Konzertberichte Tristan, 18.03.2010
Paganfest – 12.03.2010, Bochum Ruhrcongress
Die Paganfest-Tour war ja bereits in einigen Städten unterwegs und viele Konzerte fehlten auch nicht mehr. bis sie vorbei ist, doch gerade die letzten Shows – unter anderem in Bochum, Antwerpen und Amsterdam – sind eigentlich die richtig spannenden. Denn neben den auf allen Konzerten vertretenen Bands Finntroll, Eluveitie, Dornenreich und Arkona sind zusätzlich noch Varg, Alestorm und Equilibrium vertreten. Da Dortmund auch nicht allzu weit weg ist, war es somit ein mehr als guter Grund, sich in den Ruhrpott aufzumachen, um diesem Abend im Bochumer Ruhrkongress beizuwohnen. Eine Stunde vor Konzertbeginn war dann Einlass und nachdem der Fotopass und alles weitere besorgt waren, betrat man mit Vorfreude die Halle.
Bevor es eigentlich losging, gab es aber noch genug andere Dinge, an die man sich erstmal gewöhnen musste. Dass die Paganfest-Tour natürlich eine Menge Freizeitheiden anziehen würde war ja klar, aber so viele wohlgenährte und durch die Halle „Odin“ brüllende Pagan-Metalltr mit Thorhammer und geflochtenem Ziegenbart, Leute in Kettenhemden oder Schnürhemden oder kleine Mädchen mit Brille, Zahnspange und Schandmaul-Shirt und andere ähnliche Besonderheiten hat man sonst nur selten auf einem Fleck. Ohnehin kam man sich auch während des Abends sehr alt vor, war das Publikum weitestgehend zwischen 14 und 18 bis 20 Jahre alt, wodurch man schon beim Reingehen den Altersdurchschnitt deutlich anhob.
Aber wegen so was ist man ja nicht dort gewesen, sondern wegen der Bands. Die erste Band des Abends sollte dann Arkona sein. Diese läuteten den Abend schon mit einem furiosen Start ein. Kurz nachdem die gut aussehende Sängerin Masha mit Fellen behangen anfing, Scream ins Mikro zu brüllen, war man schon gefangen. Während des Auftritts wurden sowohl zwei Stücke vom neuen Album gespielt – und zwar der Titeltrack Goi Rode Goi und Nevidal – sowie alte Klassiker der Band. Während der Gitarrensoli führte Masha noch schamanische Tänze auf, die die Atmosphäre der Lieder unterstrichen. Doch gerade, als es richtig klasse war, war es auch schon vorbei. Schade, Arkona hätten definitiv mehr Spielzeit verdient! Trotz lauter Forderungen gab es auch keine Zugabe, was aber wahrscheinlich eher am strikten Zeitplan lag denn daran, dass die Band keine geben wollte.

Als nächstes sollten dann Varg die Bühne betreten. Eine Band von der ich nur mal was gehört hatte, weil da irgendwas wegen eines Wacken-Auftritts und Rechtsextremismus-Vorwürfen war, weil der Sänger mal die dumme Idee hatte, ein Absurd-Shirt tragen zu müssen. Wie auch immer, gab es während des Konzertes deswegen auch eine Distanzierung. Der Auftritt überzeugte mich allerdings nicht davon, sich mit der Band zu beschäftigen, denn dieser wirkte trotz der Kriegsbemalung der Musiker und Lederrüstungen (aus Plastik?) zumindest steril. Zwar haben die Lieder alle gut geballert, aber Funke wollte einfach nicht überspringen. Wie Arkona spielten Varg eine halbe Stunde und das Konzert endete mit schließlich mit Wolfszeit, bei dem das Publikum energisch mitging. Das zeigt aber, dass ich mit der Tatsache, dass Varg mich nicht vom Hocker gerissen haben, alleine da stand. Das restliche Publikum sah das offensichtlich anders und ging zu Varg richtig ab. Aber Geschmäcker sind nun mal verschieden.

Weiter ging es mit Dornenreich und damit zu einer Band, die im Vergleich zum restlichen Lineup schon etwas exotisch wirkte. Denn im Vergleich zu allen anderen Konzerten ging es hier sehr ruhig und erhaben zu und das Konzert war unglaublich emotional und einfühlsam. Begann das Konzert noch Akustik-Gitarre im Sitzen, wurde schnell die E-Gitarre ausgepackt. Wie passend dazu war auch Evigas schmerzverzerrtes Gesicht, während die Band ihre Lieder zum Besten gab. Gehüllt war alles in unterkühltes blau mit viel Kunstnebel, was die Stimmung noch weiter verdichtete. Zusätzlich wurde noch ein Stück vom kommenden Album gespielt, dass schon viel versprechend Klang. Nach einer Dreiviertelstunde war dann ein Auftritt vorbei, der für Gänsehaut gesorgt hat und fast eine sakrale Atmosphäre in der Halle versprühte und in dieser Form an dem Abend einzigartig war.

