Zwar sind Die Happy an sich schon eine wirklich ausdauernd live spielende Band, dennoch aber sollte diese Tour etwas Besonderes werden. Fünf Jahre ist es bereits her, dass die Gruppe unter dem Motto Four & More auf Unplugged-Tour war, nun sollte es mal wieder soweit sein: Die Anzüge wieder ausgepackt, die Stücke in ein ansprechendes Akustik-Gewand umarrangiert und einmal auf Tour durch die Republik. Ein Halt davon: Erfurt, Gewerkschaftshaus. Nach einem ergiebigen Interview (hier nachzulesen) am frühen Abend sollte es um 21:00 Uhr dann auch mit Jake Roeder als Support-Act losgehen, bevor eine knappe Stunde später Die Happy selbst die Bühne betraten.

Jake Roeder, der als Ein-Mann-Band mit Akustik-Gitarre bewaffnet den Abend eröffnete, schaffte es auch schnell, das Publikum für sich zu begeistern. Da die vermeintlich dazugehörige Band des Regensburgers aufgrund der 1:5-Niederlage des FC Bayern München gegen Wolfsburg weinend zuhause war, machte er es eben allein. Und das auch sehr gut! Stimme und Akustik-Gitarre können durchaus ausreichen, um gefühlvoll treibende Singer-Songwriter-Musik mit leichtem Pop-Einschlag zu machen, die gleichzeitig gut ankommt. Spätestens mit dem an dritter Stelle gespielten Counting Crows-Cover Mr. Jones war das Publikum vom Künstler eingenommen und dankte es nicht nur mit Applaus, sondern auch damit, bereitwillig nach Aufforderung mal den Chorus mitzusingen. „Das glaubt mir keiner“, so Jake Roeder dazu. Genau so war es wohl auch das erste Mal auf dieser Tour, dass eine Zugabe verlangt wurde, die mit Julia dann auch prompt gegeben wurde. Jake Roeder spielte ein gelungenes Set, während das Erfurter Publikum guten Geschmack bewies. Da haben sich zwei gefunden!

Setlist: It ain’t you, Me against the world, Mr. Jones (Counting Crows), Too far gone, Fly, Just for a while, Someday
Zugabe: Julia

Blick auf die Uhr: Fünf vor zehn. Die Lichter gehen aus, Die Happy betreten die Bühne. Gemeinsam mit den drei Gastmusikern dieser Tour – Patrick an der Gitarre, Lutz (von der Band liebevoll Porno-Lutz genannt) am Piano und Tayfun an der Percussion – betrat zunächst der männliche Teil der Band die Bühne, bevor Thorsten verkündete, dass man noch eine Dame dabei hab, sodass Marta von einem Extra-Applaus begleitet die Bühne entern konnte, wo mit Big Boy auch gleich einer der großen Hits gespielt wurde. Stilsicher mit Anzug, roter Bühnenbeleuchtung und Weingläsern wurde das Eis somit gleich gebrochen – falls das überhaupt nötig gewesen sein sollte.

Die Song-Auswahl an sich lässt sich als ein relativ typisches Die Happy-Konzert bezeichnen. Die großen Hits der Band plus einige Balladen und ein Querschnitt durch die gesamte Bandgeschichte. Stücke wie Perfect, Bitter to better, Whatever, Like a flower und Goodbye sind da allesamt Selbstläufer. Das, worauf es an diesem Abend ankommt, sind vielmehr das Wie der Darbietung sowie auch die Interaktion untereinander und mit dem Publikum. The ordinary song beispielsweise wurde zur Ballade umarrangiert, Bitter to better mutete dezent orientalisch an und Wanna be your girl wurde vom Rock-Stück zur Tanznummer. Oft brauchte es einen Moment, bis man erkannte, welches Stück da eigentlich gerade gespielt wurde. Stets bewiesen Die Happy, dass sie sich Gedanken um die Darbietung gemacht haben und diese Tour tatsächlich anders sein sollte als typische Die Happy-Shows.

Wie schon Jake Roeder zeigten sich auch Die Happy begeistert vom Erfurter Publikum. Nach dem vom Publikum mitgesungenen Still Love You war Thorsten sich beinah sicher, dass die verkauften 300 Singles alle in Erfurt gelandet sind. Auch sonst wurde gut mit dem Publikum interagiert, beispielsweise als Marta Andenken für ihre Erinnerungspinnwand sammelte und erwähnte, dass sie keine Visitenkarten brauche – diese habe sie vor allem bereits von KFZ-Mechanikern und auch von einem Gynäkologen. Stattdessen gab es diverse Fotos, aber auch einen BH, was abermals für Erheiterung sorgte. Das taten sie ohnehin den ganzen Abend – neben den Arrangements wussten sie eben auch, wie man ein Publikum bei Laune hält. Das klappt sogar dann, wenn man ein Stück wie Slow Day auf 15 Minuten ausdehnt und jedes Crew-Mitglied einmal „sloooohooooooow“ singen lässt. Sehr beeindruckend, das muss man anerkennen.

Das Hauptset endete dann eigentlich mit einer Coverversion, denn Supersonic Speed ging nahtlos in Dance With Somebody von Mando Diao über. Die Zugabe war dann natürlich Ehrensache. Weiterhin wurde die Mission „Skunk Anansie sollen sich wiedervereinen“ fortgeführt, diesmal mit einem akustischen Cover von Hedonism. Nach der Bandvorstellung in Not That Kind Of Girl kamen die sieben Musiker für On my way dann noch ein letztes Mal auf die Bühne zurück, bevor ein äußerst gelungener Konzertabend sein Ende nahm. Kurzer Blick auf die Uhr: Es ist halb eins! Haben die gerade wirklich zweieinhalb Stunden gespielt? Wahnsinn. Tatsächlich: Dieser Konzertabend war etwas Besonderes!

Setlist: Big Boy, Cherry Girl, Perfect, Everyday’s a weekend, Violent Dreams, Still Love You, Breathing, Wanna be your girl, Blood Cell Traffic Jam, Slow Day, Stranded, Bitter to better, Whatever, You’ll Never Know, Like a flower, The ordinary song, Goodbye, Supersonic Speed (plus „Dance With Somebody”)
Zugabe 1: Hedonism (Skunk Anansie), Not that kind of girl
Zugabe 2: On my way

Weitere Artikel
Rezension: Jake Roeder – Finally
Konzertbericht: Die Happy – 22.12.2008, Leipzig Werk 2
Rezension: Die Happy – Still Love You
Rezension: Die Happy – Six
Interview mit Thorsten von Die Happy (März 2008)
Rezension: Die Happy – No Nuts No Glory
Rezension: Oomph! feat. Marta Jandova – Träumst Du
Konzertbericht: Die Happy – 31.03.2007, Wilhelmshaven Pumpwerk

Text und Bilder: Marius Meyer