Konzertberichte Marius, 14.08.2010
M’era Luna 2010 | 07. – 08.08.2010, Hildesheim
Wie in jedem Jahr hieß es auch in diesem Jahr für viele tausend Freunde der dunkel gefärbten Klänge: Auf nach Hildesheim! Dass das M’era Luna-Festival auch in diesem Jahr wieder ein attraktives Programm anbot, zeigt schon die Tatsache, dass mit 24000 Besuchern ein neuer Rekord aufgestellt wurde. Bei weitestgehend bestem Festival-Wetter gab es insgesamt 40 Bands zu sehen. Nachdem der Freitagabend zum ausgiebigen Freunde und Bekannte treffen, gemeinsam am Zelt oder in der Disco feiern und schon einmal aufs Festival Einstimmen genutzt werden konnte, ging es dann am Samstag auch gleich zu früher Stunde los.
Tag 1
Wer sich bereits zu früher Stunde um 11 Uhr vor die Hauptbühne geschleppt hatte, sollte belohnt werden. Unzucht eröffneten das Festival und traten den lebendigen Beweis an, dass auch im Gothic Rock noch viel Platz für frische Ideen ist. Druckvoller Gothic Rock mit deutschsprachigen Texten sorgte dafür, dass sich die Menschenmenge vor der Bühne in ihren 20 Minuten Spielzeit beständig vergrößerte. Gesunde Härte traf auf Eingängigkeit und wusste, den Schlaf aus den Augen zu treiben. Ein guter Start ins Festival!
Setlist: Allein, Meine Liebe, Schwarzes Blut, Todsünde 8, Engel der Vernichtung

Es folgten Lord Of The Lost, die in großer Mannschaftsstärke antraten und mit gleich sieben Musikern auf der Bühne standen. Musikalisch ging es weiterhin in Richtung Gothic Rock, allerdings mit einem metallischeren Anstrich dabei. Trotz der großen Zahl an Musikern auf der Bühne ging die Struktur dabei nicht verloren und die Band agierte zielstrebig nach vorne. Dabei wurden auch zwei bisher unveröffentlichte Songs präsentiert und nebenher gezeigt, dass Lady Gaga auch im Gothic-Gewand funktionieren kann.
Setlist: We Are The Lost (bisher unveröffentlicht), Break Your Heart, Bad Romance (Lady Gaga-Cover), Last Words, Sex On Legs (bisher unveröffentlicht), Prologue, Dry The Rain
Der erste Gang in den Hangar stand an: Leandra spielten auf. An sich ein wirklich hochkarätiges Projekt, das aber leider den schmerzlichen Beweis antrat, dass manche Arten von Musik bestimmte Stimmungen benötigen, um zu funktionieren. Die ruhigen, sphärischen Klänge Leandras und ihre dazu passende, eingängige Stimme, sind zwar musikalisch einwandfrei, aber zur Mittagszeit in einem Flugzeug-Hangar wollte sich die richtige Stimmung nicht so recht verbreiten. Eigentlich schade, an der Qualität mangelte es schließlich nicht.
Ganz anders Rabenschrey auf der Hauptbühne. Das Mittelalter steht ja seit jeher hoch im Kurs. Rabenschrey wussten, sich dies zu Eigen zu machen und boten ein überzeugendes Programm zwischen Rockmusik der härteren Gangart und mittelalterlichem Instrumentarium. Das ist natürlich keine wirklich neue Idee, aber konnte in der Umsetzung durch und durch zünden. Nicht weiter verwunderlich also, dass sich eine ansehnliche Menschenschar vor der Bühne einfand, um gemeinsam in der Mittagssonne zu feiern. Neun Songs um die mittelalterliche Thematik bot die Band dar und konnte sich eines dankbaren Publikums gewiss sein.
