Kettcar haben sich in diesem Jahr sehr rar gemacht auf den Bühnen des Landes. Umso mehr freute es die gut 800 Leute im gut gefüllten Erfurter Stadtgarten, als die Band ihre Zuschauer wie gewohnt mit „Kettcar, Hamburg“ begrüßte. Der erste Auftritt der Norddeutschen in der Thüringer Landeshauptstadt entpuppte sich für Band und Publikum als ein rundum gelungener Abend. Eröffnet wurde selbiger vom Singer-Songwriter Tim Neuhaus, der genau wie Kettcar zum Grand Hotel van Cleef gehört. Mit seiner Band hielt er fast alle Besucher im Konzertsaal.

Spätestens 22:15 Uhr, als Kettcar unter großen Applaus die Bühne betraten, fanden dann auch die Leute, welche sich zum Rauchen oder frische Luft schnappen nach draußen verirrt hatten, den Weg in den Saal des Erfurter Stadtgartens. Mit Kein Außen mehr und Graceland begann der Auftritt mit zwei Liedern des letzten Albums Sylt. Wie immer konnte sich die Band über ein äußerst textsicheres Publikum freuen. Bei 48 Stunden nahm das Publikum Sänger Marcus Wiebusch erstmals ganze Textpassagen ab. Es sollte kein Einzelfall bleiben. Wiebusch kommentierte dies mit „Wenn ich ab und zu Textaussetzer habe, liegt das daran, dass ich überwältigt bin, dass so viele Leute mitsingen. Ich habe das Gefühl, jeder hier singt mit.“ Und das war nicht einfach so dahin gesagt. Ein Satz aus dem Standardrepertoire klingt anders.

Offenbar hatten die Hamburger nicht mit solch einem Zuspruch an einem Mittwochabend gerechnet. Immer wieder skandierte das Publikum zwischen den Songs „Kettcar, Kettcar!“. Dies war der Band fast schon peinlich. Marcus Wiebusch und Bassist Reimer Bustorff versuchten wieder und wieder die Menge zurückzuhalten. Nach 13 Songs wurde mit Am Tisch das letzte Lied angekündigt. Dazu griff Bustorff zur Trompete. Die kleinen Verspieler störten niemanden und waren eher sympathisch. Nach genau einer Stunde verließen die Bandmitglieder nach und nach die Bühne. Als das letzte Instrumente verstummte, wurde es nicht still, sondern viel lauter. Die Zugaberufe waren selbstverständlich.

Unter Jubelschreien meldeten sich Kettcar mit Deiche zurück. Darauf folgte das eher unbekannte Genauer betrachtet, das allererste Lied, das die Gruppe zusammen schrieb. Hiermit wurde der bevorstehende Ausstieg von Schlagzeuger Frank Tirado Rosales gewürdigt. Das Konzert im Erfurter Stadtgarten war eines der letzten für Kettcar in dieser Formation. Nach der dritten Zugabe Ausgetrunken verabschiedete sich die Band zum zweiten Mal. Kurze Zeit später waren es die Brüder Wiebusch, die für ein allerletztes Lied noch einmal auf die Bühne traten. Balu sorgte ein letztes Mal für Gänsehaut, lauten Mitgesang und eine wunderschöne Atmosphäre. Eben all das, was den ganzen Abend ausgemacht hat. Nach dem Konzert haben wahrscheinlich alle Zuschauer gehofft, dass dies nicht der erste und letzte Auftritt Kettcars in Erfurt war. Die Band hoffte das wohl auch.

Setlist: Kein Außen mehr, Graceland, 48 Stunden, Nullsummenspiel, Money left to burn, Jenseits der Bikinilinie, Balkon gegenüber, Landungsbrücken raus, Im Taxi weinen, Tränengas im High-End-Leben, Stockhausen Bill Gates und Ich, Ich danke der Academy, Am Tisch
Zugabe 1: Deiche, Genauer betrachtet, Ausgetrunken
Zugabe 2: Balu

Homepage: www.kettcar.net
MySpace: www.myspace.com/kettcar

Text und Bilder: Martin Zenge