Abhandlungen über den Sommer 2011 hat man zwar schon im alltäglichen Leben genug, sodass der Gesprächsstoff selten ausgeht, dennoch aber ist dieser aber gerade für begeisterte Festival-Enthusiasten in diesem Jahr schwierig. So wurden die Zelte der auch in diesem Jahr wieder über 20.000 Besucher im strömenden Dauerregen aufgebaut und sich gemütlich unter Pavillons gedrängt, um sich gemeinsam auf das Festival einzustimmen. Erst zum Abend hin sollte es wieder trockener werden und konnte auch schon losgehen.

Besonderheit und Neuerung in diesem Jahr war, dass trotz des für Samstag ausgewiesenen Festival-Beginns bereits am Freitag Programm geboten war. Denn neben dem Freunde-und-Bekannte-Treffen und dem Mittelaltermarkt-Besuch gab es bereits Lesungen zu sehen: Christian von Aster, Christoph Hardebusch und Markus Heitz unterhielten bereits die Frühangereisten, bevor sie diese wieder zu den Zelten oder zum Mittelaltermarkt entließen, wo man beispielsweise spannende Feuer-Performances sehen konnte. Und auch der Disco-Hangar wurde natürlich bereits geöffnet. Irgendwann sollte der Abend dann aber ein Ende haben, schließlich ging es am Samstag bereits zeitig los.

Samstag

Während der ersten Geländeerkundungen konnte man sich bereits die Newcomer-Wettbewerbs-Gewinner von Winterspring anhören, die viel Potenzial mitbrachten sowie auch Ostfront, die allerdings zu stark an Rammstein erinnerten, ohne dabei deren Qualität zu erreichen, bevor dann bald mit Omnia auch der erste mit Spannung erwartete Programmpunkt auf dem Programm stand. Sie zeigten eindrucksvoll, dass man mittelalterliche Einflüsse auch weitaus charmanter rüberbringen kann als mit einer Ertränkung des Sounds in einem Dudelsack-Guss. Beschwörerische Klänge mit Didgeridoo-artigen Blasinstrumenten, Akustik-Gitarre, männlichem und weiblichem Gesang, dazu auch klare, berührende Songpassagen. Schöner Pagan Folk mit Grenzauslotung zu früher Stunde. So macht das Wachwerden Spaß!
Setlist: Alive!, I don’t speak human (vom neuen Album), Toys in the Attic, Auta Luonto, Slidgeridoo-Solo Daphyd, Wytches’ Brew, Saltatio, Dance until we die, Etrezomp-ni Kelted

Anschließend der direkte Marsch zur Hangar-Bühne, um ein Urgestein zu sehen: Blind Passenger ohne s stand dort auf der Agenda. Dies war vor allem eine Reise in die frühen Zeiten der Blind Passengers mit anderen Mitteln. Viele, die damals dabei waren, konnten sich freuen, Songs wie Absurdistan oder auch Don’t Drag Me Down wieder live zu sehen, wenn auch mit etwas mehr Härte als auf den frühen Veröffentlichungen. Immer wollte der Funke dabei nicht überspringen, dennoch täuschte dies nicht darüber hinweg, dass hier eine gute und ambitionierte Performance zu sehen war. Inklusive beeindrucker Ölfass-Performance zum Schluss!
Setlist: Intro (adaptiert vom Song “Last Call For Planet Earth”), Sincity, Born To Die, Absurdistan, You, Electrocop, Don’t Drag Me Down, The Cross + Ölfässerperformance

Draußen auf der Hauptbühne waren indes bereits Qntal auf der Bühne. Nachdem sie letztes Jahr ausfielen und leicht unglücklich durch Ignis Fatuu ersetzt wurden, konnten sie ihren Auftritt in diesem Jahr nachholen. Wie auch zuvor schon Omnia an selber Stelle zeigten Qntal ebenfalls eingängige vom Mittelalter inspirierte Musik. Klassische Instrumente wie die Violine, dazu die Gitarre und vor allem der eingängige weibliche Gesang sorgte für so manch eine Gänsehaut. Bereits mit dem Palestinalied eröffnet, sorgten Songs wie Flamma für gute Stimmung, bevor das Set mit Ad Mortem beendet wurde. Ein guter Auftritt zum frühen Nachmittag!
Setlist: Palestinalied, Glacies, Entre Moi, Flamma, Ecce Gratuum, Veni, Ad Mortem

