Konzertberichte Marius, 03.03.2010
Jochen Distelmeyer – 26.02.2010, Oldenburg Kulturetage
Der Tour-Abschluss Jochen Distelmeyers, der ihn nach einer mehrtägigen Pause in die Oldenburger Kulturetage führte, fand dort in der Reihe „Voices“ statt. Wie der Name schon sagt, geht es bei dieser Konzertreihe des lokalen Veranstalters um Stimmen – genauer gesagt ist das Ziel hier, Künstler einzuladen, deren Stimme ihr herausragendes Instrument und Markenzeichen ist. Dass Jochen Distelmeyer hier bestens aufgehoben ist, zeigt schon ein flüchtiger Blick auf das inzwischen große Œuvre Distelmeyers, das von den verschiedenen Epochen und Inkarnationen Blumfelds nahtlos in das aktuelle Solo-Werk übergeht.
Warum im Endeffekt bloß 250 Besucher den Weg in die Kulturetage fanden, darüber kann nur spekuliert werden – mag es das bloß zweieinhalb Monate zuvor stattgefundene Bremer Konzert sein? Oder ist es doch das nicht mehr im Veranstaltungsnamen vorhandene Markenzeichen Blumfeld? Letztere zogen schließlich einst weit mehr Besucher an denselben Veranstaltungsort. Doch die teils lichten Stellen im Zuschauerraum konnten dabei sowieso keineswegs verhindern, dass beim gut gemischten Publikum wie auch der eingespielten und inzwischen bewährten Band Jochen Distelmeyers (mit Lars Precht war hier auch wieder ein Teil der letzten Blumfeld-Besetzung dabei) beste Stimmung herrschte.
Überhaupt ist der Unterschied zwischen den späten Blumfeld live und Jochen Distelmeyer live eher marginaler Natur. Das zeigt auch die Setlist, die neben Songs aus dem Solo-Werk Heavy Songs der gesamten Blumfeld-Zeit beinhaltete, angefangen bei Viel zu früh und immer wieder – Liebeslieder von Ich-Maschine. Dies allerdings fand sich erst später im Set. Eröffnet wurde zunächst mit dem, was vor der Halle gerade am Wegtauen war: Schnee, gefolgt von einigen Stücken aus Heavy, die zunächst die rock-betontere Seite Distelmeyers in den Vordergrund stellten. Mit Songs wie Wohin mit dem Hass? und Er wurde schnell zum Mittanzen animiert.

Die ruhige Seite – spätestens seit Old Nobody nicht mehr wegzudenken – sollte aber wie immer ebenfalls nicht zu kurz kommen. Songs wie Bleiben oder gehen und Weil es Liebe ist stehen hier gut Pate. Auch einige ältere Stücke begegneten in ihren Live-Versionen hier gut angepasst wieder, Ich – Wie es wirklich war aus L’Etat et Moi-Zeiten zum Beispiel verlor nichts von Botschaft und Wirkung. Das Wechselspiel von verzerrter Gitarre zum kitschnahen Arrangement gelang Distelmeyer und seiner Band auch an diesem Abend sehr gut und zeigte dabei im selben Moment auch, wie kohärent das Gesamtwerk des Jochen Distelmeyers bei genauer Betrachtung eigentlich ist.
Die gute Laune des Abends zeigte sich auch in den Ansagen zwischen den Songs. Großer Applaus, als ein Ruf nach Verstärker mit den Worten „Falls du nur deswegen gekommen bist, muss ich dich leider enttäuschen“ quittiert wurde. Oder auch das Beenden des Schweigens zwischen zwei Songs durch „Keine Angst, das wird heute gut ausgehen“. Und auch die Bemerkung darüber, dass es Trouble in der aktuellen Regierungskoalition gäbe, die weiterführte zur Ankündigung von Eintragung ins Nichts, wurde sehr begrüßend zur Kenntnis genommen. Spätestens, wenn Jochen Distelmeyer und sein Gitarrist gleichzeitig Gitarre stimmten und Distelmeyer auf sein Stimmgerät tritt und „Erster“ rief, musste man erkennen: Hier hat einer Spaß!

Bei all der Stimmung also auch kein Wunder, dass hier mehrere Zugaben ran mussten. Mit Dancing Barefoot war erneut das gelungene Patti Smith-Cover im Programm, nach Murmel als Ende der zweiten Zugabe sollte das Konzert eigentlich vorbei sein. Und doch ließ Distelmeyer sich noch einmal bitten. Als Saallicht und Musik schon eingeschaltet waren und ein Teil der Besucher bereits im Auto saß oder auf den Bus wartete, kam er mit seiner Akustik-Gitarre noch einmal wieder und spielte Hallelujah von Leonard Cohen. Das war so wohl wirklich nicht vorgesehen und sorgte abschließend noch einmal für Begeisterung, bevor man zu Tourabschluss-Discount-Preisen noch am Merchandise zuschlagen konnte, wenn einem danach war. Ein rundum gelungener Konzertabend mit Jochen Distelmeyer und seiner Band!
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Homepage: www.jochendistelmeyer.de
MySpace: www.myspace.com/jochendistelmeyer



Text und Bilder: Marius Meyer