Event-Fans sind offenbar ein Phänomen, das nicht nur bei Länderspielen der DFB-Elf und bei Konzerten in der Größenordnung Grönemeyer und aufwärts vorkommt, sondern auch bei Bands wie Element of Crime angekommen ist. Die Vorzeichen der Tour waren ja auch ausgesprochen gut: Große Hallen, die in mehr als der Hälfte der Fälle längst ausverkauft waren und positive Berichterstattung zum neuen Album ließen für die Tour das Beste hoffen. Nachteil ist dann eben, dass auf der Tour genug Leute sind, die beinah jedes ruhigere Stück zur lauten Unterhaltung nutzen und eben da sind, „weil gerade was los ist“. Das allerdings ist etwas, das man wohl kaum Element of Crime oder Florian Horwath anlasten kann…

Element of Crime ist der Erfolg schließlich zu gönnen, was dann auch seine Schattenseiten mit sich bringt. Florian Horwath dürfte indes wohl nur bei einer Minderheit der eigentliche Grund für die Anwesenheit gewesen sein. Und das, wo man ihm einen solchen Zuspruch eigentlich nur gönnen kann. Von Sven Regener auf der Bühne persönlich angekündigt („er ist jung, er ist schön“) spielte Florian Horwath in Viererbesetzung (dabei an der Percussion saß dabei Richard Pappik von Element of Crime, der auf dieser Tour also eine Doppelschicht hat) acht Stücke aus seinen letzten beiden Alben, wobei der Fokus auf dem neuen, dritten Album Speak To Me Now lag, mit dessen Titelstück er nach ausgedehntem Intro auch eröffnete. Die schleifende Gitarre und sein auf der Bühne noch markantere Gesang zeigten auch gleich, wo die Reise hingehen soll: Eindeutig in Richtung „New Folk“ bis hin zu „Weird Folk“.

Dass er auf dem neuen Album mehr aus sich heraus geht als auf dem Vorgänger, zeigte er auch auf der Bühne gut – und so fügten sich auch die älteren Stücke gut in das Gesamtkonzept ein. Ballade bleibt dabei zwar Ballade, aber von der Bühne geht dabei mehr Druck aus, als man auf CD vermuten könnte. Ein Song wie Baby You Got Me Wrong kam dabei auch gut ohne Nina Persson aus. Mit Gitarre (oft akustisch, aber auch mal verzerrt), Schlagwerk, Keyboard und der Stimme Horwaths konnten mit druckvollen Folk-Arrangements an der Grenze zum Indie-Pop und der Horwath-eigenen Verschrobenheit so einige aus dem Publikum auch begeistert werden, die den Namen Florian Horwath zuvor höchstens aus der Konzertankündigung kannten. Dass bei einem ausverkauften Haus Auensee auch die üblichen Vorband-Negativ-Stimmen zu vernehmen sind, kann dabei nicht drüber hinwegtäuschen, dass Florian Horwath – berechtigterweise – für Begeisterung sorgen konnte.

Setlist: Speak To Me Now, Underneath The Wind, Darlin’ I Can See You Fallin’, Oh If I Could Only, Broke My Guitars, Friday Night Vampires, Baby You Got Me Wrong, Spirit In The Sky

Als dann um kurz vor neun Element of Crime die Bühne betraten, stellten die Mannen um Sven Regener ganz schnell klar, dass es sich hierbei um eine Tour zum Album Immer da wo Du bist bin ich nie handelt: Die ersten drei Songs des Konzerts entsprachen eins zu eins der Reihenfolge der Songs eins bis drei auf dem aktuellen Album. Etwas, worauf das Publikum offenbar eingestellt war, denn bei den spröden bis schönen Songs war der Jubel bereits groß. Das aktuelle Album – von dem im Set zehn der elf Songs gespielt wurden – war aber nur der eine Pol. Dabei hatte das aktuelle Werk im Hauptteil wie auch in der Zugabe vor allem einrahmenden Charakter für eine nostalgische Reise in Zeiten von Weißes Papier (1993), Damals hinterm Mond (1991) und Try To Be Mensch (1987), dessen Stücke gerade bei alteingesessenen Fans euphorische Reaktionen hervorriefen. Stücke wie Immer unter Strom und Damals hinterm Mond waren Selbstläufer. Nach mittig eingestreuten Stücken vom aktuellen Werk beendeten weitere drei Stücke dann auch den Hauptteil, wobei gerade der Titelsong Immer da wo Du bist bin ich nie als Ausklang noch einmal stark mitriss.