Ein Verbleib vor der Hauptbühne sollte sich lohnen, was auch viele Fans des Gothic Metals so sahen, denn mit Leaves Eyes gab es ein weiteres Mal Urgesteine zu sehen. Eine Tatsache, die sich generell durch das diesjährige Festival sieht. Liv Kristine und Alexander Krull fügten sich somit gut ins Gesamt-LineUp ein und vertraten ihre Position ehrenvoll. Gothic Metal der härteren Gangart, dazu Liv Kristines eingängiger Gesang, immer wieder kontrapunktiert mit Growls von Alexander Krull, als Überraschung eine spannende Cover-Version: Mike Oldfields To France gab es hier in einer gelungenen Variante gut interpretiert.
Setlist: Veritas, Velvet Heart, Take The Devil, My Destiny, Krakevisa, Melusine, To France, Froya’s Theme, Mot Fjerne Land (Outro)

Was folgte, war ein Genre-Sprung. Nach Gothic Metal folgte SynthiePop. Ebenfalls von einer Band, die seit Jahren gerne gesehen auf der Bühne des M’era Luna-Festivals ist und folglich auch regelmäßiger Gast ist. Mit mesh hat man immer eine sichere Sache, im positiven Sinne. Songs wie Leave You Nothing oder auch Friends Like These können immer wieder berühren und gleichermaßen zum Tanzen animieren. Besonderheit des diesjährigen mesh-Auftritts: Mit Vic Anselmo holte man sich für You’ll Never Understand und Who Says weibliche Unterstützung ins Boot, die nicht nur gut anzusehen, sondern vor allem auch gut anzuhören war. Ein kurzweiliger Auftritt!
Setlist: Hold It Together, Crash, Leave You Nothing, Only Better, Everything I Made, You’ll Never Understand (with Vic Anselmo), Who Says (with Vic Anselmo), Friends Like These (Extended Version)

Es folgte auch weiterhin auf beiden Bühnen ein höchst abwechslungsreiches Programm, das vor Genre-Brüchen keinerlei Halt machte. Während draußen Pagan Metal von Equilibrium gleich von Chris Pohls zweifelhafter Elektro-Legende Blutengel gefolgt wurde, gab es im Hangar wummernden Elektro. Zunächst von Nachtmahr, die erstaunlicherweise nach wie vor für einen vollen Hangar sorgen, gefolgt von einem weiteren Urgestein der Szene: Funker Vogt, die nach allen Regeln der Elektro-Kunst kurzweilige Unterhaltung boten und zeigten, warum sie es bis heute zu Recht auf die Festival-Billings schaffen.

Um 19:30 Uhr dann eine weitere Band, die immer wieder gern gesehen ist in Hildesheim: Die finnischen Cellisten plus Schlagzeuger von Apocalyptica, die in einer Stunde Spielzeit alle Register zogen und sich durch ihre inzwischen lange Laufbahn spielten. Natürlich, Metallica-Cover wie Master of Puppets ziehen noch immer, aber auch die Eigenkompositionen haben längst ihren festen Platz und begeistern. Ebenfalls mit festem Platz im Live-Aufgebot: Leningrad Cowboys-Sänger Tipe Johnson, der bei den Live-Shows sämtliche Gastsänger in einem ersetzt. Dass er das kann, beweist er bei Songs wie I’m Not Jesus und dem wirklich kraftvoll dargebotenen I Don’t Care eindeutig. Starker Auftritt der Finnen!
Setlist: 2010, Master of Puppets, Grace, I’m Not Jesus (with Tipe Johnson), Bring Them to Light (with Tipe Johnson), Nothing Else Matters, Last Hope, Seek & Destroy, Inquisition Symphony, I Don’t Care (with Tipe Johnson), Hall of the Mountain King

