Konzertberichte Marius, 05.04.2007
Die Happy – 31.03.2007, Wilhelmshaven Pumpwerk
Sie sind wohl eine der in Sachen Touren unermüdlichsten Bands, die es in Deutschland seit Jahren gibt. Aber auch die schönste Tour nimmt mal ein Ende. So auch am 31. März 2007 im Pumpwerk in Wilhelmshaven, wo Die Happy das Abschlusskonzert ihrer No Nuts No Glory-Tournee zusammen mit ihrem Support-Act Disgroove, der sie auch schon eine Weile begleitete, spielten. Gegen 20:00 Uhr öffneten sich die Pforten des Pumpwerks, der Parkplatz füllte sich stetig. Nach und nach strömten die Zuschauer ins Pumpwerk hinein, um dem Konzertabend beizuwohnen. Dieser begann – nach der vorangegangenen Bitte von Seiten des Veranstalters, im Konzertraum nicht zu rauchen – pünktlich um 21:00 Uhr mit Disgroove als Opener des Abends.
In Dreierbesetzung mit Gitarre, Bass und Schlagzeug trat die Vorband aus der Schweiz auf die Bühne und hatte von den ersten Tönen an ihr Publikum gut im Griff.
Eine härtere, aber dabei melodiös und eingängig wirkende Gangart von Rockmusik wurde dem Publikum von Disgroove nahe gebracht, wo teils Erinnerungen an Stoner Rock-Bands wie die Queens of the Stone Age wach wurden. Dem Publikum gefiel es sehr, was sich vor allem daran zeigte, dass der eine oder andere Chorus auf Bandanweisung hin mitgesungen wurde, aber auch an dem Applaus, den die Gruppe nach den 45 Minuten Auftritt bekam. Bereits beim Support-Act zeigte sich: Wir sind auf einem Tourabschluss. So hatte der Bassist statt Mikrofon eine Möhre im Mikro-Ständer und zu einem Kurzcover von Marilyn Mansons The Beautiful People kamen die Die Happy-Jungs in schwarzen Kostümen auf die Bühne. 21:45 Uhr war der Auftritt vorbei und der Applaus groß – Die Happy bewiesen auf dieser Tour ein glückliches Händchen bei der Wahl ihrer Vorband, die sowohl qualitativ als auch showtechnisch überzeugen konnte.
Die Reihen füllten sich im Laufe der nächsten halben Stunde weiterhin und bereits vor dem eigentlichen Auftritt zeichnete sich ab, dass Die Happy ihrer mit dem jüngsten Album aufgestellten neuen Devise strikt bis zum Tourabschluss treu geblieben sind: Keyboards suchte man vergeblich auf der Bühne, es blieb beim klassischen Gitarre, Bass, Schlagzeug. Um 22:15 Uhr legte die Gruppe mit Big Big Trouble los und zeigte dem Publikum damit gleich, was diesen Abend weitestgehend Sache sein soll.
Rocken soll es. Und Spaß machen. Der Plan ging auf und nach wenigen Stücken offenbarte Marta Jandova dem Publikum, man wolle heute 500% geben, schließlich sei zum Tourabschluss „alles egal“. So präsentierte sich die Band folglich auch: Sehr ausgelassen, voller Spielfreude und stetig implizit und explizit den Kontakt zum Publikum haltend. Den Instrumentalisten sah man ihre Freude ob des Abends deutlich an und während Marta mit dem Publikum flirtete, schimmerte deutlich durch, dass dies keine aufgesetzte Attitüde ist, sondern ein ehrlicher Ausdruck von Freude über ein Konzert im Pumpwerk, bei dem das Publikum wirklich gut mitging, dabei aber stets friedlich blieb. Diese Friedlichkeit wurde belohnt: Statt dass die Security sich um eskalierende Situationen kümmern mussten, reichten sie stetig Wasserflaschen in die ersten Reihen, um die mitgehende Menge mit Flüssigkeit zu versorgen. Unter diesen Rahmenbedingungen spielten Die Happy sich souverän routiniert und dabei doch voll von ehrlicher Spielfreude durch ihr Set, dessen regulärer Teil durch ein als „tschechisches Sauf-Stampf-Lied“ angekündigtes Stück beendet wurde, das sich dann allerdings als The Ordinary Song vom aktuellen Album entpuppen sollte. Was sich auch bei diesem Stück zeigte: Auch bei den Texten des neuen Albums No Nuts No Glory waren die angereisten Besucher inzwischen sehr textsicher.
Die Band ließ sich nicht lange bitten und kam für zwei Zugaben zu je zwei Titeln erneut auf die Bühne. Hierbei war erneut zu erkennen, dass es ein Tourabschluss war. Zur Zugabe durfte auch der Tourhund einmal auf die Bühne kommen, um sich dem Publikum zu präsentieren. Mit einem ordnungsgemäßen Backstage-Pass um den Hals hatte der wuschelige Vierbeiner schnell die Sympathien auf seiner Seite, ließ sich dennoch aber nicht zum Singen überreden und verschwand zur Fortsetzung der Musik wieder von der Bühne. Dafür kamen aber die Jungs von Disgroove noch einmal. Diesmal allerdings etwas anders: Bloß in Unterhose, dafür aber von Kopf bis Fuß mit Rasierschaum überzogen, umarmten sie die Jungs von Die Happy, deren Aussehen sich dadurch etwas veränderte. Nur Marta war stolz: „An mich trauen sie sich nicht ran.“ Dafür konnte sie sich ganz auf den Auftritt konzentrieren. Wie üblich wurde Supersonic Speed dabei als trauriges Lied angekündigt, bei dem das Publikum sich aber nicht davon abhalten ließ, bereits Tausendstelsekunden nach dem richtigen Erkennen des Titels abzugehen.
Nach 105 Minuten und vielen Worten des Dankes war dann Schluss. Eine glückliche Band hinterließ ein glückliches Publikum und entließ selbiges mit einem Lächeln im Gesicht nach Hause. Und man könnte meinen, dass jeder, der am nächsten Morgen noch dröhnende Ohren und schmerzende Beine hatte, diese mit Stolz als Erinnerung an einen gelungenen Abend gerne mit sich trug. Mehr davon! Aber natürlich erst nach der verdienten Tourpause der Band…
Weiterführende Links
Homepage Die Happy: www.diehappy.de
Die Happy bei MySpace: www.myspace.com/officialdiehappy
Homepage Disgroove: www.disgroove.com
Disgroove bei MySpace: www.myspace.com/disgroove

Setlist Die Happy
Big Big Trouble
Addictive
Not That Kind Of Girl
Cherry Girl
Love To Hate You
None Of Your Business
Whatever
Medley Sleeping Time/Leaving You/Go For It
Like A Flower
Extraordinary Me
Hello
Breathing
Blood Cell Traffic Jam
Big Boy
I Am
The Ordinary Song
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Wanna Be Your Girl
Supersonic Speed
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Slow Day
Goodbye
Text: Marius Meyer
Bilder: Thomas Nollau (Vielen Dank an dieser Stelle! Weitere Bilder vom Konzert und von anderen Veranstaltungen gibt es unter www.flash-arts.de.)