Nachdem sie die Veranstaltungstonne der Moritzbastei zuletzt zum Wave Gotik Treffen 2007 mit ihrer Anwesenheit beehrten und dabei längst nicht jedem interessierten Zuseher Platz in dem relativ kleinen Konzertraum bieten konnten, gab es zumindest für die Leipziger und diejenigen aus der näheren Umgebung am 25.09.2008 nun eine zweite Chance, Dornenreich in Duo-Besetzung (Eviga und Inve) live zu erleben. Nach einem (bald an dieser Stelle zu lesenden) Interview mit Eviga zeigte sich bald eine lange Schlange am Einlass und das teilbestuhlte Konzert sollte dann auch pünktlich um 21:00 Uhr beginnen.

Bevor Dornenreich aber die Bühne betreten sollten, stand erst einmal Devon Graves als Support-Act auf dem Programm. Kennt man ihn bisher von seinen Alben mit Psychotic Waltz und Deadsoul-Tribe, stand er diesmal ganz alleine auf der Bühne und spielte eine gute Stunde ein gelungenes Programm, bewaffnet nur mit einer Akustik-Gitarre. Oder wie er es sinngemäß sagte: „Usually I’m into metal. But tonight I’m Bob Dylan!“ Ein Auftritt, der zu begeistern wusste: Gefühlvoll intoniert, eingängig gespielt und abwechslungsreich auch von der Stückauswahl – so spielte er sich munter durch seine eigenen Stücke mit den unterschiedlichen Bands und coverte hier und da auch mal, wie beispielsweise gleich zu Beginn Space Oddity von David Bowie. Das Ganze kombiniert mit seinen humorvollen und selbstironischen Bühnenansagen landete beim Publikum einen sicheren Treffer.

Pünktlich gemäß der am Einlass anhängenden Tafel betraten dann um 22:20 Uhr Dornenreich in der bereits angesprochenen Duo-Besetzung die Bühne und schafften es von Beginn an, das Publikum zu beeindrucken. Eviga im Sitzen bediente gleich drei Instrumente: Die Akustik-Gitarre, die an den Beinen angebrachte Schellen sowie natürlich den Gesang, Inve steuerte dabei treffsicher die Geige hinzu. Mehr war auch gar nicht nötig, denn mit diesem minimalen Instrumentarium wurde dabei mehr Atmosphäre erzeugt, als manche es mit gesamtem Orchester schaffen. Im Mittelpunkt standen dabei natürlich die Stücke des aktuellen Albums In Luft geritzt, da sie genau in dieser Besetzung aufgenommen wurden. Die dort vermittelten Stimmungen konnten auf dem Auftritt noch deutlicher zum Tragen gebracht werden: Vom Dramatischen zum Optimismus, vom Pessimismus zur Verzweiflung, dann doch wieder hin zur Hoffnung. Auch in Evigas Gesang spiegelte sich all das wider. Kein Wunder also, dass das Duo ohne Zugabe nicht vom anwesenden Publikum entlassen wurde. Wie Eviga anmerkte, wäre das einzige Wort für diesen Abend: „Überwältigend“. Und das kann man als Zuschauer auch bloß zurückgeben, sowohl für die Stücke des aktuellen Albums als auch für die Stücke der älteren Werke, die in den Akustik-Kontext eingebunden wurden.

Was bleibt, ist nicht nur ein schöner Konzertabend, sondern auch das Versprechen Evigas im Hinterkopf, im kommenden Frühjahr in Rockband-Besetzung wiederzukehren. Man darf gespannt sein, wie die Gruppe dann diesen anderen Aspekt ihres Schaffens auf der Bühne präsentieren wird. Dornenreich im akustischen Gewand konnten auf jeden Fall schon einmal auf voller Linie überzeugen!

Weitere Artikel
Rezension: Dornenreich – In Luft geritzt
Interview mit Dornenreich (Juni 2007)
Rezension: Dornenreich – Durch den Traum

Homepage: www.dornenreich.com
MySpace: www.myspace.com/mehralsdasein

Text: Marius Meyer
Bilder: PR