Es folgte der direkte Gang in den Hangar zu einer Band, die im LineUp zwar komisch wirkte, aber doch hier würdig platziert war, was schon allein ein Blick über die Besucher-Shirts im Laufe des Tages zeigte. Nie irgendwie eine dunkle Band gewesen, zogen Atari Teenage Riot in neuer Formation aus Alec Empire, Nic Endo und MC CX Kidtronik die Mengen in den Hangar, bis dieser voll war. Songs des aktuellen Albums Is This Hyperreal? zündeten zwar, aber ordentlich gepogt wurde natürlich vor allem bei Klassikern wie Too Dead For Me, Sick To Death, Start The Riot oder dem abschließenden Revolution Action, das der Band einst zu Viva Zwei-Zeiten sogar mediale Präsenz im Musikfernsehen zubrachte. Ein Gewitter aus Noise, Elektro, Strobo-Licht und prasselte da auf Hildesheim nieder und wusste, nachhaltig zu begeistern. Genau richtig gebucht, kann man da nur sagen!
Setlist: Activate, The Only Slight Glimmer of Hope, Black Flags, Shadow Identity, Into the Death, Too Dead for Me, Atari Teenage Riot, Sick to Death, Re-arrange Your Synapses, Is This Hyperreal, Codebreaker, Blood In My Eyes, Speed, Start the Riot, Collapse of History, Revolution Action

Das absolute Kontrastprogramm fand draußen statt: Mit ASP in neuer Besetzung gab es Gothic Rock, der die Menge begeisterte. Statt Matze nun mit Lutz von Umbra et Imago mit dabei, konnten die Gothic-Novellen von Alexander Spreng wie auch die Songs von Zaubererbruder wie auch von Fremd hier gut zünden. Mit Kunstschnee und vielen weiteren Effekten gab es einen guten Auftritt für Freunde von ASP. Natürlich ist und bleibt es Geschmackssache, was die Band veröffentlicht, die Show aber konnte sich definitiv sehen lassen.
Setlist: A prayer for Sanctuary, Schwarzes Blut, Kokon, Wechselbalg, Und Wir Tanzten, Sing Child, Schwarzer Schmetterling, Denn ich bin der Meister, Temple of Love, Satan, Werben, Biotopia, Ich will brennen

Im Hangar gab es währenddessen wohl den größten Exoten des diesjährigen Festivals zu sehen: Patrick Wolf vermochte es zwar nur, den Hangar in etwa zur Hälfte zu füllen, bot aber ein intimes Konzert mit Instrumenten-Vielfalt wie Geige, Keyboard, Gitarre usw., erfreute durch Interaktion mit dem Publikum und spielte sich durch seine Alben, mit Hits wie The Bachelor und dem abschließenden Wolf Song. Und wenn er dann einen Song wie Black Is The Colour mit einbaut, passt er eben doch gut in den M’era Luna-Kosmos. Erfreulich, dass man von Veranstalter-Seite den Weg fortsetzt, Jahr für Jahr ein paar dunkelbunte Farbtupfer mit ins LineUp einzusetzen. Wie gut das funktioniert, zeigte der Abend im Hangar.
Setlist: Armistice, Hard Times, Time of My Life, The Bachelor, Teignmouth, Bluebells, The Childcatcher, Black Is The Colour, Damaris, Tristan, Vulture, Together, The City, Wolf Song

Intime Atmosphäre im Hangar, Opulenz auf der Hauptbühne. Sharon den Adel, frisch aus der Babypause zurück, präsentierte sich mit Within Temptation in Top-Form auf der Hauptbühne und zündete ein Feuerwerk. Im wahren Sinne sowie auch im übertragenen. Pyro, Feuer, eine große LED-Wand – hier wurden tatsächlich alle Register gezogen. Und eine Setlist gut gemischt mit den großen Krachern und dem Sound des neuen Albums, das häufig den Eindruck macht, die Marschrichtung sei „weniger Symphonic, mehr Metal“. Songs wie Faster haben dabei eine gewaltige Energie und gesellen sich gut zu Songs vom Vorgänger wie What Have You Done aber eben auch Klassikern wie Mother Earth. Klar, Zugabe gefällig! Mit Deceiver of Fools und dem abschließenden Ice Queen durfte dann auch jeder glücklich ins Zelt kriechen. Oder eben wahlweise einen weiteren Abend in die Disko oder auf den Mittelaltermarkt.
Setlist: Our Solemn Hour, Faster, Angels, In The Middle Of The Night, Stand My Ground, Fire And Ice, The Howling, What Have You Done, Iron, Shot In The Dark, Sinéad, Mother Earth, Deceiver Of Fools, Ice Queen