Setlist: Leb deinen Traum, Dreckstück, Tanze Dir, Walhalla, Brennen, Der Raben Schrey, Das Templerschaf, Heiden tanzen, Hey wir sind Heiden
Anstelle von Qntal sollte die junge Mittelalter-Band Ignis Fatuu einspringen, die hier schon in einer CD-Kritik nicht gerade positiv bewertet wurde. Somit war es schwer, unvoreingenommen heranzugehen. Umso schwerer wurde es noch dadurch, dass die Band für Qntal einspringen sollte und somit Erwartungen zu erfüllen hatte, die nicht erfüllbar waren. So kam dann die Band, die aussah wie eine Mischung aus Rollenspiel-Runde und Schüler-Band auf die Bühne und zeigte durchaus solide Bühnenpräsenz. Auch zeigte sie, dass sie ihre Instrumente beherrschte und hätte durchaus für Stimmung sorgen können, was allerdings daran scheiterte, dass die Band scheinbar Mittelalter und Mittelerde verwechselt hat. Zumindest kam das in den Texten so rüber. Die Aufforderungen zum Mitklatschen wurden vom Publikum eher halbherzig erfüllt und nicht wenige verließen während des Konzertes die Halle. Das war dann auch wohl die beste Entscheidung. Kein wirklich schlechter Auftritt, aber die Band ernst zu nehmen, fiel sehr schwer.
Setlist: Intro, Nordwind, Auf der Flucht, Spielmann, Illusion, Drachenreiter, Hochmut, Frühlingsreigen, Wächter der Nacht
Nachdem Illuminate einen für viele überraschenden recht rockigen Auftritt darboten, fand zu Faith and the Muse ein ziemlicher Publikumsaustausch im Hangar statt. Da gerade bei Faith and the Muse der künstlerische Anspruch sehr hoch ist, war man gespannt: Funktioniert das im Hangar? Befürchtungen, dass es ähnlich wie bei Leandra ablaufen könnte, waren aber nicht angebracht. Auch die ruhigen Passagen des rituell angehauchten Gothic Rocks der amerikanischen Formation konnten im Hangar ihre Wirkung entfalten. Zwar war im Hangar noch viel Luft, aber diejenigen, die dort waren, zeigten sich überwiegend begeistert vom Auftritt der Band. Und das war auch völlig berechtigt!
Setlist: Harai, Bushido, Battle Hymn, Cantus, Blessed, Scars Flown Proud, The Trauma Coil

Was jedes Jahr wieder verwundert und auch in diesem Jahr auffiel: Es ist erstaunlich, wie viel Prominenz in Hildesheim schon zu verhältnismäßig früher Stunde auf den Bühnen steht. Beispielsweise Brendan Perry, weltberühmt durch Dead Can Dance, der mit 15 Minuten Verspätung bereits um 16:45 Uhr die Bühne betrat. Man hätte den Hangar – obgleich gut gefüllt – voller erwartet. Mit leichten weltmusikalischen Einflüssen, teilweise rituellem Unterton und vor allem sehr viel Atmosphäre verzauberte er eine 40 Minuten lang den Hangar. Seine einzigartige Stimme tat dabei das Übrige. Ein Auftritt, an den man sich gerne zurückerinnert.
Nun aber wieder an die frische Luft! Nicht ohne Grund natürlich, denn dieser hat einen großen Namen: Laibach. Laibach bewiesen an diesem Abend, dass sie seit je her das machen, was ihnen gerade gefällt und sich dabei nicht an Erwartungshaltungen orientieren. Eine eigenwillige Performance mit viel slowenischem Gesang, auch durch die Keyboarderin mit Megafon vorgenommen und so einigen Songs aus Volk zeigten vor allem eines: Hier will jemand als Künstler gesehen werden und nicht als Dienstleister. Eine starke Performance, die aber viele im Publikum ratlos zurückließ. Das abschließende Tanz mit Laibach aber war dann doch eine Bitte, der das Publikum sehr gerne nachkam.
