Konzertberichte Marius, 08.12.2006
L’âme Immortelle – 05.12.2006, Leipzig Werk II
Bereits vor diesem Konzertabend war erkenntlich, dass der Bekanntheitsgrad von L’âme Immortelle in den letzten Monaten stark angestiegen ist: So erntete man auf den Hinweis, welches Konzert man am Abend besuchen wird, durchaus mal ein “die liefen letztens auf Viva” anstelle des aus der Vergangenheit bekannten Kommentars, dass das jeweilige Gegenüber diese Band gar nicht kenne. Es war also zu erwarten, dass der Veranstaltungsort voll würde, was sich jedoch als unverständlicher Trugschluss herausstellte, denn das Werk II war nur knapp zur Hälfte gefüllt. Diejenigen, die den Weg auf sich genommen haben, sollten dafür aber auch reichlich belohnt werden, denn es gab ein sehr gelungenes Konzert der Gruppe um Thomas Rainer und Sonja Kraushofer, die an diesem Abend zu sechst auf der Bühne stand, zu sehen. Bevor es allerdings soweit war, standen zwei Vorgruppen auf dem Programm.
Zwar sollte das Konzert laut der Ankündigung um 20:00 Uhr beginnen, allerdings war die erste (einst von Thomas Rainer entdeckte) Vorgruppe Punto Omega bereits ziemlich genau um 20:00 Uhr mit ihrem Set fertig, da der Beginn nach vorne verlegt wurde, was zur Folge hatte, dass sie vor noch sehr lichten Reihen ihren spanischsprachigen Dark Electro präsentierten. Was folgte, war eine Umbaupause, damit der zweite Anheizer des Abends die Bühne betreten konnte.
Gegen 20:20 Uhr betraten XPQ-21 die Bühne, um vor einem inzwischen schon etwas zahlreicher vertretenen Publikum ihre Musik zu präsentieren. Etwa 40 Minuten lang spielten XPQ-21 als Trio ihren treibenden, düsteren Elektro mit punkigem Einschlag und wussten einen Großteil des Publikums damit zu begeistern. Schade war, dass der Gitarrist bei diesem Auftritt nicht dabei war, so dass die Gitarre bei diesem Auftritt vom Band kommen musste. Die Show lebte vor allem von Jeyennes Bühnenshow, der dabei auch mal einen Ausflug ins Publikum wagte. Insgesamt ein solider Auftritt, bei dem vor allem die Präsentation des neuen Werks Alive im Vordergrund stehen sollte.
Nach einer weiteren Umbauphase war es soweit: Um 21:20 Uhr enterten L’âme Immortelle die Bühne und eröffneten mit einem Intro, in das eine kurze Variante von Life will never be the same again eingebunden war, was das Publikum zunächst etwas verunsicherte, da man sich nicht sicher war, ob es noch weiter ginge, weshalb der Applaus zunächst etwas auf sich warten ließ. Der Rest der Band folgte nun auf die Bühne und eröffnete das Konzert mit Stumme Schreie vom Album Gezeiten, das vom Publikum bereits sehr gut aufgenommen wurde.
Die erste Hälfte des Sets stand ansonsten zu weiten Strecken im Zeichen des aktuellen Albums Auf deinen Schwingen, dabei auch die Singles Phönix und Nur du. Es zeigte sich, dass das inzwischen etwas rock-orientiertere Klangbild der österreichischen Formation durchaus gut steht, wie sich auch in den im zweiten Teil des Sets an den älteren Stücken zeigte, die auch mit (mal vordergründigerer und mal hintergründigerer) Gitarre ihre Wirkung nicht verfehlten und das Publikum begeisterten. Dazu kamen die altbekannten, die Musik vorantreibenden elektronischen Elemente und die schöne, eingängige Stimme Sonja Kraushofers im konstrastierenden Wechsel mit den härteren, von Thomas Rainer vorgetragenen Parts, so dass bei der anwesenden Fangemeinde kaum Wünsche offen blieben.
Für unerwartete Unterhaltung sorgte zwischendurch eine technische Panne: Gerade als die Gruppe mit Figure in the Mirror begann, setzten einige Gerätschaften auf der Bühne aus, so dass erst einmal der Fehler gefunden werden musste. Wie sich bald herausstellte, ist eine Dreiersteckdose hochgegangen. Das Publikum ließ sich dadurch nicht aus der Ruhe bringen, wie Zwischenrufe vom Kaliber „macht nichts, kann passieren“ signalisierten.
Die Überbrückung der für die Behebung der Panne benötigten Zeit wirkte gleichermaßen professionell wie auch sympathisch: Thomas Rainer nutzte die Zeit, um von der bisherigen Tour zu erzählen und Empfehlungen über die besten Plätze auf dem Leipziger Weihnachtsmarkt loszuwerden, anschließend intonierte der Keyboarder zusammen mit dem Schlagzeuger Johann Sebastian Bach, was in der Bachstadt Leipzig freundlich angenommen wurde. (Vielleicht eine Empfehlung für die Planung des nächstjährigen Bachfestes?)
Nach Behebung des Problems ging es weiter mit altbekannten Stücken wie Epitaph, bis mit (dem diesmal ausgespielten) Life will never be the same again das Konzert beendet wurde. Vorerst. Denn: Der Wunsch nach einer Zugabe wurde schnell erhört und L’ame Immortelle kamen noch einmal wieder und spielten einen eher ruhigeren Zugabenblock, in dem sich gut der theatralische Charakter der Bühnenshow zeigte, die zwar professionell wirkte, dennoch aber nicht verbarg, dass die Gruppe auch nach all den Jahren noch mit Herz bei der Sache ist. Nach einigen ruhigen Stücken wurde dieser Zugabenblock mit Fünf Jahre noch einmal rockender Weise beendet.
Ein letztes Mal ließ die Band sich dann doch noch bitten. Vor der letzten Zugabe stellte Thomas Rainer die neben ihm und Sonja Kraushofer aus vier weiteren Mitgliedern bestehende Band vor, um anschließend mit dem obligatorischen Bitterkeit – vom vielen im Publikum mitgesungen – das Konzert zu beenden. Um 23:05 Uhr durfte das Publikum sich glücklich heimwärts begeben. Oder aber die Gelegenheit nutzen, die direkt an die Show angeschlossene Autogrammstunde am Merchandise-Stand wahrzunehmen…

Homepages der beteiligten Künster:
L’âme Immortelle: www.lameimmortelle.com
XPQ-21: www.xpq-21.net
Punto Omega: www.punto-omega.net
Text und Bilder: Marius Meyer