Sonntag

Während sich das Wetter von seiner hässlichen Seite zeigte und das M’era Luna dank verschiedenst-farbiger Regenponchos und Regenschirme erstaunlich bunt wurde, stand bereits um 11:00 Uhr in der Frühe ein leicht kurioser Auftritt auf dem Programm. Pakt zogen bereits eine Menge Publikum aufs Gelände. Klar, standen hier doch auch Gio und Chris auf der Bühne, die kürzlich noch bei And One in der Besetzung waren. Während Steve Naghavi an einem entfernten Bierstand gesichtet wurde, spielten Pakt mit einem Intro und drei Songs leicht EBM-angehauchten Elektro mit einer guten Portion Wucht und deutschen Texten, der sich hören lassen konnte. Auch auf Bühnenshow wurde Wert gelegt – so gab es Fontänen zu Lichterloh sowie Mädchen mit Fahnen im Bühnenhintergrund. Ein Auftritt, der gespannt auf mehr macht. Leichte Verstimmung hinterließ bloß die Tatsache, dass man die ohnehin magere Spielzeit von 20 Minuten nicht ausnutzte, sondern nur 15 Minuten bot. Eben nicht nur kurzweilig, sondern leider auch wirklich kurz.
Setlist: Intro, Freiheit, Lichterloh, Angriff

Es folgten auf der Hauptbühne The Beauty Of Gemina, die solides Handwerk in Sachen Gothic Rock boten, jedoch nicht so richtig zündeten, es folgte daher der Gang in den Hangar zu Mirrors, die ohnehin fest eingeplant waren und als praktischen Nebeneffekt auch noch Schutz vor dem trüben Nass auf dem Gelände boten. Eine halbe Stunde großen Pop Noirs stand auf dem Programm. Die vier Briten in ihren schnieken Anzügen standen an ihren Synthies, verbreiteten gute Laune, 80er-inspirierte Popmusik mit Tiefgang und Emotion und zeigten eine halbe Stunde lang ihr ganzes Können mit Songs aus ihrem Album Lights and Offerings. Wer da war, bereute es nicht. Die Resonanz schien durchweg positiv. Völlig berechtigterweise!

Und auch L’âme Immortelle waren mal wieder da. Nicht als L’âme Immortelle, aber nachdem am Vortag bereits Thomas Rainer mit Nachtmahr aufspielte, war auch Sonja Kraushofer mit von der Partie und spielte mit ihrem neuesten Standbein Coma Divine im strömenden Hildesheimer Regen ein druckvolles Gothic Rock-Set. Viel Energie, die unverkennbare Stimme dazu und viel Herzblut waren es, die man da hören konnte. In den Songs versunken gab es eine tolle Show und Musik, die Lust auf mehr machte. Ein eigenwilliges Schauspiel bot sich dabei, als die Bühnenabdeckung an einer Stelle riss und einen nicht versiegenden Regenguss auf die Bühne mit sich brachte. Sonja Kraushofer interessierte dies indes wenig und sie sang ganz Profi weiter – seltsam sah es aber schon aus, wie während laufendem Konzertbetrieb panisch Leute mit Schrubbern über die Bühne laufen. Ob mit oder ohne Regenguss: Ein toller Auftritt!
Setlist: Burn Sister, The Odd One Out, From Time To Time, I Remember, Praise The Fallen, Secret Lover, Fast Lane, About A Girl

Es wurde wieder mittelalterlich, bzw. romantisch. Aber mal wieder ganz anders: Die Herrschaften von Coppelius waren der nächste Programmpunkt auf der wieder trocken gefeudelten Hauptbühne. Mit einer gehörigen Portion Überzeichnung und Selbstironie wurde hier die romantische Epoche zum Leben erweckt. Authentische Gewandungen, verzerrte Celli, Holzbläser und viel Bewegung auf der Bühne – all das ist Coppelius. Immer wieder mit Abstechern ins Metallische wurden hier viel Druck und viel Spaß gleichermaßen verbreitet, getreu dem Motto Coppelius Hilft. Leider tat der anhaltende Dauerregen der Stimmung vor der Bühne ein wenig Abbruch. Auf der Bühne war er gut. Eine abermals überzeugende Show!
Setlist: Handschuh, Risiko, Schöne Augen, Gumbagubanga, Klein Zaches, Habgier, Coppelius Hilft, Diener 5er Herren, I get used to it, Ade mein Lieb

