das Ensemble noch auf die Bühne bitten, um sich nach insgesamt weit über drei Stunden mit Love Me To The End sichtlich gerührt von der Bühne verabschiedet. Wie die Band heute selber bekannt gab: „Das erfolgreiche Orchester-Projekt schlägt große Wellen“ – diese Wellen schlugen sich nieder bis in diesen Bericht. Ein großartiges Konzert, das lange in Erinnerung bleiben wird. Eine Setlist des Konzerts findet sich am Ende dieser Seite.
Wer die Gelegenheit verpasst hat oder es noch einmal miterleben möchte, wird dieses Jahr noch Gelegenheit haben: Am 21.07.2007 in der Jungen Garde in Dresden sowie in der Headliner-Position auf dem M’era Luna-Festival in Hildesheim am 11. und 12.08.2007. Mit einer großen Box bestehend aus drei DVDs und zwei CDs kann man sich das Ereignis außerdem auch für zuhause zulegen.

Weiterführende Informationen
Deine Lakaien: www.deine-lakaien.com
Neue Philharmonie Frankfurt: www.neuephilharmoniefrankfurt.de
Fotograf: www.myspace.com/stevenriou

Teil Eins
Lonely
Slowly Comes My Night
Follow Me
Madiel
Into My Arms
Mirror Men
Generators
Away
Over And Done
Dark Star

Pause

Teil Zwei
Colourize
Nobody’s Wounded
Mindmachine
Brainfic
Vivre
Return
Reincarnation

Zugabe Eins
Wunderbar
Overpaid

Zugabe Zwei
Where You Are
Love Me To The End

Text: Marius Meyer
Bilder: Steven Riou