Setlist: Wohl ist die Welt so groß und weit (Playback), Smrt za smrt, Brat Moj, Ti ki izzivaš, Država, America, Anglia, Francia, Türkiye, Tanz mit Laibach
Nach der einen Legende sollte nun auch gleich die nächste kommen: Nitzer Ebb standen auf dem Programm. Und auch 28 Jahre nach der Gründung haben sie offenbar nichts von ihrer Frische verloren. Eine Stunde lang gab es eine energiegeladene EBM-Performance, die auch nicht mit Hits geizte. Gerade gegen Ende wusste man die zahlreich vertretene EBM-Gemeinde mit Songs wie Let Your Body Learn auf den Tanzbeinen zu halten, bevor man sich zum krönenden Abschluss mit Getting Closer vom Publikum verabschiedete. Die Elektro-Fraktion der alten Schule hatte somit sicherlich ihr erstes Festival-Highlight erlebt.
Setlist: Intro, Warsaw Ghetto, Down on your Knees, Shame, Hearts and Minds, Once you say, Lightning Man, Hit you Back, Godhead, I´m Undone, Payroll, Let your Body Learn, Murderous, Control I´m here, Getting closer
Kaum eine Band hatte an diesem Wochenende wohl eine so polarisierende Wirkung wie Unheilig, die um 21:00 Uhr als Co-Headliner des Samstags die Hauptbühne betreten sollten. Während die einen ein völlig genre-fremdes Publikum fürchteten, lag für andere hier der Anreisegrund. Dabei bot die Band um den Grafen vor allem eines: Eine hochprofessionelle Show. Ob man die Band mag oder nicht (der Begriff „Schlager“ war an diesem Abend nicht selten zu hören): Es war wirklich beeindruckend anzusehen. Viele Kerzen, ein halbes Schiff und ein Graf, der ständig in Bewegung war, hielten das Publikum 75 Minuten lang bei bester Laune. Im Mittelpunkt stand dabei das aktuelle Album Große Freiheit, aber auch frühere Songs wurden dem Publikum nicht vorenthalten. Um den Spannungsbogen aufrecht zu erhalten, wurde der Song, der den großen Durchbruch brachte, bis zum Schluss aufgehoben, bis nach Geboren um zu leben erneut der große Publikumsaustausch einsetzte.
Setlist: Intro, Seenot, Spiegelbild, Unter Deiner Flagge, Feuerengel, Abwärts, Halt mich, An Deiner Seite, Freiheit, Astronaut, Große Freiheit, Maschine, Für Immer, Geboren um zu Leben

Ein bisschen früher als Unheilig begannen Eluveitie im Hangar zu spielen und erstaunlicherweise war die Halle sowohl vor als auch während des Konzertes gut gefüllt. Ob dies nun daran lag, dass einige den Grafen nicht sehen wollten oder wirklich so viele Fans da waren, sei mal außen vor gelassen. Fakt ist aber, dass Eluveitie als Folk Metal-Band für manche vielleicht auf dem M‘era etwas deplaziert gewirkt haben mögen, aber dennoch für eine fantastische Stimmung gesorgt haben und sogar einen Circle Pit sowie eine Wall of Death bekamen.
Zum Abschluss des Tages spielte noch eine Band auf, deren Headliner-Position dem einen fragwürdig, dem anderen berechtigt erschien. The Sisters Of Mercy spielten auch 17 Jahre nach dem letzten Album auf dieser Position und hatten erneut viel Nebel im Gepäck. Für manch einen zu viel Nebel, für manch anderen hingegen so etwas wie ein Markenzeichen. Was da durch den Nebel drang: Ein gutes Best Of-Set, das die Band sehr spielfreudig präsentierte, so dass die Freude sich auch auf das Publikum übertrug. Songs wie First and Last and Always, Marian oder auch Lucretia My Reflection sind längst Klassiker und wurden auch als solche gefeiert. Ein Selbstläufer zum musikalischen Abschluss des Tages, bevor pünktlich um Mitternacht mit Temple Of Love der Schlusspunkt gesetzt wurde.
