Konzertberichte Marius, 15.06.2010
Motorpsycho – 08.06.2010, Hamburg Übel&Gefährlich
Termine in Hamburg sind immer wieder eine Freude. Ist das Tagwerk erst einmal vollbracht, hat man in aller Regel keine größeren Probleme, sich für den Abend noch eine interessante musikalische Abwechslung herauszusuchen, macht doch fast jeder Hochkaräter auf seiner Tour auch einen Abstecher in die Hansestadt. Dass die Fans das zu würdigen wissen, konnte man bereits früh erkennen – so sah man schon gegen 15 Uhr Menschen im Motorpsycho-Shirt am Bahnhof Dammtor herumlaufen. Bis etwa 21:30 Uhr mussten sie sich dann aber doch noch gedulden, bevor die drei Norweger die Bühne des Übel&Gefährlich betraten.
Bei den meisten anderen Bands würde man wohl – gerade angesichts einer über 20 Jahre andauernden Bandhistorie – meinen, dass 12 Songs etwas dürftig wären für eine Headliner-Show. Bei Motorpsycho allerdings funktioniert derartiges Zahlendenken nicht, denn mit den gespielten 12 Songs wurden hier mal eben zweieinhalb Stunden gefüllt. Ausufernde Stücke präsentierten sich hier in einem Rahmen, den auch schon das aktuelle Album Heavy Metal Fruit aufzeigte. Wie schon beim Album angemerkt: „Heavy Metal“ war auch das nicht, aber die Riff-Freude wie auch die Lautstärke ließen dem ganzen etwas Metallisches anhaften. Dazu gesellten sich immer wieder psychedelische Anklänge und verschachtelte Arrangements, die den Hörer forderten. Eine Herausforderung, auf die sich die rund 500 anwesenden Gäste gerne einließen – da wurde dann in den wilderen Momenten eben nicht nur die Mähne geschüttelt, sondern auch einfach nur mit offenen Mündern gebannt auf die Bühne gestarrt. Die verdichteten Gitarrenwände der Trondheimer gaben auch allen Grund dazu.
Dass hier Zugaben notwendig waren, muss wohl kaum erwähnt werden – schließlich kam die Band dann auch noch zweimal auf die Bühne zurück. Die erste Zugabe stand dabei ganz im Zeichen des Feueralarms. Tatsächlich gelang es 15 Minuten lang nicht, einen Fehlalarm des Feuermelders zu beruhigen, trotz allem hektischen Personal, das zu sehen war. Die Band schlug sich wacker gegen den Feueralarm und tat so, als sei nichts. Fraglich auch, ob dieser überhaupt auf der Bühne zu vernehmen war, denn von der Lautstärke her nahmen sich die beiden nicht viel… Als dann mit Gullible’s Travails das Konzert so endete wie das aktuelle Album, war der Alarm auch wieder verstummt – und man durfte gut gelaunt mit einem deftigen Tinnitus den Club verlassen. Für den hat es sich aber auch gelohnt. Wenn sich mal jede Band auf der Bühne soviel Mühe geben würde wie Motorpsycho, wäre die Konzertlandschaft ein ganzes Stück schöner.
Setlist: Sideway spiral, Wearing your smell, The ace, Little lucid moments, Mad sun, Starhammer, Plan #1, Chien/K9
Zugabe 1: Greener – Sparks – Mountain
Zugabe 2: Gullible’s travails
Weitere Artikel
Rezension: Motorpsycho – Heavy Metal Fruit
Homepage: motorpsycho.fix.no
MySpace: www.myspace.com/motorpsychopage

Text: Marius Meyer
Bilder: stereosofa