Konzertberichte Marius, 17.06.2007
Die Form – 15.06.2007, Leipzig Werk 2 (Bachfest)
Am 15. Juni sollte es im Rahmen des Leipziger Bachfestes mal wieder B.A.C.H. heißen: Bach Alternative Compositions on Historical basics. Als Vertreter des Alternative-Bereichs entschied man sich in diesem Jahr für die Franzosen von Die Form, die ihrer Aufgabe mehr als gerecht wurden. Es fällt dabei schon fast schwer, die Darbietung im Werk II simpel in eine Kategorie namens „Konzertberichte“ zu stecken, denn diese Bezeichnung wird dem, was Die Form an diesem Abend geboten haben, kaum gerecht. Man hatte eher den Eindruck, einer Kunstperformance beizuwohnen. Dies ließ bereits vor dem Konzertbeginn ein Blick auf die vorbereitete Bühne erahnen: Die technischen Gerätschaften Philippe Fichots standen eher am Rand der Bühne, auf der ansonsten unter anderem Kerzenleuchter, ein Sofa, ein Plattenspieler sowie die Videoleinwand zu sehen waren.
Nachdem vor dem Konzertbeginn der Hinweis, nicht zu rauchen, mit recht wenig Murren akzeptiert wurde, enterte bald Philippe Fichot mit Maske (Fetisch lässt grüßen) seine Gerätschaften und es erklangen klassische Melodien von Johann Sebastian Bach, gepaart mit elektronischen Klängen, wie sie typisch für Die Form sind. Dazu betrat gleich eine der beiden Damen, die an diesem Abend wahlweise abwechselnd oder auch mal beide gemeinsam auf der Bühne stehen sollten, die Bühne und zeigte in Theater-reifer Manier eine Schallplatte, die sie tänzerisch in Richtung Plattenspieler bewegte. Der Abend konnte beginnen. Die Weichen waren gestellt, die Marschrichtung des Abends war gesteckt, aber die Ästhetizität wurde noch gesteigert.
Auf einer Länge von 70 Minuten boten Die Form eine Darbietung, bei der man kaum glauben mag, dass sie eine einmalige Angelegenheit bleiben soll. Die Melodien Johann Sebastian Bachs waren immer wieder klar zu erkennen, dazu sang Eliane P. in wirklich klassischer Art und Weise, während Sabine Seume tanzte und doch war auch immer wieder klar erkenntlich, dass hier Die Form am Werk sind. Elektronische Klänge und tanzbare Rhythmen, durchaus mit Härte versehen wurden auf beeindruckende Weise mit dem klassischen Vater hinter der Veranstaltung verwoben und sorgten dabei auch durchaus für Bewegung im Saal. Dazu hochwertige Gewandungen und nicht zu vergessen: Die Videoprojektionen, die ebenfalls Bach und Die Form verwob. Neben Tänzerinnen und Notenflächen gab es auch das zu sehen, für das die Franzosen bekannt sind: nackte Haut, Geschlechtsorgane, fetisch-durchtränkte Bilder, mal mehr mal weniger anrüchig. Und all das, ohne Bach damit auch nur im Ansatz Unrecht zu tun…
Nach der Show wurde schnell klar: Eigene Stücke schreiben wäre einfacher gewesen als die Mühe, die sich Die Form mit dieser aufwendigen Darbietung gemacht haben. Natürlich wurden sie auch damit nicht entlassen. Zu laut die Rufe nach einer Zugabe. Als Zugabe dann doch noch ein Hit von Die Form: Bite Of God. Dabei ließ Philipp Fichot sich auch einmal selber zu tänzerischer Aktivität auf der Bühne hinreißen. Und das Publikum: Aus dem Häuschen. Schade dabei, dass dies recht spärlich vorhanden war. Zwar sah es keineswegs leer im Werk II aus, jedoch war die Größe des Konzertsaals vorsorglich durch ein großzügiges Nach-vorne-Ziehen der Bühne in etwa halbiert worden. Umso höher ist Die Form anzurechnen, was sie sich für eine Mühe gegeben haben mit dieser Show, deren Wirkung auf den Zuschauer ein bleibendes Erlebnis hinterlassen hat. Es wäre zu schade, es bei der Darbietung zu belassen. Es rumort, dass eine Veröffentlichung auf DVD nicht ausgeschlossen wäre. Wünschenswert wäre es… Festzuhalten bleibt: Die Veranstalter des Bachfestes haben mit Die Form ein wirklich glückliches Händchen bewiesen und dadurch ein mehr als positiv beeindrucktes Publikum bewirkt.
Homepage: www.dieform.net
MySpace: www.myspace.com/dieformofficial

Text und Bilder: Marius Meyer