Setlist: Vision Thing, Crash and Burn, Ribbons, Train / Detonation Boulevard, First and Last and Always, No Time to Cry, Alice, Marian, We Are the Same Susanne, Arms, Dominion / Mother Russia, Summer, Logic, Flood II, Rain From Heaven, Lucretia My Reflection, Temple of Love
Tag 2
Wie schon am Vortag, lohnte sich auch am Sonntag wieder ein früher Gang auf das Festival-Gelände. Mit Expatriate hatte eine Band den Opener-Platz, die vielen Besuchern bereits von der Placebo-Tour 2009 bekannt war und auch hier wieder die Bühne mit Placebo teilen konnte. Rund 1000 Leute waren auch an diesem Morgen trotz einigen Regens bereits anwesend und schauten der Band bei ihrer Arbeit zu. Fünf Songs, von denen vier aus dem aktuellen Album In The Midst Of This stammten und ein neuer Song wussten zu rocken. Indie-Rock mit düsterem Einschlag und eine Songauswahl, die vor allem den Wert auf härtere Gitarren legte, boten Expatriate hier. Sicherlich eine für das M’era Luna untypische Band. Gepasst hat es aber, das zeigten die Reaktionen deutlich.
Zeit für Horrorpunk, hieß es danach. Zu früher Stunde enterten The Other die Bühne – und man sah: Die Band hat eine treue Fanbase, die auch bereits am gefühlten frühen Morgen den Platz vor der Bühne bevölkert. Hohes Tempo, verschrobene Songstrukturen und eine Menge Druck wurden in geballter Form auf das Publikum losgelassen, das sicherlich gerne mehr gehört hätte als bloß eine halbe Stunde. Die Band hatte auch gerne mehr gespielt und war selbst verdutzt, dass die zwei weiteren Songs auf der Setlist zeitlich nicht mehr unterzubekommen waren. Das sollte dringend bei nächster Gelegenheit nachgeholt werden. Da hofft man doch mal auf ein „aufgeschoben ist nicht aufgehoben“.
Setlist: New Blood, Back To The Cemetary, Der Tod steht dir gut, Lovers Lane, Beware of Ghouls, In the Dead of Night, The Lovesick Mind, Hier kommt die Dunkelheit
Die Horrorpunk-Fraktion konnte anschließend gleich vor der Bühne bleiben, denn Punish Yourself setzten dort fort, wo The Other aufgehört haben. Mit schrillen Farben wurde auch hier mächtig verschrobener Horrorpunk präsentiert, der angereichert wurde um dem Industrial Rock nahe Gitarren. Eine Kombination, die gut funktionierte und ebenfalls keine Verschnaufpause ließ. Zusätzlich mit einigen elektronischen Elementen versetzt, wurde hier ein abwechslungsreiches Programm geboten.
Setlist: …than a thousand suns (Intro), Shiva Only Is God, Suck My TV, Zmeya, Mothra Lady, See Ya Later Aligator, Las Vegas 2060′s, This is my body this is my gazoline
Die anschließenden Hanzel und Gretyl dürften wohl auf lange Zeit die goldene Abgefahrenheits-Medaille des M’era Luna Festivals innehaben. Was es da gab, war an Unterhaltungswert kaum zu toppen. Bereits als die Band mit Maßkrügen in der Hand auf die Bühne kam, die im Laufe des Auftritts immer mal wieder mit Dosenbier aufgefüllt wurden, war die gute Laune garantiert. Zwischen den Industrial Rock der Band mischte sich dann auch mal Oktoberfest-Stimmung, man kippte sich das Bier über den eigenen Leib und warf es ins Publikum. Eine absolut gelungene Parodie bot die Band, was auch optisch durch die Reichsadler-Montage mit der 87 untermauert wurde. Ganz nebenher war die Musik dann auch noch gut – ein perfekter Auftritt, dessen hoher Reiz durch einen ziemlichen Trash-Faktor bedingt wurde, bei dem die Zeit sehr kurzweilig war.
