Konzertberichte Anne-Sophie, 31.01.2009
Moriarty – 27.01.2009, Leipzig UT Connewitz
Überraschungen sind mitunter das größte im Leben. Sie kommen meistens vollkommen unerwartet und sind es gute Überraschungen, dann hinterlassen sie ein wohlig warmes Gefühl im Bauch, glitzernde Äuglein und ein seliges Lächeln im Gesicht. Da Überraschungen nun mal universell sind, kann es nicht verwundern, dass auch ein Konzert, von dem man vorher so überhaupt keine Ahnung hat, wie es sich entwickeln könnte, eine riesige Überraschung sein kann und somit die Woche retten wird.
Möchte jemand ebenso eine überraschende Glückswoche haben, kann man nur ein Konzert von Moriarty empfehlen. Diese Band scheint ein Hit zu sein, wenn nicht sogar der Hit, bedenkt man die Füllmenge des UT Connewitz an ihrem Auftrittstag, zum ersten Mal in Leipzig. Proppevoll ist der schöne Saal und alle scheinen gespannt auf die sechsköpfige Band zu warten, deren Besatzung irgendwie von überall herkommt. Amerika, Frankreich, Schweiz… eine bunte Mischung auf jeden Fall. Man könnte meinen, dass sich diese Mischung ebenfalls auf das Publikum vor der Bühne übertragen hat – mal nicht nur die jungen Szene-Menschen, auch die etwas ältere Brigade, die immer noch Geschmack beweisen mag, drängelt sich um die guten Plätze in der ersten Reihe.
Da Drängelei nicht ewig gutgehen kann und das Gejohle und Geschreie nach den Künstlern bald ziemlich laut wird, haben diese wohl Erbarmen und stürmen kurz nach halb 10 die Bühne. Zuerst alle Männlein und dann kommt sie – Rosemary Moriarty, Sängerin und unübertreffliche Diva der Gruppe, die sogar einen kuschelig anmutenden Sessel auf der Bühne für sich stehen hat.
Was danach geschieht, kann man kaum in Worte fassen. Der Abend wir so bunt und knallig wie das Outfit der Rosemary Moriarty. Folkig, folkloristisch klingt die Musik in erster Linie, doch diese Menschen können so viel mehr. Jeder Song ist derartig wandelbar und artet immer wieder in einem großen Knalleffekt aus. Sei es nun ein Mundharmonika- oder ein Bass-Solo oder einfach nur ein wunderbares Zusammenspiel aller, das den Song aus seiner ursprünglichen Richtung herauslenkt, alles ist möglich bei Moriarty.
Die Lieder des Sextetts erzählen viele Geschichten, aber vor allem verschiedene. Mal geht es um ein Mädchen, das zur Armee und somit in den Krieg gehen soll; um einen Jimmy, der wieder zu den Büffeln in die Heimat müsste oder schlicht und ergreifend um die unergründliche Liebe. Moriarty sind nicht simpel gestrickt. Sie sind Geschichtenerzähler. Das hat alles mehr Tiefgang, als man vielleicht annehmen mag.
Doch sind auch diese sechs Menschen nicht einem kleinen Spaß abgeneigt, wenn sie zum Beispiel über ihre eigene Religion singen, die im Grunde das Verspeisen eines Jesus aus Schokolade zum Inhalt hat. Ebenso lustig und wunderschön gemacht: Das Cover vom Depeche Mode-Hit Enjoy The Silence. Nicht für das Publikum gesungen, sondern für Gilbert, den Kopf eines toten Tieres. Warum? „Nun ja, es war einfach sein Lieblingslied in den 80ern, da war der Gilbert noch jung“, hört man die Band sagen. „Außerdem muss er danach ins Bett.“ Was sind Moriarty also? Ergreifend anders, einfach sympathisch irre.
So ein bunter Abend kann natürlich nicht lange dauern. Leider. Denn viel zu toll sind die fünf kauzigen Männer mit ihren Instrumenten, die manchmal kleinen verrückten Jungs auf dem Spielplatz gleichen. Und viel zu herzbewegend ist Sängerin Rosemary, die einfach, sobald sie singt, subtile Sexyness versprüht, der man sich gar nicht entziehen kann.
Die Zugabe und somit das Ende des Abends kommt nach gefühlten drei Sekunden Wartens, Moriarty lässt sich gar nicht erst lange bitten, sondern macht das, was man nun mal gut kann: Verzaubern. Sicherlich nicht nur den Zuhörern zuliebe, immerhin merkt man, wie viel Spaß ihnen der Tumult auf der Bühne bereitet.
So verlassen also alle noch am gleichen Abend befriedigt und zufrieden das UT Connewitz. Und träumen von den Geschichten, die ihnen da gerade erzählt wurden.
Homepage: www.moriartyland.com
MySpace: www.myspace.com/moriartylands

Text: Anne-Sophie Kretschmer
Bild: PR
23 Feb 2009, 1:24 pm 1.Frank…
Tolle und treffende Rezension.
Frank (56)