Ein stärkeres Kontrastprogramm hätte es nach Dornenreich kaum geben können! Mit quietschendem und (wahrscheinlich absichtlich) richtig scheiße klingenden Midi-Intro und großer Ladies and Gentlemen-Ankündigung betraten Alestorm die Bühne – der Sänger mit dämlich aussehender Sonnenbrille. Und schnell wurde auch der Grund genannt, warum sie da waren: „To drink your beer and fuck your women.“ Na gut, wenn die schottischen Frauen genau so sind, wie schottisches Bier schmeckt, dann kann man das natürlich auch verstehen. Solche Sprüche kamen öfters während des Konzerts und wer die Band Wacken 2008 gesehen hatte, musste sich allen Ernstes fragen: Waren das dieselben Alestorm, die auf dem WOA noch etwas unbeholfen wirkten? Spaß hatten sie da auch schon gemacht, aber irgendwie schienen sie damals noch nicht genau zu wissen, wo sie hinwollen. Davon war hier keine Spur mehr. Ob nun der Größenwahn durch Alkohol kam oder ob sie sich wirklich zu Rampensäuen entwickelt haben, ist schwer zu beurteilen. Gespielt wurden unter anderem Keelhauled, Nancy the Tavern Wench, Famous old Spice, Black Sails at Midnight – alles Lieder, die jeder, selbst wenn er Alestorm noch nicht kannte und man schon in einem Zustand war, in dem man nicht mehr stehen konnte (auch wenn es bei den Getränkepreisen des Abends nicht so leicht war ,soweit zu kommen), problemlos den Refrain mitsingen konnte. Zum Schluss wurde noch Wolves of the Sea mit Unterstützung des TYR-Sängers Heri Joensen zum Besten gegeben. Unglaublich: Die ganze Zeit hat die Halle getobt wie auf keinem Konzert des Abends bislang, aber während ihres Auftritts wollten es Alestorm auch einfach wissen und forderten sogar eine Wall of Death, die prima funktionierte. Geil war’s allemal!

Mit etwas Verspätung betraten dann von martialischen Fanfaren begleitet Equilibrium mit neuem Sänger die Bühne. Dieser wirkte zumindest äußerlich schon mal deutlich eindrucksvoller als Helge Stang und leistete meiner Meinung nach auch gesangstechnisch bessere Arbeit als sein Vorgänger. Das änderte aber auch nichts daran, dass ich Equilibrium wenig abgewinnen konnte. Wenn man zwar nichts gegen Keyboards im Metal hat, aber durchaus was dagegen, wenn diese überhand nehmen, was bei Equilibrium ja auch mitunter vorkommen soll, wird das nachvollziehbar sein. Da war ich auch nicht der einzige, denn irgendwo auf dem Konzert hörte ich wen sagen, Equilibrium seien die Dragonforce des Black Metals. Ob man nun wirklich so fies gegenüber der Band (ob nun gegenüber Dragonforce oder Equilibrium, lassen wir mal dahingestellt) sein muss, soll jeder für sich entscheiden. Was bleibt, war trotz allem ein gutes Konzert, das für gute Stimmung im Saal sorgte. Und das Publikum hatten Equilibrium auch gut im Griff. Letztendlich: Nicht schlecht, aber wie bei Varg: einfach nicht meins…

Manchmal kommen Tourmanager auf interessante Ideen: Wenn eine Band wie Kreator auf Tour geht, sollte man auch vielleicht eine Vorband raussuchen, die dazu passt. Wenn nun aber vor Kreator eine Folkband namens Eluveitie spielt, könnte man vielleicht behaupten, dass diese Band deplaziert wirkt. So auch vor etwa einem Jahr, als ich die Band zum ersten Mal sah. Dass das dann nicht zwingend zu einem positiven Eindruck führt, ist vielleicht nachvollziehbar. Fakt ist aber: Als dann Eluveitie die Bühne betraten, kam die positivste Überraschung des Abends. Im angemessenen Umfeld wirkte die Band deutlich besser und riss so gut wie jeden in der Halle mit. Neben neuen Stücken wie Thousandfold und Nil wurde auch noch Omnos vom Akustik-Album Evocation gespielt. Während des Konzerts wurde das Publikum noch aufgefordert, einen Moshpit zu bilden, was aber eher aussah wie eine Polonaise. Die Quittung kam in der Forderung einer Wall of Death. Mit Tegernako erklang dann das letzte Lied, bei dem man den Eindruck bekam, Eluveitie wollten selber die Bühne nicht verlassen. Als dieser Zeitpunkt dann aber da war und Bühne geräumt wurde, sah man dies mit einem lachenden und weinenden Auge: Natürlich freute man sich auf den Headliner, aber Eluveitie hätten auch gerne länger spielen dürfen.

Und schließlich kam der Headliner und damit die letzte Band des Abends ebenfalls leicht verspätet auf die Bühne und es kam eine Stunde auf einen zu, die man so schnell nicht wieder vergessen sollte. Eluveitie hatten die Stimmung schon so hoch kochen lassen, aber bei Finntroll kochte sie über. So wurden genug Klassiker wie Trollhamaren und Jaktens Tid sowie einige Stücke vom neuen Album gespielt. Diese kannte ich zwar noch nicht, aber das wird sich mit dem Erwerb des Albums bald ändern, denn diese begeisterten auch sofort. Es gab tobenden Applaus und so viel Geschrei, dass es die bisher den ganzen Abend schon durchgehend gute Stimmung noch in den Schatten stellen sollte. All das wurde dann auch noch mit einer Zugabe belohnt, bis dann Finntroll um kurz vor Mitternacht die Bühne komplett räumten, die Lichter angingen und alles vorbei war.

Selbst wenn nicht jede Band einen begeistert hat, wie man es sich gerne gewünscht hätte, war es ein Abend, der in der Form so schnell nicht zu überbieten sein wird. Einziger Nachteil war, dass man nach dem Festival wirklich erschöpft war, was die Heimkehr dann nicht ganz so leicht machte. Als man zu Hause ankam fiel man jedoch hundemüde, dafür aber voll nachhallender Begeisterung, ins Bett.
Homepage: www.paganfest.eu
MySpace: www.myspace.com/paganfest
Text: Tristan Osterfeld