Setlist: Overture, Number 1 in Deutschland, Fikk Dich Mit Fire, Disko Fire Scheiss Messiah, Das Boot, Third Reich from the Sun, SS Death Star Supergalactik, Ich Bin Uber Alles, Sternkrieg, Fukken Uber Death Party

Mit Gitarren ging es weiter. Das aber dürfte auch die einzige Gemeinsamkeit gewesen sein, die Zeraphine mit dem vorherigen Act teilte. Sven Friedrich spielte zur Mittagszeit mit seiner Band ein gelungenes Gothic Rock-Set mit hoher Eingängigkeit, einem Gespür für Melodie und seiner unverkennbaren Stimme. Die Setlist orientierte sich dabei vor allem am aktuellen Album Whiteout, ergänzte mit Songs wie Die Wirklichkeit und Be My Rain auch Hits aus den vorangegangenen Alben. Aggression wie in Lieber allein und Melancholie wie in Be My Rain standen hier gut nebeneinander und sorgten für einen sehr gelungenen Auftritt.
Setlist: Intro, Lieber allein, Out Of Sight, No Tears, I Will Be There, Die Wirklichkeit, Rain Falls, The Stream, Be My Rain, Whiteout
Weiter ging es auf der Hauptbühne mit Mittelalter. Für die relativ „frühe“ Spielzeit war der Platz vor der Bühne gut gefüllt, als Saltatio Mortis ebendiese betraten. Ihr Auftritt ließ dann auch keine Wünsche offen. Energiegeladen wie immer wirbelte Alea über die Bühne, lieferte dabei einen stimmgewaltigen Auftritt ab und konnte mit Hilfe seiner ausgezeichneten Musikerkollegen ordentlich Stimmung im Publikum verbreiten. Aber nicht nur, dass das Publikum von Saltatio Mortis ordentlich angeheizt und immer wieder zum Mitsingen bis Mitspringen animiert wurde – Alea ließ es sich zu Falsche Freunde wieder nicht nehmen, ein Bad in der Menge zu nehmen. Spätestens zum Spielmannsfluch zeigte sich dann auch ganz deutlich: Publikumsnähe zahlt sich aus. Wer sich nicht ohnehin nur interessiert an den Rand der feiernden Masse gestellt hatte, sang aus vollem Halse mit – auch den Musikern war eine gewisse Rührung in diesem Moment anzusehen. So verwunderte es auch nicht, dass die Spielleute nach diesem Auftritt unter nicht abreißen wollenden Zugabe-Rufen aus den Zuschauerreihen die Bühne verließen.
Setlist: Rastlos, Tritt ein, Worte, Uns gehört die Welt, Koma, Wir säen den Wind, Prometheus, Falsche Freunde, Spielmannsschwur
Während Agonoize in der Zwischenzeit den Hangar komplett auslasteten, brachten sich auf der Hauptbühne The 69 Eyes in Position, um für das Kontrastprogramm zu sorgen. Nach 2000, 2001, 2002 und 2005 bereits der fünfte Auftritt der Finnen beim M’era Luna. Und nach fünf Jahren wurde es wohl auch mal wieder Zeit für sie. Spielfreudig präsentierten sie ihren Goth’n’Roll, der an Frische nichts eingebüßt hat. Mit im Gepäck hatten sie auch ihre gesammelten Hits. Gothic Girl beispielsweise wurde bereits an dritter Stelle präsentiert, es folgten Songs wie Wasting The Dawn oder auch Brandon Lee, die Band wie Publikum in der inzwischen tiefer stehenden Sonne viel Spaß bereiteten. Immer eine sichere Sache, so eine The 69 Eyes-Show.
