Zum gefühlten 375. Mal seien sie in Leipzig, folgt man den Ausführungen Marta Jandovas auf der Bühne. Davon vermutlich auch zum gefühlten 350. Mal in der Weihnachtszeit, möchte man ergänzen. Ist ja schließlich fast schon eine Tradition geworden. Vom Füllstand der Halle her haben sie – obgleich eine ansehnliche Menge anwesend war – dabei zwar zweifelsohne schon bessere Zeiten gesehen, ihre Form scheint sich aber seit jeher zu verbessern. Das bewiesen sie an diesem trüben Montagabend im Werk 2 eindrucksvoll und gaben dabei alles.

Zunächst aber war der Support-Act an der Reihe… Blickt man die letzten Jahre zurück, so ist es sehr durchwachsen, was Die Happy teils so an Support-Acts begleitete, mit Trustgame aber bewiesen sie auf diesem Abschnitt der Tour ein absolut glückliches Händchen. Ihre Devise „Einfach Rock“ wurde an diesem Abend deutlich in die Tat umgesetzt. Während des ersten Titels Drown in me, einer Ballade, war die Reaktion zwar noch verhalten, als dann aber die verzerrte Gitarre hinzutrat (Reaktion aus dem Publikum: „Jetzt könnte es was werden…“), wurde das Publikum schnell für sich eingenommen. Druckvoller Alternative Rock mit melodiöser Komponente und eine Band, die das Stillstehen sicherlich nicht erfunden hat. Trustgame präsentierten sehr spielfreudig ihr Material und spätestens bei den abschließenden Stücken Just some words und Dickcheeze stimmte die Chemie zwischen Band und Publikum eindeutig. Kurz vor Weihnachten noch einmal eine angenehme Überraschung!

Setlist: Drown in me, Whatever, Vacuum, Good-bye harbour, Notorious, DNA, Just some words, Dickcheeze

Als nach der Umbaupause für Die Happy dann die Lichter ausgingen, konzentrierten sich die vorher recht verstreut stehenden Besucher deutlich in Bühnennähe und man sah bald, dass diejenigen, die da waren, eindeutig zum Feiern da waren: Da wurde bei den entsprechenden Titeln auch gerne mal bis in die letzte Reihe mitgesprungen. Was allerdings auch kein Wunder ist, bei dem Druck, der zum Beispiel von Titeln wie dem an zweiter Stelle platzierten Peaches ausging. Die Band zeigte sich auf ganzer Länge außerordentlich gut gelaunt, war stets in Bewegung, suchte den Kontakt, interagierte untereinander wie auch mit dem Publikum und bewies, dass man an seiner Arbeit auch noch ordentlich Spaß haben kann, wenn man geradewegs auf das 1000. Konzert zusteuert.

Die Song-Auswahl ging dabei einmal quer durch die inzwischen ziemlich große Diskographie der Band und beinhaltete auch einige über die Bandhomepage gewünschte Songs wie zum Beispiel Violent Dreams. Im Mittelteil gab es zudem bereits einen Ausblick auf die im Frühling folgende Unplugged-Tour (die zweite nach der im Jahre 2003), bei dem sie Whatever und Breathing spielten. Fast schon unhöflich eigentlich, dass sehr viele Zuschauer eine schöne Ballade wie Breathing dazu nutzten, Getränke zu holen oder anderweitig aus dem Publikum zu verschwinden, schließlich war es eine wirklich gefühlvolle Darbietung des – laut Band – traurigsten Stücks, dass sie je geschrieben haben. Ab dem wieder „plugged“ gespielten folgenden Bitter to better hatte die Band aber wieder alle fest im Griff.

Dramaturgisch logisch war nach Stücken wie beispielsweise Big Boy, einem der Evergreens der Band, mit The end dann zunächst Schluss des Sets, die Zuschauer aber waren sich einig, dass man das Ende lieber rauszögern sollte, weshalb die Zugaberufe schnell erhört wurden. Marta und ihre Mannen waren offensichtlich auch noch nicht müde vom und tobten weiter wie ein Derwisch über die Bühne. Mit I can dream wurden Skunk Anansie gecovert, weil man der Ansicht war, solange die Band aufgelöst sei, müsse schließlich wer die Erinnerung am Leben erhalten – Die Happy können dies auf jeden Fall. Über eine Variation von Wanna be your girl, die aus dem Rock-Stück eher eine Tanz-Version machte kamen sie zu Goodbye, was erneut den Schluss darstellen sollte. Pustekuchen. Ohne Supersonic Speed sagt bei Die Happy natürlich keiner Goodbye, weshalb ein zweiter Zugabenteil her musste, bestehend aus besagter Hymne der Band und dem Stück Adams Eyes.

Nach dem furiosen Abschluss mit Supersonic Speed und dem inkorporierten God gave Rock’n’Roll to you-Cover waren dann auch alle glücklich. Zu Recht! Marta durfte nun verdientermaßen ihre verschwitzen Haare trocknen lassen, das Publikum konnte glücklich nach Hause. Wäre die Vorweihnachtszeit doch immer so schön…

Setlist: Go for it, Peaches, Violent dreams, Love to hate you, Genuine Venus, Easy come easy go, Like a flower, Whatever (akustik), Breathing (akustik), Bitter to better, Leaving you, Big boy, Wannabe, The ordinary song, The end
Zugabe 1: I can dream (Skunk Anansie), Wanna be your girl (Remix), Goodbye
Zugabe 2: Adams Eyes, Supersonic Speed

Weitere Artikel
Rezension: Die Happy – Still Love You
Rezension: Trustgame – Trustgame
Rezension: Die Happy – Six
Interview mit Thorsten von Die Happy (März 2008)
Rezension: Die Happy – No Nuts No Glory
Rezension: Oomph! feat. Marta Jandova – Träumst Du
Flux von Oomph! im Interview
Konzertbericht: Die Happy – 31.03.2007, Wilhelmshaven Pumpwerk

Links
Homepage Die Happy: www.diehappy.de
Die Happy bei MySpace: www.myspace.com/officialdiehappy
Homepage Trustgame: www.trustgame.de
Trustgame bei MySpace: www.myspace.com/trustgame01

Text und Bilder: Marius Meyer