Konzertberichte Marius, 25.03.2006
Fehlfarben – 19.03.2006, Leipzig Schaubühne
2004 hätte es soweit sein können: Ein rundes Jubiläum, 25 Jahre Fehlfarben. Da der Fehlfarbenkosmos jedoch seit jeher seine eigene Logik hat, dauerte das mit dem Jubiläum dann noch etwas, so dass das Jubiläum anderthalb Jahre später unter dem Titel 26 1/2 mit vielen illustren Gästen erschien. Wie sich das gehört, gab es zum neuen Album natürlich auch eine Tour. Unter dem programmatischen Titel Geburtstag vergessen tourte man einmal quer durch Deutschland, allerdings ohne Gäste, sondern als reine Fehlfarbentournee. Ein Halt dabei war das Konzert in der Leipziger Schaubühne Lindenfels.
Als Vorprogramm betraten relativ pünktlich erst einmal Doc Schoko die Bühne. An der Gitarre: Die Fehlfarben-Gitarrenarmada Uwe Jahnke. Vor der Bühne blieb das ganze Vorprogramm über viel Platz, gut angenommen wurden Doc Schoko dennoch, wie der Applaus zeigte. Musikalisch zeigte die Gruppe sich anfangs sehr in der Nähe der Headliner, später wurde die Musik eigenständiger. Bodenständige deutschsprachige Rockmusik mit einem sehr verzweifelten Anstrich. Nachdem die sichtlich aufgeregte Formation ihr Set beendete, gab es zurecht wohlwollenden Applaus.
Es folgte eine Umbaupause, die sich ein wenig hinzog, bis sich zum Beginn des Fehlfarben-Auftritts dann auch die Reihen unmittelbar vor der Bühne füllten. Eröffnet wurde mit dem von den Monks gecoverten „We do“, bevor Peter Hein gegen 22:15 Uhr durch seine Ansage offiziell das Fehlfarbenprogramm eröffnet: „Das waren die Monks, jetzt kommen die Fehlfarben!“. Das Spektakel konnte beginnen. Es folgte eine Mischung aus alten Stücken, neuen Stücken und ganz neuen Stücken. Nachdem das jüngst veröffentlichte „Chirurgie 2010“ bereits gut angenommen wurde, gab es mit „Politdisko“ ein bisher gänzlich unveröffentlichtes Stück, das einen guten Vorgeschmack auf das in Planung befindliche neue Album gibt. Gewohnt im punkig angehauchten Fehlfarbenstil, klang es sehr zeitlos dabei und passte nahtlos ins Gesamtkonzept. Danach frenetischer Applaus: Mit „Gottseidank nicht in England“ gab es das erste Stück des Albumklassikers „Monarchie und Alltag“, zu dem Sänger Peter Hein anmerkte, dass die Hörer ja recht hätten: „Ja, es ist unser bestes Album!“ Diese Begeisterung merkte man häufig: Gerade die Stücke des besagten Albums wurden stets am meisten bejubelt. Dennoch: Auch die anderen Stücke kamen beim Publikum an, wie zum Beispiel die Stücke des letzten regulären Albums „Knietief im Dispo“ zeigten.
Eine weitere Überraschung bot dann das zweite bisher unveröffentlichte Stück im Set: „Handbuch für Deutschland“ stärkt die Vorfreude auf ein weiteres neues Album einmal mehr.
Ein durchweg gelungenes Konzert, dessen reguläres Set mit „Paul ist tot“ einen würdigen Abschluss erhielt, wobei spätestens jetzt auch der letzte im Saal in Bewegung war. Zweimal kamen sie dann noch wieder, wobei in den Zugaben vor allem „Club der schönen Mütter“ glänzte.
Abgerundet wurde der Auftritt durch Videoprojektionen auf einer Leinwand hinter der Band, die den Stücken entsprechende Projektionen bot – z.B. Schlagzeilen wie „Töten, um zu schützen“ beim „Handbuch für Deutschland“ und der entsprechende Videoclip mit Charlotte Roche zum „Club der schönen Mütter“.
Schade nur, dass das Konzert nur mäßig besucht war. Zum einen sind die Fehlfarben ja nicht irgendwer, zum anderen war es der letzte Tag der Leipziger Buchmesse, die das Konzert sogar mit im Programm aufführte…
Denen, die da waren, kann dies alles egal sein. Sie sahen ein gelungenes Konzert und der Stimmung der Band tat es auch keinen sichtbaren Abbruch.
Homepage: http://www.fehlfarben.com

Text: Marius Meyer
26 Mar 2006, 5:53 pm 1.Geri…
Danke, schöner Bericht.
Hier kann man übrigens das Video sehen: http://www.youtube.com/watch?v=yLoWBCZyF5k