Konzertberichte Marius, 23.10.2005
Oasis – 20.10.2005, Hamburg Alsterdorfer Sporthalle
Gute zweieinhalb Jahre nach dem doch etwas glanzlosen Konzert in der aufgrund der Größe etwas fehlgebuchten Hamburger Color-Line-Arena machten Oasis nun auf ihrer diesjährigen Tour mal wieder Halt in Hamburg. Hamburg war neben Düsseldorf und Frankfurt eine der bloß drei Städte, die auf dieser Europatour in Deutschland auf dem Plan standen. Die Wahl der Alsterdorfer Sporthalle als Lokalität erwies sich als durchaus richtige Größenordnung. Mit den rund 3500 Zuschauern sah die Halle optimal gefüllt aus.
Nach der nachmittäglichen Anreise, Einchecken im Hotel und kurzem Besuch der Innenstadt brachte die U1 mich sicher zur Alsterdorfer Sporthalle. Der Fußweg von der nahegelegenen Haltestelle gestaltete sich nicht sonderlich schwierig, schließlich war ich ja nicht der einzige Zuschauer.
Als Vorband trat gegen 20 Uhr ein weiterer britischer Hype auf die Bühne: Art Brut. Die Band war bemüht und begeisterte in den ersten Reihen manch einen, begeisterte dabei aber bei weitem nicht jeden. Musikalisch war durchaus zu merken, dass diese Band ihr Handwerk beherrscht, aber der Hype um diese Band schien nicht nachvollziehbar. Insgesamt eine übliche Vorband: Nett, nicht weiter von Belang, die Vorfreude auf den Hauptact erhöhend.
Ein Blick auf die Bühne zeigte nach dem Support, dass Oasis sich aufs Wesentliche reduzieren: Die Musik. Außer einigen sehr gesamtbildwirksamen Lichterketten fand sich nichts auf der Bühne. Keine Videoprojektionen oder ähnliches. Gegen 21:15 Uhr reichte dann das bloße Ausschalten des Lichts in der Halle für einen euphorischen Applaus, der beinah so ausfiel, als hätten Oasis vor kurzem einen zweiten Wonderwall veröffentlicht. Zu den noch vom Band kommenden Tönen von Fuckin’ in the bushes marschierte die Band auf die Bühne – was auch das einzige Stück der Standing on the shoulder of giants bleiben sollte. Mit Turn up the Sun wurde ein guter Opener gewählt und das folgende Lyla brachte die Halle bereits in eine sehr gute Stimmung. Was nun folgte, war eine gute Mischung aus Hits und Stücken vom aktuellen Werk Don’t believe the truth: Mit Bring it on down zeigten Oasis ihre Qualitäten als Rockband und mit dem darauffolgenden Klassiker Morning Glory gab es dann auch kein Halten mehr in Hamburg Alsterdorf. Das Konzert entwickelte sich zum Selbstläufer. Die Songauswahl beschränkte sich neben der aktuellen Scheibe vordergründig auf die die Definitely Maybe und das Morning Glory-Album. Die letzten beiden Alben wurden dabei gänzlich ausgespart und auch die Be here now fehlte – nicht einmal Stand by me fand sich im Set. Dafür viele Klassiker der anderen Werke: Live Forever, Don’t look back in Anger, Cigarettes & Alcohol und auch das längst über den B-Seiten-Status hinaus avancierte Acquiesce heizten dem Publikum gut ein, um nur einige zu nennen. Nach einer guten Stunde beendete die Band mit Rock’n’Roll Star das Set. Vorerst. Die Zugabe ließ natürlich nicht lange auf sich warten. Diese wurde mit Guess god thinks I’m Abel eröffnet, rockte danach mit The Meaning of Soul solide weiter und beinhaltete mit Champagne Supernova einen weiteren Klassiker. Anschließend gab es als Rausschmeißer noch das umjubelte The Who-Cover My Generation. Unter großem Applaus verließ die Band nach etwa 90 Minuten die Bühne. Das Hallenlicht ging an, die Zuschauer waren glücklich.
Spätestens nach diesem Auftritt sollte klar sein: Oasis sind wieder da. Trotz oder gerade wegen der nicht wirklich vorhandenen Bewegung auf der Bühne ein Highlight. Liam Gallaghers sagenhafte Coolness, die partout nicht peinlich wirken will und das großartige Spiel der Band bewirken vor allem eines: Präsenz. Wenn diese auch in den Charts leider nicht mehr ganz so stark vorhanden ist, auf der Bühne sind und bleiben Oasis ein Mythos. Ein Konzert, das im Gedächtnis bleibt und zeigt, wer nach wie vor der Maßstab in Sachen BritPop ist.
Homepage: www.oasisinet.com
Text: Marius Meyer
Bild: PR