Setlist: Framed In Blood, Never Say Die, Gothic Girl, Suspiria Snow White, Wasting The Dawn, Feel Berlin, Kiss Me Undead, The Chair, Dead Girls Are Easy, Brandon Lee, Lost Boys
Ein erneuter Blick in den Hangar: Eine Flak auf der Bühne, eine martialische Videodarbietung, viel Getrommel und Sprachsamples. So wie man es erwartet, betraten Feindflug die Bühne und brachten die an sich schon hohen Temperaturen im Hangar zum Kochen. Keine Ansagen, dafür ein Kracher nach dem anderen, wie Roter Schnee, Truppenschau und natürlich Stukas im Visier, bei welchem die Flak zum Einsatz kam, sorgten dafür, dass man nur deswegen still auf der Stelle stand, weil es einfach rappelvoll war. Körperkontakt war so beim Mittanzen unumgänglich und nach dem Konzert verließ man müde, aber glücklich den Hangar.
Setlist: neu01 (neuer Titel vom nächsten Album, noch kein Name), Gulag, Truppenschau, Roter Schnee, AK47, Ersatzteil, Neue Sieger, Selbstsucht, Stukas
Mit den Editors sollte nun auf der Main Stage ein Act kommen, der sich zwar im LineUp eines Gothic-Festivals komisch liest, aufgrund der auch hier vorhandenen großen Hörerschaft aber sehr passend erscheint. Der seit dem letzten Album verstärkt hinzugekommene elektronische Anteil in den Songs fügte sich gut ins Gesamtbild ein und die britische Band bot einen exzellenten Auftritt, bei dem sie sich ganz in sich versunken präsentierte. Im selben Moment waren sie sichtlich begeistert von den Reaktionen des Publikums, das gerade bei Hits wie Munich zu Recht mitging. Hier stimmte alles. Bühnenpräsenz, Songauswahl, Gefühl – von allen Seiten richtig angegangen und mit Papillon einen furiosen Schlusspunkt gesetzt. Definitiv ein Highlight des Wochenendes!
Setlist: In This Light And On This Evening, An End Has A Start, Bones, Bullets, Eat Raw Meat = Blood Drool, Blood, Munich, The Racing Rats, Smokers Outside The Hospital Door, No Sound But The Wind, Bricks And Mortar, Papillon

Direkt darauf gab es vor dem Hangar teilweise lange Gesichter zu sehen. Nicht wegen des Auftritts von Skinny Puppy, sondern weil der Hangar hier unter Fülle litt. Waren Auftritte der kanadischen Formation vor einigen Jahren noch eine Seltenheit, war man nun bloß zwei Wochen nach dem Amphi-Festival erneut auf der Bühne. An der Anziehungskraft der Band ändert dies nicht. So konnte sich das Elektro-Urgestein auch in Hildesheim einer vollen Kulisse erfreuen und eine gute Show bieten. Mit Video-Projektionen wurde hier aus dem Vollen geschöpft und die alten Klassiker funktionierten nach wie vor einwandfrei. Mit Assimilate und Worlock fand ein gutes Set dann seinen Schlusspunkt.
Setlist: Love In Vein, Hatekill, Dogshit, Deadlines, Politikil, Pedafly, Rodent, Morpheus Laughing, Ugli, Assimilate, Worlock
In Extremo betraten auf der Mainstage dann das Feld als Co-Headliner. Die zweite Mittelalterband des Tages konnte ihr Publikum mühelos dort abholen, wo Saltatio Mortis es früher am Tag abgesetzt hatte und legte noch ordentlich nach. Ebenfalls nicht zu kurz kam dabei die Vorliebe der Band für Pyrotechnik. Die gute Stimmung im Publikum dürfte allerdings weniger auf das eingesetzte Feuer, sondern eher auf die musikalische Darbietung zurückzuführen sein. Zwischen alten Hits wie Erdbeermund und Vollmond fehlte natürlich auch nicht der Bundesvision Song Contest-Erfolg Liam. Aber auch aktuellere Stücke vom letzten Studioalbum wurden gespielt. Publikumsansprache und Bühnendarbietung vermischten sich schnell zu einem Cocktail, den das Publikum bereitwillig aufnahm. Das durchgängig recht flotte Tempo des Auftritts trug sein Übriges zur perfekten Feierstimmung bei. Zum Fast-Abschluss des M’Era Luna 2010 gaben In Extremo noch einmal richtig Gas und stimmten das Publikum ordentlich auf das Finale ein.