Die auf der Hauptbühne folgenden Mono Inc. brachten sehr zur Freude des Publikums das gute Wetter mit. Zwar gab es auf dem Gelände so einige Swimming Pools, aber: Tatsächlich: Es blieb für den Rest des Tages trocken! Ach – und Musik gab es auch. Es wurde gerockt! Die Hamburger Dark Rock-Band hielt das Publikum bei bester Laune, präsentierte druckvolle Sounds, interagierte gekommt mit dem inzwischen zahlreich erschienen Publikum und scheute sich auch nicht vor einer The Passenger-Coverversion. Viel Mitklatschen, viel Bewegung, ein gutes Set. Wenn dann mit Get Some Sleep das Set beendet wurde, war an selbigen natürlich gar nicht mehr zu denken.
Setlist: This is the day, Symphony of Pain, Viva Hades, Forgiven, The Passenger (mit Drumsolo), Voices of doom, Get some sleep

Es war an der Zeit, mal wieder der Hangar-Bühne einen Besuch abzustatten. Schließlich gab es einen der seltenen Auftritte von Tyske Ludder zu sehen. Passend zum aktuellen Albumtitel Diaspora schwang man die Israel-Fahne und eröffnete mit Eugenix und dem bereits gut in die Beine gehenden Tempelberg. Untermalt mit Video-Projektionen gab es eingängigen EBM mit Härtefaktor, der stets für Bewegung sorgte und immer wieder zeigte, dass hier nicht einfach nur Musik gemacht wird, sondern eben auch Aussage dahintersteht. Im Mittelpunkt standen dabei das aktuelle Album sowie der Vorgänger Anonymous, was zu einem sehr starken 45minüten Set führte, an das man sich gerne erinnert.
Setlist: Eugenix, Tempelberg, Wie der Stahl gehärtet wurde, Der androgyne Held, Bastard, Wallfahrt, Canossa, Shokkz, Panzer, Merciless

Draußen indes abermals Kontrastprogramm: End of Green befanden sich bereits mitten in ihrem Set und unterhielten die Menge mit gefühlvollem Gothic Rock. Gekonnt dargeboten und mit viel Emotion zeigte die Band aus Stuttgart einen schönen Einblick in ihr beinah 20jähriges Wirken und konnte sich dabei einige Sympathien erspielen, auch unter denen, die diese Band bisher nicht auf dem Schirm hatten. Gute Unterhaltung zum Sonntagnachmittag.
Setlist:High Hopes in Low Places, Drink Myself To Sleep, Under the Sway, Killhoney, Hurter, Goodnight Insomnia, Tie Me A Rope, Sunday Mourning, Saviour

Nachdem ihr Sänger Teufel bereits zu früherer Stunde im Hangar ein Solo-Set gab, folgte er nun auf der Hauptbühne mit seiner Hauptband Tanzwut. Man muss es eigentlich gar nicht mehr dazu sagen: Wieder mal ein Szene-Urgestein, das hier die Bühne betrat. Dementsprechend groß natürlich auch der Zuspruch vor der Bühne. Dazu eine Setlist, die sich durch das Repertoire der Band spielte und einen hohen Mitsing-Faktor bot. Ihr wolltet Spaß beispielsweise oder auch das Die Ärzte-Cover Bitte Bitte. Keine großen Überraschungen, aber eben sehr gekonntes Handwerk.
Setlist: Toccata, Ihr wolltet Spaß, Meer, Merseburger Zaubersprüche, Lügner, Wächter, Bitte Bitte (Die Ärzte-Cover), Vulkan, Teufel Im Paradies, Der Arzt, Nein Nein, Schattenreiter