Dass der Hauptteil nach einer guten Stunde schon vorbei war, wirkte verwunderlich – dies löste sich dann in der Zugabe auf, denn die teilte sich gleich in vier Zugabenblöcke auf. Mit Einer kommt weiter leitete noch einmal das aktuelle Werk die Zugabe ein, bevor mit Delmenhorst als einzigem Stück von Mittelpunkt der Welt erneut Begeisterung ausbrach – forciert wohl auch durch die großen Erfolge der Lehmann-Trilogie. Die Fans der alten Stunde kamen in der Zugabe dann ebenfalls noch einmal auf ihre Kosten: Weißes Papier und Draußen hinterm Fenster konnten genau so erfreuen wie Vier Stunden vor Elbe 1 von Damals hinterm Mond. Zur Umrahmung des Zugabenblockes diente als Rausschmeißer dann noch Der weiße Hai, womit wieder der Bogen ins Hier und Jetzt gespannt war. Eingeleitet mit den Worten, dass das Publikum Glück hätte, dass man noch dieses eine Stück dabei habe, weil normalerweise an dieser Stelle aus Mangel an Songs die aktuelle Single wiederholt werden müsse.

Durch die acht Songs im Zugabenblock wurde es dann doch noch ein Konzert von ordentlicher Länge, das für fast durchweg positive Reaktionen sorgte und in Kombination mit dem sehr gut gewählten Support-Act für einen gelungenen Konzertabend sorgte. Einzig unangenehm aufstoßend ist der Hallenfüllstand. Ein ausverkauftes Haus Auensee ist an sich schon unangenehm – dazu kamen hier noch die angesprochenen Leute, die jedes ruhigere Lied mit Geräuschkulisse stören mussten und beim Weg zur Bühne auch sämtliche Rücksichtnahme auf andere Konzertbesucher offenbar im Auto oder an der Garderobe gelassen haben. Da es wohl kaum möglich ist, diesen Leuten den Konzertbesuch zu verwehren, wäre eine Verlegung in die Arena durchaus sinnvoll gewesen, die man ja schließlich auch halbieren kann. So wäre genug Luft gewesen und der Konzertgenuss hätte sich vermutlich noch vergrößert. Daran, dass es ein starker Konzertabend war, kann diese Feststellung aber recht wenig ändern.

Setlist: Kopf aus dem Fenster, Am Ende denk ich immer nur an dich, Deborah Müller, Du hast die Wahl, Immer unter Strom, Schwere See, In mondlosen Nächten, Damals hinterm Mond, Bitte bleib bei mir, You Shouldn’t Be Lonely Sister, Don’t You Smile, Death Kills, Über dir der Mond, Kaffee und Karin, Euro und Markstück, Immer da wo du bist bin ich nie
Zugabe 1: Einer kommt weiter, Delmenhorst
Zugabe 2: Weißes Papier, Draußen hinterm Fenster
Zugabe 3: Vier Stunden vor Elbe 1
Zugabe 4: Der weiße Hai

Weitere Artikel
News: Florian Horwath: Neues Album, Tour und Gratis-MP3
Rezension: Florian Horwath – Sleepyhead
Rezension: Florian Horwath – Baby You Got Me Wrong (feat. Nina Persson)

Weblinks
Homepage Element of Crime: www.element-of-crime.de
MySpace Element of Crime: www.myspace.com/elementofcrime
Homepage Florian Horwath: www.florianhorwath.com
MySpace Florian Horwath: www.myspace.com/florianhorwath

Die im Bericht verwendeten sowie weitere Bilder in höherer Auflösung finden sich im MySpace-Blog von Alternativmusik.de direkt unter diesem Link (öffnet sich im neuen Tab/Fenster).

Text und Bilder: Marius Meyer