Im Moment am anderen Ende der Welt zu sein, kann durchaus sehr angenehm sein. Nicht nur, dass man dadurch nicht so wie die Daheimgebliebenen am Frieren ist und stattdessen in kurzer Hose und T-Shirt rumlaufen kann. Nein, es ergibt sich einem so auch die Möglichkeit, sich mal anzusehen, was in Sachen Metal auf der entgegenliegenden Seite der Weltkugel so los ist. Und was eignet sich dafür besser als Silvester, wenn man in Christchurch auf eine Veranstaltung wie „New Year’s Evil“ aufmerksam wird, auf welcher fünf neuseeländische Bands spielten und dann auch mit guter Musik ins neue Jahr starten würde. Nur aus letzterem wurde leider, wie im Laufe des Abends deutlich wurde, dann doch nichts.

Der Grund war, dass die Veranstaltung bereits um viertel vor zwölf vorbei war, da sich eine Unart, die in Deutschland ebenfalls schon beobachtbar ist, auch in Neuseeland vorhanden ist: Zwar haben fünf Bands gespielt, dafür war die Spielzeit der ersten vier mehr als begrenzt, weswegen teilweise weniger als zwanzig Minuten gespielt wurde. Auch schade, dass es weder Merchandise noch CDs zu kaufen gab. Denn dafür hätte man gerne Geld ausgegeben.

Das war aber noch zu verschmerzen, denn letztendlich war man ja hauptsächlich wegen der Bands dort. Diese kannte man zwar nicht, aber dennoch wussten alle zu überzeugen. Den Anfang machten Echolypse mit Ambient Metal, wobei nur drei Leute auf der Bühne standen: Ein Schlagzeuger, ein Keyboarder und ein Gitarrist. So trafen Riffs auf Soundscapes, was sowohl schön zu hören als auch durchaus nett anzusehen war - und das nicht nur wegen des „I Love Mum“-T-Shirts des Keyboarders.

Danach folgten Amidst Haze, die sehr rohen und brutalen Black Metal boten, der zwar nicht unbedingt spektakulär oder innovativ war, aber dennoch gut zu unterhalten wusste. Dabei fiel dann auch mal das Publikum auf, das neben Metallern wirklich jeglicher Richtung von Pagan, Pandabären, Death Metallern auch noch einige Partyluder bot, von denen sich zwei dann – offensichtlich schon sehr betrunken – auf die Bühne begaben und so lange mitfeierten, bis die Band die beiden mit Hilfe der Security von der Bühne verbannte.

Während Echolypse und Amidst Haze ärgerte man sich dann auch noch, dass man die Kamera zu Hause gelassen hatte (deswegen an dieser Stelle auch keine Fotos, außer der zur Verfügung gestellten Bilder von Amidst Haze), was sich dann bei Masorah massivst änderte und sich den Abend über auch nicht mehr ändern sollte. Ab jetzt gab es nämlich nur noch auf die Fresse – und das nicht auf, sondern auch vor der Bühne, wo sich langsam ein Moshpit, der mit dem schon dagegen gesittetet wirkenden Pogen, das man aus Deutschland gewohnt ist, nichts mehr zu tun hatte. Von diesem hatte man auch genug, nachdem es darin nicht nur einen auf die Nase und gegen den Kehlkopf gab, sondern dann noch gegen die Halsschlagader, worauf einem dann noch für ein paar Sekunden schwarz vor Augen wurde. War vielleicht auch besser, dort rauszugehen, denn im Laufe des Abends ging es noch so weit, dass Leute richtig auf einander losgingen, um sich zu prügeln und von den Securities getrennt werden mussten. Die Band war dagegen sehr gut und so konnte man von weiter hinten dann wenigstens mitbangen, bis dann Vixen Execution auf die Bühne kamen.

Was bei Vixen Execution deutlich wurde, war, dass die Band schon sehr lange existiert. Hatten die anderen Bands bislang noch nicht mal eine CD veröffentlicht, gibt es diese Band bereits seit zwei Jahren und hat in diesen wohl auch einiges an Bühnenerfahrung gesammelt, da diese sehr souverän auftrat und die Stimmung im Laden sehr stark pushte. Leider hat hierbei die Tontechnik geschlampt, da die Band später von einer Flötenspielerin und Geigerinnen unterstützt wurden, die aber nie zu hören waren. Dabei hätten diese den sonst sehr aggressiven Klang der Band interessant bereichert.

Den Abschluss gab dann Human, die in Neuseeland schon als Legende gelten, haben diese nach Aussagen einiger Neuseeländer auch schon mit Cannibal Corpse in Übersee gespielt. Ob das nun stimmt oder nicht, hab ich zwar nicht nachgeprüft, aber es ist sehr wahrscheinlich, dass das der Wahrheit entspricht: Eine kompromisslose Mischung aus Death Metal und Grindcore wurde hier geboten, wobei es erstaunlich war, wie technisch perfekt die Band klang. Wer bislang noch nicht genug hatte, konnte sich hier noch einmal richtig austoben, bis die Band dann um viertel vor zwölf aufhörte, zu spielen.

Danach hätte es ruhig noch weitergehen können, denn so richtig fertig war man dann doch noch nicht. Letztendlich bleibt aber ein sehr positiver Eindruck von der neuseeländischen Metal-Szene, von einigen Pogern mal abgesehen. Nur einem entkommt mittlerweile in Neuseeland nicht mehr: Deutschen. Denn selbst auf der Veranstaltung wurde man von jemandem mit einem Metalcamp-Shirt auf Englisch auf das Wacken-Bändchen angesprochen, nur damit beide dann feststellen, dass beide Deutsche sind. Fährt man nach Neuseeland, laufen einem ständig Landsleute über den weg, aber dort hätte man sie dann doch nicht erwartet. Doch selbst das störte nur wenig. Einziger Wermutstropfen war, dass es mit dem mit Metal ins neue Jahr kommen dann doch nicht geklappt hat, aber dafür gab es einen mehr als gelungenen Ausklang des letzten Jahres. Und da die Nacht noch jung war, war sie dann auch erst vorbei, als es langsam wieder hell wurde.

Weblinks
www.myspace.com/amidsthaze
www.myspace.com/masorah
www.myspace.com/vixenexecution
www.myspace.com/humanmetal

Text: Tristan Osterfeld
Fotos: Jenny Crowther