Ein wahres Highlight des Festivals sollte dann um 17:45 Uhr folgen. Mit Project Pitchfork betrat eine Band die Bühne, die sich selbst scherzhaft zuvor als „alte Hasen“ bezeichnete und schließlich auch in diesem Jahr ihr 20jähriges Jubiläum feierte. Die Band um Peter Spilles, Dirk Scheuber, Jürgen Jansen sowie ihre mitgebrachten Live-Musiker Carsten Klatte und Achim Färber zündete dabei ein Hit-Feuerwerk mit eingewobenen Songs des am Freitag zuvor erschienen Albums Quantum Mechanics. Freunde des dunklen Elektro und die nach wie vor große Fanschar der Band konnten sich über Songs wie Souls, Steelrose, Conjure aber auch neuere Songs wie Endless Infinity in dieser Zeitreise freuen. Ein Highlight dabei sicherlich der Gastauftritt Steve Naghavi, der zu Timekiller als Special Guest die Bühne betrat. Zwei der charismatischsten Frontmänner der Szene auf einer Bühne vereint und eine Top-Stimmung, die auch im weiteren Set durchweg anhalten sollte. Ein ganz starkes Set!
Setlist: Intro, Continuum, Timekiller (mit Steve Naghavi), Souls, Beholder; Mine (Beast of Prey, Steelrose, Conjure, Endless Infinity, I Am, Fire & Ice, Existence, Lament

Der Auftritt von Project Pitchfork war so einer dieser Art, bei der man dachte: Danach kann eigentlich gar nichts mehr kommen, was einen noch ansatzweise berührt. Weit gefehlt. Und schon alleine das war eine große Leistung des Sets von VNV Nation. Aber auch davon losgelöst betrachtet: Eine großartige Futurepop-Show, die Ronan Harris und Mark Jackson hier boten. Ronan wirbelte wie immer über die Bühne, verbreitete gute Stimmung und heizte das Publikum beständig an. Dabei zeigte er nicht nur seine inzwischen nahezu perfekten Deutsch-Kenntnisse, sondern auch, dass VNV Nation live eine absolute Marke sind. Songs wie Tomorrow Never Comes, Standing und co. zünden eindeutig und führten zu einem dankbaren Publikum. Als großes Finale gab es dann Beloved und Perpetual. Selbstläufer mit Gänsehautfaktor. Danke, VNV Nation!
Setlist: Chrome, Tomorrow Never Comes, The Farthest Star, Shine (Your Light On Me), Standing, Further, Control, Illusion, Beloved, Perpetual

Mit Hurts war es in diesem Jahr dann gelungen, als Headliner zum krönenden Abschluss noch eine absolute Top Ten-Band anzubieten. Das britische Elektro-Duo bot eine durchprofessionalisierte Show, die auch optisch etwas hergab. Nebst der durchaus vorhanden Bühnenpräsenz des Duos samt Live-Band boten zudem zwei Tänzerinnen auf der Bühne etwas für die Augen. Nachdem man Wonderful Life bereits an zweiter Stelle spielte, blieb die Show dennoch ansprechend und zeigte ein gutes Set der noch jungen britischen Formation. Mit Confide in me überraschte man durch eine Coverversion von Kylie Minogue, bevor spät im Set natürlich auch Stay nicht fehlen durfte, der zweite große Hit der Band. Mit Gloomy Sunday und Better Than Love wurde das M’era Luna 2011 dann pünktlich um 22:00 Uhr beendet mit einem wirklich schönen Abschluss.
Setlist: Intro, Silver Lining, Wonderful Life, Happiness, Blood Tears & Gold, Evelyn, Sunday, Verona, Unspoken, Mother Nature, Devotion, The Water, Confide in me (Kylie Minogue-Cover), Illuminated, Stay, Gloomy Sunday, Better Than Love

Und schon war es mal wieder vorbei. Ein äußerst gelungenes Festival-Wochenende mit toller Live-Musik, einer perfekten Organisation, vielen alten bekannten Gesichtern und großem Spaß trotz Regenwetters. Der erste Eintrag für den Kalender 2012 sollte damit schon einmal feststehen: 11./12. August 2012 – M’era Luna, Hildesheim Drispenstedt.

Weitere Artikel
Interview mit den Mirrors beim M’era Luna Festival 2011 (14.08.2011)
Interview mit Project Pitchfork beim M’era Luna Festival 2011 (14.08.2011)

Text: Marius Meyer
Bilder: FKP Scorpio (1, 7), Bernd Zahn (2), Michael Reimers (3, 4, 5, 6)