Setlist: Erdbeermund, Poc Vecem, Liam, Frei zu sein, Vollmond, Merseburger 2, Sängerkrieg, Flaschenpost, In diesem Licht, Rasend Herz, Küss mich, Auf’s Leben
Als Headliner der immer noch sehr stark gefüllten Hangar-Bühne spielten dann CombiChrist ihr inzwischen drittes M’era Luna-Festival nach 2005 und 2008. Nur dass man in diesem Jahr in die Headliner-Position gerutscht ist, die dann auch würdig vertreten wurde. Eine CombiChrist-Show, wie sie zu erwarten war – laut, hart und explizit. Mit einer Werkschau durch die bisherigen Veröffentlichungen begeisterte Andy LaPlegua hier die Massen und bot eine Stunde lang beste Unterhaltung für die CombiChrist-Fans.
Setlist: All Pain Is Gone, Rain Of Blood, Scarred, Electrohead, Without Emotions, Deathbed, Get Your Body Beat, Blut Royale, Fuck That Shit, Never Surrender, What The Fuck Is Wrong With You
Um 20:45 Uhr sollte dann der letzte Act des Festivals die Bühne betreten, der für viele der eigentliche Anreisegrund war. Placebo spielten auf und traten dabei deutlich den Beweis an, dass sie diese Position mehr als verdient haben. Mit einem sehr hitlastigen Set, eröffnet durch Nancy Boy vom ersten Album, konnten sie durch die Bank begeistern. Immer wieder eingeschoben wurden dabei auch Songs vom aktuellen Album Battle For The Sun, die sich gut ins Gesamtbild fügten. Da durfte man sich nicht wundern, dass mit dem Song To Say Goodbye noch nicht das Ende erreicht war, sondern man noch einmal für drei Stücke wieder kam, bevor Taste In Men dann nicht nur den Auftritt, sondern das Festival beendet wurde. Placebo haben bewiesen, dass sie mit ihrem ganz eigenen Sound genre-übergreifend begeistern können und auch beim M’era Luna-Festival damit für beste Stimmung sorgen konnten. Ein sehr würdiger Headliner und Abschluss!
Setlist: Nancy Boy, Ashtray Heart, Battle For The Sun, Soulmates, Every You Every Me, Breathe Underwater, The Never-Ending Why, Scared Of Girls, Kitty Litter, All Apologies (Nirvana-Cover), Meds, Song To Say Goodbye, The Bitter End, Trigger Happy Hands, Infra-red, Taste In Men

Und dann war es auch schon wieder vorbei, das inzwischen elfte M’era Luna. Mal wieder zu kurz, mal wieder durch die Bank ein großer Spaß! Die Augenränder am Folgetag haben sich mal wieder gelohnt, sodass am Ende die gleichen zwei Worte stehen, die auch schon in den Vorjahren Gültigkeit hatten: „Gerne wieder!“
Weitere Artikel
Interview mit Sven Friedrich von Zeraphine (M’era Luna, 07.08.2010)
Interview mit Chris und Ed von den Editors (M’era Luna, 08.08.2010)
Interview mit Damian und Dave von Expatriate (M’era Luna, 08.08.2010)

Text: Marius Meyer (ausgenommen Ignis Fatuu, Eluveitie, Feindflug: Tristan Osterfeld, sowie Saltatio Mortis & In Extremo: Lisa Kleinberger)
Bilder: FKP Scorpio